Der
deutschbaltische
Mittelalterhistoriker
Hermann
Hildebrand
war ein
Lehrersohn.
Sein Vater
hatte ihn in
der
Kreisschule
von
Goldingen
teilweise
selbst
unterrichtet
und dabei
sein
Interesse an
der
Geschichte
geweckt. So
kam es, daß
der junge
Kurländer
eben dieses
Fach
belegte, als
er nach dem
Abitur in
Mitau 1862
das Studium
in Göttingen
aufnahm. In
den Übungen
des
Historikers
Georg Waitz
erhielt er
dort
zusammen mit
gleichstrebenden
Freunden –
unter denen
ihm der
spätere
Hanseforscher
Karl
Koppmann am
nächsten
stand – eine
gründliche
quellenkritische
Schulung, zu
der es an
anderen
Universitäten
kaum
Vergleichbares
gab.
Hildebrand
gehörte zu
den ersten
baltischen
Studenten
von Waitz,
die andere
nach sich
zogen, so
daß bei
diesem als
Vorbild
wirkenden
akademischen
Lehrer
insgesamt
nicht
weniger als
18
Deutschbalten
studierten
(darunter
Richard
Hausmann und
Theodor
Schiemann).
Im Ergebnis
seines
Göttinger
Studiums
legte
Hildebrand
eine
Dissertationsschrift
über „Die
Chronik
Heinrichs
von
Lettland“
vor, die
1867 im
Druck
erschien und
bis heute
wissenschaftliche
Bedeutung
besitzt.
Danach
studierte er
noch kürzere
Zeit in
Berlin, wo
er Leopold
von Ranke,
Deutschlands
größten
Historiker,
hörte, um
dann im
Baltikum und
in Rußland
nach
Möglichkeiten
des
Broterwerbs
zu suchen.
Dabei half
ihm der aus
Schlesien
stammende,
sehr
bedeutende
Historiker
Ernst Eduard
Kunik, der
u.a. als
Mitglied der
Petersburger
Akademie der
Wissenschaften
über
entsprechende
Möglichkeiten
verfügte. Zu
den
Aufträgen
der
Akademie,
die
Hildebrand
nun
übernahm,
gehörte die
Sammlung von
Material zu
den
livländisch-russischen
Beziehungen
in den
Archiven
Rigas und
Revals. Die
Ergebnisse
dieser
Arbeit sind
in
Regestenform
publiziert
worden. In
diesem
Zusammenhang
entstanden
auch zwei
besonders
wichtige
Aufsätze
Hildebrands
über die
Hansekontore
in Novgorod
und Polozk.
Im Auftrage
der
Petersburger
Akademie gab
er außerdem
1872 „Das
Rigische
Schuldbuch
(1286-1352)“
heraus. Mit
dieser
sorgfältigen
Edition
einer schwer
erschließbaren,
aber
handels- und
rechtsgeschichtlich
besonders
ergiebigen
Quelle wurde
erstmals ein
baltisches
Stadtbuch
veröffentlicht.
Nachdem er
wiederholt
seine
Stellung
gewechselt
hatte, wurde
Hildebrand
als dem
gewiß
Geeignetsten
1872 die
besoldete
Herausgabe
des Liv-,
Est- und
Kurländischen
Urkundenbuches
übertragen,
von dem bis
dahin sechs
Bände
erschienen
waren. Von
nun an in
Riga
ansässig,
oft aber
auch zu
Archivbesuchen
im Ausland
weilend,
sammelte er
bis zu
seinem
Lebensende
unermüdlich
Material für
diese
grundlegende
Edition. In
den Jahren
1881-1890
konnten die
von ihm
bearbeiteten
Bände 7-9
des
monumentalen
Werkes
erscheinen,
die Quellen
aus dem 15.
Jahrhundert
boten. Eine
Frucht
seiner
letzten
Forschungsreise,
die ihn nach
Rom geführt
hatte,
stellte die
Publikation
„Livonica,
vornämlich
aus dem 13.
Jahrhundert,
im
Vaticanischen
Archiv“
(1887) dar.
Allzu früh
einer
Herzerkrankung
erlegen, hat
der
persönlich
bescheidene
Hildebrand
mit seinen
musterhaften
Editionen
und seinen
gründlichen
Untersuchungen
sehr
Bedeutendes
geleistet.
Er trug
wesentlich
dazu bei,
daß die
deutschbaltische
Forschung
gerade auf
dem Gebiet
der
Quellenedition
und
-erschließung
einen
Standard
erreichte,
der noch
heute auf
allen Seiten
hohe
Anerkennung
findet.
Lit.:
Deutschbaltisches
Biographisches
Lexikon
1710-1960,
hg. von
Wilhelm Lenz
(sen.),
Köln-Wien
1970, S. 320
f.; Joseph
Girgensohn,
Hermann
Hildebrand,
in:
Baltische
Monatsschrift
37 (1890),
S. 622-633;
Karl
Koppmann,
Zum
Gedächtnis
an Hermann
Hildebrand,
in:
Mitteilungen
aus dem
Gebiete der
Geschichte
Liv-, Est-
und Kurlands
14 (1890),
S. 502-514;
Wilhelm Lenz
(jun.), „Alt-Livland“
in der
deutschbaltischen
Geschichtsschreibung
1870-1918,
in:
Geschichte
der
deutschbaltischen
Geschichtsschreibung,
hg. von
Georg von
Rauch,
Köln-Wien
1986, S.
203-232.
Norbert
Angermann