Gustav
Heisterman
von
Ziehlberg
wurde als
Sohn eines
aktiven
Offiziers
geboren.
Seine Mutter
war die
Tochter des
Geheimen
Kommerzienrats
Gustav
Goecke in
Essen.
Ziehlberg
besuchte ab
1908 die
Gymnasien in
Braunsberg
und
Königsberg
i. Pr.,
wurde Ostern
1911 Kadett
in Köslin,
erhielt
Anfang
August 1914
auf der
Hauptkadettenanstalt
Lichterfelde
bei Berlin
das Zeugnis
der Reife
zum Fähnrich
und wurde
anschließend
dem
Grenadier-Regiment
König
Friedrich
Wilhelm IV.
(1.
Pommersches)
Nr. 2 in
Stettin
überwiesen,
bei dem sein
Vater als
Bataillonskommandeur
Ende August
1914 den
Soldatentod
fand. Im
Alter von 16
Jahren zur
Feldtruppe
an der
Ostfront
versetzt,
zum Leutnant
befördert
und mit dem
Eisernen
Kreuz
ausgezeichnet,
erlebte
Ziehlberg
den Ersten
Weltkrieg
bis März
1918 auf dem
östlichen
Kriegsschauplatz
und an der
rumänischen
Front als
stellvertretender
Kompanieführer
und
Bataillonsadjutant
und
anschließend
an der
Westfront.
Nach
Einsätzen im
Grenzschutz
Ost und
Verwendung
im
Übergangsheer
wurde
Ziehlberg in
das 5.
(Preußische)
Infanterieregiment
des
Reichsheeres
übernommen.
Nach im
Truppendienst
verbrachten
Jahren und
der
Beendigung
der
Führergehilfenausbildung
– zu den 15
„Schülern“
seines
Jahrgangs
gehörten die
späteren
Generale
Heusinger,
Speidel und
Winter –
wurde
Ziehlberg
Anfang 1931
in das
Reichswehrministerium
versetzt.
Schon
während der
Ausbildung
zum
Führerstabsoffizier
vom Chef des
Truppenamts,
General
Adam, als
„Beachtlich“
qualifiziert,
wurde ihm
1933
bescheinigt,
daß er die
Aufgaben des
Quartiermeisterdienstes
„beherrscht
und sein
Wissen auf
diesem
Gebiet
anderen in
anregender
Form zu
übermitteln
versteht“.
Nach
zweijähriger
Verwendung
als
Kompaniechef
in Landsberg
a. d. Warthe
(1934-36)
wurde
Ziehlberg in
die
Zentralabteilung
des
Generalstabes
des Heeres
versetzt.
In dieser
für die
Organisation
und die
personelle
Stellenbesetzung
des
Generalstabsdienstes
im Heer
zuständigen
Abteilung
verbrachte
Ziehlberg
über sechs
Jahre, hatte
unter den
Abteilungschefs
Hoßbach und
von der
Chevallerie
hervorragenden
Einblick in
die
Entwicklung
und in den
von den
Generalen
Beck und
Halder
geführten
Kampf um die
Stellung des
von ihnen
nacheinander
geleiteten
Generalstabs
des Heeres
innerhalb
der
Spitzengliederung
der
Wehrmacht,
um wenige
Monate nach
Kriegsbeginn
für drei
Jahre als
ihr
verantwortlicher
Leiter zu
fungieren.
Wie aus dem
Kriegstagebuch
Halders
hervorgeht,
hat
Ziehlberg
fast täglich
mit dem
Generalstabschef
in engstem
Kontakt
gestanden
und ihn in
allen Fragen
der ständig
in Bewegung
befindlichen
Personalbesetzung
und -führung
des
Generalstabes
und seiner
Nachwuchsförderung
beraten und
die danach
getroffenen
Entscheidungen
in die Tat
umgesetzt.
Zu
Ziehlbergs
Aufgaben
gehörte auch
die
Erkundung
und
Einrichtung
des
Hauptquartiers
entsprechend
den auf die
Leitung der
Operationen
zukommenden
Aufgaben.
