Hevelius war
um die Mitte
des 17.
Jahrhunderts
und in den
zwei
Jahrzehnten
danach der
bedeutendste
und
berühmteste
Astronom
Europas und
besaß in
Danzig die
beste
Sternwarte
der
damaligen
Zeit, so daß
zahlreiche
Besucher sie
besichtigten,
darunter
Könige und
Staatsmänner,
nicht so
sehr, um
astronomische
Beobachtungen
durchzuführen,
mehr wohl,
um von ihr
die
herrliche
Aussicht auf
die von
Naturschönheiten
umgebene
Danziger
Bucht zu
genießen.
Johannes
Hewelke, wie
sein
eigentlicher
Name war,
entstammte
einer
Familie, die
um 1510 als
Bauernfamilie
aus Stüblau
im Danziger
Werder in
die zu
überregionaler
Bedeutung
angewachsene
Hansestadt
eingewandert
war und zu
einer
weitverzweigten
Brauerfamilie
wurde. Er
besuchte das
Danziger
Akademische
Gymnasium,
eine im
deutschen
Nordosten
hochangesehene
Bildungsanstalt,
die fast den
Rang einer
Universität
anstrebte,
verließ es
aber vor dem
endgültigen
Abschluß, da
zunächst
eine
Pestepidemie,
dann eine
Krankheit
den
Schulbesuch
behinderten.
Nach einer
Ausbildung
in mehreren
handwerklichen
Künsten
(Zeichnen,
Drechseln,
Kupferstechen,
Glasschleifen)
erhielt er
in den
Jahren 1630
bis 1634
eine
akademische
Ausbildung
im Ausland.
Gemäß
vielfachem
Brauch bei
Danziger
Rats- und
Kaufmannsfamilien
hörte er
zunächst
juristische
Vorlesungen
an der
Universität
Leyden in
Holland und
wechselte
dann nach
England und
Frankreich.
Auch das
Studienfach
wechselte
er, denn er
befand sich
in der
Umgebung
bekannter
Gelehrter
und
Naturforscher,
in England
bei Usher
und Hartlieb
(dessen
Familie aus
Danzig und
Elbing
stammte), in
Frankreich
bei Mersenne,
Gassendi,
Boulliaud
und dem
berühmten
Jesuitenpater
Athanasius
Kircher, für
den er sogar
Kupferstiche
hergestellt
haben soll.
Im Jahre
1634 nach
Danzig
zurückgekehrt,
trat er in
die Brauerei
seines
Vaters ein,
heiratete
ein Jahr
später eine
Brauertocher,
Catharina
Rebeschke,
und übernahm
die Leitung
der Brauerei
seines
Schwiegervaters.
Seit 1636
war er
selbständiges
Mitglied der
Brauerzunft.
Seinem
ehemaligen
Lehrer am
Akademischen
Gymnasium,
Professor
Dr. Peter
Crüger,
gelang es im
Jahre 1639,
die schon
beim Schüler
zu
beobachtende
Begeisterung
für die
Wissenschaft
der
Astronomie
wiederzuerwecken
und ihm auch
die ersten
Instrumente
und Bücher
zu
übereignen.
Johannes
Hewelke hat
von nun an
sein Leben
lang mit
größter
Ausdauer die
Gestirne
beobachtet,
beschrieben
und auch
theoretisch
zu ergründen
gesucht.
Sein erstes
Werk, die
Mondbeschreibung
von 1647 mit
über hundert
selbstgestochenen,
hervorragenden
Kupfertafeln,
machte ihn
mit einem
Schlage
berühmt; für
fast
einhundertfünfzig
Jahre wurde
es zu einem
Standardwerk
der
Wissenschaftler.
Weitere
bedeutende
und sehr
umfangreiche
Werke
folgten,
insgesamt
weit über
3000 Seiten
mit über 300
wissenschaftlich
und auch
künstlerisch
wertvollen
Kupferstichen,
größtenteils
von eigener
Hand,
wodurch sich
auch der
Wert dieser
Abbildungen
für die
Astronomen
erklärt.
Wissenschaftliche
Detailleistungen
wie die auf
genauer
Beobachtungsgabe
beruhende
Mondbeschreibung
und die
Mondkarten,
die
Erfindung
der
Pendeluhr um
1655,
unabhängig
von Huyghens,
die
Entdeckung
der dritten
Mondlibration
(scheinbare
Mondschwankung)
und zweier
Doppelsterne,
die
Beobachtung
des
Veränderlichen
Mira im
Walfisch,
Helligkeitsmessungen
und
-schätzungen,
über 1500
recht genaue
Vermessungen
von
Sternpositionen
machten ihn
zum „Fürsten
der
Astronomie“.
