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Das Lebenswerk Günther Grundmanns kann man mit dem Kulturerbe und der
lebendigen Kunst Schlesiens identifizieren, obzwar damit noch lange
nicht alles über ihn gesagt ist. Der aus einer alten Kaufmannsfamilie
Stammende wurde in Hirschberg, in herrlicher Naturlandschaft, in einer
von Geschichte und Kunstgeschichte Schlesiens geprägten Stadt und in
einer Region geboren, die vor allem durch Meister der Mystik und die
Brüder Gerhart und Carl Hauptmann in die Literaturgeschichte eingegangen
ist. Grundmann studierte Kunstgeschichte an den Universitäten München
Breslau, wo er 1916 promoviert wurde.
Die erste Lehrtätigkeit führte den jungen Kunsthistoriker zurück in
seine Heimat als Dozenten an die traditionsreiche Holzschnitzschule Bad
Warmbrunn (übrigens hat er nicht lange vor seinem Tod seinen letzten
Vortrag zur Kunst Schlesiens in Hamburg auf einer Tagung des die
Tradition der Schule weiterführenden Bildhauerkreises Ernst Rülke
gehalten). 1937 wurde er Lehrbeauftragter für Denkmalpflege an der
Universität Breslau. 1938 erhielt er den Lehrstuhl für Baugeschichte und
Bauformenlehre an der Technischen Hochschule ebenda.
1932 war Grundmann Provinzialdenkmalpfleger für Niederschlesien. In
diesem Amte erwarb er sich hohe Verdienste um die Erhaltung kostbaren
Kulturguts, insbesondere in den Kriegs- und Krisenjahren, als es ihm
weit vorausschauend gelang, hervorragende Kunstschätze in und aus
Schlesien zu bergen. Nach einer Zwischenstation auf der Veste Coburg als
Direktor der dortigen Sammlungen kam er 1950 als Direktor an das
Altonaer Museum in Hamburg (bis 1959), wo er stets auch um die Pflege
und Bekanntmachung der Kunst aus Schlesien in allen ihren Bereichen
bemüht war, ohne die allgemeinen Aufgaben zu vernachlässigen, die ihm
neben seiner Museumstätigkeit durch die Betrauung mit Amt des
Landesdenkmalpflegers, ab 1951 als Vorsitzender der Vereinigung
Deutscher Landesdenkmalpfleger und – im selben Jahr – als
Honorarprofessor an der Universität Hamburg zufielen.
Als Grundmann 1959 aus dem aktiven Dienst ausschied (ausgezeichnet mit
dem Großen Bundesverdienstkreuz), setzte er sich noch lange nicht
zur Ruhe. Er widmete einen beträchtlichen Teil seiner Zeit seinen
Ehrenämtern in Wissenschaft und Kulturpflege, als Vorsitzender, dann als
Ehrenvorsitzender des Kulturwerks Schlesien oder im Herder-Institut, in
dem er für den Kunstbereich Maßstäbe setzte, Publikationen verfaßte oder
anregte und Sammlungen anlegte (Bilddokumentationen der Kunstwerke
Schlesiens im Lande und der Kunst des Ostens in Sammlungen der
Bundesrepublik Deutschland). Zudem wirkte er im
Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat, dessen Präsident er von 1963 bis
1972 war, als Mitglied der Deutschen Unesco-Kommission, in den
Stiftungsräten des Ostdeutschen Kulturrats und der Ostdeutschen Galerie
Regensburg.
Unter den vielen Ehrungen und Auszeichnungen, die Grundmann zuteil
wurden, müssen vor allem der Preis für Denkmalpflege der
Fritz-Schumacher-Stiftung 1963 und der Georg-Dehio-Preis der
Künstlergilde 1966 hervorgehoben werden.
