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Kulturstiftung
der deutschen
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Hahn

Carl Hugo

ev. Theologe

* 22.9.1886, Reval

† 5.11.1957, Dresden
                                                             

 

Carl Hugo Hahn, Landesbischof von Sachsen (1947-1953), wurde in Reval geboren. Sein Vater, der Geistliche D. Traugott Hahn (1848-1939), Sohn eines Missionars, war im gleichen Jahr als Pastor an die St. Olai-Kirche zu Reval berufen worden. Sein Bruder, Prof. D. Traugott Hahn (1875-1919), Professor der Praktischen Theologie an der Universität und Pastor an der Universitätskirche zu Dorpat, wurde am 14. Januar 1919 von Bolschewiken ermordet.

Carl Hugo Hahn erhielt häuslichen Unterricht und besuchte von 1900-1904 die deutsche St. Annen-Schule zu St. Petersburg, da die deutschen Schulen seiner Heimatstadt Reval der Russifizierung zum Opfer gefallen waren. Im Jahre 1904 ging er nach Dorpat, wo er das Studium der Theologie aufnahm. Er erhielt (1907) eine goldene Preismedaille und schloß sein Studium mit dem Grad eines cand.theol. ab. Nach einem Jahr als Hauslehrer auf einem Herrensitz in Estland begab er sich zur Fortsetzung seiner Studien nach Leipzig (1905/06). Im Jahre 1909 legte er das Konsistorialexamen in Reval ab und absolvierte das Probejahr bei Propst Konstantin Thomson in Haggers (Estland) und bei Pastor Hesse in Reval. Er studierte 1910 in Berlin und war, am 14. November 1910 durch seinen Vater zum Pastor ordiniert, von 1910-1916 Pastor in Kreuz (Estland) und von 1916-1919 in Nissi (Estland). Er verließ im Jahre 1919 seine Heimat, denn es war bereits vor dem Ausbruch des Weltkrieges sein Wunsch gewesen, seinen Kindern eine rein deutsche Erziehung zuteil werden zu lassen. Nachdem er länger als sieben Jahre, von 1919-1927, in Worbis im Eichsfeld und seit 1927 an der Thomaskirche in Leipzig gewirkt hatte – er verbrachte an dieser berühmten Bachkirche drei der glücklichsten Amtsjahre seines Lebens –, wurde Hahn 1930 als Pfarrer an die Frauenkirche zu Dresden und Superintendent der Ephorie Dresden-Land berufen. Als 1933 der Reichsstatthalter einen neuen Landesbischof für Sachsen ernannte, den er nachträglich wählen ließ, übernahm der Landesbruderrat der Bekennenden Kirche mit Hahn an der Spitze die Funktion eines kirchlichen Notregiments. Seit jenen Tagen galt Hahn als der „heimliche“ Bischof von Sachsen. Natürlich mußte ein Mann wie Hahn von seinem Gegner bald als höchst gefährlich erkannt werden. Die Machthaber scheuten keine Mühe, ihn aus seinem Amt und Wirkungsbereich zu entfernen; 1938 verbannte ihn der Reichsstatthalter aus Sachsen, kirchliche Stellen enthoben ihn seines Amtes.

Neun Jahre lang wirkte Hahn als schlichter Pfarrverweser und Pfarrer in großen, vom Kriege zuletzt schwer heimgesuchten Vorortgemeinden um Stuttgart und erwarb sich während dieser Zeit die Liebe und Dankbarkeit und das Vertrauen der ihm anvertrauten Gemeinden. Daher sah die Württembergische Evangelische Landeskirche ihn nur ungern scheiden, als nach Beendigung des Krieges aus Sachsen der Ruf an den „heimlichen“ Bischof erging, nun endlich in aller Form das Bischofsamt anzutreten und nach Dresden zurückzukehren. Dem großen Vertrauen, das aus dieser ehrenvollen Berufung sprach, hat sich Hahn nicht verschlossen, obwohl es ein schweres Amt war, das er in schwerer Zeit antrat. Am 31. Oktober 1947 fand im Dom zu Meißen die Einweisung von D. Carl Hugo Hahn in das Amt des Landesbischofs von Sachsen statt. Sechs Jahre lang hat er die Bürde dieses verantwortungsvollen Amtes getragen, in welchem er zugleich Mitglied des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland, stellvertretender Leitender Bischof der Vereinigten Lutherischen Kirche Deutschlands und Stiftsherr der Domstifte zu Meißen und Würzen war. Eine schwere Erkrankung zwang ihn im Oktober 1953, in den Ruhestand zu treten. Am Vorabend seiner Amtsübergabe, dem 20. Oktober 1953, brachte ihm die Junge Gemeinde in Radebeul einen Fackelzug dar, an dem 2 500 Jugendliche aus dem ganzen Sachsenland mit 500 Fackelträgern teilnahmen. Dann wurde es still um ihn. Der Kranke ist am 5. November 1957, 71 Jahre alt, heimgegangen. Eine Trauerfeier in der Kreuzkirche zu Dresden am 8. November galt „dem treuen Hirten, vollmächtigen Prediger, begnadeten Seelsorger, weisen Ratgeber, demütigen Christen, warmherzigen Menschen, väterlichen Freund und Bruder“. Seine Beisetzung fand am 11. November 1957 auf dem Friedhof in Stuttgart-Hedelfingen statt.

Lit.: Kämpfer wider Willen. Erinnerungen. Hrsg. v. Georg Prater, Metzingen 1970; Erik Thomson: Hugo Hahn. Stuttgart 1956; ders.: Traugott Hahn. Ein Märtyrer der baltischen Kirche. Gießen/Basel 1954; ders.: Traugott Hahn. Pastor und Volksmissionar. Lahr 1959; Martin Haug: Erinnerungen an D. Hugo Hahn. Baltisches Erbe, Bd. 2, hrsg. v. Erik Thomson, Frankfurt/Main 1968; Zahlreiche Würdigungen und Nachrufe im Archiv Erik Thomson (Lüneburg).

Erik Thomson

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