Peter
Hacks wurde
am 21. März
1928 in
Breslau als
Sohn eines
gegen den
Nationalsozialismus
eingestellten
Rechtsanwalts
geboren
und lebte
bis 1944 in
der
schlesischen
Hauptstadt.
Beim
Versuch,
sich als
16-jähriger
Schüler
1944/45 dem
Wehrdienst
zu
entziehen,
geriet er in
Gefangenschaft
der
Waffen-SS.
Nach der
Flucht aus
Schlesien
konnte er
1946 in
Wuppertal
das
Abitur
ablegen,
danach zog
er mit
seinen
Eltern nach
Dachau/Oberbayern
und nahm
1947 an der
Ludwig-Maximilians-Universität
in München
ein Studium
der
Philosophie,
Soziologie,
Theater- und
Literaturwissenschaft
auf. Schon
vier Jahre
später, nach
acht
Semestern
Studium,
wurde er mit
einer Arbeit
über Das
Theaterstück
des
Biedermeier
(1815-1840)
zum Dr. phil.
promoviert
(1951) und
lebte danach
als freier
Schriftsteller
in der
bayerischen
Landeshauptstadt.
Er schrieb
Texte fürs
Theater und
fürs
Kabarett,
Essays und
Rezensionen
für den
Bayerischen
Rundfunk,
trat in
Schwabinger
Lokalen auf
und machte
Übersetzungen
mit seiner
Frau Anna
Elisabeth
Wiede.
Seit Herbst
1953 wuchs
seine
Sympathie
für den
DDR-Sozialismus,
weshalb er,
auf
Einladung
Bertolt
Brechts
(1898-1956),
zwei Jahre
später nach
Ostberlin
übersiedelte
und Mitglied
des
Berliner
Ensembles
im
Theater am
Schiffbauerdamm
wurde.
Noch 1954,
im Jahr
zuvor, war
er für sein
zweites, in
den Münchner
Kammerspielen
1955
uraufgeführtes
Stück Die
Eröffnung
des
indischen
Zeitalters
(1954)
mit dem
damals
angesehenen
Dramatiker-Preis
der Stadt
München
ausgezeichnet
worden.
Da sich eine
ständige
Mitarbeit am
Theater
Bertolt
Brechts
zerschlug,
arbeitete
Peter Hacks
von 1960 an
als
Dramaturg
und
Hausautor am
Deutschen
Theater
in
Ostberlin,
dessen
Intendant
Wolfgang
Langhoff
(1901-1966)
ihm gewogen
war. Nach
der Berliner
Inszenierung
1962 seines
bereits 1960
im
Theater der
Bergleute
in
Senftenberg/Niederlausitz
uraufgeführten
Gegenwartsstücks
Die
Sorgen und
die Macht
(drei
Fassungen:
1959,1960,1963)
aber, das in
höchsten
Parteikreisen
Missfallen
und
Verärgerung
erregte, gab
der Autor
1963 den
Dramaturgenposten
auf, wurde
wiederum,
wie schon
1955/60
freier
Schriftsteller
und
bearbeitete
Stoffe aus
der
griechischen
Antike und
der
deutschen
Klassik.
Das
Ausweichen
des
Dramatikers
mit seiner
Stoffwahl in
historisch
entfernte
Gebiete war
der Tribut,
den er der
staatlichen
Literaturpolitik
und der
Zensur zu
leisten
hatte. Auch
sein zweites
Zeitstück
über den
fortschrittlichen
Schweinehirten
Moritz
Tassow
(1961, 1965
uraufgeführt)
spielt nicht
mehr in der
unmittelbaren
Gegenwart,
sondern in
den Jahren
nach
Kriegsende
1945, als
die „Junker“
enteignet
und die
Landwirtschaft
sofort
kollektiviert
wurde, aber
auch dieses
Stück zog
heftige
Kritik auf
sich. So
feierte er,
anscheinend
ohne
gegenwartsbezogen
zu sein, mit
der
Bearbeitung
der
Aristophanes-Komödie
Der
Frieden
(421 v.Chr.)
1962 im
Deutschen
Theater
einen ersten
Bühnenerfolg,
der sich mit
den
folgenden
Stücken wie
Adam und
Eva
(1972) und
Ein
Gespräch im
Hause Stein
über den
abwesenden
Herrn von
Goethe“
(1974)
fortsetzte
und noch
beträchtlich
steigerte.
Das
diskriminierte
Stück Die
Sorgen und
die Macht,
dessen Titel
auf ein
Zitat aus
einer
Walter-Ulbricht-Rede
zurückging,
zeigt
beispielhaft,
welche
Schwierigkeiten
DDR-Schriftsteller
mit der
DDR-Realität
zu
bewältigen
hatten, die
nur
„parteilich“
interpretiert
werden
durfte.
Dieses
Produktionsstück,
womit Peter
Hacks den
Forderungen
des
Bitterfelder
Weges
(1959)
nachzukommen
suchte, lebt
vom Konflikt
zwischen den
Arbeitern
einer
Brikettfabrik,
die nur an
der
Erfüllung
des
Plansolls
interessiert
sind und
deshalb
schlechte
Ware liefern
(„Tonnenideologie“),
und den
Arbeitern
einer
Glasfabrik,
deren
Produkte
wegen der
mangelhaften
Briketts
immer mehr
zu Schund
verkommen.
