„Gerade die
Plastik ist
kein Spiel
mit
ästhetischen
Formen,
Plastik ist
gebannte
Vitalität
und
räumliche
Realität“.
Das schrieb
Bernhard
Heiliger
1959 auf dem
Höhepunkt
seiner
bildhauerischen
Karriere. Er
vertraut
mehr als
viele seiner
Zeitgenossen
dem
handwerklichen,
dem
materialgerechten
Formen.
Sucht man
nach
Gründen, so
ist man
geneigt,
seine
Ausbildung
dafür
verantwortlich
zu machen.
Der 1915
geborene
Stettiner
absolviert
1933-35 eine
Steinmetzlehre,
ehe er sich
in der
Stettiner
„Werkschule
für
gestaltende
Arbeit“,
einer
Kunstgewerbeschule,
einschreiben
läßt.
Seine
Begabung
wird dort
schnell
erkannt, und
er erhält
das
Stipendium
der Stadt
Stettin, das
ihm ein
Studium an
der
„Staatlichen
Hochschule
für bildende
Künste“ in
Berlin von
1938-41
ermöglicht.
In das Jahr
1939 fällt
eine für
Heiliger
bedeutsame
Studienreise
nach Paris,
wo er der
damals in
Deutschland
kaum
bekannten
Kunst eines
Maillol,
eines
Despiau und
eines
Brancusi
begegnet.
Nach
vierjährigem
Kriegsdienst
und kurzer
Kriegsgefangenschaft
beginnt
Bernhard
Heiliger
1945 in
Berlin als
freier
Künstler zu
arbeiten.
1946 hat er
seine erste
Einzelausstellung
in Berlin
und kann
sofort die
Kunstkenner
und Kritiker
auf sich
aufmerksam
machen.
Schon ein
Jahr später
erhält er
einen
Lehrauftrag
an der
„Hochschule
für
angewandte
Kunst“ in
Berlin-Weissensee,
1949 wird er
als
Professor an
die
„Hochschule
für Bildende
Künste“ in
Berlin
berufen. Aus
Anlaß der
Verleihung
des Berliner
Kunstpreises
1950 an
Heiliger
findet im
Haus am
Waldsee in
Berlin eine
umfassende
Ausstellung
statt.
Heiliger
zeigt
vornehmlich
bekleidete
Gestalten
von
strenger,
doch
plastischer
Fülle, setzt
das Gewand
ein, um
plastische
Wirkungen zu
unterstreichen,
findet
sogleich
eine moderne
und durchaus
eigenständige
Formulierung.
1952 wird
dem Künstler
der Preis
der Stadt
Köln
verliehen,
1956 der
Große
Kunstpreis
des Landes
Nordrhein-Westfalen,
1952 der
Preis der
Bundesregierung
Deutschland
für den
Wettbewerb
„Der
unbekannte
politische
Gefangene“,
und 1953
erringt
Bernhard
Heiliger für
ebendiese
Arbeit in
London eine
internationale
Auszeichnung.
Er beteiligt
sich an
Kollektivausstellungen,
hat
Einzelausstellungen
im In- und
in
zunehmendem
Maße im
Ausland.
1953 stellt
er auf der
Biennale in
San Paolo
aus. 1956 in
Venedig,
1955,56,59
in
Antwerpen,
1956 und 58
in Holland,
1954 in
Dublin, 1958
in London.
Er ist bei
der ersten
Dokumenta
(1957) in
Kassel sowie
auf den
folgenden
vertreten
und im
Museum of
Modern Art
in New York
(1958), er
repräsentiert
deutsche
Kunst bei
der
Weltausstellung
in Brüssel
(1958), wo
er seinen
„Figurenbaum“
zeigt;
Bildhauerzeichnungen
sind bei den
Graphikerausstellungen
des
Deutschen
Kunstrates
in Europa
und in
Übersee zu
sehen.
Bernhard Heiliger wird
immer
öfter
gerufen,
wenn es
gilt,
großplastische
Gestaltungen
im
Zusammenklang
mit
Architektur
zu schaffen.
Seine
Sensibilität
für
Architektur
und sein
Gefühl für
plastische
Form
ermöglichen
ihm, seine
Plastiken in
einen
fruchtbaren
Dialog mit
der
Architektur
zu stellen.