Mit Halders
Ausscheiden
Ende
September
1942
übertrug
Hitler die
Bearbeitung
der
Generalstabspersonalien
dem seinem
Chefadjutanten neu unterstellten Heerespersonalamt. Ziehlberg
sorgte mit
Argumenten
aus seinem
Erfahrungsschatz
dafür, daß
der Chef des
Generalstabs
des Heeres
auch
weiterhin an
den
personellen
Entscheidungen
innerhalb
des
Generalstabs
beteiligt
blieb –
sofern
Hitler nicht
selbstherrlich
eingriff.
Von Halder
als „kluger,
umsichtiger,
vielseitiger
Generalstabsoffizier
mit klarem
sicherem
Urteil über
Menschen und
Dinge“ und
als
„Frohnatur,
die dem
Leben die
guten Seiten
abzugewinnen
weiß“,
beurteilt
und bereits
im Mai 1942
„zum
Divisions-Kmdr.“
geeignet
befunden,
von Zeitzler,
dem
nunmehrigen
Generalstabschef
des Heeres,
als „guter
Abteilungs-Chef“
bezeichnet,
meldete sich
Ziehlberg am
24. Januar
1943 beim
Kommandeur
der 12.
Infanterie-Division,
General
Freiherr von
Lützow, als
neuer
Kommandeur
des
Grenadierregiments
48. Mit
diesem
Regiment
nahm er an
den mit der
Räumung des
Demjansk-Kessels
verbundenen
Kämpfen und
an
Unternehmungen
gegen im
rückwärtigen
Frontgebiet
operierende
Partisanenverbände
teil und
wurde drei
Monate
später von
seinem
Divisionskommandeur
als „klarer,
vorausdenkender
Kopf“ und
als
„situationssicher“
empfohlen.
Nach seiner
Beauftragung
mit der
Führung der
zum
Küstenschutz
vor der
Scheldemündung
eingesetzten
65.
Infanterie-Division
und ihrer
bald darauf
erfolgenden
Verlegung in
das
französische
Flandern
entschied
die
Unsicherheit
der Lage in
Italien nach
dem Sturz
Mussolinis
darüber, daß
die Division
nicht, wie
ursprünglich
vorgesehen,
der Ostfront
zugeführt
wurde,
sondern in
Italien zum
Einsatz kam
und nach der
Verwendung
im
Küstenschutz
an der Adria
und bei La
Spezia am
10. Oktober
1943 in den
Raum Chieti
verlegt
wurde, um
einerseits
den
Küstenschutz
zwischen
Ortona und
Pescara zu
übernehmen
und
andererseits
nördlich des
Sangro eine
Verteidigungslinie
zwischen dem
Maiella-Gebirge
und der
adriatischen
Küste zu
errichten.
Nachdem die
Engländer
von Süden
her bis zum
Sangro
vorgerückt
waren,
gelang der
17.
Indischen
Brigade (Gurkhos)
in der Nacht
zum 28.
November
1943 nach
reichlicher
Artillerievorbereitung
ein tiefer
Einbruch in
die
Divisionsfront
und die
Einnahme von
Mozzagrogna.
Ein von der
örtlichen
Führung
gegen Mittag
angesetzter
Gegenangriff
mißlang.
Empört über
das
Generalkommando,
das ihm die
Schuld zu
geben
schien, fuhr
Ziehlberg im
Gefühl, zum
Sündenbock
gestempelt
und noch am
Abend als
Divisionskommandeur
abgelöst zu
werden, in
den
Abschnitt
des
Kampfgeschehens.
Auf der
Fahrt
dorthin
geriet sein
Fahrzeug in
einen
Bombenteppich,
der zu
schweren
Verlusten
mit Toten
und
Verwundeten
führte.
Ziehlberg
mußte
anschließend
der linke
Arm
amputiert
werden.
Nach seiner
Genesung
wurde
Ziehlberg am
28. April
1944 zum
Kommandeur
der 28.
Jägerdivision
ernannt, die
im Begriff
war, aus dem
Raum
nördlich
Pustoschka
in den Raum
zwischen
Lemberg und
Kowel
verlegt zu
werden, wo
die Oberste
Führung eine
sowjetische
Großoffensive
erwartete,
ohne die
Warnungen
des
Oberkommandos
der
Heeresgruppe
Mitte zu
beachten,
das auf
Grund seiner
Feindfeststellungen
fest mit
einer
Großoffensive
gegen seine
von Reserven
fast
entblößte
Front
rechnete.
