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Der bekannte
französische Naturforscher D. F. J. Arago (1786-1853) schrieb in
französischer Sprache: „Ein wohlwollendes Andenken wird stets Madame
Hevelius eingeräumt werden, der ersten mir bekannten Frau, die ohne
Furcht der Ermüdung astronomischer Beobachtungen und Berechnungen
trotzte." (Werke, 3. Band). Dieser Einschätzung des einstigen Direktors
der Pariser Sternwarte kann man sich auch heute noch vorbehaltlos
anschließen. Die erste Frau, die erfolgreich für die Wissenschaft der
Astronomie arbeitete, war eine Danziger Kaufmannstochter. Sie war das
siebte von acht Kindern des 1635 aus Holland über Hamburg nach Danzig
eingewanderten Nicolas Koopmann (1601-1672) und seiner Frau Johanna
Mennings (1602-1679). Deren Ehe war wohl 1633 in Amsterdam geschlossen
worden, doch lebte die Familie seit 1635 in Danzig, wo Nicolas als
begüterter, natürlich deutsch sprechender Kaufmann 1641 das Bürgerrecht
erhielt. Seine Tochter Catharina Elisabeth, von der bisher nur das Tauf-
und das Begräbnisdatum bekannt sind, erhielt eine für damalige
Verhältnisse recht gute private Ausbildung, vor allem offenbar in
Fremdsprachen; aus späterer Zeit sind Briefe von ihr sogar in
lateinischer Sprache erhalten. Anfang Februar 1663 heiratete die gerade
erst 16jährige „vielbewunderte Schönheit" in der Danziger St.
Katharinenkirche den 36 Jahre älteren Ratsherrn, wohlhabenden
Bierbrauer, Kaufmann und damals hochberühmten Astronomen Johannes
Hevelius.
Eine romantische
Familienlegende berichtet über das Zueinanderfinden des altersmäßig so
unterschiedlichen Paares: Der angesehene Astronom habe einst einer
Nachbarstochter versprochen, ihr seine zahlreichen
Beobachtungsinstrumente auf seiner weithin bekannten Sternwarte zu
zeigen. Das Mädchen habe schließlich auf Einlösung dieses Versprechens
gedrängt, sei von der Beobachtung des nächtlichen Himmels begeistert
gewesen und habe darum gebeten, immer wieder kommen zu dürfen. Nach der
Hochzeit übernahm die sehr junge Frau die Führung des recht
umfangreichen Haushalts und weitgehend auch des Geschäfts. In den Jahren
1664 bis 1672 wurde sie Mutter von vier Kindern, zunächst eines Sohnes,
der aber nur ein Jahr alt wurde, dann von drei Töchtern, die die Eltern
überlebten. Der Schmerz der Eltern über den frühen Verlust des Sohnes
Adeodatus war sehr groß, zumal die erste Ehe des Astronomen kinderlos
geblieben war. Neben diesen vielfachen Anforderungen erhielt Elisabeth
eine astronomische Ausbildung durch ihre Tätigkeit als Mitarbeiterin
ihres Mannes, wahrscheinlich gleichzeitig mit Gottfried Kirch aus Guben
(1639-1720), der als Student aus Jena bei Hevelius in Danzig hospitierte
und arbeitete. Kirch erhielt im Jahre 1700 einen Ruf an die Berliner
Akademie und hatte 1692 in zweiter Ehe Maria Margaretha Winkelmann
(geboren 1670 bei Leipzig) geheiratet, die dann als zweite Frau in die
Geschichte der Astronomie einging.
