Nikolaus
Hermann
gehörte zu
den wenigen
„Liedermachern“
des 16.
Jahrhunderts,
die ihre
Lieder
speziell den
Kindern
zueigneten
und sie auf
sie
abstimmten.
„Hinunter
ist der
Sonnenschein“,
„Die helle
Sonne
leuchtet
jetzt
hierfür“,
„Lobt Gott,
ihr Christen
alle
gleich“,
„Erschienen
ist der
herrlich
Tag“ und
„Wenn mein
Ständlein
vorhanden
ist“
sind heute
seine
bekanntesten
Lieder im
Evangelischen
Gesangbuch
und im
Gotteslob.
Hermann war
von 1518 bis
1557 in der
Silbermontanstadt
Joachimsthal
im
böhmischen
Erzgebirge
Kantor und
Lehrer. Er
erlebte den
kurzen
Höhepunkt
Joachimsthals
als
wirtschaftliches,
kulturelles,
religiöses
und
geistiges
Zentrum mit.
Der
Niedergang
der Stadt
war an
seinem
Lebensende
schon zu
spüren. Er
beschrieb
die
gedrückte
Stimmung der
Menschen in
der Vorrede
zu seinen
Historien:
Kleinmütig
und verzagt
waren seine
Mitbürger
und die
Obrigkeit,
da das
Einkommen
sank. Gott
hat „sich
denn nu
bisweilen
fur uns
verstecket,
und das
Bergwerck
auch
stecken“
lassen. Die
Bergleute –
er bezieht
sich mit ein
– bedürften
des Trostes.
Diesen Trost
sollten sie
in den
Geschichten
des Alten
Testamentes
finden, denn
viele
Beispiele
für
Hungersnöte
und die
Rettung
durch Gott
würden dort
erzählt, und
auch manche
Erfahrung in
Joachimsthal
ließe die
Hoffnungen
wachsen.
Manchem
Armen hatte
Gott „alhie
Ehr und Gut
bescheret“.
Auch Hermann
rechnete mit
einem neuen
Aufschwung.
Schon früh
hatte sich
Hermann der
reformatorischen
Bewegung
angeschlossen.
Die
Zusammenarbeit
mit Johann
Mathesius,
1532 bis
1540 Rektor
der
Lateinschule,
seit 1542
Prediger und
1545 erster
evangelisch-lutherischer
Pfarrer in
Joachimsthal,
war geprägt
durch eine
tiefe
Freundschaft.
„Wenn Herr
Mathesius
eine gute
Predigt
getan hatte,
so ist der
fromme
Kantor
geschwind
dagewesen
und hat den
Text mit den
vornehmsten
Lehren in
die Form
eines
Gesanges
gebracht,
weil sich
auf eine
gute Predigt
ein schöner
Gesang
gehört“.
Beide waren
zeitlebens
treue
Anhänger
Luthers und
seiner
Freunde.
Hermann
hatte eine
Familie mit
Kindern,
mußte sich
wegen Gicht
jedoch
vorzeitig
pensionieren
lassen und
starb
einundsechzigjährig.
Seinen
Lebensabend
betrachtete
er voll
Dankbarkeit.
Durch die
Pensionierung
war er zwar
in
finanzielle
Schwierigkeiten
geraten,
sein Patron
hatte es
jedoch
erreicht,
ihm ein
zusätzliches
Altersruhegeld
zu
verschaffen.
So konnte
Hermann „jtzt
... tichten
ein Gsang“.
Somit wurde
Hermanns
„Werk“ erst
gegen Ende
seines
Lebens in
Druck
gegeben; in
den Jahren
nach seiner
Pensionierung
bereitete er
die
Veröffentlichung
vor. Es ist
die Frucht
seines
Lebens, die
in
jahrelanger
Arbeit mit
Kindern in
Schule und
Familie
gereift war.
Seit 1550
waren nur
einzelne
Lieder
erschienen,
1560 und
1652 dann
seine beiden
Hauptwerke,
die
Sontags-Evangelia
und die
Historien.
Die Vielzahl
der Auflagen
bis in das
17.
Jahrhundert
spiegelt die
Bedeutung
seiner
Liedsammlungen
wider. Er
vermochte
die
wichtigen
Inhalte des
evangelischen
Glaubens
schlicht und
einfach
auszudrücken,
ohne flach
und
niveaulos zu
sein. Seine
Kunst
verleiht der
Einfachheit
Glanz, die
Lieder sind
wertvoll,
weil sie den
Kindern
gehören: „Ir
allerliebsten
Kinderlein,
das
Gesangbüchlein
sol ewer
sein.“
Hermann war
zwar nicht
der erste,
der einen
Zyklus mit
Sonntagsevangelien
schuf, wurde
jedoch zum
Vorbild bis
in das 20.
