Rudolf
Emil
Albert
Havenstein
ist in
die
deutsche
Finanzgeschichte
eingegangen
als der
Präsident
der
Reichsbank,
der sich
einerseits
große
Verdienste
um die
deutschen
Finanzen
vor dem
Ersten
Weltkrieg
und um
die
Kriegsanleihen
während
jenes
Krieges
erworben
hat, in
dessen
Amtszeit
andererseits
die
riesige
Geldentwertung
durch
die
Inflation
von 1923
fiel.
Rudolf
Havenstein
wurde
als Sohn
des
Juristen
Robert
Havenstein
und
seiner
Frau
Bertha
geb.
Braut in
Meseritz
geboren.
Hier
besuchte
er die
Volksschule
und die
ersten
Klassen
des
Gymnasiums
und zog
dann mit
seinen
Eltern
nach
Stargard/
Pommern
um.
Dorthin
war sein
Vater
als
Landgerichtsdirektor
versetzt
worden.
Am
renommierten
Gymnasium
in
Stargard
bestand
Rudolf
Havenstein
im Jahre
1873 als
kaum
Sechzehnjähriger
mit
guten
Noten
sein
Abitur.
Seine
Mutter
war ein
Jahr
davor
gestorben.
An der
Rupprecht-Karls-Universität
im
idyllischen
Heidelberg
begann
er 1873
das
Studium
der
Rechtswissenschaften.
Die
letzten
Semester
studierte
er an
der
Friedrich-Wilhelms-Universität
Berlin
(heute:
Humboldt-Universität).
Nach
drei
Jahren
schloss
Rudolf
sein
Jurastudium
mit dem
Referendarexamen
ab.
Im
August
1876
begann
er
seinen
Staatsdienst
für
Preußen.
Es
sollte
eine
beispiellose
Juristenkarriere
werden
mit
hohen
Ämtern
und
Ehrungen.
Im
Dezember
1981
wurde
Havenstein
Gerichtsassessor
und im
Bezirk
des
Oberlandesgerichts
Stettin/Pommern
eingesetzt.
Sechs
Jahre
später
war er
Amtsrichter
in
Arnswalde/Neumark.
Er blieb
seiner
Heimat
im Osten
treu. In
dieser
Zeit
begründete
Rudolf
auch
sein
privates
Glück:
1889
heiratete
er die
neun
Jahre
jüngere
Maria
von
Meyer.
Die
Braut
war wie
er
evangelisch
erzogen.
Wenig
später,
1890,
wurde
Havenstein
unter
Ernennung
zum
Regierungsrat
an das
Preußische
Ministerium
der
Finanzen
in
Berlin
versetzt
und noch
im
selben
Jahr zum
Geheimen
Finanzrat
befördert.
Nach
sechs
Jahren
stieg er
zum
Geheimen
Oberfinanzrat
auf. Ihm
wurde
die
Aufgabe
als
Kommissar
des
Deutschen
Reiches
bei der
Ansiedlung
für
Westpreußen
und
Posen
übertragen.
Damit
war der
geborene
Meseritzer
wieder
für
seine
Heimat
tätig.
Im März
1900
erhielt
Havenstein
in
Berlin
eine
neue
Aufgabe:
Er wurde
zum
Präsidenten
der
Königlich-Preußischen
Seehandlung
(Preußische
Staatsbank)
ernannt.
Diese
Einrichtung
war von
König
Friedrich
II. von
Preußen
im Jahre
1772
unter
dem
Namen
Seehandlungssocietät
gegründet
worden.
Dieses
See- und
Handelsinstitut
entwickelte
sich im
Laufe
des 19.
Jahrhunderts
zu einer
wichtigen
Finanzeinnahmequelle
des
preußischen
Staates,
dem es
jährlich
3 bis 4
Millionen
Mark
zuführte
(so z.
B. im
Haushaltsjahr
1890).
Bald
wurde
auch der
Name
Seehandlungssocietät
geändert
in
Königlich-Preußische
Seehandlung
und
später
in
Preußische
Staatsbank
(Seehandlung).
Diese
Preußische
Staatsbank
leitete
Havenstein
von März
1900 bis
Ende
1907.
Dann
erwartete
ihn die
letzte
und
größte
Aufgabe
seiner
erfolgreichen
Berufskarriere:
Am
6.1.1908
erhielt
er das
Amt des
Präsidenten
der
Reichsbank,
zunächst
mit der
Amtsbezeichnung
Rat
l.
Klasse,
wenige
Monate
später
Wirklicher
Geheimer
Rat.
Als
solchem
gebührte
ihm die
Anrede „Exzellenz“,
ein
Titel,
der in
Deutschland
seit dem
17.
Jahrhundert
nur für
höchste
Beamte
und
Militärs
verwendet
wurde.
