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Die
Ahnen Heinz Guderians lebten seit dem 18. Jahrhundert als Gutsbesitzer
und meistens Juristen westlich von Bromberg. Durch die Großmutter,
Enkelin und Urenkelin preußischer Generale, kam das militärische Element
in die Familie. Der Vater war Soldat, zuletzt Generalleutnant. Die
Mutter war die Tochter Kirchhoffs, Besitzer eines Rittergutes im Kreise
Kulm.
Heinz
wuchs mit seinem Bruder in harmonischer, kultivierter Atmosphäre
auf. Er bestand das Abitur an der Kadettenanstalt in Berlin. Als
Leutnant heiratete er 1913 Margarete, Tochter des späteren Generalarztes
Dr. Goerne. Sie schenkte ihm zwei Söhne und Glück bis zum Tod. Noch 1913
bezog er als jüngster Teilnehmer die Kriegsakademie (in die nur etwa ein
Fünftel der sich Meldenden aufgenommen wurde). Diese
Generalstabsausbildung konnte erst im Weltkrieg abgeschlossen werden;
Guderian erlebte ihn als Funkoffizier, ab 1915 als Nachrichten-, dann
als Generalstabsoffizier in verschiedenen Stäben. Nach dem Krieg
entschloß er sich, Soldat zu bleiben, hauptsächlich, um den deutschen
Osten zu schützen. Die Monate im Grenzschutz-Oberkommando, die Kontakte
mit der meuternden Eisernen Division im Baltikum prägten sich dem
30jährigen ein, unauslöschlich.
Während
der weiteren Lehrjahre (Truppentransportaufgaben in Berlin, 2. Division
in Stettin) studierte Guderian bewegliche Kriegsführung,
in seinen Augen einzige Erfolgsmöglichkeit eines kleinen Heeres. Dann,
als Chef der Inspektion der Verkehrstruppen, planten er und sein Stab
selbständige Panzer-Großverbände. Und 1935 wurden die ersten drei
Panzerdivisionen geschaffen, gegen die französisch geprägte Ansicht des
Generalstabes (Panzer nur Hilfswaffe der Infanterie), mit Unterstützung
Hitlers, der hier eine Möglichkeit sah, die Abhängigkeit von den alten
Siegermächten loszuwerden.
1936-38
führte Guderian die 2. Panzerdivision, dann das XVI. Armeekorps. Er
schrieb das grundlegende Buch „Achtung – Panzer!“ Guderian war an den
Einmärschen in Österreich und im Sudetenland beteiligt. „Überall wurde
unseren Soldaten der gleiche ergreifende Empfang bereitet“, schreibt er.
Seine steile Laufbahn setzte sich im Zweiten Weltkrieg fort. Jetzt
zeigte sich, wie richtig er die Panzertruppen aufgebaut hatte und wie
sehr ihm ihre Führung lag. Er gab seinen Unterführern „Fahrkarten bis
zur Endstation“, mischte sich also grundsätzlich nicht ein in die
Durchführung. Aber er war ständig bei der Truppe, riß mit, scheute keine
Gefahr, erkannte rasch, wo geholfen werden mußte, führte mit Einsatz
aller modernen Hilfsmittel und äußerster Energie. Es ist unmöglich, im
Rahmen dieser Skizze näher auf seine Führungsleistungen einzugehen, den
Durchbruch bei Sedan, den Raid an die Kanalküste und die Einkesselung
der Maginot-Verteidigung 1940, die gewaltigen Operationen des
Generalobersten in Rußland 1941. Weil er im Dezember 1941 vernünftig und
menschlich, aber gegen Befehl handelte, wurde er entlassen. Man brauchte
ihn wieder im Februar 1943. Als Generalinspekteur der Panzertruppen gab
er diesen wieder Mittel und Mut zu kämpfen. Nach dem Attentat auf Hitler
am 20. Juli 44 übernahm er zusätzlich die „Wahrnehmung der Geschäfte des
Chefs des Generalstabes des Heeres“, der für die Ostfront verantwortlich
war. Er schreibt: „Ich wäre in meinen eigenen Augen ein Schuft und
Feigling geworden, wenn ich nicht den Versuch unternommen hätte, das
Ostheer und die Heimat Ostdeutschland zu retten.“ Es ist nicht gelungen.
Aber wenn nicht Guderian allen unsinnigen Befehlen Hitlers zum Trotz
geschickt und hartnäckig gehandelt hätte, würde wohl die Grenze zwischen
den beiden Deutschland weiter westlich verlaufen.
In der
Kriegsgefangenschaft (bis 1948) und während
der wenigen Jahre, die ihm nachher verblieben, war er ein sehr aktiver
Militärschriftsteller, schrieb
auch sein zweites Hauptwerk,
„Erinnerungen eines Soldaten“. Sicher war er ein begnadeter Soldat, aber
auch ein verantwortungsbewußter Staatsbürger. Er riskierte sein Leben,
indem er z.B. ein früheres Ende des Krieges herbeizuführen suchte, nach
dem Attentat mehrere Offiziere vor der Exekution rettete und rückhaltlos
seine Überzeugung vor dem Diktator vertrat und deshalb im März 1945 als
Generalstabschef vorzeitig entlassen wurde.
Lit.: Bradley, Dermot: Generaloberst Heinz Guderian und die
Entstehungsgeschichte des modernen Blitzkrieges, Oldenburg 1978; Walde
Karl J.: Guderian, Frankfurt/ M.
– Berlin –Wien 1976.
Karl J. Walde (1988)
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