Hermann
Gross wurde
in Kronstadt
(Siebenbürgen)
geboren. Die
prägenden
Kräfte
seiner
Jugend waren
einerseits
die hohe
Kultur der
traditions-
und
selbstbewußten
Siebenbürger
Sachsen,
deren
städtisches
Bürgertum
die deutsche
Geistesentwicklung
durch die
Jahrhunderte
mitbestimmt
hatte,
andererseits
auch das
Erlebnis des
fremden
Volkstums
und die
Selbstverständlichkeit
des Umgangs
wie der
Verständigung
mit Menschen
verschiedener
Sprache und
Nationalität.
In die
entscheidenden
Jahre seiner
Entwicklung
fiel der
Zusammenbruch
der
Donaumonarchie,
der für
Siebenbürgen
einen
Staatswechsel
von der
ungarischen
zur
rumänischen
Hoheit
bedeutete.
Die Lehren
jener
Umbruchsjahre
wurden
bestimmend
für
seine
Charakterentwicklung.
Veranlagung
und
Jugenderfahrung,
fügten sich
hinfort auf
glückliche
Weise zur
Entfaltung
eines
weltoffenen
Wesens in
Verbindung
mit
überzeugter
Toleranz
gegenüber
fremdem
Volkstum und
Andersdenkenden.
Früh schon
waren die
Merkmale der
späteren
Forscherpersönlichkeit
vorgezeichnet:
Unkompliziertheit,
Realitätssinn,
Gründlichkeit
und
Praxisbezogenheit.
Gross begann
1921 sein
Studium der
Handelswissenschaften
und
moderner
Sprachen in
Kiel und
beendete es
an der
Handelshochschule
in Leipzig
mit dem
Diplomkaufmann
(1924), dem
Diplomvolkswirt
(1925), dem
Doktor der
Staatswissenschaften
(1927,
Dissertation:
„Deutsch-rumänische
Wirtschaftsbeziehungen");
1936
habilitierte
er sich
(Habilitation:
„Südosteuropa
– Bau und
Entwicklung
der
Wirtschaft").
Nach Abschluß
der Studien
wurde er
Assistent an
der
Bibliothek
des
Instituts
für
Weltwirtschaft
in Kiel,
doch bereits
ein Jahr
später ging
er nach
Leipzig
zurück und
half seinem
Lehrer
Wiedenfeld
beim Aufbau
des
Instituts
für Mittel-
und
Südosteuropäische
Wirtschaftsforschung
an der
Universität
Leipzig, das
Gross dann
von 1936
an als
stellvertretender
Direktor
führte. Hier
entwickelte
er sich zum
wirtschaftswissenschaftlichen
Südostforscher,
wobei ihn
seine
auffallende
Sprachbegabung
unterstützte.
Unter
wesentlicher
Mithilfe von
Gross wurde
ein Institut
für
Geschichte
und Kultur
Südosteuropas
geschaffen,
doch
vereitelte
der Krieg
dessen
Entwicklung.
Die
Leipziger
Institute
errangen
schnell den
in
Deutschland
und im
Ausland
anerkannten
Ruf eines
Zentrums der
gesellschaftswissenschaftlichen
Südosteuropaforschung;
sie brachten
grundlegende
und
wegweisende
Untersuchungen
heraus und
zogen die
Studenten
aus
Südosteuropa
– darunter
spätere hohe
Politiker –
an.
Im
Jahre 1939
nahm Gross
ein Angebot
der
IG-Farbenindustrie
AG, Berlin,
zur
Ausgestaltung
einer Wiener
Zweigstelle
ihrer
volkswirtschaftlichen
Abteilung
an. Gross
wurde Leiter
dieser
Abteilung;
gleichzeitig
war er
Dozent und
ab 1943
Professor
für
Volkswirtschaftslehre
an der
Universität
Wien und an
der
Hochschule
für
Welthandel
Wien. So
vereinigte
er eine
Reihe von
Forschungs-
und
Lehrtätigkeiten,
da auch der
Mitteleuropäische
Wirtschaftstag,
Berlin, in
Wien eine
Südoststiftung
zur
Heranbildung
junger
Kaufleute
für
Südosteuropa
errichtet
und die
Hochschule
für
Welthandel
zur
Durchführung
dieses
Programms
gewonnen
hatte. Diese
Zeit war von
reger
Publikationstätigkeit
begleitet
und reich an
fachlichen
und
menschlichen
Begegnungen;
dazu kamen
zahlreiche,
oft
mehrmonatige
Auslandsreisen,
die nach dem
Krieg noch
intensiviert
wurden.
Studien- und
Vortragsreisen
führten ihn
in alle
europäischen
Länder,
einschließlich
Ost- und
Südosteuropa,
in die
Türkei und
in die USA,
wo er auch
vorübergehend
Gastprofessor
an der
Universität
von Georgia
war. Im
Zusammenhang
mit der
Forschungstätigkeit
im Rahmen
der
volkswirtschaftlichen
Abteilung
der
IG-Farben
traten vor
allem
Studien über
die
Intensivierungsmöglichkeiten
der
Landwirtschaft,
über
Industrialisierung,
Ausbau des
Verkehrswesens
und der
außenwirtschaftlichen
Verflechtung
in den
Vordergrund.
Die
Erfahrungen
seiner
Tätigkeit
bei der
IG-Farben
konnte Gross
später im
Dienste der
deutschen
chemischen
Industrie
und darüber
hinaus der
deutschen
Wirtschaft
gegen die
Teilungsabsicht
der
Alliierten
auswerten.
Er stellte
zudem seine
Ideen und
praktischen
Erfahrungen
in den
Dienst einer
modernen
wirtschaftlichen
Entwicklungspolitik
zur
organischen
Erschließung
der
südosteuropäischen
Volkswirtschaft.
Bis 1957
arbeitete
Gross wieder
am Institut
für
Weltwirtschaft
in Kiel und
übernahm
dann eine
Professur an
der
Staatswissenschaftlichen
Fakultät der
Universität.
1962 berief
ihn die
Universität
München an
das Institut
für
Wirtschaft
und
Gesellschaft
Südosteuropas,
die erste
und einzige
Lehrkanzel
dieser Art.
1971 wurde
er
emeritiert.
Die deutsche
Südosteuropaforschung
und die
deutsche
Wirtschaftswissenschaft
besitzt in
Hermann
Gross einen
Gelehrten,
der eine
konstruktive
Synthese
zwischen
praktischer
Tätigkeit
auf Grund
persönlicher
Erfahrung
und
wissenschaftlicher
Forschung
und Lehre
gefunden
hat, dessen
Denken stets
auf das
Wesentliche
gerichtet
ist. Seine
Mitgliedschaft
bei
zahlreichen
Institutionen
und
internationalen
Vereinigungen
(so u. a.
Mitgründer
und
Vizepräsident
der
Südosteuropa-Gesellschaft
in München)
kennzeichnen
einen weiten
Aktionsradius.
Seine
Veröffentlichungen
behandeln
vorwiegend
wirtschaftspolitische
Fragen,
insbesondere
Ost- im
Südosteuropa,
Probleme der
wirtschaftlichen
Zusammenarbeit
in Europa
(EWG, EFTA,
COMECON) und
der
Weltwirtschaft.
Werke: Jens
Meier, Veröffentlichungen
von Hermann
Gross, in:
Die
Außenwirtschaft
Südosteuropas.
Entwicklung,
Probleme,
Perspektiven.
Hrsg. von J.
Meier und J.
Hawlowitsch,
Köln o. J.
(1970), S.
24-26.
Rotraut-Acker-Sutter
(1988)