Weitere
Ehrungen
erfuhr
er, als
er 1909
die
Rote-Kreuzmedaille
2.
Klasse
erhielt,
dann den
Königlichen
Kronenorden
1.
Klasse,
ein Jahr
später
den
Kaiserlich-Österreichischen
Orden
der
Eisernen
Krone 1.
Klasse.
Im Jahre
1913
wurde
Havenstein
Mitglied
des
Preußischen
Herrenhauses,
der
Ersten
Kammer
des
Preußischen
Landtages.
Der
Erste
Weltkrieg
1914 bis
1918
ging am
Leben
der
Familie
Havenstein
nicht
spurlos
vorüber.
Der
einzige
Sohn
Leutold
fiel am
14.
August
1916.
Den
Eltern
blieben
die
Töchter
Annemarie
und
Gerda.
Doch gab
es für
Rudolf
Havenstein
in
dieser
Zeit
auch
hohe
Ehrungen.
Im
November
1914
erfuhr
er die
Ehrenpromotion
zum Dr.
phil.
h.c.
sowohl
der
Rheinischen
Friedrich-Wilhelms-Universität
Bonn als
auch der
Kaiser-Wilhelm-Universität
Straßburg,
im Juli
1915 die
Ehrenpromotion
zum Dr.
jur.
h.c. der
Friedrich-Wilhelms-Universität
Berlin.
Er wurde
im März
1915
Ehrenbürger
der
Stadt
Stargard,
im
November
1916
Ehrenbürger
seiner
Heimatstadt
Meseritz
und im
Dezember
1916
Ehrenbürger
der
Stadt
Arnswalde.
Selbst
das Land
Bayern
verlieh
dem
Preußen
Havenstein
einen
Orden:
den
Bayerischen
Militärverdienstorden
l.
Klasse
mit
Schwertern.
Besonders
wertvolle
Ehrungen
erfuhr
er durch
die
Verleihung
des
Roten
Adlerordens
l.
Klasse
mit
Eichenlaub
und der
Goldenen
Leibnizmedaille
der
Königlich-Preußischen
Akademie
der
Wissenschaften
in
Berlin.
Als
Kriegsauszeichnungen
erhielt
Havenstein
im
Dezember
1914 das
Eiserne
Kreuz
mit
weißem
Band in
schwarzer
Einfassung,
im März
1915 das
Eiserne
Kreuz 2.
Klasse,
dann im
April
1915 das
der 1.
Klasse.
Schon
vor
Ausbruch
des
Krieges
hatte
Havenstein
große
Verdienste
um die
Finanzierung
der
deutschen
Volkswirtschaft.
Nach dessen Ausbruch hatte er maßgeblichen Anteil an der Einführung
der
Kriegsanleihen.
Bei
diesen
Anleihen
handelte
es sich
um
langfristige
staatliche
Kreditaufnahmen
zur
Deckung
von
Ausgaben
des
Deutschen
Reiches
für den
Krieg.
Insgesamt
wurden
neun
solcher
Anleihen
aufgelegt;
sie
erbrachten
98,7
Milliarden
Mark.
Rudolf
Havenstein
hat zwei
wichtige
Reden
dazu
gehalten:
eine zur
7.
Kriegsanleihe
am 20.
September
1917 in
der
Handelskammer
Frankfurt
am Main
und eine
andere
am 11.
März
1918 in
der
Universität
München;
am 2.
Mai 1918
hielt er
die
Festrede
zur
Eröffnung
der
Zentralstelle
für
bargeldlosen
Zahlungsverkehr.
Die
während
der
Amtszeit
Havensteins
als
Reichsbankpräsident
herausgegebenen
Banknoten
als
gesetzliche
Zahlungsmittel
enthielten
seine
aufgedruckte
Unterschrift
und die
der
anderen
Mitglieder
des
Reichsbankdirektoriums.
So steht
sein
Name
auch auf
einer
Banknote
von 1923
mit dem
riesigen
Nennwert
von l
Million
Mark.
Die
Inflation
in
Deutschland
war es
denn
auch,
die an
Havenstein
in der
Schlüsselposition
des
Reichsbankpräsidenten
wie auch
an alle
für
Währung
und
Geldwert
verantwortlichen
Politiker,
Beamte
und
Banker
in
Deutschland
höchste
Anforderungen
stellte.
Aus l
Mark im
Jahre
1913
waren 45
Mark im
Januar
1922
geworden,
4.200
Mark im
Januar
1923,
über l
Million
Mark im
August
1923, 6
Milliarden
Mark im
Oktober
1923 und
l
Billion
Mark auf
dem
Höhepunkt
der
Inflation
am 15.
November
1923.
