Der
Kunsthistoriker
Theodor
Johann
Hetzer war
der Sohn
Woldemar
Hetzers,
eines
Kaufmanns
und
Direktors
einer
Landmaschinenfabrik,
und seiner
Ehefrau
Elisabeth,
geb. Wille.
Der
Großvater
väterlicherseits,
Johann
Benjamin
Hetzer
(1798-1860),
stammte aus
Torgau in
Sachsen und
war 1815
nach Rußland
ausgewandert.
In Moskau
hatte er
sich eine
Existenz als
Tuchfabrikant
aufbauen
können.
Theodor
Hetzers
Mutter zog
nach dem
frühen Tod
ihres Mannes
in die
Schweiz. Von
1901 bis
1905
besuchte ihr
Sohn das
Gymnasium
Fridericianum
in Davos.
Nach ihrem
Umzug ins
Badische war
Theodor
Hetzer
Schüler des
humanistischen
Friedrichs-Gymnasiums
in Freiburg
im Breisgau.
Hier erwarb
er 1909 das
"Zeugnis der
Reife".
Ursprünglich
wollte
Hetzer Maler
werden; aber
er entschied
sich dann
schließlich
gegen den
mehr
praktischen
Umgang mit
der Kunst
und für
einen
vorwiegend
analysierenden.
Im
Wintersemester
1909/10
studierte er
bei dem
Kunsthistoriker
Wilhelm Vöge
(1868-1952)
in Freiburg
im Breisgau.
Neben dem
Fach
Kunstgeschichte
hatte Hetzer
noch
Archäologie
und
Philosophie
belegt. Nach
einem
Semester in
München
studierte er
seit dem
Wintersemester
1910/11 in
Berlin, bei
Heinrich
Wölfflin
(1864-1945)
und Adolph
Goldschmidt
(1863-1944).
Prägend für
ihn sollte
allerdings
die
Persönlichkeit
des Berliner
Privatdozenten
Friedrich
Rintelen
(1881-1926)
werden, der
1912 sein
Buch
Giotto und
die
Giotto-Apokryphen
veröffentlicht
hatte. Von
diesem hat
Theodor
Hetzer
rückblickend
festgestellt,
daß es auf
sein
"eigenes
Denken und
Arbeiten
bestimmend
gewirkt"
habe.
Als
Friedrich
Rintelen
einen Ruf
nach Basel
erhielt,
folgte ihm
Hetzer im
Wintersemester
1914/15 in
die Schweiz.
Die
frühen
Gemälde des
Tizian. Eine
stilkritische
Untersuchung
war der
Titel seiner
Dissertation,
die Rintelen
betreut
hatte. Daß
der
Giotto-Spezialist
Rintelen
seinen
Schüler
Theodor
Hetzer an
eine ganz
andere
Epoche
heranführen
konnte,
zeugt für
die
didaktischen
Fähigkeiten
des nur ein
Jahrzehnt
älteren
Lehrers. Die
späteren
Publikationen
Hetzers
belegen
augenfällig,
daß es sich
bei dem
abgehandelten
Sujet für
ihn nicht um
eine
akademische
Pflichtübung
gehandelt
hat. Sein
eigenes
Giotto-Buch
von 1941
widmete er
"Friedrich
Rintelen zum
Gedächtnis".
Das
Eingeständnis
von
persönlichen
Vorlieben
und
Wertschätzungen
mag heute in
der
wissenschaftlichen
Literatur
nicht mehr
als opportun
gelten.
Theodor
Hetzer noch
scheute sich
nicht, in
seinem Buch
Tizian.
Geschichte
seiner Farbe
von 1935 zu
bekennen:
"Es verbirgt
nicht die
Neigung und
die
Bewunderung,
die mich
immer wieder
zu Tizian
hinziehen,
seit, vor
mehr als
zwanzig
Jahren,
Friedrich
Rintelen,
der
Unvergessene,
mich zu
einem ersten
Versuch über
Venedigs
größten
Maler
ermutigte."
Hetzers
Dissertation
wurde am 24.
Februar 1915
von der
philologisch-historischen
Abteilung
der
philosophischen
Fakultät der
Universität
Basel
angenommen.
Im Druck
erschien
diese Arbeit
in Basel
jedoch erst
1920.
Theodor
Hetzers
akademische
Heimat wurde
nach dem
Ersten
Weltkrieg
die
Universität
Leipzig.
1923
habilitierte
er sich dort
bei Wilhelm
Pinder
(1878-1947),
erlangte
1929 eine
Privatdozentur
und 1935 ein
Ordinariat.
Mit seiner
zweiten
großen
Veröffentlichung
nach seiner
Doktorarbeit,
Das
deutsche
Element in
der
italienischen
Malerei des
16.
Jahrhunderts,
hatte Hetzer
1929 das
andere
zentrale
Thema seiner
Forschungen
behandelt,
nämlich die
künstlerischen
Wechselbeziehungen
zwischen dem
Norden und
dem Süden,
genauer
zwischen dem
deutschsprachigen
Raum und
Italien.
