Die
Namensformen,
mit denen er
sich bzw.
man ihn
belegte,
sind beinahe
so
schillernd,
wie es die
Persönlichkeit
ihres
Trägers
gewesen sein
muß. Im 16.
Jahrhundert
findet sich
für den
Vornamen,
damals
durchaus
nicht
ungewöhnlich,
auch die
lateinische
Entsprechung
Mauritius,
die
Alternationen
des
Familiennamens
lauten
Heiling,
Heling
(latinisiert:
Helingius),
Helling und
sogar von
Helling;
sein Vater
Paul (v.) H.
soll wegen
Verarmung zu
bürgerlicher
Berufsausübung
gezwungen
gewesen sein
und deshalb
auch das
Adelsprädikat
abgelegt
haben (vgl.
Deutsches
Geschlechterbuch,
Bd. 30, S.
388 f.). Im
beginnenden
20.
Jahrhundert
wird er
fälschlich
auch mit dem
Vornamen
(eines
seiner
Söhne)
Martin
bedacht
(Realenzyklopädie
f.
protestant.
Theol. u.
Kirche 12,
S. 89, Z.
15, Leipzig
1903).
Eine
schillernde
Persönlichkeit
- das
Prädikat
"schillernd"
auf Personen
angewandt,
enthält die
Konnotationen
"zwielichtig",
"facettenreich"
und
"umstritten".
Nur in
diesem
letzteren
Sinne ist
die gewählte
Attribuierung
denn auch
auf Moritz
Heling
anzuwenden.
Eine der
zahlreichen
Widersprüchlichkeiten:
J.A.
Wagenmann
bezeichnet
Heling als
einen der
friedliebendsten
Theologen,
während K.
Schornbaum
(in der APB)
die
Vermutung
äußert, er
habe zur
"Schroffheit"
geneigt (was
angesichts
der
Nüchternheit,
deren sich
Verfasser
von
Lexikonartikeln
zu
befleißigen
haben,
nichts
anderes sein
kann als ein
Euphemismus
für
"zänkisch",
"streitsüchtig"
usw.). An
anderer
Stelle (AfR,
S. 181)
weist
derselbe
Schornbaum
nach, daß
Heling auch
unter
einigen
seiner
Zeitgenossen
(so bei
Joachim
Heller) als
"grob"
gegolten
habe.
Umstritten:
Vor uns
steht das
Kuriosum
eines
Mannes, der,
etwas
pointiert
ausgedrückt,
zwar
erwiesenermaßen
irgendwelche
Verdienste
hat, bei dem
aber niemand
präzise
sagen kann,
worin diese
bestehen!
Helings
Biograph
Zeltner
(1715) und
der
Enzyklopädist
Zedler
(1735),
denen
aufgrund
größerer
zeitlicher
Nähe eine
gewisse
Kompetenz
nicht
abgesprochen
werden kann,
bescheinigten
Heling, daß
er "viel zur
Errichtung
der Academie
zu Altdorf
beygetragen"
(Zedler)
habe, und
auch
Wagenmann
vermerkt
noch 1880,
daß er "bei
der Stiftung
und ersten
Einrichtung
der
Universität
Altorf [!]
mitgewirkt
und für
Stipendien
gesorgt
sowie die
"Aufsicht
über
Buchläden
und
Meßkataloge"
geführt
habe. G.A.
Will hebt
(S. 9) die
Stipendien
hervor, die
Heling den
Studierenden
verschafft
habe.
Neuzeitlichen
Autoren, die
sich mit der
Geschichte
der
Hochschulen
Altdorf hier
und
Erlangen-Nürnberg
dort
beschäftigen,
ist Heling
nicht einmal
die
undankbare
Erwähnung
unter
"ferner
liefen" wert
(ausgenommen
Kunstmann,
der ihm
wenigstens
in einer
Fußnote, S.
98, die
Funktion
eines
"Zensors"
zubilligen
mag, und
Leder, der
ihn als
Bittsteller
in Sachen
Hochschulgründung
an den
Nürnberger
Rat erwähnt,
S. 56, FN
4). Was also
ist nun
wahr?
Moritz
Heling
erblickte in
Ostpreußen
als Sohn des
dortigen
Schullehrers
("collaborators")
Paul Heling
und dessen
Frau Ursula
(geb. von
Spirau) das
Licht der
Welt,
besuchte die
Schulen von
Friedland,
Königsberg
und Elbing,
studierte in
Frankfurt/Oder
und
Wittenberg,
wo er
Luther,
Melanchthon
(mit dem er,
nach
Rotermund
"einen
vertraulichen
Umgang"
genoß) und
Georg Major
hörte. Im
Jahre 1545
(nach
Wagenmann
1546,
Pisanski
1548, was
aber sicher
falsch ist)
wurde er
Lehrer an
der Schule
zu Halle a.S.,
kehrte 1547
nach
Wittenberg
zurück und
wurde 1548
Magister.
