Zu den zu
ihrer Zeit
profiliertesten
Lehrkräften
der
Theologischen
Fakultät der
baltischen
Landesuniversität
Dorpat
gehörte
Theodosius
Harnack. Er
wurde als
Sohn eines
aus
Ostpreußen
gebürtigen
Schneidermeisters
am 22.
Dezember
1816 in St.
Petersburg
geboren und
starb am 11.
September
1889 in
Dorpat, der
Stadt seines
langjährigen
Wirkens.
Harnak
besuchte die
deutsche St.
Petri-Schule
zu St.
Petersburg
und widmete
sich von
1834 bis
1837 dem
Studium der
Theologie an
Universität
Dorpat, wo
er im Jahre
1836 mit
einer
silbernen
Preismedaille
ausgezeichnet
wurde.
Nachdem er
in den
Jahren bis
1840 als
Hauslehrer
bei den
Grafen
Stackelberg
gewirkt
hatte,
setzte er
seine
Studien an
den
Universitäten
Bonn,
Erlangen und
Berlin fort.
Im Jahre
1840
erschien
seine erste
Schrift „Die
Gesetzeserfüllung
Christi auf
Grund von
Matth.
5,17“, und
1842 „Jesus,
der Christ
oder der
Erfüller des
Gesetzes und
der
Propheten“.
Im Jahre
1842 kehrte
der
25jährige
Harnack von
seinen
ausländischen
Studien nach
Dorpat
zurück, wo
er im
gleichen
Jahr die
Erlaubnis
des
Ministers
zum Halten
von
Vorlesungen
erhielt,
sich im
folgenden
Jahr als
Privatdozent
für
Praktische
Theologie
habilitierte
und 1844 mit
der
Dissertation
„Die Idee
der Predigt“
zum Magister
der
Theologie
promovierte.
Im Jahre
1845
erschien
seine
Schrift
„Die
Grundbekenntnisse
der
evangelisch-lutherischen
Kirche“. Im
gleichen
Jahr noch
wurde er als
Kandidat für
den vakanten
Lehrstuhl
der
Praktischen
Theologie
präsentiert
und am 13.
September
zum
außerordentlichen
Professor
gewählt.
Zwei Jahre
später,
1847, wurde
er zum
Doktor der
Theologie
promoviert
und hatte
von 1847 bis
1852 die
ordentliche
Professur
für
Praktische
Theologie
inne, wobei
er zur
gleichen
Zeit auch
Prediger der
Universitätsgemeinde
war und als
solcher zur
50-Jahrfeier
der
Universität
(1852) im
Rahmen eines
Festgottesdienstes
in der St.
Johannis-Kirche
die
eindrucksvolle
Festpredigt
hielt,
nachdem ihm
der Rat der
Stadt auf
Ersuchen der
Theologischen
Fakultät
bereits im
Jahre 1844
die
Genehmigung
erteilt
hatte, in
der St.
Johannis-Kirche
besondere
akademische
Gottesdienste
abzuhalten,
unter der
Bedingung
allerdings,
daß die
Universität
keine
eigenständige
Gemeinde
bilde.
Dennoch hat
Harnack die
Bildung der
Dorpater
Universitäts-Gemeinde
vorbereitet.
Während
seiner
Amtsführung
in den
Jahren 1844
bis 1852
reifte sie
so weit aus,
daß sie im
Jahre 1855,
als Harnack
selbst in
Erlangen
lehrte, sich
konstituieren
und ins
Leben treten
konnte. So
hat sie als
Harnacks
Schöpfung zu
gelten. Im
Jahre 1860
hat sie
hinter dem
Hauptgebäude
der
Universität
ein eigenes
Gotteshaus
erhalten.
Harnacks
Vielseitigkeit
und seine
hohe
theologische
Leistungsfähigkeit
wurden nicht
zuletzt auch
dadurch
deutlich,
daß er, im
Jahre 1852,
von der
Praktischen
zur
Systematischen
Theologie
übergehend,
Dogmatik und
Ethik in
seinen
Vorlesungen
behandelte.
Nur kurze
Zeit jedoch
bekleidete
er diesen
Lehrstuhl,
denn bereits
im Jahre
1853 erging
an ihn der
Ruf zum
ordentlichen
Professor
der
Praktischen
Theologie an
der
Universität
Erlangen,
dem er Folge
geleistet
hat. Er
blieb bis
zum Jahre
1866 in
Erlangen und
kehrte dann
nach Dorpat
zurück, wo
man ihn am
17.
September
1865
wiederum zum
Professor
der
Praktischen
Theologie
gewählt
hatte und
ihn am 8.
November in
diesem Amt
bestätigte.
