Nach dem
Besuch des
Altstädtischen
Gymnasiums
in
Königsberg
studierte
Max Hein in
den Jahren
1905 bis
1909,
abgesehen
von zwei
Semestern in
Heidelberg,
an der
Friedrich-Wilhelm-Universität
in Berlin
die Fächer
Geschichte
und
Germanistik.
Unter den
akademischen
Lehrern
zogen ihn
Michael
Tangl, der
Hilfswissenschaftler,
und Otto
Hintze, der
herausragende
Historiker
Preußens und
der
preußischen
Verfassungs-
und
Verwaltungsgeschichte,
in ihren
Bann. Sie
bestimmten
auch lange
die beiden
Schwerpunkte
in Heins
wissenschaftlichen
Arbeiten,
die
allgemeine
deutsche
Geschichte
des
Mittelalters
und die
neuere
preußische
Geschichte.
Unter Tangls
Aufsicht
schrieb Hein
die 1909
vollendete
hilfswissenschaftliche
Dissertation
über Die
Kanzlei und
das
Urkundenwesen
der
Erzbischöfe
von Mainz im
früheren
Mittelalter
(1060–1249),
1909/11
absolvierte
er
archivarische
Lehrzeiten,
zunächst am
Staatsarchiv
in Danzig,
dann am
Geheimen
Staatsarchiv
in Berlin.
Abordnungen
zu den
Monumenta
Germaniae
Historica in
Berlin 1911
und an das
Preußische
Historische
Institut in
Rom 1912
dienten
vorbereitenden
Studien zu
einer
Edition der
Urkunden des
karolingischen
Kaisers
Lothar I.,
eines Enkels
Karls des
Großen.
Gleichzeitig
folgte Hein
als freier
Schriftsteller
seinen
preußischen
Neigungen,
indem er
1912,
anläßlich
des 200.
Geburtsjahres
Friedrichs
des Großen,
den ersten
und dritten
Band einer
populären
Biographie
des Königs,
die dessen
Jugend und
Alter
behandelten,
veröffentlichte.
Mehrere
Aufsätze in
der
Konservativen
Monatsschrift
bezeugen
Heins
preußischen
Konservatismus,
dem er sein
Leben lang
treu blieb
und der ihn
sowohl zur
Weimarer
Republik als
auch zum
Nationalsozialismus
auf innere
Distanz
hielt.
Die
entscheidende
Wende
erhielt
Heins
Lebensweg
dadurch, daß
er 1921 vom
Staatsarchiv
in Stettin,
an dem er
seit 1918
gewirkt
hatte, an
das
Staatsarchiv
Königsberg
versetzt
wurde und im
Oktober 1927
als Direktor
dessen
Leitung
übernahm. Er
widmete sich
in
Königsberg
mit großem
Nachdruck
seinen
archivarischen
Aufgaben und
gab dem
Archiv
maßgebliche
Impulse zu
seiner
inneren und
äußeren
Fortentwicklung,
so daß es
den Rang
einer
modernen
Verwaltungsbehörde
ebenso wie
den einer
landesgeschichtlichen
Forschungsstätte
gewann.
Darüber
vergaß er
nicht seine
wissenschaftlichen
Neigungen,
er
konzentrierte
sich jetzt
mit
zahlreichen
Publikationen
auf die ost-
und
westpreußische
Landesgeschichte
sowohl in
ihrer vom
Deutschen
Orden
geprägten
mittelalterlichen
Epoche als
auch
in den von
der
Zugehörigkeit
zum
brandenburgisch-preußischen
Gesamtstaat
bestimmten
neuzeitlichen
Jahrhunderten.
Als Direktor
des
Staatsarchivs
und
zugleich,
ebenfalls
seit
1927, als
Vorsitzender
der 1923
gegründeten
Historischen
Kommission
für ost- und
westpreußische
Landesforschung
gestaltete
er an
führender
Stelle die
ost- und
westpreußische
Landesgeschichtsforschung
zwischen den
Weltkriegen.
Heins
archivarische
Bemühungen
galten
vorrangig
den neueren
Behördenüberlieferungen,
sowohl der
umfassenden
Übernahme
von Akten
der jüngeren
ostpreußischen
Provinzialbehörden
seit dem 18.
