„Ich habe
mich nie als
Richter
empfunden,
sondern nur
als Zeuge.“
Trotz dieser
bescheidenen
Selbsteinschätzung
hat Werner
Haftmann als
Schreibender,
Lehrender
und als
Museumsmann
entscheidende
Weichen
gestellt.
Seine sehr
entschiedenen
Stellungnahmen,
seine
Veröffentlichungen
und seine
Tätigkeit in
leitenden
Funktionen
haben ihm
Bewunderung
wie Kritik
eingebracht.
Nach dem
Studium der
Kunstgeschichte
und
Archäologie
in Berlin
und
Göttingen
war er
Erster
Assistent am
Kunsthistorischen
Institut in
Florenz (von
1935-40) und
nach
Kriegsdienst
und
Gefangenschaft
von 1951-54
Dozent an
der
Landeskunstschule
Hamburg.
Seine
institutionelle
Laufbahn
wurde,
nachdem er
für die
ersten
Documenta-Ausstellungen
in Kassel
1955,1959
und 1964
mitgestaltend
im
wesentlichen
die
Konzeptionen
geliefert
hatte, durch
die Berufung
als Direktor
der Neuen
Staatsgalerie
im Rahmen
der Stiftung
Preußischer
Kulturbesitz
in Berlin
gekrönt. Im
Neubau nach
den Plänen
von Mies van
der Rohe
setzte er
mit dem Auf-
und Ausbau
der
Sammlungen,
denen auch
die der
Galerie des
20.
Jahrhunderts
eingegliedert
wurden,
Maßstäbe.
Das gilt
ebenso für
eine Reihe
exemplarischer
Ausstellungen
moderner
Kunst, die
halfen,
Berlin viel
von seiner
Geltung als
internationalem
Kunstzentrum
zurückzugeben.
Doch gab er
den 1967
angetretenen
Posten
vorzeitig
1974 auf. Er
zog sich
nach Gmünd
am Tegernsee
und in die
Toscana
zurück und
wirkte
fortan
vornehmlich
als
Schreibender.
Der häufig
Geehrte,
seit 1971
außerordentliches
Mitglied der
Akademie der
Künste
Berlin,
wurde 1962
mit dem
Lessing-Preis
der
Hansestadt
Hamburg
ausgezeichnet.
Das hatte
seinen
besonderen
Sinn. Denn
sein Handeln
und
Schreiben
war stets
von
autonomem
und auf das
Ganze
ausgerichtetem
Geist und
von
kritischer,
eigenständiger
Haltung
bestimmt. In
seiner
Museal- und
Ausstellungspolitik
wie als
Kunsthistoriker
und Kritiker
wirkte er
über den Tag
hinaus.
Das gilt für
seine
Beschäftigung
mit der
italienischen
Kunst („Das
italienische
Säulenmonument“,
1939) in
kunstgeschichtlicher
Rückschau
wie für
seine
bekenntnishaften
monographischen
Bücher,
Ausstellungskataloge,
Essays und
Vorträge zur
nun sehon
klassischen
Moderne.
Neben dem
Standardbuch
über die
Maler des
20.
Jahrhunderts,
das trotz
mancher
Einseitigkeit
selbst schon
ein
Klassiker
geworden
ist, schrieb
er die
Monographien
über Paul
Klee, Fritz
Winter, Emil
Nolde, E. W.
Nay, Wols,
Marino
Marinis
Zeichnungen,
die
autobiographischen
Bilder
Renato
Guttusos,
Marc
Chagalls
Zeichnungen,
Aquarelle
und Guaschen,
über Jorge
Castillo,
Klaus
Fussmann,
den
Bildhauer
Ludwig
Kasper, über
Franz Marc
(in „Die
großen
Deutschen“).
Seinem
Freunde, dem
Maler
Hermann
Teuber, hat
er zu dessen
70.
Geburtstag
eine
besonders
schöne
Laudatio
gewidmet.
Für
die
Verleihung
des
Lessing-Preises
bedankte er
sich mit der
Rede
„Gotthold
Ephraim
Lessing –
oder über
den Auftrag
des
Schriftstellers
in
kritischer
Zeit“. Wie
er selbst
diesen
Auftrag
verstand,
wurde aus
der
vielbeachteten,
manche
schockierenden
Rede
deutlich,
die er 1969
zur
Jahrhundertfeier
der
Hamburger
Kunsthalle
hielt und in
der er sich
gegen die
Soziologen
als
„Programmierer
der heutigen
Kunst“,
gegen
„politisch
verseuchte
Kritiken“
und sogar
gegen
„herumrandalierende
Malerrudel“
und
zügellose
Avantgardismus
wandte. Da
wurde der
Vorkämpfer
der
Avantgarde
von manchen
naserümpfend
wegen seines
„Konservativismu“
abgetan.
Werner
Haftmanns
Bedeutung
erhellt am
umfassendsten
aus der
Sammelausgabe
von Reden
und Aufsätzen
im
„Skizzenbuch
zi Kultur
der
Gegenwart“
mit
geistesgeschichtlichen,
aber auch
historischen
und
zeitkritischen
Ausblicken
in Künste,
Literatur
und Politik.
So zählt zu
seinen
grundsätzlichsten
Stellungnahmen
der Vortrag
„Einheit und
Vielfalt der
europäischen
Künste“.
„Kafka und
das
Religiöse“
heißt eine
seiner
Arbeiten.
Die
zusammenfassenden
Titel aus
dem
Sammelband
„Der
autonome
Mensch“ und
„Moderne
Kultur und
ihre
politische
Idee“, seien
als Hinweis
auf die
Spannweite
eines
Lebenswerks
angeführt,
das
Kunstgeschichte
nie in eng
professionellem
Sinn
verstanden
und
betrieben
hat, ihr
aber auch
nicht
kunstfremde
Kriterien
aufnötigte.
Werke (Auswahl): Malerei im 20. Jahrhundert. Textband 1954. Tafelband 1955.
Erweiterte
Auflage München
1962 (auch
englisch und
italienisch);
Skizzenbuch
zur Kultur
der
Gegenwart,
München
1962;
Freunde
danken
Werner
Haftmann,
Nationalgalerie
Berlin 1976.
Ernst
Schremmer