Josef Gungl
kam in
Zsámbék/Schambeck
zur Welt und
starb 1889
in Weimar.
Sein Lehrer
unterwies
ihn als
erster in
Musik,
später, als
er
Lehrergehilfe
im
Heimatbereich
war,
unterrichtete
ihn der
Regenschori
Saemann in
Ofen. 1828
rückte er
nach Pest
ein, 1835
ging er als
Oboist zum
4.
Artillerie-Regiment
nach Graz,
wo er nach
dem Abschied
des
Kapellmeisters
dessen
Posten
antreten
durfte. Dort
führte er
die
Orchestermusik
(mit
Saiteninstrumenten)
für
öffentliche
Vergnügungen
ein.
Gungl wurde
der „Grazer
Strauß"
genannt.
1836 schrieb
er seine
erste
Komposition,
den
„Ungarischen
Marsch".
Insgesamt
schuf er 436
Werke
(Märsche,
konzertante
Walzer,
Polkas und
andere
Tänze), die
alle beim
Berliner
Verlag Bote
& Bock
verlegt
wurden;
weitere
Verlagsorte
seiner
Schöpfungen
gab es in
Rußland,
England,
Italien,
Amerika und
Australien.
Beim Militär
blieb Gungl
bis April
1843. Mit
einer
daraufhin
gegründeten
Kapelle aus
16
steirischen
Musikern
unternahm er
eine Tournee
durch
Oberösterreich,
nach
München,
Augsburg,
Nürnberg und
Frankfurt am
Main. Im
Herbst
desselben
Jahres
stellte er
in Berlin
eine 36 Mann
starke
Kapelle auf,
mit welcher
er bis 1848
auftrat.
Zwischendurch
führte ihn
eine
Konzertreise
nach Wien,
Pest und in
einige
deutsche
Städte. Am
15. Oktober
1848 begab
er sich mit
30 Musikern
nach
Amerika, wo
er in New
York,
Boston,
Philadelphia,
Baltimore
usw.
Konzerte
gab. Bei der
Amtseinführung
des
US-Präsidenten
John Taylor
war Gungl
seitens der
Regierung
mit der
musikalischen
Umrahmung
betraut.
Ende August
1849 aus der
Neuen Welt
zurückgekehrt,
gastierte er
in St.
Petersburg
und Pawlowsk.
In Wien,
wohin er
1856 ging,
war es ihm
nicht
gelungen,
sich gegen
Johann
Strauß
durchzusetzen,
so daß er
vorübergehend
wieder
Militärkapellmeister
(in Brunn)
wurde. In
München
gründete
Gungl 1864
wiederum
eine
Kapelle, mit
der er
Berlin,
Kopenhagen,
Stockholm,
Amsterdam
und die
Schweiz
bereiste.
1872
übersiedelte
er von
München nach
Berlin, wo
er im
Konzerthaus
auftrat. Von
hier
erfolgten
Abstecher
nach Breslau
und
Warschau. In
London
dirigierte
er 1873 ein
100 Mann
starkes
Orchester.
Die nächsten
Stationen
waren
Schwerin,
wiederum
München und
1880,
abermals für
vier Wochen,
London. 1881
dirigierte
er ein
Orchester
bei den
Opernbällen
in Paris.
Danach trat
er noch in
Bremen, Köln
und Weimar
auf.
Es ist
naheliegend
anzunehmen,
daß der
Meister bei
seinen
Konzerten in
erster Linie
seine
Eigenschöpfungen
ins Programm
nahm.
Dennoch – er
hatte in
sein
Repertoire
auch
Symphonien
und andere
Werke der
gehobenen
Musikkultur,
z.B. Haydn,
Beethoven,
Mozart und
Mendelssohn,
einbezogen.
Wie der
Gungl-Forscher
Alfred
Dreher
nachweisen
konnte, gab
der schon
längst
international
populär
gewordene
Kapellmeister
z. B. in
Hamburg 1878
gemeinsam
mit Eduard
Strauß
öffentliche
Konzerte.
Übrigens –
die
Kurkapelle
in Bad
Reichenhall
wurde 1868
von Josef
Gungl
gegründet;
er übergab
sie später
seinem
Schwiegersohn,
Gustav
Paepke
(1853-1933),
der auch
kompositorisch
tätig war.
Gungls
Töchter
Virginie,
Katharina,
Maria,
Cajetana und
Martha waren
ebenfalls
musikalisch
begabt und
wurden
entsprechend
ausgebildet.
Die
Beliebtheit
Josef Gungls
bis zu
seinem Tode
in Weimar
fand in
München
insofern
einen
besonderen
Höhepunkt,
als bereits
1864, da er
in die Stadt
kam, eine
Kapelle mit
der
Bezeichnung
„Dilettantenverein
Wilde Gungl"
gegründet
wurde, die
später in
„Münchner
Orchesterverein
Wilde Gungl"
umbenannt
wurde und
heute noch
besteht.
In einer
Schrift über
seine
Heimatgemeinde
heißt es bei
Franz
Jelinek
hierzu
wörtlich: „Gungl
selbst
behielt gute
Beziehungen
zu dieser
Kapelle, sie
überdauerte
sogar seinen
Daueraufenthalt
in München.
Er
bezeichnete
sie jedoch
mit dem
Namen
»Kapelle à
la Gungl'".
Der
Initiator
dieser
Neugründung
war der
Jurist Ernst
Rutz, der
von dieser
seiner Idee
so
„fanatisch
begeistert"
war, „daß
man ihn auch
,den Wilden
Gungl'
nannte"; das
erfahren wir
aus der
Festschrift
des Vereins
vom Jahre
1970. Rutz
war übrigens
in den
ersten zehn
Jahren auch
der Dirigent
der neuen
Kapelle.
Über den
etwas
eigenartig
klingenden
Orchesternamen
klären die
„Informationen
1970" des
Vereins auf:
„Den
Hauptsitz
hatte Gungls
Orchester
von
1864-1870 in
München. Im
Stil dieses
Orchesters
wollten die
ersten
Spieler
unseres
Vereins
überwiegend
musizieren.
Da aber
unser
Laienorchester
nicht die
echte ,
Gungl' war,
nannten sich
die ,wilde',
ähnlich wie
man eine
nicht
legitime Ehe
eine wilde
nennt. Man
darf aber
nicht
glauben, daß
unsere
Gründer
wilde und
unbändige
Radaubrüder
waren. Wir
haben diesen
alten Namen,
welcher mit
unseren
heutigen
Bestrebungen
nichts mehr
zu tun hat
und jemand,
der uns
nicht kennt,
über den
Charakter
unseres
Musizierens
leicht
irreführt,
beibehalten,
weil der Ruf
unseres
Orchesters
mit diesem
Namen
verbunden
ist."
Abb.: Josef
Gungl –
Büste im
Heimatmuseum
Bad
Reichenhall
(Aufnahme:
Alfred
Dreher,
Heilbronn,
1986)
Robert Rohr