1549 war
Heling
Rektor in
Eisleben.
Rätselhaft
erscheint in
diesem
Zusammenhang
ein Brief
Moritz
Helings an
Herzog
Albrecht von
Preußen aus
dem Jahre
1550, der
sich im
Staatsarchiv
Königsberg
(Geheimes
Staatsarchiv
Preußischer
Kulturbesitz
Berlin)
befindet und
auf den mich
vor einigen
Jahren Dr.
Reinhold
Heling aus
Hamburg
hinwies; in
diesem Brief
ersucht
Moritz
Heling den
Herzog um
ein
Stipendium -
zu einem
Zeitpunkt
also, da er
seine
Studien doch
längst
hinter sich
hat! - Im
Jahre 1554
wurde er
wegen des
Verdachtes
des
Majorismus,
d.h. der
Anhängerschaft
zu einem
seiner
Lehrer, der
im Streit um
die
Rechtfertigungslehre
eine von
Luther
abweichende
Position
einnahm,
abgesetzt,
kehrte
wiederum
nach
Wittenberg
zurück und
wurde auf
Melanchthons
Empfehlung
1555 als
Superintendent
und Pfarrer
an St.
Sebald nach
Nürnberg
berufen.
1575 geriet
er erneut -
und daran
selbst
keineswegs
unschuldig -
zwischen die
Mahlsteine
innerkirchlicher
Zwistigkeiten.
Diesmal
bezichtigte
man ihn des
"Philippismus",
also der
Anhängerschaft
zu
Melanchthon,
und des "Kryptocalvinismus".
Gegner
schmähten
ihn als "Schleichling".
Gegen seinen
Willen wurde
er, freilich
bei vollem
Salär,
emeritiert.
Auch nach
dieser
Zwangsversetzung
in den
Ruhestand
blieb er
aktiv,
schlichtete
manche
Religionsstreitigkeiten,
wie sie
damals noch
buchstäblich
an der
Tagesordnung
waren, und
war eben,
wie bereits
vermerkt, an
der Gründung
der Akademie
zu Altdorf
im Jahre
1578
beteiligt
(und wohl
maßgeblicher,
als heutige
Hochschulhistoriker
es ihm
zuzugestehen
bereit sind
- immerhin
finden wir
bei vier
verschiedenen
Autoren vier
verschiedene
Charakterisierungen:
Mitinitiator
der
Akademiegründung,
Organisator
studentischer
Stipendien,
Übernahme
bibliothekarischer
Aufgaben,
Zensorentätigkeit).
Es handelte
sich um jene
Akademie,
die 1622 zur
"Universitas
Altorfina"
wurde:
dieses Jahr
gilt bei den
meisten
Autoren denn
auch als das
eigentliche
Gründungsjahr.
Die
Universität,
an der unter
anderem
Albrecht von
Wallenstein
studierte,
bestand bis
zu ihrer
Auflösung
durch den
bayerischen
König
Maximilian
I. im Jahre
1809 (nach
anderen
Quellen: bis
1814). Sie
kann, wo
nicht im
streng
juristischen
Sinne (u.a.
wegen der
Übergabe des
Hauptteils
ihrer
Bibliotheksbestände)
und aufgrund
ihrer
geographischen
Lage nicht
ganz zu
unrecht als
Vorläuferin
der
heutigen, im
Jahre 1742
als Academia
Fridericiana
in Bayreuth
gegründeten
und 1743
nach
Erlangen
verlegten
Universität
Erlangen-Nürnberg
angesehen
werden.
Helings
Schriften
bestehen
vorwiegend
aus
lateinischen
"carmina"
biblischen
Inhaltes,
lateinischen
"colloquia",
Reden und
Geschichtstabellen.
Wenigstens
in einem
Punkte
sind sich
die
Biographen
des Moritz
Heling
einig: er
war dreimal
verheiratet
und wurde so
zum Vater
von 20
Kindern, von
denen aber
nur zwei
Söhne und
drei Töchter
das
Erwachsenenalter
erreichten.
Werke:
Bedenken
von
Abschaffung
des
Exorcismi an
E.E. Roth
gestellt
1570 von
Heling,
Schelhammer
und
Dürnhöfer.
1570. -
Carmen de
natali
Christi.
Wittenberg:
Crato 1551.
- Carmen de
obitu
Christophori
Schram,
senatoris et
bibliopolae
Wittebergensis.
Leipzig:
Bapst 1550.
- Carmina in
natalem Jesu
Christi in
Phalaecio
genere ad
Melch.
