Der im Ort
Klein-St. Peter als Sohn des Landwirts Peter Heinz und seiner
Ehefrau Anna geborene Stefan Heinz besuchte von 1924 bis 1928 das
Deutsche Staatliche Gymnasium zu Temeswar, danach bis 1932 die
Lehrerbildungsanstalt. Er wirkte anschließend als Lehrer in
Lenauheim, Banat, dann von 1935 bis 1941 als Kantorlehrer in Traunau,
Kreis Arad, bevor man ihn in die rumänische Armee einberief und an
die Ostfront abkommandierte. 1943 entlassen bzw. als Lehrer
freigestellt, übernahm er das Amt eines Schulinspektors für die
Volksschulen der Deutschen Volksgruppe in Rumänien. Nach der
Kündigung des Bündnisses zwischen Rumänien und Deutschland 1944
betätigte er sich als Flüchtlingshelfer in einem
Evakuierungskommando der Deutschen Volksgruppe, und er verblieb
daher in Werschetz im Serbischen Banat, während seine Familie nach
Deutschland ging. Der Versuch, vor den sowjetischen Truppen den Fluß
Theiß zu überqueren, mißlang, so daß er sich gezwungen sah, ins
rumänische Banat zurückzukehren und unterzutauchen. In der folgenden
Zeit schlug er sich als Leineweber, Tagelöhner und Privatlehrer
durch, bevor seine Familie nach Rumänien zurückkehren und er 1947
eine Stelle als Lehrer an der konfessionellen Schule in Baratzhausen
annehmen konnte. Nachdem er die Stelle 1948 im Rahmen der Enteignung
des kirchlichen Besitzes und der Verstaatlichung der konfessionellen
Schulen zunächst verloren hatte, erhielt er sie am 1949 unerwartet
zurück. 1951 trat er eine Stelle an der deutschsprachigen
Volksschule in Temeswar-Elisabethstadt an, blieb aber auch dort
nicht lange, geriet er doch mit den Behörden, die eine Umschulung
der gesamten Lehrerschaft in marxistisch-leninistischem Sinne
betrieben, in Konflikt, was u.a. zu einer sechswöchigen Inhaftierung
führte.
Der 1.
Februar 1953 wurde zu einer Wende im Leben von Stefan Heinz bzw.
Hans Kehrer, wie er sich fortan nennen sollte: Er meldete sich beim
neugegründeten Deutschen Staatstheater als Schauspieler. Im gleichen
Jahr erschien sein Gedichtband „Und es wird Friede sein“, erfolgte
die Aufnahme in die deutsche Abteilung des Rumänischen
Schriftstellerverbandes. Von 1953 bis 1973 wirkte er als
Schauspieler und übersetzte er zugleich rumänische Stücke ins
Deutsche, leistete er ferner Regiehilfe bei Laienspielgruppen in den
Dörfern. 1961 erfolgte die Uraufführung seines Sozialdramas
„Versunkene Äcker“, bei dem es um Konflikte innerhalb einer
Dorfgemeinschaft ging, 1966 die seines volkstümlichen Schwanks „Es
geht um die Heirat“, der 152 Aufführungen, auch in den Dörfern, vor
mehr als 45.000 Zuschauer erleben sollte. Im Jahre 1974 folgte die
Uraufführung des Dramas „Narrenbrot“, 1978 die seiner Dramatisierung
des Romans „Meister Jakob und seine Kinder“ von Adam
Müller-Guttenbrunn. Nachdem es 83 Aufführungen vor 26.000 Zuschauern
erlebt hatte, wurde das Stück abgesetzt, da der Autor auf Weisung
der Securitate mit seiner Frau nach Deutschland hatte ausreisen
müssen, und zwar nach Bielefeld, wo sein Sohn als Philharmoniker
wirkte. In Bielefeld lebt Hans Kehrer seither in geistiger Frische.
Neben
klassischen Rollen war Kehrer die Gestalt des „Vetter Matz“ am
liebsten. Mit ihr wurde er zur volkstümlichsten Persönlichkeit unter
den Donauschwaben im Banat. Als „Vetter Matz“ sorgte er in der
deutschsprachigen Sendung des Bukarester Fernsehens in Mundart für
volkstümliche Unterhaltung.
In
Deutschland schrieb er im Auftrag der Stadt Altusried das Stück
„Anno 1525 – Bauernkrieg im Allgäu“. 124.000 Zuschauer sahen in 29
Aufführungen die Freilichtaufführungen, bei denen 500 Darsteller
mitwirkten.
Lit.: Anton Scherer:
Deutsche Literatur im Banat (Rumänien) nach dem 23. August 1944.
Künstlerische Normen, politische Tendenzen, Typische Vertreter. Graz
1997, S. 17-20. – Ders.: Geschichte der donauschwäbischen Literatur
von 1848-2000. Graz-München 2003.
Werke: Lehrerwahl in
Traunhofen. Erzählungen. München 1998. – Im Zangengriff der Zeiten.
Bukarest 2001 (Selbstbiographie).
Bild: Privatarchiv des
Autors
Anton Scherer