Seine
überragende
Bedeutung im
Europa jener
Zeit
spiegelt
auch die in
16 Bänden
vorhanden
gewesene
Briefsammlung
wider, in
der
Wissenschaftler
und
Staatsmänner,
Könige und
Fürsten
Johannis
Hevelius
größtes Lob
zuteil
werden
lassen. Im
Jahre 1664
wurde er in
die Londoner
Royal
Society
aufgenommen,
wohl die
größte
Auszeichnung
für einen
Naturwissenschaftler
der
damaligen
Zeit. Nach
dem Tode
seiner
ersten Frau
im Jahre
1662
heiratete er
ein Jahr
später die
16jährige
schöne und
begüterte
Kaufmannstochter
Catharina
Elisabeth
Koopmann.
Sie muß eine
kluge Frau
gewesen
sein, denn
sie hat
Hevelius
nicht nur
bei seinen
Beobachtungen
assistiert,
sondern auch
aus seinem
Nachlaß
Werke
herausgegeben,
vielleicht
darf sie als
die erste
Astronomin
bezeichnet
werden. Im
Jahre 1679
verlor
Hevelius
durch einen
Brand nicht
nur seine
überaus
kostbare
Sternwarte,
sondern auch
einen großen
Teil seiner
bewundernswerten
Schaffenskraft.
Zwar baute
er unter
Einsatz
bedeutender
Teile seines
Vermögens
und einiger
Zuwendungen
von seiten
des
französischen
und
polnischen
Königs seine
drei Häuser
und darauf
seine
Sternwarte
wieder auf,
doch er
starb bald
darauf an
seinem
Geburtstag,
am 28.
Januar 1687.
Daß Hevelius
heute zu den
Fast-Vergessenen
zählt, trotz
seiner
unbestreitbar
wertvollen
Leistungen,
liegt auch
an der
Geschichte
des
Fernrohrs:
Zwar baute
er selbst
Fernrohre
für die
Zwecke der
astronomischen
Beobachtung,
schliff
selber die
Linsen und
verkaufte
sie sogar,
aber die
meisten
seiner
Beobachtungen
stellte er
aus gutem
Grunde mit
bloßem Auge
an. Erst
eine oder
zwei
Generationen
nach ihm war
die Qualität
der
Fernrohre so
gut, daß die
mit ihnen
erzielte
Genauigkeit
der
Messungen
besser, dann
aber auch
wesentlich
besser war
als seine
eigene.
Damit war
ein Großteil
seiner
Arbeit
überholt,
nicht aber
seine
Leistung.
Seine
handwerklichen
Fähigkeiten,
verbunden
mit seiner
nach ihm
wohl nicht
mehr
erreichten
Genauigkeit
der
Beobachtung
ohne
Fernrohr,
sein
unerhörter
Fleiß und
sein
kaufmännisches
Geschick
(denn der
Bierbrauer
und Kaufmann
Hewelke
finanzierte
den
Wissenschaftler
und
Buchautor
Hevelius)
machen ihn
zu einer der
bewunderungswürdigsten
und
erfolgreichsten
Persönlichkeiten
seiner
Epoche.
Werke
(in
Auswahl):
Selenographia,
Danzig 1647;
Mercurius in
sole visus,
Danzig 1661;
Cometographia,
Danzig 1668;
Machina
coelestis,
Teil l und
2, Danzig
1673 und
1679; Annus
climactericus,
Danzig 1685;
Prodromus
astronomiae,
Danzig 1690,
postum.
Lit.
(in
Auswahl): C.
B. Lengnich:
Hevelius.
Danzig 1780.
J. H.
Westphal:
Studien und
Schriften
des
Astronomen
Johann
Hevelius.
Königsberg
1820. J.
Hevelke:
GertHavelke
und seine
Nachfahren.
Danzig 1927.
H.-J.
Kämpfert: J.
H. – Ein
Astronom
aus Danzig,
in:
Westpreußen-Jahrbuch
Band 20,
Münster
1970.
Danziger
Naturwissenschaftler,
in: Danzig
in acht
Jahrhunderten,
Münster
1985.
Hevelius –
der „Fürst
der
Astronomie“.
Düsseldorf
1986.
Hans-Jürgen
Kämpfert