Als diese
dann
tatsächlich
in diesem
Abschnitt
erfolgte und
den
Zusammenbruch
der Front
zwischen
Bobruisk und
Witebsk zur
Folge hatte,
wurde die
28.
Jägerdivision
in den Raum
Baranowitsche
verlegt, um
dort am
Aufbau einer
neuen Front
mitzuwirken
und in den
damit
verbundenen
Rückzugskämpfen
den
Zusammenhalt
der Front zu
wahren. Was
in dieser
Zeit von der
Führung und
der Truppe
an
Führungskunst
und
Einsatzbereitschaft
gefordert
und
geleistet
wurde, kann
nur noch
erahnt
werden, da
die
Kriegstagebücher
aus dieser
Zeit nicht
mehr in das
Heeresarchiv
in Potsdam
gelangten
oder dort im
April 1945
durch einen
Bombenangriff
vernichtet
wurden.
Ziehlberg
gelang es,
mit seiner
Division aus
dem Kessel
bei Slonim
auszubrechen.
Offenbar für
diese Tat
wurde ihm am
27. Juli
1944 das
Ritterkreuz
verliehen.
Das am 20.
Juli
fehlgeschlagene
Attentat im
Führerhauptquartier
hatte für
die damals
auf
Bialystok
zurückgehende
28.
Jägerdivision
unvorhersehbare
Folgen. Bei
ihr suchte
General
Henning von
Tresckow,
einer der
führenden
Männer des
Widerstandes,
am 21. Juli
den Tod,
nachdem er
von
Ziehlberg
die
Begleitung
von Major i.
G. Kuhn, dem
ersten
Generalstabsoffizier
der
Division,
zur Fahrt in
die
gefährdeten
Teile des
Divisionsabschnitts
erbeten
hatte.
Wenige
Stunden
später
kehrte Kuhn
mit dem
toten Chef
des
Generalstabes
der 2. Armee
zurück und
berichtete,
daß der
General in
einen
Überfall
durch
Partisanen
geraten sei.
Sechs Tage
später – die
Division
hatte in
nächtlichen
Eilmärschen
westlich
Bialystok
eine neue
Hauptkampflinie
zu erreichen
– erhielt
Ziehlberg
einen
Befehl, der
ihn und die
anwesenden
Offiziere
wie „ein
Schlag von
kaum
vorstellbarer
psychologischer
Wirkung“
traf. Er
sollte – in
dieser Lage
– seinen
engsten
Führungsgehilfen,
also Kuhn,
verhaften
und unter
Begleitung
nach Berlin
überführen
lassen.
Ziehlberg,
im Umgang
mit
Personalentscheidungen
für
Generalstabsoffiziere
wie kaum ein
Zweiter
vertraut,
ließ Kuhn
kommen und
konfrontierte
ihn mit dem
Inhalt des
Haftbefehls.
Auf Befragen
gab Kuhn,
der in
seiner
früheren
Tätigkeit in
der
Organisationsabteilung
des
Generalstabes
mit
Vorbereitungen
für ein
Attentat
gegen Hitler
befaßt war,
an, daß er
mit dem
Attentat des
20. Juli
nichts zu
tun habe,
aber
vermute, „daß
seine
private
Verbindung
zur Familie
Stauffenberg
der Grund
zur
Verhaftung
sei“.
Daraufhin
befahl
Ziehlberg,
er habe sich
nach der
Übergabe
seiner
Geschäfte
zum neuen
Divisionsgefechtsstand
zu begeben,
von wo ihn
der
Divisionsadjutant
nach Berlin
begleiten
werde. Nach
der Übergabe
der
Geschäfte
und
Verabschiedung
von seinem
Vertreter
nutzte Kuhn
seine
Kenntnis von
einer Lücke
zwischen den
Jägerregimentern
49 und 83,
um – wie es
in der
Geschichte
des
Jäger-Regiments
49 (6. Teil,
S. 42) heißt
– den Tod zu
suchen.
„Ohne
irgendwelche
Unterlagen
seines
Tätigkeitsbereichs
tritt er,
nur mit
Pistole
bewaffnet,
den Russen
entgegen.
Was er
erhofft,
gelingt ihm
jedoch
nicht.
Verwundet
wird er
gefangen
genommen.“
Ziehlberg
ließ nach
Erhalt der
Nachricht
vom
Verschwinden
Kuhns sofort
die Lücke
schließen,
doch die
Sowjets
reagierten
nicht.
