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Hindenburg entstammt einer in Pommern und Westpreußen ansässigen
Offiziers- und Junkersfamilie. Kindheitseindrücke verbanden sich mit den
Garnisonen des Vaters Pinne (Provinz Posen) und Glogau. Hindenburg
besuchte die Kadettenanstalten im schlesischen Wahlstatt und in Berlin.
Als Secondelieutnant im 3. Garderegiment zu Fuß, nahm er 1866 an der
Schlacht bei Königgrätz teil. 1870 kämpfte er bei St. Privat und Sedan.
Er erlebte 1871 die Kaiserproklamation vom 18. Januar als dazu
abgeordneter Offizier seines Regiments. Wie schon 1866 nahm er 1871 am
Einzug durch das Brandenburger Tor in die nunmehrige Kaiserstadt Berlin
teil.
Hindenburg machte in der langen Friedenszeit Karriere. Waldersee und
Moltke hielten ihn für einen geeigneten Chef des Generalstabes. Als
Kommandierender General in Magdeburg erhielt Hindenburg 1911 den
Abschied und zog sich nach Hannover zurück. Im Ersten Weltkrieg hatte
sich 1914 nach den ersten Kämpfen die Lage für die VIII. Armee in
Ostpreußen derart verschlechtert, daß man befürchtete, Ostpreußen den
Russen preisgeben und sich hinter die Weichsel zurückziehen zu müssen.
Man entschloß sich zu einem Führungswechsel. Hindenburg wurde am 22. 8.
zum Oberbefehlshaber und Erich Ludendorff zu seinem Chef des Stabes
ernannt. Die Vernichtungsschlachten bei Tannenberg (29. August) und an
den Masurischen Seen befreiten Ostpreußen von den Russen. Auch wenn die
strategische Leistung weithin Ludendorff zuzuschreiben ist, bleibt die
Ausstrahlung der Persönlichkeit Hindenburgs, seine Nervenkraft und seine
Ruhe für den Sieg entscheidend. Insofern sind sein Feldherrnruhm und die
besondere Verehrung der Ostpreußen für ihn voll berechtigt. Als
Oberbefehlshaber Ost errang der nunmehrige Generalfeldmarschall viele
Siege gegen die Russen sowie großes Ansehen bei der Truppe und in der
Heimat. Seine Popularität stieg. Im August 1916 ernannte ihn der Kaiser
zum Chef der Obersten Heeresleitung und Ludendorff zu seinem
Generalquartiermeister. Eine fast unumschränkte Machtfülle ermöglichte
es ihnen, die Heimat nahezu total für den Krieg einzuspannen. Nach dem
Sieg über Rußland scheiterte die kriegsentscheidend bezeichnete
Frühjahrsoffensive 1918 in Frankreich. Hindenburg forderte im September
1918 nach den ersten schweren Niederlagen den sofortigen
Waffenstillstand. Bei den tragischen Ereignissen am 9. November 1918 im
Hauptquartier Kaiser Wilhelms II. in Spa war es Hindenburg als der
militärisch Verantwortliche, der dem Kaiser, ohne über umfassende
Informationen zu verfügen, erklärte, die Truppe stünde nicht mehr hinter
ihm. Hindenburg war es auch, der dem Kaiser nach der Ausrufung der
Republik in Berlin zum Übertritt in die Niederlande riet. Der Kaiser
beugte sich – wie durchweg seit 1917 – Hindenburgs Rat. Alle seine
späteren Versuche, sich von der Verantwortung für das Ende der Monarchie
zu entlasten, können nicht überzeugen. Hindenburg stellte sich der
Republik zur Verfügung, führte die Truppen in die Heimat zurück. Später
übernahm er von Kolberg aus die Leitung der Abwehrkämpfe gegen die Polen
in der Provinz Posen. Nachdem er Ebert die Annahme des Versailler
Friedensdiktats dringend empfohlen hatte, weil Widerstand zwecklos
war, zog er sich Mitte 1919 erneut nach Hannover in den Ruhestand
zurück. Hindenburg erschien vielen Deutschen weiterhin als Vater des
Vaterlandes. 1925 gelang es insbesondere dem Großadmiral v. Tirpitz,
Hindenburg zu bewegen, im zweiten Wahlgang als Kandidat der Rechten für
das Amt des Reichspräsidenten zu kandidieren. Mit 48,3% der Stimmen
wurde der 78jährige gewählt, übrigens ohne eine einzige Rede gehalten zu
haben. Hindenburg wurde nunmehr vollends zum „Ersatzkaiser“. Seinen Eid
auf die Weimarer Verfassung hat Hindenburg ernst genommen und
willentlich und wissentlich nie gebrochen. Solange der Reichstag in der
Lage war, für parlamentarische Mehrheiten zu sorgen, hat er von seinem
Notverordnungsrecht nicht Gebrauch gemacht. Bei den Reichstagswahlen
1932 wurde Hindenburg – diesmal als Kandidat der republikanischen
Parteien – wiedergewählt. Daß der fast 85jährige kandidierte, war ein
Fehler und ein Armutszeugnis für seine Anhänger. Bald darauf entließ
Hindenburg den Reichskanzler seines Vertrauens, Heinrich Brüning, obwohl
Brüning Hindenburg bewegen wollte, den Übergang zur Monarchie zu
vollziehen, um den Absturz in den Radikalismus zu vermeiden. „Hundert
Meter vor dem Ziel“ entließ er den Mann, der einige Erfolge errungen
hatte und als einziger ein brauchbares Regierungskonzept hatte.
Hindenburg beabsichtigte zunächst, einige NSDAP-Führer in die
Regierungsverantwortung mit einzubeziehen, um einer weiteren
Radikalisierung entgegenzuwirken. Er war aber zu alt, erlag den
Einflüsterungen seiner Umgebung und beauftragte 1933 Hitler mit der
Bildung einer neuen Regierung. Ihn beschäftigten in seinen letzten
anderthalb Jahren die Außen- und Wehrpolitik. Hitler versuchte er
vergebens in seinem Testament, die Einführung der Monarchie nahezulegen.
Die innenpolitischen Greuel hat er nicht mehr voll wahrgenommen.
Hindenburg starb in seiner ostdeutschen Heimat im Gut Neudeck (Kreis
Rosenberg), das ihm 1927 von Soldaten- und Wirtschaftsverbänden
geschenkt worden war. Nach einer der Frömmigkeit Hindenburgs
hohnsprechenden Rede Hitlers wurde der international außerordentlich
geachtete Reichspräsident im Tannenbergdenkmal beigesetzt. Die Särge
Hindenburgs und seiner Frau wurden 1945 von der Kriegsmarine aus dem
eingeschlossenen Ostpreußen evakuiert und gelangten nach einer Irrfahrt
1946 in die Marburger Elisabethkirche.
Wolfgang
Stribrny
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