Gespiegelt
wird dieser
Konflikt im
spannungsreichen
Liebesverhältnis
des
Brikettarbeiters
Max Fidorra
zur
Glasarbeiterin
Hede Stoll.
Peter Hacks
sah sehr
genau, dass
die
DDR-Wirtschaft
nicht
funktionierte,
dass die
Arbeiter
unmotiviert
waren, weil
sie sich
ausgebeutet
fühlten,
aber er
konnte das
nicht
schreiben!
Also
kleidete er
die
kommunistische
Verheißung
in den
antithetischen
Monolog
eines
Parteiarbeiters:
„Kommunismus,
wenn ihr
euch den
vorstellen
wollt, dann
richtet eure
Augen auf,
was jetzt
ist und
nehmt das
Gegenteil!
Denn wenig
ähnlich ist
dem Ziel der
Weg, nehmt
so viel
Freuden, wie
ihr Sorgen
kennt, nehmt
so viel
Überfluss,
wie Mangel
ist, und
malt euch
also mit den
grauen
Tinten der
Gegenwart
der Zukunft
buntes
Bild!“
Gerade diese
Textstelle
aber zeigte
die
Sprengkraft
des Stückes.
Peter Hacks
setzte die
triste
DDR-Gegenwart
um 1960 in
dialektische
Beziehung
zum
kommunistischen
Entwurf.
Nach
parteipolitischer
Lesart
herrschten
bereits zehn
Jahre nach
DDR-Gründung
sozialistische
Verhältnisse,
aus denen
langsam die
„klassenlose
Gesellschaft“
herauswüchse,
nach Peter
Hacks’
Interpretation
aber wäre
dafür ein
gewaltsamer
Umsturz,
eine neue
Revolution,
notwendig!
Im Jahr 1963
wurde mit
kritischen
Autoren wie
Peter Hacks
abgerechnet:
es ging
nicht, so
Alfred
Kurella
(1895-1975),
um
ästhetische,
sondern um
„ausgesprochen
politische
Fragen“;
hier würde,
so Kurt
Hager
(1912-1998 )
die
„Rolle der
Partei als
der
führenden
und
lenkenden
Kraft
unserer
Gesellschaft
völlig
verzerrt“;
und Walter
Ulbricht
(1893-1973)
schließlich
sprach von
„kleinbürgerlichem
Sozialismus“
und dass die
„Arbeiter
in diesem
Stück
beleidigt“
würden.
Daraufhin
wurde das
Stück vom
Spielplan
genommen,
Peter Hacks
als
Dramaturg
entlassen,
der
Intendant
Wolfgang
Langhoff zur
Selbstkritik
(„hat
nicht zur
Stärkung der
Kampfkraft
der
Arbeiterklasse
beigetragen“)
genötigt.
Trotz dieser
politischen
Niederlage
mit seinem
einzigen
Gegenwartsstück
blieb Peter
Hacks, dem
schon 1956,
ein Jahr
nach der
Übersiedlung,
der
Lessing-Preis
des
DDR-Ministeriums
für Kultur
verliehen
worden war,
überzeugter
DDR-Bürger,
weit über
den
Mauerfall
von 1989
hinaus.
Nachdem er
den Mauerbau
1961
gerechtfertigt
hatte, was
ihm
DDR-Oppositionelle
vorwarfen,
fand er
zunehmend
Anerkennung
als
Dramatiker,
wiewohl er
immer noch
als
„bürgerlicher“
oder
„aristokratischer“
Dichter
galt. So
wurde er
1964 ins
DDR-PEN-Zentrum,
1972 in die
Akademie
der Künste
gewählt und
zweimal mit
dem
Nationalpreis
(1974/77)
und mit dem
Heinrich-Mann-Preis
(1981)
ausgezeichnet.
Seine
DDR-Treue
ging so
weit, dass
er sich zum
dogmatischen
DDR-Kritiker
aufschwang
und, Walter
Ulbrichts
Positionen
übernehmend,
die
„aufweichlerische“
Kulturpolitik
und die
lasche
Wirtschaftspraxis
Erich
Honeckers
nach 1971/89
scharf
ablehnte und
selbstverständlich
die
unvorhersehbare
Ausbürgerung
des
„Liedermachers“
Wolf
Biermann
(1936) im
Herbst 1976
begrüßte.
Was die
DDR-Entwicklung
betraf, so
schien sich
Peter Hacks
im letzten
Jahrzehnt
vor dem
Mauerfall,
kaum noch
Illusionen
darüber zu
machen, dass
das
Experiment
„Sozialismus“
gescheitert
war, an
seinen
späten
Stücken kann
man ablesen,
wie seine
Weltsicht
immer
hoffnungsloser
und
verdüsterter
wurde.
