Das Werk
Carl
Hauptmanns
ist tief im
Schlesischen
verwurzelt.
Will Erich
Peuckert
sprach von
ihm als dem
„schlesischen
Dichter“.
Wenn er auch
zeitlebens
im Schatten
seines zu
Weltruhm
gelangten
jüngeren
Bruders
Gerhart
Hauptmann
stand, so
ist er doch
unbestritten
eine
eigenständige
Erscheinung
in der
deutschen
Literatur.
Carl
Hauptmann
wurde am 11.
Mai 1858 in
Salzbrunn
geboren, wo
sein Vater
das Hotel
Preußische
Krone
führte. Nach
dem
Schulbesuch
in Breslau
begann er ab
1880 das
Studium der
Naturwissenschaften
bei Prof.
Haeckel in
Jena. Durch
seine
Eheschließung
mit Martha
Thienemann
im Jahre
1884 war es
ihm möglich,
seinen
Studien
nachzugehen.
1885
siedelte er
mit seiner
Frau nach
Zürich über,
was wohl
durch seine
Freundschaft
mit Richard
Avenarius
zustande
kam, und ihn
beschäftigte
der Gedanke
an die
Habilitation.
Der
Gegenstand
seiner
Doktorarbeit
zuvor war in
Jena die
Keimblättertheorie.
Nach einer
vorübergehenden
Übersiedlung
nach Berlin
ergab es
sich, dass
die Brüder
Gerhart und
Carl
Hauptmann
nach einer
Reise in das
Riesengebirge
ihre
Übersiedlung
nach
Mittelschreiberhau
ins Auge
fassten, zu
der es 1890,
nach dem
Erwerb eines
entsprechenden
Grundstückes,
auch kam.
Sein erstes
Buch
Sonnenwanderer
erschien im
gleichen
Jahr in
Berlin. Es
sind
Erzählungen
von
Schreiberhauer
Einzelgängern
und deren
Eigentümlichkeiten.
Zudem
erschien
1893 seine
Publikation
Metaphysik
in der
modernen
Physiologie.
Mit seinem
ersten
Schauspiel
Marianne
im Jahr 1894
erfolgte
schließlich
sein
Durchbruch
zur
Literatur.
Darauf folgt
1896 das
Volksstück
Waldleute,
das sich in
abgelegenen
Walddörfern
unter
Grenzern,
Schmugglern
und
Wilderern
abspielt.
Weitere
Bühnenstücke
Ephraims
Breite
und
Bergschmiede
machen
von sich
reden. Zu
dem
letzteren
äußerte sich
der bekannte
Literaturhistoriker
Prof. Dr.
Dr. Hans
Heinrich
Borchardt
wie folgt:
„Noch nie
hat das
Riesengebirge
einen
solchen
Darsteller
gefunden,
der es so
aus dem
Innersten
heraus
erfasst
hätte;
keinen
wuchtigeren
Hintergrund
konnte
Hauptmann
für seine
Dichtung
finden, als
die
eigentümliche
Natur seiner
heimatlichen
Berge, über
denen immer
eine herbe
Stimmung
liegt, deren
kahle Gipfel
an die
Vergänglichkeit
alles
Irdischen zu
mahnen
scheinen und
die, vom
Sturme
umtost, eine
ähnliche
Leidenschaft
zu fühlen
scheinen wie
der
Bergschmied,
der an ihren
Hängen
wohnt. Die
Berge selbst
scheinen an
diesem Drama
teilzunehmen.“
Zum
eindringlichen
Schilderer
schlesischer
Menschen
wurde Carl
Hauptmann
vollends in
seinen zu
Unrecht
vergessenen
Dramen
Die lange
Jule und
Die
armseligen
Besenbinder,
sowie in
seinen
Gedichten
Hütten am
Hange
und in
seinem
großen Roman
Mathilde,
der das
ergreifende
Schicksal
einer
Schreiberhauer
Arbeiterfrau
erzählt. Da
liegt der
Vergleich zu
Gerhart
Hauptmanns
Hannele
sehr nahe.
Dieses Werk
erschien
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
noch einmal
als
Volksausgabe.
Zu den
hervorragenden
Inszenierungen
seiner
Bühnenwerke
kam es in
Breslau und
Berlin, in
Dresden und
München. Das
brachte Carl
Hauptmann
wohl auch
die
Auszeichnung
mit dem
Volks-Schiller-Preis
ein.