Günther Grundmann, von grandseignoraler Erscheinung und zugleich von
herzlicher Unmittelkeit, vor allem, wenn es sich um seine großen
Anliegen, nämlich Kunst und Kultur Schlesiens handelte, verband auf
glückliche Weise immenses Wissen und eine geradezu unheimliche Fülle von
Detailkenntnissen mit Qualitätsbewußtsein und dem großen Überblick, mit
dem Gespür für das Wesentliche. Grundmann erfüllte
Verantwortungsbewußtsein für das Schöpferische und das Geschaffene, und
er hatte die Gabe, seine Gelehrsamkeit auf glückliche Weise in
Allgemeinverständlichkeit zu übersetzen, im geschriebenen wie im
gesprochenen Wort ebenso den anspruchsvollen Fachmann wie das allgemeine
Publikum anzusprechen und zu begeistern – als ein Forscher, Bewahrer,
Erneuerer, Sammler und Vermittler.
Grundmann war auch ein leidenschaftlicher Zeichner, der aus seiner
Heimat wie aus verschiedenen Kulturlandschaften, die er aufsuchte, mit
Stift und Pinsel festgehaltene architektonische und topographische
Schönheiten als bleibende Ausbeute mitbrachte. In dem zu seinem 75.
Geburtstag erschienenen Bildband und einigen Ausstellungen ist das
dokumentiert. Die Künstlergilde will diese seine schöpferische Seite in
einer Ausstellungsreihe im Jahre 1992 in Erinnerung bringen.
Grundmann konnte auch sehr streng und leidenschaftlich werden, etwa,
wenn er historische Gegebenheiten, namentlich solche des deutschen
Ostens, verfälscht sah. So trat er in mehreren Publikationen und im
Rundfunk Kardinal Wyszinski entgegen, nachdem dieser in Breslau
proklamiert hatte, aus den Steinen des Breslauer Doms spräche „die
polnische Seele“.
Noch ist nicht alles veröffentlicht, was Grundmann geschrieben hat.
Bereits die ersten, heute kaum noch erreichbaren Veröffentlichungen
galten Schlesien, so die Gruftkapellen des 18. Jahrhunderts in
Niederschlesien und der Oberlausitz, 1916, Die schlesischen
Architekten im Dienste der Herrschaft Schaffgotsch und der Prostei
Warmbrunn, 1931, Das Riesengebirge in der Malerei der Romantik,
1931,Die Baumeisterfamilie Frantz, 1934, Die Klosterkirche in
Trebnitz, 1940, oder Karl Friedrich Schinkel. Band Schlesien des
Gesamtwerkes, 1941. Zu den führenden Geistern, denen Grundmann
nahegekommen war, zählte Gerhart Hauptmann. Seine Erinnerungen an ihn
hat er 1953, eine Monographie über seinen Urgroßvater Friedrich Wilhelm
Grundmann, einen Industriepionier in Oberschlesien, 1956 vorgelegt. In
seinem Erinnerungsbuch „Erlebter Jahre Widerschein“ stehen neben vielen
anderen auch Kapitel über seine Begegnungen mit Gerhart Hauptmann.
Weitere Werke:
Das Riesengebirge in der Malerei der Romantik, München 21953.
– Dome, Kirchen und Klöster in Schlesien, Frankfurt am Main 1963. – Die
Warmbrunner Holzschnitzschule im Riesengebirge. Silesia, Publikationen
des Kulturwerks , München 1967. – Kunstwanderungen in Schlesien, München
1966. – Barockfresken in Breslau, Frankfurt am Main 1967. – Zum
Vergnügen gezeichnet, Frakfurt am Main 1967. – Der evangelische
Kirchenbau in Schlesien, Frankfurt am Main 1970. – Schlesische
Barockkirchen und Klöster. Lindau und Konstanz 1958. – Kunstwanderungen
im Riesengebirge, München 1969. – Erlebter Jahre Widerschein, 1972. –
Von schönen Häusern, guten Freunden und alten Familien in Schlesien,
München 1972. – Stätten der Erinnerung. Grabmale und Denkmäler aus acht
Jahrhunderten, Konstanz 1964. – Stätten der Erinnerung. Denkmäler
erzählen schlesische Geschichte, München 1966. – Unsere Städte in
Gefahr. Ihre Vergangenheit und ihre Zukunft, Hamburg 1964. – Burgen,
Schlösser und Gutshäuser in Schlesien, Frankfurt a. M. 1970 mit Wolf
Schadendorf: Schlesien, München 1962.
Bild:
Künstlergilde Esslingen
Ernst Schremmer
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