In der
Akademie der
Künste
freilich
gehörte er
zu den
aktivsten
Mitgliedern,
gründete
dort 1972
die
Arbeitsgruppe
Dramatik
(21
Sitzungen
bis 1979)
und 1988 die
Arbeitsgruppe
Technik
des Dramas,
wobei er
führende
DDR-Intellektuelle
und junge
Autoren um
sich
sammelte.
Auf diese
Weise
entstanden
auch seine
literaturtheoretischen
und
ästhetischen
Schriften.
In seiner
Spätzeit
begann er
auch
Gedichte zu
schreiben,
während
seine Epik
auf
Kinderliteratur
beschränkt
blieb.
Lesenswert
sind auch
die im
Nachlass
aufgefundenen
Korrespondenzen
mit Autoren
wie Hans
Heinz Holz,
Heinar
Kipphardt
und André
Müller
senior.
Weitere
Werke:
Theaterstücke:
Das
Volksbuch
vom Herzog
Ernst oder
Der Held und
sein Gefolge
(1953). –
Die Schlacht
bei Lobositz
(1955). –
Der Müller
von
Sanssouci
(1957). –
Die
Kindermörderin
( 1957). –
Polly oder
Die Bataille
am Bluewater
Creek
(1963). –
Die schöne
Helena
(1964). –
Margarete in
Aix (1966).
– Amphitryon
(1967). –
Prexaspes
(1968). -.
Omphale
(1969). –
Numa (1971).
– Die Vögel
(1973). –
Das
Jahrmarktsfest
zu
Plundersweilern
(1973). –
Rosie träumt
(1974). –
Die Fische
(1975). –
Senecas Tod
(1977). –
Pandora
(1979). –
Musen
(1979). –
Die Binsen
(1981). –
Barby
(1981). –
Fredegunde
(1984). –
Jona (1986).
– Fafner,
die
Bisam-Maus
(1991). –
Der Geldgott
(1991). –
Der Maler
des Königs
(1991). –
Die
Höflichkeit
des Genies
(1992). –
Genovefa
(1993). –
Orpheus in
der
Unterwelt
(1995). –
Bojarenschlacht
(1996). –
Tatarenschlacht
(1996). –
Der falsche
Zar (1996).
– Der
Bischof von
China
(1998). –
Der
Parteitag
(2003). –
Phraates
(2003). –
Berliner
Novelle
(2003).
Epische
Werke: Ekbal
oder Eine
Theaterreise
nach Babylon
(1961),
Erzählung. –
Der Schuhu
und die
fliegende
Prinzessin
(1963),
Erzählung. –
Geschichte
meiner Oper
(1972),
Erzählung. –
Magister
Knauernase
(1982),
Erzählung. –
Die Gräfin
Pappel
(1992),
Erzählung. –
Das Windloch
(1956),
Kindermärchen.
– Das
Turmverlies
(1961),
Kindermärchen.
– Onkel Mo
(1981),
Kindermärchen.
–
Kinderkurzweil
(1981,
erweitert
2003),
Sammlung
aller
Märchen. –
Liebkind im
Vogelnest
(1984),
Kinderroman.
– Prinz
Telemach und
sein Lehrer
Mentor
(1993),
Kinderroman.
– Die
Erzählungen
(1995).
Essays: Die
Maßgaben der
Kunst.
Gesammelte
Aufsätze
(1977,
erweitert
1996 und
2003). – Am
Ende
verstehen
sie es.
Politische
Schriften
1988-2003,
hrsg. von
André Thiele
(2005).
Lyrik: Die
Gedichte
(1988)
Briefe: Nur
dass wir ein
bisschen
klärer sind.
Briefwechsel
mit André
Müller
senior
1989/90,
Berlin 2002.
– Du tust
mir wirklich
fehlen.
Briefwechsel
mit Heinar
Kipphardt,
Berlin 2004.
– Verehrter
Kollege.
Briefe an
Schriftsteller,
herausgegeben
von Rainer
Kirsch
(2006). –
Nun habe ich
Ihnen doch
zu einem
Ärger
verholfen.
Briefe an
Hans Heinz
Holz, Texte,
Erinnerungen
(2007).
Werkausgabe
in 15
Bänden,
Eulenspiegel-Verlag,
Berlin 2003
(Ausgabe
letzter
Hand).
Lit.:
Peter
Schütze,
Peter Hacks.
Ein Beitrag
zur Ästhetik
des Dramas
(1976). –
Christoph
Trilse, Das
Werk des
Peter Hacks
(1981). –
Andrea
Jäger, Der
Dramatiker
Peter Hacks.
Vom
Produktionsstück
zur
Klassizität
(1986). –
André
Thiele, In
den Trümmern
ohne Gnade.
Festschrift
für Peter
Hacks
(2003). –
Armin
Stolper,
Gespräche
auf dem
Friedhof mit
dem
anwesenden
Herrn Hacks
(2004). –
Heidi Urbahn
de Jauregui,
Zwischen den
Stühlen. Der
Dichter
Peter Hacks
(2006). –
Andrea
Jäger, Peter
Hacks, in:
Kritisches
Lexikon zur
deutschsprachigen
Gegenwartsliteratur
(1997), mit
295
Nachweisen
zur
Sekundärliteratur.
Bild:
Kulturstiftung.
Jörg B.
Bilke