Da Max Herrmann, der am
23. Mai 1886
in Neiße
als Sohn
eines
Gastwirtes
und leiden
hatte, war
er von einer
außerordentlichen
Sensibilität,
die ihn
schon
beizeiten
über die
Seinszusammenhänge
nachsinnen
ließ. Nach
dem Besuch
des
Humanistischen
Gymnasiums
in seiner
Heimatstadt
studierte er
von 1906 an
Literatur-
und
Kunstgeschichte
in Breslau
und München.
Zu einem
Abschluß ist
es nicht
gekommen,
und so ließ
er sich auf
das Wagnis
ein, „freier
Schriftsteller“
zu werden.
Nach dem Tod
des Vaters
im Jahre
1916 und der
bald darauf
durch
Selbstmord
aus dem
Leben
geschiedenen
Mutter war
es für ihn
schwer, sich
als
unabhängiger
Schriftsteller
zu
behaupten.
Mit seiner
treu ihm zur
Seite
stehenden
Lebensgefährtin
Leni ging er
zunächst
nach Berlin
und war als
Angestellter
im S.
Fischer-Verlag
tätig. Zu
seinen
Förderern
zählen in
dieser Zeit
u.a. Alfred
Kerr, Carl
Hauptmann,
Moritz
Heimann und
Oskar
Loerke, die
damals
schon, als
Kritiker
oder als
Schriftsteller,
einen Namen
hatten. Max
Herrmann
hatte bald
einige
Bühnenerfolge
zu
verzeichnen,
z. B. mit
dem 1919
gedruckten
Schauspiel
„Joseph der
Sieger“, das
in der
nächsten
Wintersaison
unter der
Regie des
damals
bekannten
Karl-Heinz
Martin im
„Kleinen
Schauspielhaus“
siebenunddreißigmal
aufgeführt
wurde. Im
gleichen
Jahr kam er
mit seinem
Bühnenwerk
„Insel der
Seligen“
heraus.
Sein Auskommen fand
Herrmann als
Tagespublizist;
er schrieb für
den
„Berliner
Börsen-Courier“,
das „Kölner
Tagblatt“,
die „Prager
Presse“ und
die
„Literarische
Welt“ Buch-
und
Theaterkritiken.
Ab 1920 machte Max
Herrmann als
Erzähler
von sich
reden, aber
er wurde
nicht so
stark
beachtet,
wie er
erwartet
hatte. 1920
erschien der
Prosaband
„Hilflose
Augen“ und
der Roman
„Cajetan
Schaltermann“
und 1922 ein
weiteres
Bühnenwerk
„Der letzte
Mensch“. Vom
Expressionismus
wandte er
sich in
seiner Lyrik
allmählich
ab, um sich
in der
Schreibweise
der „neuen
Sachlichkeit“
auszudrücken.
Über den
Dichter
äußerte sich
Ernst Alker
wie folgt:
„Es mag für
Herrmann
besonders
schmerzlich
gewesen
sein, daß er
während der
Berliner
Jahre
weniger
durch seine
Werke denn
durch seine
körperlichen
Defekte
einigermaßen
berühmt
wurde. Der
kleine
Körper des
Krüppels
trug einen
übergroßen
Kopf, ein ‚Verberbrechergesicht‘
(wie
Herrmann
selbst
sagte). Er
sah so aus,
wie ihn
George Grosz
darstellte
und Ludwig
Meidner
malte, wie
eine
fleischgewordene
Karikatur.“
1925 erschien von Herrmann
der Erzählband
„Die
Begegnung“
1927 die
Erzählung
„Der
Todeskandidat“.
Als lyrische
Sammelbände
legte er
1928
„Einsame
Stimme“ und
„Abschied“
vor. Diesen
folgte 1932
„Musik der
Nacht“. Mit
diesen
Werken fand
der Dichter
noch einmal
Anerkennung
in
Deutschland,
bevor er in
die
Emigration
ging.
Im Jahr 1933 gelangte er
mit seiner
Frau
über die
Schweiz,
Holland,
Frankreich
nach
England, wo
er in London
eine
Zuflucht
fand und
sich mit
einem
bescheidenen
Einkommen
begnügte.