Jahrhundert
als auch der
Ordnung und
Verzeichnung
der großen
nachordenszeitlichen
Aktenbestände,
nachdem
unter dem
langen
Direktorat
von Erich
Joachim
(1887–1921)
die
Beschäftigung
mit dem
Ordensbriefarchiv
und dem
Herzoglichen
Briefarchiv,
also mit den
Korrespondenzen
der
Hochmeister
des
Deutschen
Ordens (bis
1525) und
der Herzöge
in Preußen
(1525–1618),
im
Vordergrund
gestanden
hatte. Die
unentbehrliche
äußere
Voraussetzung
schuf Hein
dadurch, daß
er sogleich
nach der
Übernahme
des
Direktorenamtes
die
grundsätzliche
Entscheidung
zugunsten
eines
Neubaues für
das bislang
unter
unzulänglichen
Bedingungen
im
Königsberger
Schloß
untergebrachte
Archiv
erreichte.
Vor den
Toren der
Stadt, am
Hansaring,
entstand
dann 1929/30
aus Stahl
und Glas ein
eigenwilliger
und schöner
Archivzweckbau
mit den
erforderlichen
Magazinflächen.
In großen
Mengen
strömten
anschließend
die Akten
der
ostpreußischen
Behörden der
oberen,
mittleren
und unteren
Verwaltungsebene
in das Haus,
wo Hein dank
der ihm von
der
Preußischen
Archivverwaltung
gewährten
personellen
Verstärkungen
für ihre
baldige
Verzeichnung
sorgte. Nach
dem Vorbild
des Berliner
Geheimen
Staatsarchivs
entwickelte
er für die
seit den
Verwaltungsreformen
Friedrich
Wilhelms I.
entstandenen
Behörden ein
Repositurenschema
auf der
Grundlage
des
Provenienzprinzips,
so daß die
älteren
Zugänge, die
entweder in
den Bestand
der
frühneuzeitlichen
(Ost-)Preußischen
Regierung (Etatsministerium)
eingeordnet
oder nach
dem
Akzessionsprinzip
hintereinander
aufgestellt
worden
waren, gemäß
ihrer
jeweiligen
Herkunft
zusammengeführt
wurden und
so für den
Benutzer
übersichtlich
zusammengefaßt
waren. Die
Verzeichnung
des
Bestandes
Etatministerium,
der
vornehmlich
die Akten
der inneren
Zentralverwaltung
des
Herzogtums
Preußen und
der Provinz
Ostpreußen
von 1525 bis
1804 umfaßte,
leitete Hein
ein und
leistete
selbst die
Arbeit für
die ersten
13 der
insgesamt
142
Abteilungen.
Seine
Initiativen
führten
insgesamt
dazu, daß
die
neuzeitliche
Überlieferung
durch
umfassende
Aktenübernahmen
wesentlich
erweitert,
nach
überzeugenden
archivfachlichen
Prinzipien
geordnet und
durch ihre
rasche
Verzeichnung
der
Benutzung
zugänglich
gemacht
wurde. Im
Rahmen der
vom
Provinzialverband
geförderten
Archivpflege
kümmerte er
sich auch
intensiv um
das in der
Provinz
vorhandene
nichtstaatliche
Archivgut
und suchte,
teilweise
durch
Übernahme
als Deposita
ins
Staatsarchiv,
seine
dauerhafte
Sicherung
und
Erhaltung zu
gewährleisten.
Die
geschichtswissenschaftlichen
Arbeiten
Heins galten
in den 20er
Jahren noch
vorrangig
der Zeit des
Großen
Kurfürsten.
Hierzu legte
er zwei
Bände in der
großen
Editionsreihe
der
Urkunden und
Aktenstücke
zur
Geschichte
des Großen
Kurfürsten
vor, und als
Nebenfrucht
dieser
editorischen
Leistungen
fielen die
Biographien
von zwei
Mitarbeitern
des
Kurfürsten,
Johanns von
Hoverbeck
und Ottos
von
Schwerin,
ab. Die
Historische
Kommission
übertrug ihm
dann eine
ihrer
wichtigsten
Aufgaben,
die
Fortführung
des mit dem
Jahre 1309
abgebrochenen
Preußischen
Urkundenbuches.
Zunächst
zusammen mit
dem jungen
Privatdozenten
Erich
Maschke
(über diesen
siehe OGT
1992, S.
32-35) von
der
Königsberger
Albertina,
dann nach
dessen
Weggang
allein
veröffentlichte
er zwischen
1932 und
1939 in
mehreren
Lieferungen
den zweiten,
die Jahre
1309–1335
umfassenden
Band und
vermochte
schließlich
1944 noch
die erste
Lieferung
des dritten
Bandes für
den Zeitraum
1335–1341
herauszubringen.
