Die
Schauspielerin
Henriette
Hendel-Schütz
wurde als
Tochter
eines
Schauspielerehepaares
geboren.
1775 kam sie
mit ihren
Eltern nach
Gotha, wo
diese am
Hoftheater
unter Conrad
Ekhof ein
Engagement
fanden. Sie
erhielt
Musikstunden
bei Georg
Benda und
Tanzunterricht
bei Ifflands
bekanntem
Lehrer
Mereau. Sie
spielte auch
damals schon
kleine
Rollen.
1781 ging
Henriettes
Vater zu
Döbbelin
(siehe zu
diesem OGT
1993, S.
176-178) und
seinem
Theater nach
Berlin; dort
bekam sie
Unterricht
durch den
Philosophen,
Schriftsteller
und
Theatermann
Johann Jakob
Engel in
Deklamation,
in Sprachen,
Metrik,
Mimik,
Geschichte
und
Mythologie
und spielte
bis 1785
Kinderrollen
im Ballett.
1785
debütierte
sie in
Schwedt als
Schauspielerin,
trat aber
auch in der
Oper auf
(etwa als
Zerline in
Mozarts
Don
Giovanni).
1788
heiratete
Henriette
den Tenor
Eunike, mit
dem sie am
Theater in
Mainz
wirkte.
Rollen in
den damals
sehr
beliebten
Stücken von
August
Kotzebue
gelangen ihr
hier
besonders
gut. Nach
dem Ausbruch
der
Französischen
Revolution
wandte sich
das Ehepaar
nach Bonn
zum
kurfürstlichen
Theater, von
hier 1782
nach
Amsterdam
und 1794
nach
Frankfurt a.
M. Der Maler
Pforr machte
Henriette
hier mit den
Rehbergschen
Zeichnungen
von
Darbietungen
der als
mimischen
Künstlerin
hervorgetretenen
Lady
Hamilton
bekannt und
regte sie zu
weiterer
Vervollkommnung
ihres
Talents an.
Sie ging
1796 an das
Berliner
Nationaltheater,
spielte in
tragischen
und
sentimentalen
Rollen und
heiratete,
nach der
Scheidung
ihrer ersten
Ehe 1797, im
Jahre 1802
den Arzt
Meyer; diese
Ehe wurde
nach drei
Jahren
wieder
geschieden.
Am 15.
Oktober 1806
zog sie sich
von der
Berliner
Bühne zurück
und ging mit
ihrem
dritten
Mann, dem
aus Halle
(Saale)
stammenden
Militärarzt
Hendel, nach
Stettin.
Nach dessen
baldigem Tod
ließ sie
sich in
Halle nieder
und wurde
durch
Professor
Karl Julius
Schütz
(1779-1844)
an den
Archäologen
Karl August
Böttiger in
Dresden
empfohlen,
bei dem sie
ihre früher
begonnene
Beschäftigung
mit der
Antike
fortsetzte
und sich
Kenntnisse
der
verschiedenen
Malerschulen
aneignete.
Henriette
Hendel
widmete sich
nun, seit
1811 mit
Schütz verheiratet,
der
mimisch-plastischen
Darstellung.
Durch ihre
Schönheit,
ihre
Phantasie
und
künstlerischen
Kenntnisse
fesselte sie
ihre
Zuschauer.
Ihre
Darbietungen
fanden
begeisterte
Zustimmung:
Goethe lobte
ihr
“ausgezeichnetes
Talent”. Für
Zacharias
Werner war
sie
“Pythia-Hendel”
und A. G.
Oehlenschläger
sah in ihr
“die
Künstlerin,
die
ihresgleichen
sucht”. Sie
gastierte
erfolgreich
in
Deutschland,
Dänemark,
Schweden,
Holland,
Rußland und
Frankreich.
Von Schütz,
der sie auf
ihren Reisen
unterstützt
und
begleitet
hatte,
trennte sie
sich 1824.
Nach einigen
Gastrollen
in Leipzig
beendete
Henriette
Hendel 1820
ihre
Bühnenlaufbahn;
sie trat nur
noch
gelegentlich
auf,
unterrichtete
junge
Mädchen in
Deklamation
und schrieb
einen von
der Berliner
Akademie
1842 mit
Zustimmung
aufgenommenen
Aufsatz über
die Art der
Darstellung
der Antigone
bei den
Griechen und
die
Möglichkeit
derselben in
der Moderne.
Schon zu
Lebzeiten
vergessen,
verstarb die
Künstlerin
nach
vollendetem
77.
Lebensjahr;
sie lebt
fort durch
das Lob, das
ihr
bedeutende
Zeitgenossen
zuteil
werden
ließen.
Lit.:
Allgemeine
Deutsche
Biographie.
– Deutsches
Theaterlexikon,
Bd. 3, 1992
(unter
Schütz,
Henriette).
– Wilpert,
Gero von:
Goethe-Lexikon.
1998.
Harro Kieser