Heermanns
Beruf wurde
schon in
seiner
Kindheit
bestimmt,
denn seine
Mutter
gelobte
während
einer
Krankheit,
ihn zum
Geistlichen
ausbilden zu
lassen.
Ebenso
deutete sich
an, daß das
Kind, von
schwächlicher
körperlicher
Konstitution,
sein Leben
lang von
Krankheit
begleitet
werden
würde. Trotz
der
ärmlichen
Verhältnisse
seiner
Eltern
besuchte der
Kürschnerssohn
Heermann
1597 die
Lateinschule
in Wohlau,
mußte jedoch
aus
gesundheitlichen
Gründen nach
Hause
zurückkehren,
bis er 1602
vom
Liederdichter
und Pastor
Valerius
Herberger in
Fraustadt
als
Hauslehrer
aufgenommen
wurde. In
dieser
Stellung
erhielt
Heermann
wesentliche
Anregungen.
Zugleich
wurde ihm
die
Möglichkeit
eröffnet,
die dortige
angesehene
Schule zu
besuchen.
1603
wechselte er
auf das
Breslauer
Gymnasium
und
anderthalb
Jahre später
auf die
berühmte
Fürstenschule
in Brieg.
1608 wurde
er dort für
seine
zumeist
lateinischen
Dichtungen
mit dem
Dichterlorbeer
geehrt. Eine
Studienreise
als
Begleiter
des jungen
Adligen
Rothkirch,
dessen
Hauslehrer
er schon
einige Jahre
lang gewesen
war, führte
Heermann an
die
humanistische
Hochschule
in
Straßburg.
Wegen eines
Augenleidens
mußten die
Studien
jedoch im
Herbst 1610
abgebrochen
werden.
1611, mit 26
Jahren,
wurde er
nach einer
kurzen Zeit
als
Hilfsprediger
in Köben an
der Oder (im
späteren
Kreis
Steinau)
ebendort
Pfarrer. Im
darauffolgenden
Jahr
heiratete er
die Tochter
des
Bürgermeisters
seiner nicht
weit
entfernten
Heimatstadt;
seine Frau
starb aber
schon nach
sechs Jahren
Ehe. Der
zweiten Ehe
mit Anna
Teichmann
entstammten
vier Kinder.
In seiner
Gemeinde
durchlebte
Heermann den
30jährigen
Krieg mit
allen seinen
Schrecken.
Er selbst
war stets
kränklich,
so daß er
schließlich
seine
Predigten
von einem
Hilfsprediger
verlesen
lassen mußte.
Atemnot und
Hustenanfälle
hinderten
ihn, lange
zu reden.
1639 legte
er deswegen
sein Amt
nieder und
verbrachte
die letzten
acht Jahre
seines
Lebens, mehr
und mehr von
seiner
Krankheit
gezeichnet,
in Lissa.
Von seinen
Biographen
wird
Heermann
gern als der
”Schlesische
Hiob”
bezeichnet.
Sein Werk
umfaßt neben
weltlichen
und
geistlichen
Gedichten
(etwa 400
Lieder) auch
verschiedene
Postillen,
die seine
Predigttätigkeit
ab 1619
widerspiegeln.
Eine Ausgabe
seiner
lateinischen
Gedichte in
neun Bänden
(Epigrammatum
libelli IX,
1624) zeigt,
daß Heermann
mit seiner
Poetik auf
der Höhe der
Zeit stand
und am
poetischen
Geselligkeitsleben
Anteil
hatte. Daß
er die neuen
Opitzschen
poetischen
Regeln
souverän
beherrschte,
zeigen die
Überarbeitungen
seiner
frühen
Lieder und
Gedichte.
”Verbesserungen”
nahm er dann
doch
teilweise
wieder
zurück, da
sie dem Stil
und Gehalt
mancher
Dichtungen
nicht
entsprachen.
Alexandriner
(”O Gott, du
frommer
Gott”) und
sapphische
Oden
(”Herzliebster
Jesu, was
hast du
verbrochen”)
waren
Formen, die
von ihm
wieder neu
entdeckt
wurden.
Gerade diese
beiden
Lieder
dürfen als
seine
Meisterstücke
mit der
größten
Wirkungsgeschichte
bezeichnet
werden.
Aus seinen
geistlichen
Werken sind
zwei
besonders
hervorzuheben:
Die
Devoti
Musica
Cordis.
Haus- und
Herz-Musica,
1630, und
die
Sontags- und
Fest-Evangelia,
1636.
Andachtslied
und
Perikopenlied
stehen hier
einander
gegenüber.
Jedes hatte
für Heermann
seine
wichtige
Funktion,
doch hatten
beide
dasselbe
Ziel: durch
das Singen
Seele und
Geist zu
Gott zu
erheben. Im
Vordergrund
stand also
nicht der
liturgische
Gebrauch im
Gottesdienst,
sondern die
Verwendung
zur
persönlichen
Andacht in
Haus und
Familie. Die
Seelsorge
war sein
Anliegen.
