„Doch warum
kehrt die
Poesie denn
immer
Zurück zu
jener Zeit,
der
angeklagten?
Wird sie
verlockt
durch einen
eitlen
Schimmer,
Durch
stolzen
Prunk der
alten
Herrlichkeiten?
Fühlt sie
die Noth der
Unterdrückten
nimmer?
Die Poesie
schaut nicht
die
Wirklichkeiten.
Sie trägt
ein glänzend
Zauberbild
am Arme,
Dies zeiget
nur das
Spiegelbild
der Zeiten,
Das edel
Tragische
vom
Völkerharme.
Das
Mittelalter
war die Zeit
der Blüthen;
Die Poesie
hält sich
zum
Bienenschwärme.“
Die
„romantische
Sehnsucht
nach einem
neuen
Mittelalter“,
von der sich
Novalis,
Schlegel,
Tieck,
Görres, von
Eichendorff
und andere
ergriffen
fühlten,
bewegte auch
den weniger
bekannten
spätromantischen
Dichter
Friedrich
von Heyden,
der dieser
Epoche die
meisten
seiner Werke
widmete. Im
Unterschied
zu der
Rastlosigkeit
und
Unstetigkeit,
die das
Leben so
manches
Romantikers
kennzeichnete,
gelang es
dem
Sprößling
eines alten
ostpreußischen
Adelsgeschlechtes,
seine
umfangreiche
dichterische
Tätigkeit
mit seinem
äußeren
Berufsleben
in einen
glücklichen
Einklang zu
bringen, der
ihn
andererseits
von den
fruchtbaren
Spannungen
und der nie
gestillten
Sehnsucht,
die die
Dichtungen
seiner
Zeitgenossen
so
bereicherten,
eher
fernhielt.
Nach dem
Jurastudium
in
Königsberg,
Berlin und
Göttingen,
währendessen
er sich auch
viel mit
Geschichte,
Sprachen –
vor allem
Italienisch
– und
Literatur
befaßte,
diente er
1813-15 als
Freiwilger
in einem
preußischen
Jägerbataillon
und trat
danach als
Regierungsreferendar
in
Königsberg
in den
preußischen
Staatsdienst.
1826 wurde
er
Regierungsrat
in Breslau
und
heiratete im
selben Jahr
Friederike
von Hippel,
mit der er
zwei Söhne
und eine
Tochter
hatte. Von
„poetischem
Quietismus“
(Mundt) mehr
als von
beruflichem
Ehrgeiz
beherrscht,
suchte und
fand er in
den nächsten
25 Jahren –
neben seiner
mit großem
Pflichtgefühl
verrichteten
Arbeit – die
Stille, aus
der heraus
er seine
Dichtungen
schuf.
Sein erstes
Werk, das
romantische
Drama
„Renata“,
erscheint
1816. Es
folgen in
kurzen
Abständen
Dramen,
Lyrik,
Novellen,
Romane und
epische
Gedichte,
deren
Gegenstand
meist das
romantisch
verklärte
Mittelalter,
namentlich
die
Stauferzeit,
ist. 1843
erscheint
„Das Wort
der Frau“,
sein wohl
populärstes
Werk, das
noch 30
Jahre nach
dem Tode des
Autors in
23. Auflage
erscheint.
Es handelt
von der
Hochzeit des
Sohnes
Heinrichs
des Löwen
mit Agnes
von Staufen,
die 1194 zur
Aussöhnung
von Welfen
und Staufern
führte. Mit
der im
Mittelpunkt
des
Gedichtes
stehenden
Mutter der
Agnes
zeichnet von
Heyden das
Idealbild
einer edlen
Frau, die
sich mit
ihrem
Glauben an
Liebe und
Wahrheit
selbst gegen
den Willen
des Kaisers
durchsetzt.
Charakteristisch
für die
Einstellung
des Dichters
ist, was er
dazu an
Theodor
Mundt
schrieb:
„Der große
Gedanke der
Frauen-Emancipation
ist von
diesem
Zeitalter
auf das
Kläglichste
und
Gemeinste
mißverstanden
worden, und
zwar nur
allein
deshalb,
weil es
keine Epoche
gab, welche
an ...
menschlicher
Freiheit und
Liebe ärmer
war als die
gegenwärtige.
Dieses Wort
der Frau ist
mein letztes
Wort über
diesen
Gegenstand.
Ich wollte
darin
anschaulich
machen, daß
die Zeit,
welche man
in der
deutschen
Geschichte
vorzugsweise
die ächt
deutsche und
starke mit
Grund nennt,
den Frauen
die
würdigste
Beachtung
widmete, und
daß die
Helden jener
Periode
ihnen
deshalb
gestatteten,
stark, frei
und
bedeutend zu
sein, weil
ihr eigenes
Wesen nur
auf Kraft
und Freiheit
fußte, und
weil Liebe
und Treue in
ihnen war.“
1843, im
Erscheinungsjahr
dieses
Werkes,
gerät von
Heyden in
Konflikt mit
seinem
Ministerium,
weil er
nicht bereit
ist, die ihm
angetragene
Stelle eines
Zensors
anzunehmen,
die sich
auch kaum
mit seiner
freiheitlichen
Gesinnung
vertragen
hätte.
Dennoch
bleibt es
bei diesem
einen
Vorfall:
1848 ist der
Dichter
nicht aktiv
geworden.
Von
Kritikerseite
ist von
Heyden,
namentlich
seinen
Prosaschriften,
Epigonentum
vorgeworfen
worden.
Seine
Gedichte
strahlen
jedoch eine
Klarheit und
Herzenswärme
aus, deren
Zauber
manchen
berühren
mag, der sie
in einer
noch
zerrisseneren
Zeit liest,
als es die
Romantik
gewesen ist.
Werke
(Auswahl):
Dramen:
Renata
(1816);
Conradin
(1818); Der
Kampf der
Hohenstaufen
(1828);
Album und
Wechsel
(1839); Der
Liebe Zauber
(1839);
Undine
(1839); Die
Modernen
(1839); Der
Geschäftsführer
(1839);
Theater, 3
Bde. (1842);
Prosa:
Dramatische
Novellen, 2
Bde. (1819);
Reginald
(1831); Die
Intriguanten,
2 Bde.
(1840); Der
neue
Hyazinth
(1844);
Episch-romantische
Gedichte:
Die Gallione
(1825);
Reginald
(1831); Das
Wort der
Frau (1843);
Der Schuster
zu Isphahan
(1850); Die
Königsbraut
(1851);
Lyrik:
Dichtungen
(1820);
Gedichte,
hrsg. mit
Biogr. Th.
Mundt
(1852).
Lit.:
Allgem. Dt.
Biogr. 12
(1880), 351
ff. – A.
Gabriel,
F.v.H., mit
bes.
Berücksicht.
d.
Hohenstaufendichtungen,
Diss.
Breslau,
1900. – W.
Müller,
F.v.H.s
Novellen u.
Erzählungen,
Diss.
Breslau,
1920. – F.
Buch,
F.v.H.s
Dramensammlungen,
Diss.
Breslau,
1921. – H.W.
Sattler, der
unveröff.
dramat.
Nachlaß
F.v.H.s,
Diss.
Breslau,
1921. – A.
Lubos,
Gesch. d.
Lit.
Schlesiens
I, 1960,
315f. – Neue
Dt. Biogr. 9
(1972), 67
ff.
Adelheid
Herrmann-Pfandt