Johannes
Heermann
gilt als der
bedeutendste
evangelische
Liederdichter
zwischen
Luther und
Paul
Gerhardt.
Not und
Elend des
30jährigen
Krieges,
dazu viel
persönliches
Mißgeschick
bescherten
ihm ein
leidvolles
Leben. Aus
seiner
Bewältigung
im Glauben
erwuchs ihm
die Kraft
zur
religiösen
Dichtung und
brachte ihm
den Beinamen
eines
„schlesischen
Hiob“ ein.
Er wurde am
11. Oktober
1585 in
Raudten bei
Wohlau als
Sohn eines
Kürschners
geboren.
Seine Mutter
bestimmt ihn
zum
Predigerberuf,
nachdem ihr
vier ältere
Kinder
gestorben
waren. Sie
bringt ihn
in das Haus
des Pfarrers
und
bekannten
Liederdichters
Valerius
Herberger.
Der nimmt
ihn als
Hauslehrer
seines
Sohnes auf,
um ihm den
Besuch der
Lateinschule
in Fraustadt
zu
ermöglichen.
Der junge
Heermann
wird Freund
und Gehilfe
des
Pfarrers,
der ihm die
entscheidenden
Anregungen
zum
dichterischen
Schaffen
vermittelt.
Danach
besucht er
ein Jahr das
Elisabet-Gymnasium
in Breslau
und bezieht
anschließend
die
Fürstenschule
in Brieg,
die als
protestantische
Bildungsstätte
einen großen
Ruf hatte
(1604-09).
Seinen
Lebensunterhalt
verdient er
sich als
„Informator“
junger
Adliger.
Nach der
Sitte der
Zeit
erbringt er
durch
Gedichte in
lateinischer
Sprache den
Beweis
seiner
Befähigung
und wird am
8. Oktober
1608 von dem
Breslauer
Arzt Caspai
Cunrad mit
Genehmigung
eines
kaiserlichen
Pfalzgrafen
zum „Poeta
laureatus
caesareus“
mit dem
Dichterlorbeer
gekrönt. Von
einer
Bildungsreise
als
Begleiter
junger
Adeliger
kehrt er
1610
schwerkrank
heim. 1611
wird er in
Koben an der
Oder zum
Kaplan und
bald darauf
zum ersten
Pfarrer
gewählt.
Fünf
glückliche
Jahre
verlebt er
in 1. Ehe
mit Dorothea
Feige, da
Tochter des
Bürgermeisters
seiner
Vaterstadt.
Ihr früher
Tod trifft
ihn schwer.
Aber ein
Pfarrhaus
braucht eine
Pfarrfrau,
und so führt
er im
nächsten
Jahr eine
Waise, Anna
Teichmann,
heim. Sie
schenkt ihm
drei Söhne
und eine
Tochter.
Bald
verschlimmert
sich sein
altes
Leiden.
Eines Tages
versagt ihm
die Stimme.
Von 1624 an
muß er sich
von
Kandidaten
vertreten
lassen, die
seine zu
Papier
gebrachten
Predigten
vorlesen.
Auch schafft
er sich
Ersatz durch
Herausgabe
gedruckter
Predigten,
einzeln und
in
Sammlungen.
Er wird
nicht
bitter,
sondern ein
Beter: „O
Gott, du
frommer
Gott, du
Brunnquell
aller Gaben,
ohn' den
nichts ist
was ist, von
dem wir
alles haben.
Gesunden
Leib gib mir
...“
Noch bevor
das Lied mit
vielen
anderen in
der „Devoti
Musica
cordis“ 1630
in Breslau
erscheint,
bricht die
Kriegsnot in
seine
Gemeinde.
1629 muß er
sich
siebzehn
Wochen vor
den
Liechtensteinschen
Dragonern in
den feuchten
Oderwäldern
versteckt
halten. In
den
folgenden
Jahren muß
er
achtzehnmal
fliehen.
Mehrfach
wird sein
Haus von
Landsknechtshorden
geplündert.
Das lange
Ausharren in
den Wäldern
legt sich
mit Rheuma
auf seine
Glieder. In
dieser Zeit
verfaßt er
seine
meisten
Kirchenlieder.
Es sind
„Tränenlieder“,
da seine
Gemeinde von
Pest
heimgesucht,
verringert,
verängstigt
und verarmt
war. Nach
Vollendung
des 50.
Lebensjahres
muß er sich
wegen
zunehmender
Krankheit
ganz aus
seinem Amt
zurückziehen.
1638
übersiedelt
er nach
Lissa, wo er
1647 nach
qualvollen
Leiden
stirbt. Sein
ältester
Sohn Samuel,
auf den er
alle
Hoffnungen
setzte, war
ihm – an
Schwindsucht
erkrankt –
im Tod
vorangegangen.
Aus der
schlichten,
formvollendeten
Sprache
seiner
Kirchenlieder
leuchtet ein
Gott, der
stärkt, der
Zuversicht
und
Geborgenheit
schenkt. Sie
sind wie das
folgende
unter
weiteren
zehn Liedern
bleibendes
Besitztum
der
evangelischen
Gemeinde
(Evangelisches
Kirchengesangbuch
für Hessen
und Nassau
1964, Nr.
276):
1. Geht hin,
ihr
gläubigen
Gedanken/ins
weite Feld
der
Ewigkeit/erhebt
euch über
alle
Schranken/der
alten und
der neuen
Zeit;/erwägt,
daß Gott die
Liebe
sei/die ewig
alt und ewig
neu./
5. Wie wohl
ist mir,
wenn mein
Gemüte/hinauf
zu dieser
Quelle
steigt/von
welcher sich
ein Strom
der Güte/zu
mir durch
alle Zeiten
neigt,/daß
jeder Tag
sein Zeugnis
gibt:/ Gott
hat mich je
und je
geliebt./
8. Im
sichern
Schatten
dieser
Flügel/find
ich die
ungestörte
Ruh./Der
feste Grund
hat dieses
Siegel:/“Wer
dein ist,
Herr, denn
kennest
du“./Laß Erd
und Himmel
untergehn,/
dies Wort
der Wahrheit
bleibt
bestehn.
Auch im
kath. Gebet-
und
Gesangbuch
„Gotteslob“
finden wir
noch heute
eines seiner
bekanntesten
Lieder:
„Herzliebster
Jesu, was
hast du
verbrochen,
...“
Kulturgeschichtlich
trug
Johannes
Heermann bei
zu einer aus
Not und Leid
geborenen
Blütezeit
der Dichtung
und des
Denkens, in
der
Schlesien
für ein
Jahrhundert
im Bereiche
des
Schrifttums
der
Deutschen
die Führung
übernahm.
Lit.:
Georg Blümel,
Johannes
Heermann,
Schlesische
Lebensbilder,
Band II.
Breslau
1929. Rudolf
Irmler,
Johannes
Heermann,
der
schlesische
Mob, Gießen
1959.
Wilhelm
Lueken,
Handbuch zum
ev.
Kirchengesangbuch,
Lebensbilder
der
Liederdichter
und
Melodisten,
Göttingen
1957.
Abb.:
Stich von
Lucas
Kilian, 1631
Heinrich
Trierenberg