Sein Buch
verknüpfte
beide
Phänomene
so, "daß das
deutsche
Element in
der
italienischen
Hochrenaissance
wirkend
gesehen
wird, nicht
umgekehrt in
der
allbekannten
Weise einer
Wirkung des
Südens auf
den Norden"
(G.
Berthold).
Von Theodor
Hetzer
selbst gibt
es
Äußerungen,
die belegen,
daß ihm
nicht
sonderlich
viel daran
lag, das
Oeuvre eines
Künstlers
etwa durch
Zu- oder
Abschreibungen
vollständig
zu erfassen.
Vielmehr
galt sein
Forscherinteresse
dem
scheinbar
längst
Bekannten,
dem er sich
jedoch mit
ganz neuen
Fragestellungen
zuwandte.
Sein Buch
Tizian.
Geschichte
seiner Farbe
war ein
großangelegtes
Werk über
diesen
venezianischen
Maler der
Hochrenaissance.
Werner Gross
nannte
Hetzer
deswegen
wohl nicht
zu Unrecht
den ersten
Farbhistoriker
in der
Kunstgeschichtsforschung.
Wie Goethe
und
Winckelmann
zog es auch
Theodor
Hetzer
regelmäßig
mit Macht
nach
Italien. Das
Vorwort
seiner erst
posthum
veröffentlichten
Erinnerungen
an
italienische
Architektur
ist denn
auch eine
unverhüllte
Liebeserklärung
an dieses
mit
Kunstwerken
wahrlich
gesegnete
südliche
Land, dessen
Zauber schon
so viele
Deutsche vor
ihm erlegen
sind.
Theodor
Hetzer,
dessen
letzte
Lebensjahre
in
Überlingen
am Bodensee
von einer
Krankheit
überschattet
waren, hat
sich
überwiegend
mit den ganz
großen
Gestalten
der
Kunstgeschichte
beschäftigt:
Giotto,
Dürer,
Tizian und
zuletzt noch
mit
Michelangelo.
Die
Kunstwissenschaft
nach dem
Zweiten
Weltkrieg
legte ihr
Augenmerk
nicht mehr
so sehr auf
das Genie
und die
wirkungsmächtige
Potenz von
historischen
Einzelpersönlichkeiten.
Nicht
zufällig
wohl hat der
nur wenige
Jahre
jüngere
bedeutende
Kunsthistoriker
Hans
Sedlmayr
(1896-1984)
die
Schriften
von Wilhelm
Pinder, Hans
Jantzen
(1881-1967)
und Theodor
Hetzer als
beispielhaft
empfohlen.
Werke:
Schriften,
hg. v.
Gertrude
Berthold,
Bd. 1:
Giotto
-
Grundlegung
der
neuzeitlichen
Kunst, 1981,
Bd. 2: Die
Bildkunst
Dürers,
1982, Bd. 3:
Das
Ornamentale
und die
Gestalt -
Die
Begegnung
von Norden
und Süden in
der
Hochrenaissance,
1987, Bd. 4:
Bild als Bau
- Von
Giotto bis
Tiepolo
(voraussichtlich
1996), Bd.
5: Rubens
und
Rembrandt,
1984, Bd. 6:
Italienische
Architektur,
1990, Bd. 7:
Tizian,
1992, Bd. 8:
Venezianische
Malerei von
den Anfängen
bis zum Tode
Tintorettos,
1985 und Bd.
9:
Geschichte
des Bildes
von der
Antike bis
Cézanne
(nicht vor
1997).
Lit.:
Gertrude
Berthold:
Theodor
Hetzer.
Gedanken zu
seinem Werk,
in:
Festschrift
Kurt Badt
zum
siebzigsten
Geburtstag.
Beiträge aus
Kunst- und
Geistesgeschichte,
Berlin 1961,
S. 292-300.
-
Heinrich
Dilly:
Deutsche
Kunsthistoriker
1933-1945,
München-Berlin
1988. -
Werner Gross:
Theodor
Hetzer, in:
Neue
Deutsche
Biographie,
Bd. 9,
Berlin 1972,
S. 36f. -
Friedrich
Klingner:
Theodor
Hetzer.
Gedächtnisrede.
Gehalten in
der
Universität
Leipzig am
15. Januar
1947
(Wissenschaft
und
Gegenwart,
Nr. 15),
Frankfurt am
Main 1947
(enthält
eine
detaillierte
Auflistung
aller
Monographien
und Aufsätze
von Theodor
Hetzer, die
noch zu
seinen
Lebzeiten
erschienen
sind). -
Udo
Kultermann:
Geschichte
der
Kunstgeschichte.
Der Weg
einer
Wissenschaft,
München
1990.
Bild:
aus
Kultermann,
Geschichte,
S. 174.
Peter
Wolfrum