Ansonsten
konnte man
ihn eher zu
den „Stillen
im Lande“
zählen, der
das
Rampenlicht
nicht
unbedingt
suchte oder
unversehends
hineingeriet,
wie sein
Bruder
Gerhart, von
dessen
Anfängen
Martha
Hauptmann zu
berichten
weiß:
„Gerhart ist
mit einem
Male in
aller Munde
– bewundert,
gehätschelt
und umjubelt
steht er mit
seinem
jugendlich-knabenhaften
Äußeren im
Mittelpunkt
der
schäumenden,
künstlerischen
Bewegung.“
... „Seine
Arbeiten
waren wie
aus unserem
eigenen
Fleisch und
Blut
geboren,
unsere
begeisterte
Liebe
gehörte
ihnen und
ihr Erfolg
und
siegreicher
Aufgang riß
uns taumend
mit fort.“
Mit seinem
Roman
Einhart der
Lächler
schuf er
sein
reifstes und
tiefstes
Werk. Bei
aller
Intensität,
die er
aufwandte,
die äußeren
Lebensumstände
der Menschen
zu
beschreiben,
kam es ihm
auf die
Bloßlegung
der „inneren
Welt“ an,
gemäß seiner
Losung
„ich fahnde
allenthalben
nach Seele“.
Das Buch war
einer der
ersten
„modernen“
Künstlerromane
und gab
Aufschluss
über den
künstlerischen
Entwicklungsprozess
im
allgemeinen
und
behandelte
im
besonderen
in etwa das
Leben eines
der
bedeutendsten
Maler
Schlesiens,
Otto Müller,
der halb
zigeunerhafter
Abstammung
war und ein
faszinierender
Künstler
gewesen ist,
mit dem sich
Carl
Hauptmann
stellenweise
identifizierte.
Mit diesem
Werk
vollzieht
Carl
Hauptmann
auch seine
Wandlung vom
Naturalisten
zum
Expressionisten,
und er führt
dazu aus:
„Der
Naturalismus
hat recht,
sofern er
das Milieu
ergriff.
Aber nicht,
weil er
damit ins
Menschenwesen
als
Naturwesen,
sondern nur
als
Sozialwesen
Einblick
gewährt. Der
Naturalismus
ist die
Kunst des
Menschen als
Sozialwesen.
Aber wenn er
damit die
Naturwesen
erklären
will, so
irrt er. Die
tiefsten
Verborgenheiten
unserer
Leidenschaften
wurzeln in
einer
anderen
Natur und
das Milieu,
das sie
bilden half,
ist lange
versunken
…“. Er
wies unserer
Dichtung
Wege, die
aus der
naturalistischen
Enge wieder
in die Tiefe
und
Ursprünglichkeit
der
menschlichen
Seele
führten.
Zuletzt
ginge es ihm
darum:
„Vom
Menschen
groß zu
denken – das
ist die
Kraft.“
Man kann
sagen, dass
Carl
Hauptmann
die mit am
tiefsten
empfundenen
Gedichte vom
Riesengebirge
geschrieben
hat, in
denen man
etwas von
dem geheimen
Leuchten und
einem großen
Atem
verspürt,
was sie
unsterblich
machen.
Diese beiden
vor allem
Wenn ich
hoch oben
geh’ und
Meine
Berge
leuchten
wieder
sind nahezu
allen
Schlesiern
geläufig und
fanden
beizeiten
Eingang in
die
Lesebücher.
Mit dem 1915
erschienenen
Rübezahlbuch
wird er zum
„Dichter des
Riesengebirges“
im wahrsten
Sinne, ja
seine
Identifizierung
mit seinen
geliebten
Bergen und
mit ihrem
Berggeist
geht soweit,
dass er in
seiner
äußeren
Erscheinung
mit seinem
Bart und der
Warze im
Gesicht, mit
seinen
gütigen und
mitunter
auch zornig
dreinschauenden
Augen, mit
dem großen
Schlapphut
und dem im
Winde
wehenden
Umhang
ungefähr dem
Rübezahl
glich, der
auf dem
berühmten
Bild von
Moritz von
Schwind zu
sehen ist.
Dadurch kam
es wohl auch
zu dem
Ehrennamen
Carl
Rübezahl.
Er war
leutselig
und seine
zweite Frau
Maria wusste
zu
berichten,
wie sehr der
„Herr
Doktor“
in
Schreiberhau
Freund und
Vertrauter
der Leute im
Dorfe war,
die er
mitunter in
sein Haus
einlud, um
ihnen das
vorzulesen,
was er erst
kurz vorher
niedergeschrieben
hatte.