Offensichtlich
hatte Kuhn
nichts
verraten.
Dennoch
hatte der
Abgang Kuhns
für
Ziehlberg
schlimme
Folgen. Im
September
1944 mußte
er sich vor
dem
Reichskriegsgericht
verantworten
und wurde
von diesem
wegen
„fahrlässigem
Ungehorsam“
zu sieben
Monaten
Freiheitsstrafe
verurteilt,
die jedoch
„zwecks
Bewährung“
in der alten
Dienststelle
ausgesetzt
werden
sollte. Doch
als
Ziehlberg im
Oktober 1944
die Führung
eines
Armeekorps
in
Ostpreußen
übernehmen
sollte,
wurde er
noch einmal
vor das
Reichskriegsgericht
zitiert. Die
dazu
befohlenen
Zeugen aus
dem
Divisionsstab
der 28.
Jägerdivision,
Major i. G.
von Löbbecke
und
Hauptmann
Graf
Stolberg,
fanden ihren
Kommandeur
dort als
Angeklagten
vor, „seiner
Uniform und
Ehrenzeichen
entkleidet“,
der „wie ein
Verbrecher
vor Gericht
erscheinen
mußte“.
„Lähmendes
Entsetzen“
packte die
beiden
Offiziere,
als der
vorsitzende
Generalrichter
– einer
Weisung „von
oben“
entsprechend
– die
Todesstrafe
verkündete
und ihr
General sie
„stehend und
in absoluter
Gefaßtheit“
entgegennahm.
Hitlers Haß
gegenüber
dem
Generalstab
traf nun in
aller Härte
nicht
zuletzt den
Mann, der
unter Beck
und Halder
dafür
gesorgt
hatte, daß
selbständig
denkende
Köpfe in die
Schlüsselstellungen
des
Generalstabes
gelangten.
Ziehlberg
wurde in
Berlin-Spandau
erschossen.
Quellen:
Bundesarchiv-Militärarchiv:
Pers 6/615;
RH 2/238;
RHD 18/15,
Teil I; RH
26-12/75; RH
26-65/16 u.
20. –
Generaloberst
Halder,
Kriegstagebuch.
Bearb. von
Hans-Adolf
Jacobsen.
Bd. I-III
Stuttgart
1963. – Die
Träger des
Ritterkreuzes
des Eisernen
Kreuzes
1939-1945.
Hg. von
Walther-Peer
Fellgiebel.
Bad Nauheim
1986.
Lit.:
Döring von
Gottberg:
Das
Grenadier-Regiment
König
Friedrich
Wilhelm IV.
(1.
Pommersches)
Nr. 2 im
Weltkriege.
Berlin 1928.
– Hansgeorg
Model: Der
deutsche
Generalstabsoffizier.
Seine
Auswahl und
Ausbildung
in
Reichswehr,
Wehrmacht
und
Bundeswehr.
Frankfurt am
Main 1968. –
Heinz
Michaelis:
Das
Infanterie-Regiment
48. Weg und
Schicksal
eines
Truppenteils
in den
Jahren
1934-1945.
Berlin 1984.
– Wilhelm
Velten: Vom
Kugelbaum
zur
Handgranate.
Der Weg der
65.
Infanterie-Division.
Neckargemünd
1974. –
Geschichte
Jäger-Regiment
49, 6. Teil
1944. Hrsg.
vom
Traditionsverband
Jäger-Regiment
49. Hannover
o. J. –
Bernhard
Kranz:
Geschichte
der
Hirschberger
Jäger 1920
bis 1945.
Lemgo 1975.
– Dietrich
Graf zu
Stolberg-Wernigerode:
In memoriam
Generalleutnant
von
Ziehlberg –
*
10.12.1898,
† 2.2.1945.
Ranstadt/Obb.
1974. – Bodo
Scheurig:
Henning von
Tresckow.
Eine
Biographie.
Oldenburg
1973. – Hans
Speidel: Aus
unserer
Zeit.
Erinnerungen
Frankfurt/M.
1977. –
Peter
Hoffmann:
Widerstand.
Staatsstreich.
Attentat.
Der Kampf
der
Opposition
gegen
Hitler. 3.
Aufl.
München 1979
Friedrich-Christian
Stahl