Für
die
Volkskunde
und
Sprachforschung
der
Siebenbürger
Sachsen hat
Josef
Haltrich die
gleiche
Bedeutung,
wie sie die
Brüder Grimm
für den
gesamtdeutschen
Sprachraum
haben. Als
junger
Mensch von
der
Grimmschen
Märchenwelt
gefesselt,
hat der
während
Haltrichs
Studienzeit
in Berlin
lehrende
Jakob Grimm
einen
unauslöschlichen
Eindruck bei
dem jungen
Menschen
hinterlassen
und seine
spätere
Tätigkeit
entscheidend
bestimmt.
Josef
Haltrich
wurde am 22.
Juli 1822 in
Sächsisch-Reen
geboren,
absolvierte
das
Schässburger
Gymnasium
und begann
1845 das
Studium der
Theologie
und
Philologie
in Leipzig.
Im Bemühen,
alles
das zu
erforschen,
was
siebenbürgisch-sächsisches
Wesen und
Volksleben
betrifft,
fand er sich
hier mit
Gleichgesinnten
zusammen,
von denen
jeder nach
freier Wahl
ein
bestimmtes
Gebiet zum
Sammeln und
Bearbeiten
übernahm:
Friedr. Wilh.
Schuster die
Volkslieder
und Rätsel,
Fr. Müller
die Sagen,
Joh. Matz
die Sitten
und
Gebräuche,
Haltrich die
Märchen.
1848 hatte
Haltrich die
Stelle eines
Gymnasiallehrers
in
Schässburg
erhalten und
widmete sich
nun neben
seiner
Lehrtätigkeit
der
übernommenen
Verpflichtung
der Sammel-
und
Forschungstätigkeit.
Aufbauend
auf der
Märchensammlung
Fr. W.
Schusters,
vermehrte
Haltrich sie
vorwiegend
durch
Beiträge,
die ihm
durch
Schüler des
dem
Gymnasium
angegliederten
Lehrerseminars
zugetragen
wurden.
Schon 1855
veröffentlichte
er „Zur
deutschen
Thiersage“
und 1856 die
Volksmärchen
aus dem
Sachsenlande
in
Siebenbürgen,
die durch
den echten
Volkston,
den Haltrich
gefunden
hatte, ein
richtiges
Volksbuch
und das Buch
mit der
höchsten
Auflage den
Siebenbürger
Sachsen
wurde.
Sowohl die
Tiersagen
als die
Märchen
wurden von
der
Fachwelt,
voran die
Brüder Grimm
und Simrock,
freudig
begrüßt. Man
glaubte,
hier
germanische
Märchen-Urformen
gefunden zu
haben, eine
Vermutung,
die spatere
Forschungen
allerdings
nicht
bestätigen
konnten. In
der
Folgezeit
erschienen
dann eine
ganze Reihe
volkskundlicher
Schriften:
Die
Stiefmütter,
die Stief-
und
Waisenkinder
in der
siebenbürgisch-sächsischen
Volkspoesie
(1856);
Bildliche
Redensarten,
Umschreibungen
und
Vergleichungen
der
siebenb.-sächs.
Volkssprache
(1858);
Deutsche
Inschriften
aus
Siebenbürgen
– ein
Beitrag zur
epigrammatischen
Volkspoesie
der
Deutschen
(1867); Die
Macht und
Herrschaft
des
Aberglaubens
in seinen
vielfältigen
Erscheinungsformen
(1871);
Sächsischer
Volkswitz
und
Volkshumor
(1881); Die
Welt unserer
Märchen und
unserer
Kinder
(1881). –
Diese
gründliche
Beschäftigung
mit Märchen,
Sage und
Brauch
bedingte ein
intensives
Studium der
Volkssprache,
und als der
Verein
für
Siebenbürgische
Landeskunde
1859 die
Herausgabe
eines
Wörterbuches
der
sächsischen
Mundart
beschloß,
wurde
Haltrich mit
dieser
Aufgabe
betraut.
Aufbauend
auf den
Vorarbeiten
Johann Karl
Schullers,
legte er
1865 einen
Plan zu
Vorarbeiten
für ein
Idiotikon
der
siebenbürgisch-sächsischen
Volkssprache
vor, trug
fleißig
Material
zusammen und
erstattete
1874 einen
Bericht über
den Stand
dieser
Vorarbeiten.
Doch mußte
er
feststellen,
daß er
allein und
ohne Hilfe
weiterer
Mitarbeiter
dieses
Projekt
nicht
durchführen
konnte, und
übergab sein
ganzes
Material an
den jüngeren
Freund
Johann
Wolff.
Auch auf
allgemeingeschichtlichem
bzw.
kulturgeschichtlichem,
sogar auf
rechtsgeschichtlichem
Gebiet betätigte
sich
Haltrich.
Seine
wissenschaftliche
Arbeit, von
Anfang an
von den
Brüdern
Grimm,
Simrock und
anderen
führenden
Volkskundlern
anerkannt,
fand auch
weitere
Würdigungen.
1859 wurde
er zum
Mitglied des
Gelehrtenausschusses
des
Germanischen
Nationalmuseums
zu Nürnberg
ernannt,
1860 zum
Ausschußmitglied
des Vereins
f. Siebenb.
Landeskunde.
– 24 Jahre
war er am
Schässburger
Gymnasium
als Lehrer
tätig, die
letzten 3
Jahre als
dessen
Rektor. 1872
wurde er zum
Pfarrer der
Gemeinde
Schaas
gewählt.
Hier wurde
er, erst
64jährig,
durch einen
Herzschlag
aus dem
Leben gerissen.
Josef
Haltrich hat
durch seine
Arbeiten der
sächsischen
Volkskunde
ihre
wissenschaftlichen
Grundlagen
geschaffen.
Die
Sprachwissenschaft
verdankt ihm
wichtige
Impulse.
Durch seine
Volksmärchen
aber
sicherte er
sich einen
bleibenden
Platz im
Herzen
seiner
Landsleute.
Horst
Moeferdt