Jakob
Guttmann
stammte aus
einer seit
Generationen
in
Oberschlesien
und Mähren
ansässigen
Familie, in
der die
Beschäftigung
mit
rabbinischem
und
talmudischem
Wissen eine
lange
Tradition
hatte. Die
erste
religiöse
Ausbildung
erhielt er
durch seinen
Vater, den
Kaufmann
Moses
Guttmann,
der ihn in
die Lektüre
der Heiligen
Schriften
einführte.
Zugleich
ermöglichte
ihm das
Elternhaus
die
Begegnung
mit der
Literatur
der
deutschen
Klassik.
Nach dem
Schulbesuch
in seiner
Heimatstadt
Beuthen
wechselte
Guttmann
1861 mit der
Untersekunda-Reife
an das
Jüdisch-Theologische
Seminar in
Breslau
über, das zu
den
angesehensten
Lehranstalten
Deutschlands
zählte. Dort
lenkten
Zacharias
Frankel und
Heinrich
Graetz das
Interesse
des begabten
Schülers auf
die jüdische
Theologie
und
Philosophie
des
Mittelalters
sowie der
Neuzeit.
Gleichzeitig
bestärkten
sie ihn in
der von
seinem Vater
grundgelegten
Einstellung,
wonach die
jüdische
Literatur
mit modernen
wissenschaftlichen
Methoden zu
erforschen
sei.
An der
Friedrich-Wilhelms-Universität
der
schlesischen
Metropole
vertiefte
Guttmann
seine
philosophischen
Studien, die
er 1868 mit
der
Promotion
zum Dr. phil.
abschloß. In
seiner
Dissertation
De
Cartesii
Spinozaeque
philosophiis
ging es um
das
Verhältnis
zwischen
zwei
wesentlichen
Gestalten
der frühen
Aufklärung.
Daran
anschließend
wandte sich
Guttmann
verstärkt
der
mittelalterlichen
Philosophie
zu. 1874
wurde er in
die Leitung
des
Landrabbinats
zu
Hildesheim
berufen, wo
er fast zwei
Jahrzehnte
von 1874 bis
1892 wirkte.
In dieser
Zeit
verfaßte er
neben
zahlreichen
kleineren
Artikeln
auch drei
Monographien,
die in der
Fachwelt auf
ein großes
Echo
stießen.
1879
erschien
Die
Religionsphilosophie
des Abraham
ibn Daud aus
Toledo. Ein
Beitrag zur
Geschichte
der
jüdischen
Religionsphilosophie
und der
Philosophie
der Araber,
worin der
Verfasser
einen wenig
bekannten
Vorgänger
von Moses
Maimonides
kritisch
würdigte.
Die 1882
veröffentlichte
Religionsphilosophie
des Saadia
war einem
der
bedeutendsten
jüdischen
Gelehrten
des
Mittelalters
gewidmet,
der unter
anderem die
hebräische
Bibel ins
Arabische
übersetzt
hatte.
Beiden
Arbeiten
Guttmanns
wie auch der
Philosophie
des Salomon
ibn Gabirol
(Avicebron)
aus dem
Jahre 1889
gingen
umfangreiche
Quellenstudien
anhand der
jüdischen,
arabischen
und
griechischen
Urtexte
voraus.
Später
verlagerte
Guttmann den
Schwerpunkt
seiner
Forschungen
auf die
jüdisch-christlichen
Beziehungen
im Früh- und
Hochmittelalter.
So
entstanden
Das
Verhältnis
des Thomas
von Aquino
zum Judentum
und zur
jüdischen
Literatur
(1891) und
Die
Scholastik
des 13.
Jahrhunderts
in ihren
Beziehungen
zum Judentum
und zur
jüdischen
Literatur
(1902). In
letzterer
Abhandlung
erörterte
Guttmann den
Einfluß von
Maimonides,
Gabirol und
Isaak
Israeli auf
Albertus
Magnus, Duns
Scotus und
andere
christliche
Theologen.
Dabei
verstand er
es, die
jüdische
Sicht
herauszuarbeiten,
ohne den
christlichen
Leser zu
verletzen.
1892 berief
die jüdische
Gemeinde in
Breslau den
inzwischen
weithin
bekannten
und
geschätzten
Gelehrten zu
ihrem
Vorsteher.
Dieses Amt
bekleidete
Guttmann bis
zu seinem
Tode. Von
den
zahlreichen
Publikationen
seiner
letzten
Schaffensperiode
seien die
Aufsätze für
das von ihm
mit
herausgegebene
Sammelwerk
Moses ben
Maimon
(1908-1914)
sowie eine
Reihe von
Artikeln zu
Leben und
Werk
jüdischer
Philosophen
erwähnt.
Darüber
hinaus
übernahm
Guttmann
wichtige
Ämter im
"Verband der
deutschen
Juden", im
"Deutsch-israelitischen
Gemeindebund",
im
"Zentralverein
deutscher
Staatsbürger
jüdischen
Glaubens"
und in der
internationalen
Vereinigung
"B'nai
B'rith".
Seit 1910
war er
Präsident
des
"Deutschen
Rabbinerverbandes".
Bleibende
Bedeutung
kam seiner
Tätigkeit in
der
"Gesellschaft
zur
Förderung
der
Wissenschaft
des
Judentums"
zu, an deren
Gründung und
Ausgestaltung
er
wesentlichen
Anteil
hatte. So
regte er
unter
anderem die
Herausgabe
des
Corpus
Tannaiticum
und der
Reihe
Germania
Judaica
an und
bereicherte
die
Monatsschrift
für
Geschichte
und
Wissenschaft
des
Judentums,
das
Publikationsorgan
der
Gesellschaft,
mit
zahlreichen
Beiträgen.
Fachkollegen
würdigten
Guttmanns
Verdienste
1915 mit der
Herausgabe
einer
Festschrift
zu seinem
70.
Geburtstag.
Jakob
Guttmann
zählte zu
den
führenden
Repräsentanten
des
deutschen
Judentums im
Zweiten
Kaiserreich.
Seine
Arbeiten zur
jüdischen
Philosophie
des
Mittelalters
und ihren
Beziehungen
zur
christlichen
Theologie
haben bis
heute
grundlegende
Bedeutung.
Einen
würdigen
Nachfolger
fand der
Gelehrte in
seinem Sohn,
dem
Philosophen
Julius
Guttmann
(1880-1950).
Werke:
Übersicht
von N. M.
Nathan, in:
Festschrift
zum
siebzigsten
Geburtstag
Jakob
Guttmanns,
Breslau
1915. -
Fest- und
Sabbatpredigten,
hrsg. v. J.
Guttmann,
Frankfurt/M.
1926.
Lit.:
M. Brann:
Nachruf, in:
Monatsschrift
für
Geschichte
und
Wissenschaft
des
Judentums
N.F. 28
(1920), S.
1-7. - I.
Heinemann:
Jakob
Guttmann,
in: ebd., S.
250-272. -
Artikel
Guttmann,
Jakob, in:
The
Universal
Jewish
Encyclopedia,
Bd. 5, New
York 1948,
S. 136. - S.
Pines:
Artikel
Guttman,
Jacob, in:
Encyclopaedia
Judaica, Bd.
7, Jerusalem
1971, Sp.
992 f. -
Artikel
Guttmann,
Jakob, in:
Oberschlesisches
Literatur-Lexikon,
T. 2, Berlin
1990, S.
137.
Bild:
aus: S.
Pines, a.a.O.,
Sp. 993.
Christof
Dahm