Lange bevor
„global“ zum
Modewort in
der
deutschen
Sprache
wurde,
entfaltete
der Künstler
Otto Herbert
Hajek mit
seinen
mannigfaltigen
künstlerischen
Aktivitäten
weltweite
Beziehungen.
Mit einer
schier
unübersehbaren
Fülle von
Ausstellungen,
Kolloquien
und
Vorträgen in
aller Welt
hat der
Bildhauer,
Maler,
Graphiker
und
Schriftsteller,
der auch als
Professor an
der
Kunstakademie
Karlsruhe
Studienreisen
nach
Kolumbien,
Equador,
Frankreich,
in die
Tschechoslowakei
und die DDR
unternahm,
internationale
Anerkennung
gefunden.
Als
20jähriger
Student der
Kunstakademie
Stuttgart
schuf er die
expressive
Skulptur
„Christus
aus dem
Baumstamm“,
die er 1990
dem
tschechischen
Staatspräsidenten
Václav Havel
als Geste
der
Versöhnung
zwischen dem
deutschen
und
tschechischen
Volk
überreichte;
sie hat in
der St.
Georgs
Basilika auf
dem Prager
Hradschin
einen
würdigen
Platz
gefunden.
Für die
Kirche Maria
Regina
Martyrium in
Berlin-Plötzensee
gestaltete
er 1960 den
70 Meter
langen
Kreuzweg aus
Bronze – ein
Gedächtnismal
für die
Opfer des
Nationalsozialismus.
Eine andere
Seite seines
künstlerischen
Vermögens
stellen die
Platzgestaltung
mit eigenen
Skulpturen
im
australischen
Adelaide und
die
Realisierung
der Aufträge
für die
deutschen
Botschaften
in
Montevideo
(Uruguay)
und Lomé
(Togo) dar.
Auch die
mehr als 160
Einzelausstellungen
und die
Beteiligung
an 350
Gruppenausstellungen
sorgten für
die
Verbreitung
des Namens
Otto Herbert
Hajek im In-
und Ausland
– in
Australien,
Amerika, dem
Fernen Osten
und in
Europa, von
Moskau bis
Paris, von
Berlin bis
Rom.
Stattlich
ist auch die
Zahl der
Publikationen,
darunter 170
eigene
Schriften
und mehr als
300 Bücher,
Kataloge
etc. über
den
Künstler.
Weitere
biographische
Daten
enthält der
287 Seiten
umfassende
Katalog „O.H.
Hajek – Eine
Welt der
Zeichen“. Er
wurde im
Jahre 2000
anläßlich
einer
Einzelausstellung
der Kunst-
und
Ausstellungshalle
der
Bundesrepublik
Deutschland
(Bonn)
herausgegeben
und enthält
Beiträge von
Eugen
Gomringer,
Peter A.
Riedl, Jiri
Vykoukal,
Günther
Wirth,
Johanna
Stulle und
Anuschka
Koos.
Otto Herbert
Hajek (geb.
am 27. Juni
1927 in
Kaltenbach,
Böhmen)
äußerte sich
in einem
Gespräch mit
Jacek Barski
(„Die
Künstlergilde“,
Zeitschrift
des
Verbandes
ostdeutscher
Kulturschaffender,
Esslingen
1977) wie
folgt: „Ich
wollte
Bildhauer
werden. In
meiner
Dorfumgebung
der
Volksschulzeit
gab es nur
Handwerk,
Steinmetze
und die
Grabmalkunst.
Erst im
Gymnasium in
Prachatitz
mit dieser
alten
Stadtlandschaft,
mit den
Renaissance-Häusern
und der
Bildhauerei
in der
gotischen
Kirche habe
ich
Empfindungen
wahrgenommen,
daß so etwas
zu machen
wohl
außergewöhnlich
sein müsse.
Freilich
habe ich
noch in den
40er Jahren
die
südböhmische
gotische
Plastik in
Winterberg,
Krummau,
Budweis und
Strakonice
kennengelernt,
und diese
Bilder
blieben in
mir, und so
meinte ich,
nach dem
Krieg in
Stille und
Abgeschiedenheit
leben zu
können, um
solche
Arbeiten aus
mir
herauszusetzen...“
Wie
Hunderttausende
von
Vertriebenen
und
Flüchtlingen
landete auch
die Familie
Hajek in
Westdeutschland.
Der
sudetendeutsche
Künstler
bekennt:
„Ich habe
mit gar
nichts
angefangen.