Aber
Herrmann-Neiße,
der sich als
Bekenntnis
zu seiner
Vaterstadt
Namen mit zu
seinem
Familiennamen
gegeben
hatte,
fühlte sich
in der
Fremde nicht
wohl. Wie
schrieb doch
Stefan Zweig
über ihn:
„Von all den
vielen
Exilierten
litt er
vielleicht
am
schmerzhaftesten
unter
Fremdheit
der Sprache
und der
kalten
Gesinnung,
weil er als
,reinblütiger‘
Schlesier
doch nicht
aus Zwang
den Weg ins
Exil
genommen,
sondern aus
verstümmelter
Liebe für
das alte,
das
dichterische,
das
denkerische
Deutschland,
das er durch
Brutalität
und
Ungerechtigkeit
geschändet
sah.“ Und an
anderer
Stelle:
„Noch vor
einigen
Jahren
veranstalteten
wir
anläßlich
seines 50.
Geburtstages
in London
eine
öffentliche
Feier. Ernst
Toller und
ich sprachen
über sein
Lebenswerk,
dann las er
seine
Gedichte. Er
war rührend
wie immer
anzusehen,
niedergeduckt
auf das
Pult, der
kleine
verwachsene
Mann mit
klugen
Augen, die
an jenem
Abend
besonders
hell und
zart
leuchteten.
Man spürte
es so sehr,
wie er
beglückt
war, endlich
wieder
einmal
Verse,
deutsche
Verse einem
andächtig
lauschenden
Kreise
vorlesen zu
dürfen und
inmitten der
riesigen und
fremden
Stadt die
Wärme von
Freundschaft,
Anerkennung
und
dankbarer
Bekräftigung
um sich zu
fühlen.“ In
der
Emigration
schuf Max
Herrmann-Neiße
seine
schönsten
Gedichte.
Die für sein
Schicksal
bezeichnende
Lyriksammlung
„Um uns die
Fremde“
erschien
1936 im
Oprecht-Verlag
in Zürich.
Auf die
Bekanntmachung
über seine
Ausbürgerung
antwortete
er mit einem
Bekenntnis
zu seiner
Herkunft,
dessen Verse
so
ausklingen:
„Was man
liebt, kann
nie
vergehen: /
heimatlich
vertraute
Töne/
überall uns
treu
umwehen; /
denn die
Heimat
bleibt
bestehen /
in dem Lied
verstoßner
Söhne.“ Im
Vorwort zu
Herrmanns
Gedichtband
„Erinnerung
und Exil“
äußerte sich
Stefan Zweig
so:
„Unaufhörlich
träumte er
sich in
dieses
Deutschland
von einst
und seine
Landschaft
zurück, und
aus diesen
Träumen
wurden
Strophen und
Gedichte
edler
männlicher
Trauer, die
schönsten
vielleicht,
die seit
Heinrich
Heine im
Exil
geschrieben
wurden.“
Nach all den
körperlichen
und
seelischen
Beschwernissen
seine Lebens
mag er sich
mitunter den
Tod
herbeigesehnt
haben; am 8.
l April 1941
hatte er ihn
nach einem
Herzanfall
zu sich
genommen.
Max
Herrmann-Neiße
fand seine
letzte
Ruhestätte
auf dem
Londoner
Marylobone-Friedhof.
Werke:
„Ein kleines
Leben“,
Gedichte und
Skizzen,
1906; „Das
Buch
Franziskus“,
Gedichte,
1911;
„Porträt des
Provinztheaters“,
Sonette,
1913; „Sie
und die
Stadt“,
Gedichte,
1914;
„Empörung,
Andacht,
Ewigkeit“,
Gedichte,
1918;
„Verbannung“,
Gedichte,
1919; „Die
Preisgabe“,
Gedichte,
1919;
„Joseph der
Sieger“,
Komödie,
1919; „Die
Laube der
Seligen“,
Komödie,
1919;
„Cajetan
Schaltermann“,
Roman, 1920;
„Hilflose
Augen“,
Novellen,
1920; „Der
Flüchtling“,
Roman, 1921;
„Im Stern
des
Schmerzes“,
Gedichte,
1924; „Die
Begegnung“,
Erzählungen,
1925; „Der
Todeskandidat“,
Erzählung,
1927;
„Einsame
Stimmen“,
Gedichte,
1928;
„Abschied“,
Gedichte,
1928; „Musik
der Nacht“,
Gedichte,
1932; „Um
uns die
Fremde“,
Gedichte,
1936;
„Letzte
Gedichte“,
Gedichte,
1941; „Mir
bleibt mein
Lied“,
Gedichte, 19
„Erinnerung
und Exil“,
Gedichte,
1946;
„Heimatfern“,
Gedichte in
Auswahl, 19
Max
Herrmann-Neiße
(Auswahl),
1961; Ich
gehe wie ich
kann.
Gedichte,
1979.
Konrad
Werner