Elisabeth Hevelius hatte
also keine akademische Ausbildung, doch gibt es auch später noch
Vergleichbares, wenn etwa Wilhelm von Humboldt 1810 den Autodidakten
Friedrich Wilhelm Bessel als Professor und Direktor der Sternwarte nach
Königsberg berief, der es hier zu höchstem Ansehen brachte. Die
astronomischen Leistungen der Elisabeth Hevelius sind von denen ihres
berühmten Mannes nur schwer zu trennen, eben weil er der längst
anerkannte und erfahrenere Wissenschaftler war, doch steht fest, daß er
nach ihrer Ausbildung kaum mehr astronomische Gehilfen beschäftigte,
deren Position seine Frau übernahm. In seinem 1673 in Danzig
erschienenen Buch Machina Coelestis hat Hevelius seine Frau
Elisabeth auf zwei Kupfertafeln abgebildet: einmal am großen Sextanten
aus Messing (Fig. M, S. 202), und am großen Oktanten, ebenfalls aus
Messing (Fig. O, S. 254). Im gleichen Werk beschreibt er seine Frau als
geschickte Beobachterin und „zum Studium durch Neigung gut geeignet";
sie habe alle Beobachtungen mit ihm „sorgfältig ausgeführt" und „die
größten Schwierigkeiten, sooft sie sich nur leicht bemüht, zur vollsten
Zufriedenheit besonders exakt, sogar nahezu eifriger als jeder der
übrigen" bewältigt und ihm Gehilfen ersetzt, „auch, weil sie immer da
war", denn die größeren Instrumente aus Metall mußten von zwei Personen
bedient werden (S. 57 u. 223).
Die Danziger Sternwarte
des Hevelius war seit 1650 die beste und bekannteste Europas. Nach ihrer
fast völligen Zerstörung am 26. September 1679 durch einen Brand war
Elisabeth Hevelius wohl die treibende Kraft für den Wiederaufbau und die
Fortsetzung der wissenschaftlichen Arbeiten, was auch an der Tatsache
erkennbar ist, daß sie die ausgedehnte Korrespondenz mit Gelehrten und
hochgestellten politischen Persönlichkeiten aus ganz Europa mehr und
mehr übernahm; sie selbst hat Danzig möglicherweise nie verlassen.
Nach dem Tod ihres
Mannes am 28. Januar 1687, der die Zerstörung eines großen Teils seines
Lebenswerkes durch das Feuer wohl nie ganz verwunden hatte, gab sie aus
dem Nachlaß noch drei astronomische Werke heraus, oft unter dem
gemeinsamen Titel Prodromus Astronomiae cum Catalogo Fixarum, et
Firmamentum Sobiescianum: 1. Catalogus stellarum fixarum.
Danzig 1687/1690. Ein Fixsternkatalog über ca. 1550 Sterne, dessen
Manuskript auf wunderbare Weise noch heute erhalten ist und über das als
das millionste Buch der Brigham Young Universitätsbibliothek im US-Staat
Utah eine eigene Veröffentlichung erschien. 2. Firmamentum
Sobiescianum, sive Uranographia. Danzig 1690. Ein Sternatlas mit 56
großformatigen Kupferstichen in vorzüglicher Ausführung. Für dieses Werk
verfaßte Elisabeth Hevelius eine Widmung an den polnischen König Johann
III. 3. Prodromus Astronomiae. Danzig 1690.
Elisabeth Hevelius
überlebte ihren Mann nur um sechs Jahre; während dieser Zeit hielt sie
die neue Sternwarte funktionsfähig und bewahrte das astronomische Erbe
ihres Mannes. Alsbald nach ihrem Tode im Jahre 1693 wurden die kostbaren
Bücher und Manuskripte, Instrumente, gesammelten Handschriften und teils
seltenen astronomischen Werke durch Verkauf in zahlreiche Länder Europas
zerstreut. In der Familiengruft ihres Mannes in der Danziger St.
Katharinenkirche wurde die selbstlose Frau und fleißige Astronomin
beigesetzt.
Lit.:
Johannes Hevelke. Gert Havelke und seine Nachfahren.
Danzig
1927. - E. F. Mac Pike: Hevelius, Flamsteed and Halley.
London 1937. - H.-J.
Kämpfert: J. Hevelius - Astronom zu Danzig. Kulturwerk Danzig.
Düsseldorf 1986. - H.-J. Kämpfert: Johannes Hevelius. BdV-Arbeitshilfe
49. Bonn 1987. - Volkoff, Franzgrote, Larsen: Johannes Hevelius and his
catalog of stars. Utah, USA, 1971.
Bild:
Elisabeth Hevelius am großen Sextanten; aus: Machina Coelestis, Danzig
1673.
Hans-Jürgen Kämpfert
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