Jahrhundert
hinein für
alle, die
sich diese
Aufgabe
stellten (so
etwa für
Johann
Heermann und
Rudolf
Alexander
Schroeder).
Alles, was
ihm wichtig
war,
vertonte
Hermann, gab
es in
poetischer
Form weiter,
damit es,
unterstützt
durch eine
Melodie,
durch Singen
auswendig
gelernt
werden
konnte.
Dieses
Anliegen,
wird auch
bei
folgendem
Titel
deutlich:
„Die
Haustafel
darinn einem
jeden
angezeiget
wird, wie er
sich in
seinem stand
verhalten
sol. Inn ein
gesang
gefasst
...“. Er
komponierte
nicht
gänzlich
neue
Melodien,
sondern
lehnte sich
an bekannte
Weisen
sowohl aus
dem
weltlichen
als auch aus
dem
geistlichen
Bereich an.
Dabei traf
er den
„richtigen
Ton“; seine
Melodien
sind heute
immer noch
beliebt.
Die
Sontags
Evangelia
sollten
Unterrichtsmaterial
für die
Mädchen-Schule
in
Joachimsthal
sein, die
erste der
Reformationszeit.
Damit die
Texte aus
den
Evangelien
nicht nur
„hergesagt“
wurden,
sondern auch
gesungen
werden
konnten,
versah
Hermann sie
mit
Melodien.
Damit schuf
er das
Pendant zu
lateinischen
Perikopendichtungen,
die schon
lange im
Schulunterricht
verwendet
wurden. In
zwei Punkten
gingen die
deutschen
Lieder über
die
lateinischen
Dichtungen
hinaus: sie
wurden
gesungen,
die Musik
konnte also
ihre Macht
entfalten,
und sie
wurden noch
stärker an
den
Glaubensvollzug
gebunden,
indem
oftmals ein
Gebet dem
Lied folgte.
Hermanns
Grundanliegen
war es, den
Kindern
profunde
Bibelkenntnisse
und damit
das
Evangelium
zu
vermitteln,
so daß für
das Hören
des Wortes
Gottes in
der Predigt
bessere
Voraussetzungen
geschaffen
wurden.
Eine
Besonderheit
in seinem
Werk stellen
die
handgeschriebenen
Cantica
sacra
dar, eine
lateinische
Perikopendichtung
für das
Kirchenjahr,
nicht nur
zum Sprechen
für den
Schulgebrauch,
sondern
gesungen mit
liturgischer
Funktion.
So sehr
Hermann als
„Kinderliederdichter“
angesehen
wird, muß
doch
beachtet
werden, daß
er sich
seine Lieder
in der
Familie
gesungen
vorstellte.
Das
Miteinander-Singen,
das
Voneinander-Lernen,
die
gegenseitige
Bezeugung
ihrer
Glaubenserfahrung
beim Singen
war ihm und
den anderen
Reformatoren
wichtig.
Lit.:
Theologische
Realenzyklopädie,
Bd. 15
(1986), S.
95-97
(Blankenburg).
– Musik in
Geschichte
und
Gegenwart,
Bd. 6
/1957), Sp.
219-221
(Blankenburg).
– Rößler,
Martin:
Liedermacher
im
Gesangbuch.
Stuttgart
21992,
Bd. 1, S.
85-116.
Werke:
Die
Sontags/Euangelia/vnd
von den
fürnemsten
Festen vber
das gantze
Jar/In
Gesenge
gefasset fur
Christliche
Hausveter
vnd ire
Kinder/Mit
vleis
corrigirt/gebessert
vnd gemehret/Durch
Nicolaum
Herman im
Joachimsthal.
Witteberg,
1562 (1.
Auflage 1560
mit anderem
Titel). –
Die
Historien
von der
Sindfluth,
Joseph, Mose,
Helia, Elisa
vnd der
Susanna
sampt
etlichen
Historien
aus den
Euangelisten,
Auch etliche
Psalmen vnd
geistliche
Lieder, zu
lesen vnd zu
singen in
Reyme
gefasset,
Fur
Christliche
Hausveter
vnd ire
Kinder,
Durch
Nicolam
Herman im
Joachimsthal
[ ... ]
Wittenberg
1562.
Ein Teil der
Liedtexte
ist gedruckt
bei
Wackernagel,
Philipp: Das
deutsche
Kirchenlied,
Bd. 3,
Leipzig 1870
(Hildesheim
1964), Nr.
1351-1453. –
Vorreden und
Beschlußrede
bei
Wackernagel,
Philipp:
Bibliographie
zur
Geschichte
des
deutschen
Kirchenliedes
im XVI.
Jahrhundert.
Frankfurt a.
M. 1855
(Hildesheim
1987), Nr.
67, S.
608-611, Nr.
70, S.
612-619.