Entsprechend
stiegen
die
Kosten
für l
US-Dollar
von 4
Mark vor
der
Inflation
auf 4
Billionen
Mark auf
deren
Höhepunkt.
Die
Auswirkungen
der
Geldentwertung
auf die
Menschen
in
Deutschland
waren
katastrophal.
Die
geradlinigen
Schemata
und die
Grenzen
überkommener
wirtschaftlicher
Regeln
waren
zerrissen.
Vorher
Verbundenes
war
auseinander
gesprengt.
Widerstreitende
Interessen
von
Banken,
von
Finanzwissenschaftlern
und von
Politikern
verschiedener
Parteien
konnten
nicht
mehr
miteinander
in
Einklang
gebracht
werden.
In
dieser
aus den
Fugen
geratenen
Wirtschaftslage
war es
für
einen
preußischen
Beamten
vom
alten
Schlage
tiefbegründeter
Tradition
gerader
und
ehrlicher
Arbeit
ungeheuer
schwer,
wenn
nicht
unmöglich,
sich der
Wendung
der
Dinge
anzupassen.
Im
Sommer
1923
wurde in
der
Berliner
Börsenzeitung
mehrfach
schon
Dr.
Hjalmar
Schacht
als der
Nachfolger
von
Rudolf
Havenstein
als
Reichsbankpräsident
genannt.
Die
Regierung
Gustav
Stresemann
(Deutschnationale
Volkspartei)
hatte
unmittelbar
nach
ihrem
Regierungsantritt
am 13.
August
1923
versucht,
Havenstein
zum
Rücktritt
zu
bewegen.
Dieser
aber
hatte
das
Ansinnen
abgelehnt.
Stresemann,
der
Kanzler
einer
großen
Koalition
mit SPD
und DVP,
musste
sich mit
dieser
Entscheidung
Havensteins
abfinden.
Die
Reichsbank
war seit
Mai 1922
in ihren
Entschlüssen
unabhängig;
so
konnte
sich der
Zentralausschuss
der
Reichsbank
in
Berlin
mit
einem
Beschluss
vom 25.
August
1923
demonstrativ
hinter
den
Präsidenten
stellen.
Doch
hinter
den
Kulissen
wurde
viel
geschoben.
Hugo
Stinnes,
Fritz
Thyssen,
Albert
Vogler
und
andere
Großindustrielle
und
Bankiers
berieten,
wie sie
die ins
Wanken
geratene
bürgerliche
Ordnung
retten
könnten.
Reichskanzler
Stresemann
suchte
einen
Ausweg
aus der
„Katastrophen-
und
Erfüllungspolitik“,
den
Reparationszahlungen
an die
Siegermächte.
Am
wichtigsten
erschien
allen
eine
Stabilisierung
der
Mark.
Die
Inflation
musste
ein Ende
haben.
Dazu
sollten
im
Rahmen
einer
Zwischenlösung
die
deutschen
Gold-
und
Devisenbestände
durch
Schaffung
der
Rentenmark
beitragen.
Dr.
Schacht
sollte
mit
Hilfe
der
Großbanken,
wie
Deutsche
Bank und
Dresdner
Bank,
sowie
mit
Einsatz
von
USA-Kapital
die
Pläne
durchsetzen.
Schacht
wurde am
12.
November
1923 zum
Reichswährungskommissar
ernannt.
Havenstein
war in
jenen
Wochen
des
Höhepunkts
der
Inflation
zunehmender
Kritik
und
öffentlicher
Diskussion
ausgesetzt.
Diese
Kritik
war
selten
sachlich,
sondern
meist
voller
Häme,
wie die
Bemerkung
des
britischen
Botschafters
in
Berlin,
Viscounte
D’Abernon,
zeigt,
der
Rathenau,
Wirth
und
Havenstein
zu den
Inflationisten
zählte,
die in
seinen
Augen „allesamt
Schwachköpfe“
waren,
weil sie
die
Inflation
als
Produkt
der
ungünstigen
Zahlungsbilanz
und
nicht
der
Druckerpresse
interpretierten.
„Wie
ich
schon an
anderer
Stelle
sagte,
kam es
in
Deutschland
nur über
vier
Leichen
zur
Stabilisierung
... Es
waren
dies
Rathenau,
Havenstein,
Helfferich
und
Stinnes“
(D’Abernon
in: „Deutschland
und der
Youngplan“).
Dem hier
gegebenen
Konflikt,
zusammen
mit den
immer
wieder
aufgenommenen
Versuchen,
auch den
Erfordernissen
der
Wirtschaft
gerecht
zu
werden,
war „die
intellektuelle
und
willensmäßige
Struktur
dieses
menschlich
aufs
höchste
zu
schätzenden
altpreußischen
Beamten
nicht
gewachsen“
(Berliner
Börsenzeitung,
20.