Eingang in
die
Kirchengesangbücher
fanden
später eher
Lieder der
ersten
Sammlung.
Als Quellen
für seine
Devoti
Musica
Cordis
dienten
Heermann vor
allem Gebete
aus dem
Paradiesgärtlein
Johann
Arndts
(1612) und
die
Meditationes
sanctorum
patrum
sowie
Betrachtungen
der
Kirchenväter
von 1584 und
1591 des
Görlitzer
Pfarrers
Martin
Moller. Die
mittelalterliche
Frömmigkeit
mit ihren
Motiven der
Jesusliebe,
mit Blut-
und
Wundenkult
sowie der
Hoheliedmystik
fand so
Eingang in
die
Andachtslieder
Heermanns.
Liedhafte
Perikopenbereimungen
in deutscher
Sprache,
denen
meistens
eine
bekannte
Melodie
beigegeben
war,
entstanden
seit der
Mitte des
16.
Jahrhunderts.
Sie hatten
eine
pädagogische
Funktion:
Auf diese
Weise
sollten den
Gemeindegliedern
die
Evangelientexte,
die der
Predigt
zugrunde
lagen,
bekannt
gemacht
werden,
damit sie
die Predigt
besser
verstehen
konnten. Das
Lied hat
gegenüber
Prosatexten
und auch
Gedichten
den Vorteil,
daß es
leichter
auswendig
gelernt
werden kann.
Es ging
nicht um die
Präsentation
origineller
Dichtungen,
sondern
darum, den
Bibeltext
balladenartig
nachzuerzählen.
Darüber
hinaus
sollten die
Lieder bei
Heermann der
eigenen
Erbauung
dienen.
Schon 1609
(1630
überarbeitet)
und 1616
(1632
überarbeitet)
verfaßte
Heermann
Werke mit
ähnlichem
Anliegen:
Summarien
der
Predigttexte
aller
Sonntage im
Kirchenjahr
in
lateinischer
und
deutscher
Sprache in
kurzen
Merkversen
bzw. die
Umarbeitung
des
Bibeltextes
als Bitte zu
Gott, die
meditativ
nachgesprochen
werden
konnte (Andächtige
Kirch-Seufzer
oder
Evangelische
Schliess-Glöckl(e)in,
in welche
den Saft und
Kern aller
gewöhnlichen
Sonntags-
und
Vornehmsten
Fest-Evangelien
...
reimweise
gegossen).
Als Beispiel
sei hier das
Lied ”Laß
dich, Herr
Jesu Christ,
durch mein
Gebet
bewegen”
(1630)
genannt, das
sich auf die
Perikope vom
Fischzug des
Petrus (Lk
5, 1-11)
bezieht. Ein
wesentlicher
Themenbereich
seines
Werkes
betrifft die
Passion:
dabei wird
das Leiden
der Menschen
im Alltag
und das
Leiden der
Kirche in
der
Verfolgung
mit der
Passion
Christi in
Beziehung
gesetzt. Die
Betrachtung
des
Gekreuzigten
und der
Aufruf zur
Buße sind
die Inhalte
dieser
Andachtslieder.
Weihnachts-
oder
Pfingstlieder
wird man bei
Heermann
vergeblich
suchen.
Heermann
wird häufig
als
bedeutendster
Kirchenlieddichter
zwischen
Martin
Luther und
Paul
Gerhardt
bezeichnet.
Seine Werke
erfuhren im
17.
Jahrhundert
etliche
Auflagen,
seine Lieder
wurden in
Andachts-
und
Gesangbücher
aufgenommen.
Wie bei
vielen
seiner
Vorgänger
und
Zeitgenossen
bricht die
Rezeption
mit Beginn
der
Aufklärung
ab, doch
seit der
Mitte des
19.
Jahrhunderts
werden die
”alten
Meister”
wiederentdeckt.
Die
Sontags- und
Fest-Evangelia
erlangten
eigentlich
erst durch
Rudolf
Alexander
Schröder
eine erneute
Würdigung.
Heute ist
Heermann mit
einigen
Liedern
sowohl im
katholischen
als auch im
evangelischen
Gesangbuch
vertreten.
Lit.:
Johann
Heermann:
Sontags- und
Fest-Evangelia
durchs
gantze Jahr
auff
bekandte
Weisen
gesetzt.
Neudr. der
Ausg.
Leipzig
1636. Hrsg.
und
eingeleitet
von Irmgard
Scheitler.
Frankfurt am
Main 1991.
[Dort auch
eine
Bibliographie].
– Arno
Büchner: Das
Kirchenlied
in Schlesien
und der
Oberlausitz.
Düsseldorf
1971 (= Das
Evangelische
Schlesien,
Bd. VI, Tl.
1), S.
81-113. –
Martin
Rößler:
Liedermacher
im
Gesangbuch.
Bd. 1.
Stuttgart
21992,
S. 144-176.
Heike
Wennemuth