In den
Jahren 1867
bis 1869
bekleidete
er das Amt
des Dekans
der
Theologischen
Fakultät.
Bei der
geplanten
Gründung des
Theologischen
Vereins,
dessen
Statuten am
28. Dezember
1867 die
Bestätigung
des Rektors
erhielten,
stellte er
seine tätige
Mitarbeit
zur
Verfügung
und erbot
sich, die
Leitung
wissenschaftlicher
Abende zu
übernehmen.
An der
kirchlichen
Arbeit
seiner
Landessynode
nahm er
ebenfalls
lebhaftesten
Anteil und
war auf
liturgischem
Gebiet von
hervorragender
Bedeutung.
Seiner
Initiative
und
Mitarbeit
verdankte
die evangelisch-lutherische
Kirche in
Livland, daß
Revision und
Ausgestaltung
der Agende
in Angriff
genommen und
durchgeführt
wurden.
Harnk war
erster
Präses des
Liturgischen
Komitees und
der
eigentlicher
Schöpfer der
liturgischen
Gottesdienst-Ordnung
seiner
livländischen
Kirche.
Es war
Theodosius
Harnack
indessen
nicht vergönnt,
seine
Tätigkeit an
seiner alten
Wirkungsstätte
noch lange
auszuüben.
Im April
1872 erlitt
er einen
Schlaganfall.
Zwar konnte
er nach
eingetretener
Besserung
seines
gesundheitlichen
Zustandes
seine
akademische
Lehrtätigkeit
fortsetzen,
bat jedoch
am 24.
Februar 1875
um seine
Entlassung.
Seine ihm
verbliebene
geistige
Frische
gestattete
es ihm, eine
rege
schriftstellerische
Tätigkeit zu
entfalten.
Theodosius
Harnack
gehörte zu
den
bedeutendsten
Vertretern
der
Praktischen
Theologie,
und seine
Lehrbücher
galten als
gründliche
und
wertvolle
Arbeiten. Zu
seinen
wichtigsten
Werken
gehören u.a.:
„Die
lutherische
Kirche
Livlands und
die
Herrnhutische
Brüdergemeinde“
(1860), „Die
Kirche, ihr
Amt und ihr
Regiment“
(1862,
Neudruck
1934, 1947),
„Luthers
Theologie,
mit
besonderer
Ziehung auf
seine
Versöhnungs-
und
Erlösungslehre
(I:1862, II:
1886,
Neuausgabe
1927), ein
in Harnacks
Dorpater
Zeit
entstandenes
Werk, das
als
maßgebende
Leistung auf
diesem
vielumstrittenen Gebiet galt, „Die freie lutherische Volkskirche“ (1870),
„Praktische
Theologie“
(2 Bände
1877/1878),
für die ihm
die Prämie
der Robert
Heimbürgerschen
Stiftung
zuerkannt
wurde,
nachdem die
theologische
Presse aller
Richtungen
dieses Werk
als eine
hervorragende
wissenschaftliche
Leistung
anerkannt
hatte, und
„Katechismus
und
Katechismuserklärung“
(2 Bände
1882f.).
Theodosius
Harnack war
zweimal
verheiratet.
In erster
Ehe mit
Marie von
Ewers, einer
Tochter des
langjährigen
Rektors der
Universität
Dorpat,
Professor
Gustav von
Ewers, in
zweiter Ehe
mit
Baronesse
Helene von
Maydell,
deren Bruder
Eduard Baron
Maydell
Kammerherr,
Ritterschaftshauptmann
von Estland
war.
Von Harnacks
Kindern aus
erster Ehe
haben vier
Söhne sich
als
Professoren
einen Namen
gemacht: der
berühmte
Theologe,
Initiator
und
Präsident
der
Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft
sowie
Kanzler des
Ordens Pour
le mérite,
Exzellenz
Adolf von
Harnack
(1851-1930),
sein
Zwillingsbruder,
der
Physiker
Axel von
Harnak
(1851-1888),
der
Pharmakologe
Erich von
Harnak
(1852-1915)
und der
Literaturhistoriker
Otto von
Harnak
(1857-1914).
Lit.:
Johannes
Frey, Die
Theol.
Fakultät
der Kais.
Universität
Dorpat-Jurjew
1802-1903,
Reval 1905.
– Reinhard
Wittram
(Hrsg.),
Baltische
Kirchengeschichte,
Göttingen
1956. –
Roderich von
Engelhardt,
Die Deutsche
Universität
Dorpat in
ihrer
geistesgeschichtlichen
Bedeutung,
Reval 1933.
– Hugo Semel,
Die
Universität
Dorpat 1802-
1918, Dorpat
1918. –
Deutsch-Baltisches
Biographisches
Lexikon
1710-1960,
Köln 1970.
Erik Thomson