November
1923;
Zeit,
November
1923).
Während
eines
dringend
notwendigen
kurzen
Erholungsurlaubs
im
November
1923
überfiel
Havenstein
eine
Grippe,
so dass
er schon
krank
nach
Hause
zurückkehrte.
Er starb
am 20.
November
1923 an
einem
Herzschlag
in
seiner
Berliner
Dienstwohnung.
Der
plötzliche
Tod von
Rudolf
Havenstein
führte
zu einer
Wende.
Zwar
bekämpften
Direktorium
und
Zentralausschuss
der
Reichsbank
erbittert
Hjalmar
Schachts
Kandidatur
als
Reichsbankpräsident
und
zogen
Karl
Helfferich
von der
Deutschen
Bank
vor. In
der
neuen
Reichsregierung
von
Wilhelm
Marx
setzten
sich
jedoch
die
Kräfte
für eine
Entscheidung
zugunsten
von
Schacht
als
neuen
Reichsbankpräsidenten
durch.
Dieser
trat das
Amt am
8.
Januar
1924 an.
Nach
einer
großen
Trauerfeier
am 23.
November
1923 im
Lichthof
der
Halle
des
Reichsbankgebäudes
in
Berlin,
an der
u.a.
Reichskanzler
Dr.
Stresemann,
Finanzminister
Dr.
Luther,
General
von
Berendt
vom
Wehrkreiskommando
und
prominente
Mitglieder
der
Industrie,
der
Banken,
des
Handels
und
Handwerks
teilnahmen,
wurde
Rudolf
Havenstein
im
engsten
Familienkreis
auf dem
St.
Annen-Friedhof
in
Berlin-Dahlem
beigesetzt.
Die
Grabstätte
besteht
noch
heute.
Werke
(Auswahl):
Rede
aus
Anlass
der VII
Kriegsanleihe,
gehalten
am 20.
September
1917 im
großen
Sitzungssaal
der
Handelskammer
Frankfurt
am Main,
in:
Mitteilungen
der
Handelskammer
Frankfurt
a. M.,
Sondernummer
1917. –
Vortrag
zur
Kriegsanleihe,
gehalten
bei
einer
vom
Königlichen
Staatsministerium
des
Innern
veranstalteten
Vortragsfolge
im
großen
Hörsaal
der
Universität
München
am 11.
März
1918,
Sonderdruck
1918 –
Rede
anlässlich
der
Eröffnung
der
Zentralstelle
für
bargeldlosen
Zahlungsverkehr
am 2.
Mai 1918
[ohne
Ortsangabe],
Sonderdruck
1918.
Lit.
(Auswahl):
Erich
Achterberg:
Havenstein,
Rudolf
Emil
Albert,
in: Neue
Deutsche
Biographie,
hrsg.
von der
Historischen
Kommission
bei der
Bayerischen
Akademie
der
Wissenschaften,
Bd. 8,
Berlin
1969, S.
137. –
Herrmann
A. L.
Degener/R.
Ade
(Hrsg.):
Wer
ist’s?
Unsere
Zeitgenossen.
Biographien
von rund
20000
lebenden
Zeitgenossen,
Angaben
über
Herkunft,
Familie
Lebenslauf,
Veröffentlichungen
und
Werke,
Lieblingsbeschäftigungen,
Parteiangehörigkeit,
Mitgliedschaft
bei
Gesellschaften,
Adresse,
andere
Mitteilungen
von
allgemeinem
Interesse,
8.
vollkommen
neu
bearbeitete
und
bedeutend
erweiterte
Ausg.,
Leipzig
1922, S.
594 f.
–Walther
Killy/Rudolf
Vierhaus
(Hrsg):
Havenstein,
Rudolf
(Emil
Albert),
in:
Deutsche
Biographische
Enzyklopädie
(DBE),
Bd. 4,
München
[u. a.]
1996, S.
457.
–Felix
Pinner:
Rudolf
Havenstein,
in:
Deutsche
Wirtschaftsführer,
Berlin-Charlottenburg
1925, S.
181-192.
–
[Jakob]
Riesser:
Reichsbankpräsident
Dr.
Rudolf
Havenstein
1857-1923,
in:
Bank-Archiv
23
(1923/24),
S.
39-41. –
Reinhold
Schillinger:
Havenstein,
Rudolf,
in:
Biographisches
Lexikon
zur
Weimarer
Republik,
hrsg.
von
Wolfgang
Benz und
Hermann
Graml,
München
1988, S.
128 f.
Bild:
Büste,
Foto in
den
Akten
des
Magistrats
der
Kreisstadt
Meseritz,
in:
Archivum
Panstwowe
w
Gorzowie
Wlkp.
Ulrich
Radomski/Klaus
Scheel