Wie äußerte
sich doch
der
Waldschlesier
Hugo Hartung
über
Schlesien:
„Hier fühlte
ich mich vom
ersten Tage
an wunderbar
daheim. Da
war
Vaterland in
den
anmutigen
Waldbergen
und den
goldenen
Felderbreiten,
doch auch im
dunklen
Fachwerk
mittelalterlicher
Häuser und
Mühlen – da
war
Mutterland
im Glatzer
Bergland mit
seinen
barocken
Kirchen, und
das Barocke
noch
gesteigert
zu
köstlicher
Vollendung
in der
Architektur
der
Breslauer
Kirchen und
Kapellen.
Und es gab
so viele
echte
Behaglichkeit
und
herzliches
Gutsein
unter
einfachen
Menschen,
daß man
Schlesien
zur
Wahlheimat
machen mußte.
Noch enger
aber band
das Leid des
Untergangs,
der
Zerstörung
und der
Austreibung
mich an
dieses Land,
daß es
vollends
geliebte,
verlorene,
unvergessene
Heimat
geworden
ist.“
Hugo Hartung
wurde am 19.
September
1902 in
Netzschkau
im Vogtland
geboren.
Seine Mutter
kam aus dem
Sudetenland.
Er studierte
in Leipzig
und München
Theaterwissenschaft,
Kunst- und
Literaturgeschichte.
An der
Landesbühne
in München
war er von
1928 bis
1931 als
Dramaturg
tätig. In
der Zeit von
1931 bis
1940
arbeitete
Hartung als
Autor und
Redakteur
bei
verschiedenen
Sendern und
war auch
nebenbei in
Oldenburg
Dramaturg.
Danach
wirkte er
bis zum
Zusammenbruch
Deutschlands
im Jahre
1945 als
Chefdramaturg
in Breslau,
wo er als
Soldat am
Festungskampf
teilgenommen
hat. Sein
biographisches
Buch
„Schlesien
1944/45 –
Aufzeichnungen
und
Tagebücher“,
welches 1956
erschienen
ist, ist ein
beredtes
Zeugnis, wo
es im
Eintrag vom
30. Juni
1945 heißt:
„Der Größe
nach
antreten! –
Dieses
Kommando zum
letzten Mal.
Ohne Eile
und ohne auf
das
nachbarliche
Maß zu
achten,
schieben
sich die
Männer
durcheinander,
die Kranken,
die
Einbeinigen,
die
Einarmigen.
Dann steht
der Haufen
einigermaßen.
Und wartet
wieder
einmal! ...
Der
russische
Kapitän
kommt. Er
verliest die
Namen und
händigt die
Entlassungspapiere
aus. Ich muß
ziemlich
lange
warten.
Endlich mein
Name ...“
Stärker noch
als in
seinem Roman
vom Untergang Breslaus, „Der Himmel war unten“, gestaltete Hugo Hartung
in seinem
nächsten
Buch,
„Gewiegt von
Regen und
Wind“
(1954),
Einzelschicksale,
wie das von
einem
oberschlesischen
Pastor,
eines
durchschnittlichen
Menschen und
mittelmäßigen
Theologen,
der aus
Oberschlesien
ausgewiesen
mit dem
Fahrrad
unterwegs
nach dem
Westen ist
und im
Sommer 1945
in den Sog
des
ungeheuerlichen
Geschehens
gerät:
Zehntausende
von
Heimatlosen,
die jenseits
der
Görlitzer
Neiße ihre
Dörfer,
Wälder und
Berge nahe
vor Augen
sahen,
warten auf
die
Rückkehr,
werden von
Gerüchten
genarrt und
müssen
erfahren,
daß die
einzige
intakte
Brücke sie
von der
Heimat
trennt,
statt
hinüberzuleiten.
Im
Zusammenhang
der
genannten
Romane, mit
denen der
Schriftsteller
erstmals
Aufsehen
erregte,
steht auch
seine
Erzählung
„DER
DESERTEUR
oder die
große
belmontische
Musik“,
welche er
der
Erinnerung
an Breslau
widmete.
Darin heißt
es in einem
Brief, den
der
Schriftsteller
T. an seine
Frau
schreibt:
„Groß und
schön wäre
es,
dichtend,
das ist
selig
leidend und
unter Tränen
lächelnd,
den
Menschen,
und nicht
nur denen
des eigenen
Volkes, noch
einmal die
Wahrheit
sagen zu
können –,
und wenn sie
die große
belmontische
Melodie hat,
bedarf sie
des
Übersetzens
nicht. Sie
klingt dann
in ihrer
Heiterkeit
unmittelbar
von Herz zu
Herz der
Völker wie
die Musik
Mozarts, der
in Büchners
Jahren
gleich um
das
Geheimnis
wußte ...“
Neben den
schönen
französischen
Geschichten
„Das
Feigenblatt
der schönen
Denise“ aus
dem Jahre
1952 steht
der
Zwillingsroman
„Aber Anne
hieß Marie“
von 1952.
Zu den
filmischen
Welterfolgen
zählen die
Romane „Wir
Wunderkinder“
(1957), „Ein
Prosit auf
die
Unsterblichkeit“
(1960) und
nicht
zuletzt „Ich
denke oft an
Piroschka“,
welche in
mehrere
Sprachen
übersetzt
wurden.
In einer
Besprechung
zu Hartungs
Roman „Stern
unter
Sternen“ aus
dem Jahre
1963 heißt
es in der
Süddeutschen
Zeitung:
„Hugo
Hartung
bemüht sich,
Gegenwärtiges
im
Vergangenen,
Problematisches
im
Poetischen
aufgehen zu
lassen. So
umkreist er
die Zeit der
ersten
großen
naturwissenschaftlichen
Erkenntnisse,
von denen
unser
heutiges
Weltbild
herkommt,
einer Zeit,
in der
Wissenschaft
und Kunst
noch nach
einer
Einheit
strebten und
die Natur,
auch in der
Atmosphäre,
in der wir
leben, noch
groß und
beherrschend
war, jeder
Sturm, jeder
Wetterumschlag
ein
Geheimnis.
Es ist die
Geschichte
der
Wanderschaft
zweier
ungleicher
Freunde, in
der kleine
Leiden und
Freuden die
große
Auseinandersetzung
mit den
Weltproblemen
und den
großen,
ewigen
Fragen
zwanglos
unterbrechen.
Es ist die
Geschichte
einer
Gefahr, die
der Bau
einer
kosmologischen
Uhr
heraufbeschwört.
Wem kämen da
nicht
Gedanken an
andere
Gefahren,
die heute
heraufbeschworen
werden ... –
für die
ganze
Menschheit.
Im Besitz
einer
sicheren
Sprachkultur
kommt
Hartung zu
weit
tieferen
Ergebnissen.“
Seinen
letzten
heiter-satirischen
Romanen
„König
Bogumil“ und
„Timpe gegen
alle“
folgten die
Erzählungsbände
„Die glitzernde Marietta“ und „Keine Nachtigallen im Ölbaumwald“
sowie der
Roman „Die
stillen
Abenteuer“.
Zunächst in
Berlin
wohnend,
später in
München, wo
Hugo Hartung
am 2. Mai
1972
überraschend
starb,
hinterließ
er ein
umfassendes
literarisches
Werk, das
weiterhin
Beachtung
verdient.
Bild:
Schlesischer
Kulturspiegel.
Konrad
Werner