Als Sohn
eines
Torschreibers
und
Stadtmusikanten
von Goldap
entstammte
Johann
Friedrich
Hartknoch
bescheidenen
Verhältnissen.
Der Rektor
seiner
Schule
empfahl
jedoch, daß
er ein
Studium
aufnehme,
und demgemäß
hörte der
zukünftige
Verleger ab
1755/56 an
der
Universität
Königsberg
Jura und
Theologie.
Von
vornherein
mußte er das
Studium mit
dem
Broterwerb
verbinden,
was zu einer
Tätigkeit
beim
Königsberger
Buchhändler
Johann Jakob
Kanter und
dann zum
endgültigen
Überwechseln
auf dieses
Berufsfeld
führte. Ab
1763 war
Hartknoch im
kurländischen
Mitau
Mitarbeiter
einer
Filiale
Kanters, die
er im
folgenden
als Besitzer
übernahm. In
Mitau führte
er auch Anna
Benigna
Mehmel als
Gemahlin
heim.
Indessen
hatte
Hartknoch
bereits 1765
in Riga eine
weitere
Buchhandlung
eröffnet.
Nachdem er
1767 in
diese größte
Stadt des
Baltikums
übergesiedelt
war, schloß
er bald sein
Mitauer
Geschäft.
Als rühriger
Buchhändler
bezog
Hartknoch
Druckwerke
aus Leipzig,
Berlin,
Königsberg
und weiteren
Verlagszentren,
um sie im
Baltikum und
in Rußland
abzusetzen.
Für das
letztere
wurde er
zum
wichtigsten
Lieferanten
deutscher
Literatur.
Umgekehrt
vermittelte
er dem
Westen
deutsch- und
russischsprachige
Werke, die
in Rußland
erschienen.
Die
großzügige
Versendung
von
Katalogen
und
Ansichtsexemplaren
und die
Knüpfung
eines Netzes
von
Kommissionären
bildeten
wichtige
Voraussetzungen
für den
erzielten
buchhändlerischen
Erfolg.
Noch
bedeutsamer
war die 1765
beginnende
Tätigkeit
Hartknochs
als
Verleger. In
erster Linie
muß
gewürdigt
werden, daß
er
zahlreiche
Werke der
deutschen
Geistesheroen
Immanuel
Kant, Johann
Gottfried
Herder und
Johann Georg
Hamann
herausgebracht
hat, die er
seit seiner
Königsberger
Zeit kannte.
Zu den
Editionen
seines
Verlages
gehören die
Erstauflagen
von Kants
„Kritik der
reinen
Vernunft“
(1781) und
von Herders
„Ideen zur
Philosophie
der
Geschichte
der
Menschheit“
(1784-1791).
In sehr
erheblichem
Maße hat
Hartknoch
auch die
geistige
Aktivität
speziell in
den
Ostseeprovinzen
Rußlands
gefördert,
indem er
Werke
deutschbaltischer
Autoren
veröffentlichte.
In seinem
Verlag
erschienen
die
„Nordischen
Miszellaneen“
August
Wilhelm
Hupels, die
„Livländischen
Jahrbücher“
von
Friedrich
Konrad
Gadebusch,
ebenso
Schriften
von Heinrich
Johann
Jannau und
von anderen
Aufklärern.
Eine weitere
Besonderheit
seines
Verlages
bildete die
Publikation
vieler
Schriften
von
russischen
Autoren in
deutscher
Übersetzung
und von
deutschen
Gelehrten,
die in
Rußland
tätig waren.
Aus dem
Kreis dieser
Verfasser
seien der
russische
Universalgelehrte
Michail
Lomonosov
und der
deutsche
Historiker
Gerhard
Friedrich
Müller
genannt. Das
angespannte,
mit
zahlreichen
Reisen
verbundene
Wirken
Hartknochs
führte zu
seinem
frühen Tod,
nach dem
sein Sohn
Johann
Friedrich
(1768-1819)
die Firma
weiterführte.
Wegen eines
Konflikts
mit der
russischen
Regierung
siedelte der
junge
Hartknoch
jedoch nach
Deutschland
über, wo der
traditionsreiche
Verlag in
Leipzig bis
1879
bestand.
Lit.:
Deutschbaltisches
Biographisches
Lexikon
1710-1960,
hg. von
Wilhelm
Lenz,
Köln-Wien
1970, S.
299; Arthur
Poelchau,
Der Verlag
von Johann
Friedrich
Hartknoch,
Riga 1918;
Henryk Rietz,
Johann
Friedrich
Hartknoch
1740-1789,
in:
Wegbereiter
der
deutsch-slawischen
Wechselseitigkeit,
hg. von
Eduard
Winter und
Günther
Jarosch,
Berlin 1983,
S. 89-99;
derselbe,
Das
Verlagswesen
in Riga in
den Jahren
1750-1810,
in:
Nordost-Archiv
18 (1985),
S. 187-214,
241-264.
Norbert
Angermann