Jubiläen
entsprangen
seine
abgerundeten
Darstellungen
der
Geschichte
der Stadt
Bartenstein
(1932) und
der
Geschichte
der
Ostpreußischen
Landschaft
1788–1888
(1938).
Daneben
standen
zahlreiche
kleinere
Publikationen
zur
Geschichte
des
Staatsarchivs
und zu
einzelnen
landesgeschichtlichen
Themen.
Der Zweite
Weltkrieg
erweiterte
zunächst im
Zeichen der
deutschen
Siege den
Archivsprengel
und die
Bestände des
Staatsarchivs,
denn nach
der
Angliederung
polnischer
und
sowjetischer
Gebietsteile
(Regierungsbezirk
Zichenau [Ciechanów]
bzw. Gebiet
Bialystok)
an die
Provinz
Ostpreußen
1939 und
1941
gelangten
polnische
und
litauische
Archive
unter seine
Verfügungsgewalt.
Teilweise
blieben sie
als
Außenstellen
des
Staatsarchivs
erhalten,
teilweise
wurden ihre
Bestände
nach
Königsberg
überführt.
Aber ab 1942
wurden aus
Sicherungsgründen
in
zunehmendem
Maße
Bestände des
Staatsarchivs
aus dem
Gebäude am
Hansaring in
verschiedene
Orte der
Provinz
verbracht.
Die
Verschlechterung
der
Kriegslage
veranlaßte
die
Preußische
Archivverwaltung
im Sommer
1944 zu
einem
folgenschweren
Schritt: In
den Monaten
August und
Oktober bis
Dezember
1944 wurden
die
wichtigsten
Bestände
bzw.
Bestandsteile,
insbesondere
nahezu die
gesamte
ältere
Überlieferung
bis etwa
1800, in
sieben
Güterwaggons
nach
Innerdeutschland,
in das
Salzbergwerk
Grasleben
bei
Helmstedt
ausgelagert.
Hein, der
schließlich
mit seinem
Magazinverwalter
Büttner
allein
zurückgeblieben
war, verließ
am 27.
Januar 1945
das nahezu
gänzlich von
Archivalien
entblößte
Staatsarchivgebäude,
das alle
Kämpfe
unbeschadet
überstehen
sollte, und
gelangte
über Pillau
und Danzig
in den
rettenden
Westen. Nach
Kriegsende
übernahm er
noch für
wenige Jahre
die Leitung
des
schleswig-holsteinischen
Staatsarchivs
und
überführte
dessen
Bestände in
sein neues
Domizil in
Schloß
Gottorp in
Schleswig,
nachdem das
Kieler
Archivgebäude
im Krieg
zerstört
worden war.
“Durch die
Rettung der
Königsberger
Archivalien
aber hat
Hein den
Trost mit
ins Grab
nehmen
können, daß
seine
eigentliche
Lebensarbeit
nicht völlig
in Asche
aufgegangen
ist” (Kurt
Forstreuter)
– die 1944
nach
Grasleben
ausgelagerten
Königsberger
Archivalien
standen dann
von 1953 bis
1979 im
Staatlichen
Archivlager
in Göttingen
und stehen
seitdem im
Geheimen
Staatsarchiv
Preußischer
Kulturbesitz
in
Berlin-Dahlem
der
wissenschaftlichen
Benutzung
zur freien
Verfügung,
so daß durch
ihre
intensive
Auswertung
seitens der
deutschen
und
internationalen
Forschung
die
Darstellung
der
Landesgeschichte
Ost- und
Westpreußens
auf breiter
archivalischer
Grundlage
fortgeführt
werden
konnte.
Tektonik,
Ordnung und
Verzeichnung
der
Königsberger
Archivbestände
bezeugen
dabei immer
wieder Heins
prägende
Wirkung.
Lit.:
Kurt
Forstreuter:
Nachruf
[auf] Max
Hein, in:
Der Archivar
4, 1951, Sp.
46–48. –
Ders.: Das
Preußische
Staatsarchiv
in
Königsberg
(Veröffentlichungen
der
Niedersächsischen
Archivverwaltung,
Heft 3),
Göttingen
1955, passim.
– Wolfgang
Leesch: Die
deutschen
Archivare
1500–1945,
Bd. 2,
München etc.
1992, S. 236
(Lit.).
Klaus
Neitmann