Carl Hugo Hahn,
Landesbischof
von Sachsen
(1947-1953),
wurde in
Reval
geboren.
Sein Vater,
der
Geistliche
D. Traugott
Hahn
(1848-1939),
Sohn eines
Missionars,
war im
gleichen
Jahr als
Pastor an
die St.
Olai-Kirche
zu Reval
berufen
worden. Sein
Bruder,
Prof. D.
Traugott
Hahn
(1875-1919),
Professor
der
Praktischen
Theologie an
der
Universität
und Pastor
an der
Universitätskirche
zu Dorpat,
wurde am 14.
Januar 1919
von
Bolschewiken
ermordet.
Carl Hugo Hahn erhielt häuslichen
Unterricht
und besuchte
von
1900-1904
die deutsche
St.
Annen-Schule
zu St.
Petersburg,
da die
deutschen
Schulen
seiner
Heimatstadt
Reval der
Russifizierung
zum Opfer
gefallen
waren. Im
Jahre 1904
ging er nach
Dorpat, wo
er das
Studium der
Theologie
aufnahm. Er
erhielt
(1907) eine
goldene
Preismedaille
und schloß
sein Studium
mit dem Grad
eines
cand.theol.
ab. Nach
einem Jahr
als
Hauslehrer
auf einem
Herrensitz
in Estland
begab er
sich zur
Fortsetzung
seiner
Studien nach
Leipzig
(1905/06).
Im Jahre
1909 legte
er das
Konsistorialexamen
in Reval ab
und
absolvierte
das
Probejahr
bei Propst
Konstantin
Thomson in
Haggers
(Estland)
und bei
Pastor Hesse
in Reval. Er
studierte
1910 in
Berlin und
war, am 14.
November
1910 durch
seinen Vater
zum Pastor
ordiniert,
von
1910-1916
Pastor in
Kreuz
(Estland) und von
1916-1919
in Nissi
(Estland).
Er verließ
im Jahre
1919 seine
Heimat, denn
es war
bereits vor
dem Ausbruch
des
Weltkrieges
sein Wunsch
gewesen,
seinen
Kindern eine
rein
deutsche
Erziehung
zuteil
werden zu
lassen.
Nachdem er
länger als
sieben
Jahre, von
1919-1927,
in Worbis im
Eichsfeld
und seit
1927 an der
Thomaskirche
in Leipzig
gewirkt
hatte – er
verbrachte
an dieser
berühmten
Bachkirche
drei der
glücklichsten
Amtsjahre
seines
Lebens –,
wurde Hahn
1930 als
Pfarrer an
die
Frauenkirche
zu Dresden
und
Superintendent
der Ephorie
Dresden-Land
berufen. Als
1933 der
Reichsstatthalter
einen neuen
Landesbischof
für Sachsen
ernannte,
den er
nachträglich
wählen ließ,
übernahm der
Landesbruderrat
der
Bekennenden
Kirche mit
Hahn an der
Spitze die
Funktion
eines
kirchlichen
Notregiments.
Seit jenen
Tagen galt
Hahn als der
„heimliche“
Bischof von
Sachsen.
Natürlich
mußte ein
Mann wie
Hahn von
seinem
Gegner bald
als höchst
gefährlich
erkannt
werden. Die
Machthaber
scheuten
keine Mühe,
ihn aus
seinem Amt
und
Wirkungsbereich
zu
entfernen;
1938
verbannte
ihn der
Reichsstatthalter
aus Sachsen,
kirchliche
Stellen
enthoben ihn
seines
Amtes.
Neun Jahre lang wirkte
Hahn als
schlichter
Pfarrverweser
und Pfarrer
in großen,
vom Kriege
zuletzt
schwer
heimgesuchten
Vorortgemeinden
um Stuttgart
und erwarb
sich während
dieser Zeit
die Liebe
und
Dankbarkeit
und das
Vertrauen
der ihm
anvertrauten
Gemeinden.
Daher sah
die
Württembergische
Evangelische
Landeskirche
ihn nur
ungern
scheiden,
als nach
Beendigung
des Krieges
aus Sachsen
der Ruf an
den
„heimlichen“
Bischof
erging, nun
endlich in
aller Form
das
Bischofsamt
anzutreten
und nach
Dresden
zurückzukehren.
Dem großen
Vertrauen,
das aus
dieser
ehrenvollen
Berufung
sprach, hat
sich Hahn
nicht
verschlossen,
obwohl es
ein schweres
Amt war, das
er in
schwerer
Zeit antrat.
Am 31.
Oktober 1947
fand im Dom
zu Meißen
die
Einweisung
von D. Carl
Hugo Hahn in
das Amt des
Landesbischofs
von Sachsen
statt. Sechs
Jahre lang
hat er die
Bürde dieses
verantwortungsvollen
Amtes
getragen, in
welchem er
zugleich
Mitglied des
Rates der
Evangelischen
Kirche in
Deutschland,
stellvertretender
Leitender
Bischof der
Vereinigten
Lutherischen
Kirche
Deutschlands
und
Stiftsherr
der
Domstifte zu
Meißen und
Würzen war.
Eine schwere
Erkrankung
zwang ihn im
Oktober
1953, in den
Ruhestand zu
treten. Am
Vorabend
seiner
Amtsübergabe,
dem 20.
Oktober
1953,
brachte ihm
die Junge
Gemeinde in
Radebeul
einen
Fackelzug
dar, an dem
2 500
Jugendliche
aus dem
ganzen
Sachsenland
mit 500
Fackelträgern
teilnahmen.
Dann wurde
es still um
ihn. Der
Kranke ist
am 5.
November
1957, 71
Jahre alt,
heimgegangen.
Eine
Trauerfeier
in der
Kreuzkirche
zu Dresden
am 8.
November
galt „dem
treuen
Hirten,
vollmächtigen
Prediger,
begnadeten
Seelsorger,
weisen
Ratgeber,
demütigen
Christen,
warmherzigen
Menschen,
väterlichen
Freund und
Bruder“.
Seine
Beisetzung
fand am 11.
November
1957 auf dem
Friedhof in
Stuttgart-Hedelfingen
statt.
Lit.:
Kämpfer
wider
Willen.
Erinnerungen.
Hrsg. v.
Georg
Prater,
Metzingen
1970; Erik
Thomson:
Hugo Hahn.
Stuttgart
1956; ders.:
Traugott
Hahn. Ein
Märtyrer der
baltischen
Kirche.
Gießen/Basel
1954; ders.:
Traugott
Hahn. Pastor
und
Volksmissionar.
Lahr 1959;
Martin Haug:
Erinnerungen
an D. Hugo
Hahn.
Baltisches
Erbe, Bd. 2,
hrsg. v.
Erik
Thomson,
Frankfurt/Main
1968;
Zahlreiche
Würdigungen
und Nachrufe
im Archiv
Erik Thomson
(Lüneburg).
Erik Thomson