Kling. II.
in genere
elegiaco.
III. ad
Ferdin. (Fridr.)
a Folchersam
hymnus
Sapphicus.
Wittenberg
1554. -
Colloquium
Evae et
Mariae
virginis
post
resurrectionem
Jesu
Christi, de
ejus
incarnatione
et
nativitate,
doctrina,
miraculis et
morte usque
ad
resurrectionem,
versibus
expositum.
Nürnberg
1581. -
Colloquium
inter
Noricum et
Polonum de
Patria
[...].
Nürnberg:
Heusler
1587. - De
Legum
auctoritate
et utilitate;
De signis
praenunciis
postremae
Diei [...].
1591. -
Elegia fun.
ad Sim.
Cliverum
1591. -
Elegia
gratulatoria,
scripta in
honorem
nuptiarum D.
Sim. Cliveri.
Nürnberg
1586. -
Elegia in
obitum Phil.
Geuderi;
Klag- und
Trostschrift
bei dem Tode
Ortgies von
Wersabe,
Herrn auf
Cossabrügel.
Amberg 1596.
- Libellus
versificatorius
[...]
Nürnberg:
Gerlach
1590. -
Orationes de
legum
auctoritate
atque
utilitate,
1576. -
Orationes de
perpetua
ecclesiae
conservatione
et
ministrorum
in ea
missione,
1576. -
Orationes de
scholarum
constitutione
et officio
magistratus
in erigendis
scholis,
1576. -
Orationes in
Obitum Val.
Erythraei,
1576. -
Periochae,
id est
argumenta
librorum
quorundam
biblicorum
et locorum
communium
consignationes
breves,
tomus 1, in
libros
Josuae,
Judicum,
Ruth, tom.
2, in I. et
II. Samuelis,
tom. 3, in
libros Regum.
Nürnberg
1593-94. -
Pezelii
argumenta et
objectiones
de
praecipuis
articulis
religionis
Christianae;
Tabulae
Historicae
sive
chronologia
4
monarchiarum
a Daniele
praevisarum,
1558 (Neuaufl.
Altdorf
1667). -
Versus de
signis
praenunciis
postremi
diei. 1591.
- Versus
numerales de
navali
conflictu et
victoria
Anglorum
contra class.
Hispan. 1588
u.a.m.
Lit.:
Deutsches
Geschlechterbuch
(Genealog.
Handbuch
Bürgerl.
Familien,
DGB), hrsg.
v. B.
Koerner, Bd.
30, Görlitz
1918, bes.
S. 388 ff. -
H.
Kunstmann:
Die
Nürnberger
Universität
Altdorf und
Böhmen,
Köln, Graz
1963. - K.
Leder:
Universität
Altdorf. Zur
Theologie
der
Aufklärung
in Franken.
Die theol.
Fakultät in
Altdorf
1750-1809,
Nürnberg
1965, bes.
S. 56, FN 4.
- G.C.
Pisanski:
Entwurf
einer
preußischen
Literärgeschichte
in vier
Büchern. M.e.
Notiz über
den Autor u.
sein Buch
hrsg. v. R.
Philippi
[...]
Königsberg
i.Pr. 1886,
S. 91. -
Rotermund:
Heling,
Helling oder
Heiling, in:
Allg.
Encyklopädie
der
Wissenschaften
und Künste
[...], hrsg.
v. J.S.
Ersch u. J.G.
Gruber, 2.
Section, 5.
Teil,
Leipzig
1829, S. 108
f. - K.
Schornbaum:
Die
brandenburgisch-nürnbergische
Norma
doctrinae
1573, in:
Archiv für
Reformationsgeschichte
(AfR), Jg.
19, Leipzig
1922, bes.
S. 175 ff. -
K.
Schornbaum:
Heling (Heiling),
Moritz, in:
Altpreußische
Biographie (APB),
Bd. 1,
Königsberg
i.Pr. 1936,
S. 263 f. -
Wagenmann:
Heling, in:
Allgemeine
Deutsche
Biographie
(ADB), Bd.
11, 1880
(ND: 1969),
S. 690. -
G.A. Will:
Geschichte
und
Beschreibung
der
Nürnbergischen
Universität
Altdorf,
Altdorf 1801
(ND: Aalen
1975), bes.
S. 9, FN. -
J.H. Zedler:
Grosses
vollständiges
Universal-Lexicon
Aller
Wissenschafften
und Künste
[...], Bd.
12, Halle u.
Leipzig 1735
(ND: Graz
1961), Sp.
1261. - G.G.
Zeltner:
Historiae
Noribergensis
ecclesiasticae
notabilior
pericope in
Mauritii
Helingi,
[...]
Altdorf 1715
Friedemann
Kluge