Nach dem
Abitur in
Erlangen
1947 begann
ich mit dem
Studium in
Stuttgart an
der
Akademie,
wobei ich
als
Staatenloser
kein
Stipendium
bekommen
konnte. Zu
diesem
Zeitpunkt
bin ich nach
Paris zum
Studieren
und
Kennenlernen
der Kunst
und des
Lebens
gegangen
...“
Hajek hält
die Augen
offen, und
dank seiner
Begabung,
seines
Gespürs für
Materialgerechtigkeit
und seines
Fleißes
steht er
bald an der
Spitze der
modernen
Kunst – und
das
vornehmlich
durch seine
konstruktiven,
meist mit
den
Grundfarben
bemalten und
in den Raum
gestellten
Skulpturen
aus Stahl.
Das Problem
„Raum“
beschäftigt
ihn auch in
den
geometrischen
Acrylmalereien
und
farbenfrohen
Grafiken;
hier setzt
er sich
freilich mit
dem
aperspektivischen
Raum
auseinander,
den er durch
die Qualität
und
Intensität
der
fliehenden
und auf den
Betrachter
zukommenden
Farben
erzielt. Den
farbigen
Skulpturen
(„Farbwege“,
„Stadtzeichen“)
waren seine
„Raumknoten“
in Bronze
und aus
Tusche
vorausgegangen.
Die
Rundplastiken
muten an,
als seien
Körper aus
tachistischen
monochromen
Gemälden
hervorgegangen.
Den Kontrast
hierzu
bilden die
stereometrischen
Plastiken
mit glatten
Oberflächen
aus Bronze,
Gips und
Holz, welche
an die von
Hajek
bewunderten
Henry Moores
und
Constantin
Brancusis
erinnern.
Durch die
zahlreichen
Ausstellungen,
seine
Exponate in
Museen und
Galerien,
seine Werke
in Kirchen,
auf Plätzen
und als
Kunst am Bau
ist der Name
Otto Herbert
Hajek zum
Begriff in
der Welt der
modernen
Kunst
geworden und
fand
natürlich
auch Eingang
in die
Literatur.
Nicht
zuletzt
dokumentieren
auch die
vielen
Auszeichnungen
Leben und
Werk Hajeks:
Jahre bevor
er an die
Kunstakademie
Karlsruhe
berufen
wurde,
verlieh ihm
das Land
Baden-Württemberg
den
Professorentitel.
Später kamen
hinzu die
Aufnahme in
das
Professorenkollegium
der Akademie
der
Bildenden
Künste in
Bratislava/Preßburg
sowie die
Ehrendoktorwürde
dieser
Akademie der
Slowakischen
Republik,
ferner die
Ehrenpromotion
der
Katholisch-Theologischen
Fakultät der
Universität
Tübingen,
der
westböhmischen
Universität
Pilsen und
die Aufnahme
in das
Professorenkollegium
der
Kunsthochschule
Moskau.
Hajeks
Biographie
verzeichnet
ferner:
Ehrenmitglied
des
Deutschen
Künstlerbundes,
dem er
sieben Jahre
lang
vorstand,
Mitglied des
Deutsch-Französischen
Kulturrates,
Ehrensenator
der
Universität
Tübingen,
Mitglied der
Sudetendeutschen
Akademie und
Ehrenbürger
der Stadt
Prachatitz/Südböhmen,
wo Hajek
aufs
Gymnasium
ging. Seit
dem Jahre
2002
befindet
sich hier
das
„Kulturzentrum
Otto Herbert
Hajek“, dem
der Künstler
eine
repräsentative
Auswahl von
rund
einhundert
Exponaten
gestiftet
hat.
Schließlich
seien noch
einige
Kunstpreise
genannt:
Lovis-Corinth-Preis
der
Künstlergilde
Eßlingen,
Sudetendeutscher
Kulturpreis,
Franz-Kafka-Kulturpreis,
Kunstpreis
der
Versöhnung
der
Tschechisch-Deutschen
Kultur-Allianz
und „fine
arts“ der
European
Union of
Arts Prag.
Lit.:
O. H. Hajek.
Raumknoten –
Raumschichtungen.
Edition,
Köln 1959. –
O. H. Hajek.
Ikonographien,
Zeichen,
Plätze,
Stadtbilder,
Stuttgart
1976. –
Günther Ott:
Künstlerprofile.
Im Osten
geboren. Im
Westen
Wurzeln
geschlagen,
Düsseldorf
1980. –
Bildhauerklasse
Prof. O. H.
Hajek.
Staatl.
Akademie der
Bildenden
Künste,
Karlsruhe1985.
– O. H.
Hajek –
Werke und
Dokumente,
Stuttgart/Zürich
1987. – O.
H. Hajek –
Farbwege in
Moskau.
Begegnung
mit einer
Ausstellung,
Stuttgart/Zürich
1989. – O.
H. Hajek –
Eine Welt
der Zeichen.
Kunst- und
Ausstellungshalle
der
Bundesrepublik
Deutschland,
Bonn 2000.
Bild:
Archiv der
Kulturpolitischen
Korrespondenz.
Günther Ott