Es würde zu
weit führen,
in diesem
Zusammenhang
alle Werke
zu nennen,
die in
dichter
Folge von
Carl
Hauptmann
geschaffen
wurden und
das vor
allem auch
in den
Jahren, in
denen sein
Gesundheitszustand
nicht mehr
der beste
war.
Wie sehr
aber sein
Leben ein
Leben im
Schatten
seines
Bruders war,
weil die
Öffentlichkeit
das
besorgte,
sei am
Beispiel der
Uraufführung
seines
Tobias
Buntschuh
aufgezeigt.
So wird
einmal davon
berichtet:
„Der
Eindruck im
Theater war
so mächtig,
dass
Reinhardt
völlig davon
betroffen
war. Er
nannte die
Teilnahme
einmal
‚beispiellos‘
und sagte
dann auch,
dass das
‚deutsche
Theater‘
eine solche
Begeisterung
kaum je
erlebt
habe.“
Dazu Carl
Hauptmann
selbst:
„Das Spiel
ist diesmal
sonderlich
aufgedeckt
worden. Seit
Jahrzehnten
hat man
durchschlagende
Bühnenerfolge
von mir auf
Gerharts
Konto
gebucht,
ohne dass
eine
Berichtigung
der Wahrheit
geschehen
wäre ...“
Wie
berichtete
doch auch
hierüber der
Theaterkritiker
im
Berliner
Tagblatt:
„Ein
Wendepunkt
für Gerhart
Hauptmann? …
Das Deutsche
Theater
erlebte
einen ganz
außergewöhnlich
starken
Erfolg; es
schuf einen
Siegesabend
für Gerhart
Hauptmann …“
Im letzten
Jahr seines
Lebens
gelangte
Carl
Hauptmann zu
seiner
größten
Verinnerlichung.
Die Summe
seines
Nachdenkens,
die
Erkenntnis
darüber, was
im Leben
eines
Menschen
eigentlich
zählt, fand
vor allem in
den Briefen
seinen
Niederschlag.
Wie sagte er
selbst:
„Ich habe
Ahnungen von
einem
Schlussstein,
den ich
meinem Werke
lege, wenn
es sich
runden
kann.“
Über viele
Jahre hinweg
hatte er in
die
flüchtige
Zeit seine
Träume
geritzt,
hatte
erfahren,
mit welchen
Nichtigkeiten
die Menschen
einander
ängstigen
und war wohl
unaufhörlich
darum
bemüht, die
sich immer
wieder
einstellenden
Finsternisse
etwas
aufzuhellen
und wusste
gut genug,
dass die
Wahrheit
sich oft
Zeit lässt,
aber doch
noch immer
jeden
einholte.
Am 4.
Februar 1921
kam der Tag
in jenem
Haus an der
böhmischen
Furt heran,
den Carl
Hauptman
nicht mehr
überleben
sollte. Von
seinem
Krankenlager
aus hatte er
sich noch
angeregt mit
seiner Frau
Maria und
der Tochter
Monona
unterhalten.
Mit dem Arzt
Dr. Ripke
wechselte er
noch einige
Worte und
war nach
einer Weile
der
Bewusstlosigkeit
schließlich
verstorben.
Am 8.
Februar fand
im
Bauernhäuschen
die
Totenfeier
statt.
Werner
Sombart
spricht
rückschauend
über das
Leben des
Dichters:
„Carl
Hauptmann
hat sich zu
seiner Größe
und
Vollkommenheit,
zu seiner
eigensten
Eigenart in
langem
Kampfe
Schritt für
Schritt
entfaltet,
wie es dem
ringenden
Menschen auf
dieser Erde
aufgegeben
ist …“.
Er schließt
mit den
Worten:
„Carl
Hauptmann
ist nicht
tot; Carl
Hauptmann
lebt und
wird leben
in aller
Zeitlichkeit
und aller
Ewigkeit.“
Auf dem
Friedhof in
Niederschreiberhau
wurde er
begraben.
Der von
Meister
Poelzig
geschaffene
Grabstein
aus Keramik
trägt u.a.
die Verse
des
Volksliedes,
das Carl
Hauptmann
einst seinem
Sohn Einhart
mit auf den
Weg gab.
„Wohl unter den
Röslein,
wohl unter
dem Klee,
darunter
verderb ich
nimmermeh’!“
„Denn
jede Träne,
die dem Auge
entquillt,
macht, dass
mein Sarg
mit Blute
sich füllt.
Doch jedes
Mal, wenn Du
fröhlich
bist,
mein Sarg
voll
duftender
Rosen ist.“
Bild:
Holzbüste,
Stiftung
Ostdeutscher
Kulturrat.
Konrad
Werner