Man kann das
von den
frühen
Arbeiten,
wie dem
Relief im
Schiller-Theater Berlin (1950) sagen
ebenso wie
von seiner Hänge-Plastik
„Kosmos 70“
(1970) am
Reichtstagsgebäude
in Berlin.
Bernhard Heiliger gehört
zu den
wenigen
Bildnisplastikern
der
Nachkriegszeit,
die Europa
hervorbrachte.
Seine
Bildnisse
von Karl
Hofer
(1951),
Alexander
Camaro
(1953),
Ernst Reuter
(1955) und
Kurt Martin
(1959) legen
davon
Zeugnis ab.
Als Bildhauer durchläuft
Heiliger
eine
kontinuierliche
Entwicklung,
die beim
Gegenständlichen,
der
menschlichen
Figur,
ansetzt, zu
immer
größerer
Abstraktion
führt in
seinen
organisch-vegetabilen
Plastiken
und im
Gegenstandslosen
mündet. Die
frühen
Bronze-Torsen
weichen seit
Mitte der
50er Jahre
allgemein
vegetabilen-organischen
Formen, die
einst
glatten
Oberflächen
werden
aufgebrochen
und münden
raumgreifend
in
verspannendem
Gestänge,
die
Oberfläche
zerbröckelt,
scheint
verwittert,
kann aber
auch zum
reizvollen
Ornament
werden. Die
60er Jahre
sind
gekennzeichnet
durch das
Bestreben,
das
plastische
Volumen vom
Boden zu
lösen, in
den Raum
emporschweben
zu lassen.
Mehr und
mehr
arbeitet
Heiliger nun
mit dem
Kontrast von
polierten,
spiegelnden
Flächen und
dunkler
amorpher
Oberflächenstruktur.
Ende der
60er Jahre
entstehen
Plexiglaskästen
mit
Raumplastiken
aus
Aluminium,
Polyester
und anderen
Materialien,
die Heiliger
„Miracles“
nennt und in
den frühen
70er Jahren
in
Monumentalplastik
überträgt.
In den 70er
Jahren
erscheint in
Heiligers
Werk immer
häufiger das
Motiv der
Kugel als
Mittel,
Dynamik und
Bewegung
sichtbar zu
machen. In
jüngster
Zeit
beschäftigt
sich
Heiliger mit
Eisenskulpturen.
So entsteht
die
Monumentalplastik
,Auge der
Nemesis“,
die 1981 vom
Berliner
Senat
erworben
wurde und
einen ebenso
prägnanten
Akzent im
Berliner
Stadtbild zu
setzen
verspricht
wie die
„Flamme“,
die seit
1963 auf dem
Ernst-Reuter-Platz
steht.
Bernhard
Heiliger
erarbeitet
seine
Plastiken in
Zeichnungen,
die wie
seine
Aquarelle
als
selbständige
künstlerische
Leistungen
geschätzt
werden.
Seine Werke
sind in mehr
als 90
öffentlichen
Sammlungen,
Museen und
Plätzen der
Welt
aufgestellt.
Auch sollte
man nicht
vergessen,
daß Heiliger
neben seinem
eigenen
Schaffen
lange Jahre
als
Hochschullehrer
erfolgreich
und
verantwortungsvoll
tätig war.
Er war
Mitglied des
Deutschen
Kulturrates
und ist seit
1956
Mitglied der
Akademie der
Künste.
Seine
Verdienste
um die
deutsche
Kunst wurden
mit der
Verleihung
der Plakette
des
Ostdeutschen
Kulturrates
(1969), der
Verleihung
des Großen
Bundesverdienstkreuzes
des
Verdienstordens
der
Bundesrepublik
Deutschland
(1974) und
des
Lovis-Corinth-Preises
des
Bundesministeriums
des Inneren
der
Bundesrepublik
Deutschland
(1975) gewürdigt.
Lit.:
Flemming, H.
Th.:
Bernhard
Heiliger,
Berlin 1962;
Kammacher,
A.M.:
Bernhard
Heiliger,
St. Gallen
1978; In
beiden
Monographien
weitere
Angaben zum
Oeuvre, zu
Ausstellungen,
zur
Literatur
und zu
Filmen, die
über
Bernhard
Heiliger
gedreht
wurden.
Idis B.
Hartmann