Unter den
zahlreichen
gegenseitigen
Widmungen
von
Komponisten
nehmen die
beiden
Korrespondenzkompositionen
zwischen
Carl Philipp
Emanuel Bach
und Dietrich
Ewald von
Grotthuß
durch ihren
Anlaß eine
besondere
Stellung
ein: die
Übersendung
des
„Silbermannschen
Klaviers“
aus dem
Besitz von
C. Ph. E.
Bach an
Grotthuß.
Die beiden
Stücke sind
wiederholt
gedruckt
worden
(zuerst in
Mitau 1916
bei
Steffenhagen
& Sohn, Hg.
Otto Clemen)
und daher in
der
Gegenwart
häufiger im
Konzertsaal
zu hören,
nicht
zuletzt auch
wegen der
zur Zeit
besonders
protegierten
Aufführungspraxis
auf alten
Instrumenten.
So ist der
Name des
kurländischen
Landedelmanns
Dietrich
Ewald von
Grotthuß in
der
Musikgeschichte
wahrnehmbar
geblieben,
wenngleich
kaum als
Komponist,
denn als
Empfänger
des
Silbermannschen
Klaviers.
Als Sohn des
Landesbevollmächtigten
Johann
Gebhard von
Grotthuß und
dessen Frau
Charlotte
Agnesa von
Müllenheim
geboren, war
Dietrich
Ewald von
Grotthuß für
die
Offiziers-
oder
Beamtenlaufbahn
bestimmt. Er
hatte kurz
in der
preußischen
Armee
gedient,
aber wohl
seiner
schwächlichen
Gesundheit
wegen bald
seinen
Abschied
nehmen
müssen, um
sich mehr
und mehr der
Musik
zuzuwenden.
Er wurde als
ausgezeichneter
Klavierspieler
genannt,
welcher in
der
Residenzstadt
Mitau
musikalisch
Anschluß
fand. Hier
wäre der
gleichaltrige
Johann Georg
Witthauer zu
nennen, der
1767 in
Mitau als
Klavierlehrer
– auch in
der
herzoglichen
Familie –
tätig war,
und mit dem
Grotthuß in
freundschaftlicher
und
fördernder
Verbindung
stand.
Wiederholt
unternahm
Grotthuß
größere
Reisen, die
auch
musikalische
Ziele
hatten,
wenngleich
er immer
wieder auf
seine
schwächliche
Gesundheit
Rücksicht
nehmen und
Kurorte
aufsuchen
mußte. Ein
von ihm
verfaßtes
„Lied vom
Kanapee“,
das in einem
Liederbuch
von 1764 aus
dem
Familienbesitz
enthalten
ist, könnte
mit gewisser
Ironie
seinen
Gesundheitszustand
in Beziehung
zum Kanapee
gebracht
haben.
1773
heiratete er
Elisabeth
Eleonore von
Grotthuß aus
dem Hause
Geddutz, wo
das Paar nun
auch wohnte.
Daß zu der
Hochzeit C.
Ph. E. Bach
eine Kantate
geschrieben
hätte, ist
ein
wiederholt
fortgeschriebener
Irrtum.
Grotthuß hat
C. Ph. E.
Bach wohl
erst später
und
mindestens
zweimal in
Hamburg
besucht
(1780 oder
1781
sowie 1785)
und
vielleicht
auch
musikalische
Unterweisungen
erhalten.
Das
Silbermannsche
Klavier von
C. Ph. E.
Bach erwarb
Grotthuß
1781. Es
handelte
sich um ein
Clavichord
des
berühmten
Gottfried
Silbermann,
des
„Freiberger
Silbermann“.
Dieser war
nicht nur
als
Orgelbauer,
sondern auch
für seine
„überaus
leicht und
bequem zu
spielenden
Claviere“
berühmt
gewesen. Aus
dem
klagenden
Stück
„Abschied
vom
Silbermannschen
Klavier“ in
einem Rondo
e-moll, das
C. Ph. E.
Bach dem
Instrument,
„seinem
Liebling“
beifügte,
ist zu
hören, daß
ihm der
Abschied
schwergefallen
ist.
Grotthuß
bedankte
sich mit dem
fröhlichen
Stück
„Freude über
den Empfang
des
Silbermannschen
Klaviers“ in
einem Rondo
in C-Dur,
nun als
glücklicher
Besitzer
dieses
„Kleinods“.
Dies war
jedoch nicht
die einzige
musikalische
Beziehung
zwischen den
beiden. So
korrigierte
Bach die
Grotthußsche
Motette
„Herr, höre
meine Worte“
und führte
diese 1781
mehrmals in
Hamburg auf.
Davon
berichtete
Witthauer an
Grotthuß in
einem Brief
aus Hamburg
vom 19.
Januar 1782:
„Ihre
vortreffliche
Muse, so Sie
Herrn Bachen
gegeben
haben, habe
ich
vergangenen
Sommer in
hiesigen
Kirchen mit
dem grössten
Vergnügen
aufführen
hören, und
meine
Empfindungen
haben ihnen
vollen
Beifall
zugeklatscht.“
In einigen
Werken C. Ph.
E. Bachs
steht
Grotthuß in
der
Pränumeranten-Liste,
wiederholt
subskribierte
er sogar
mehrere
Exemplare.
Dadurch trat
er
wesentlich
für die
Verbreitung
des
Schaffens
von C. Ph.
E. Bach in
den
baltischen
Landen
ein.
Weitere
musikalische
Kontakte
bestanden zu
dem
langjährigen
Konzertmeister
der
kurländischen
Hofkapelle,
Franz Adam
Veichtner,
und auch zu
Johann Adam
Hiller, der
1781
erstmals
nach Mitau
gekommen war
und im Mai
1785 seine
Stelle als
kurländischer
Hofkapellmeister
in Mitau
angetreten
hatte. In
näherer
Beziehung
stand
Grotthuß mit
dem
Leipziger
Schriftsteller
Chr. F.
Weiße, der
1785 Pate
seines
Sohnes
Christian
wurde,
welcher sich
später als
Naturwissenschaftler
einen Namen
machte.
1784 und
1785 reiste
Grotthuß
über Leipzig
nach
Karlsbad zur
Kur, die nur
vorübergehende
Linderung
seiner
Leiden
bringen
sollte,
denen er im
Alter von 35
Jahren
erlag.
Hingewiesen
sei noch auf
seinen in
Staatsdiensten
stehenden
Bruder
Johann
Ulrich
(1753–1815),
ebenfalls
ein
Schöngeist,
der mit
Gedichten
und
Schriften
zur
Landeskunde
hervorgetreten
ist.
Anzunehmen
ist, daß das
kompositorische
Schaffen von
Grotthuß
wohl klein
gewesen ist.
Nachweisbar
ist noch
eine
zweistimmigen
Fuge e-moll
und Sonate
d-moll „per
il Cembalo“
von 1777.
Mehr scheint
sich nicht
erhalten zu
haben, auch
nicht das
Silbermannsche
Klavier.
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Bild:
Private
Ostdeutsche
Studiensammlung.
Helmut
Scheunchen