Zu seinem
100.
Geburtstag
und 65.
Todestag im
Jahre 2007
steht der
schlesische
Priester
Gerhard
Hirschfelder
kurz vor der
Seligsprechung.
Weit über
die Grenzen
seiner
Heimat, der
Grafschaft
Glatz,
hinaus wird
er als
standhafter
Gegner des
NS-Regimes
verehrt und
hat sich zu
einer
Integrationsfigur
für
deutsche,
polnische
und
tschechische
Katholiken
entwickelt.
Er wuchs als
einziges
Kind der
ledigen
Schneidermeisterin
Maria
Hirschfelder
in ärmlichen
Verhältnissen
in der
Kreisstadt
Glatz auf,
wo er auch
das
Gymnasium
besuchte und
1927 das
Abitur
ablegte.
Schon in der
Schulzeit,
insbesondere
aber während
des
anschließenden
Theologiestudiums
in Breslau,
wo alle
Priesteramtskandidaten
der zum
Erzbistum
Prag
gehörenden
Grafschaft
Glatz ihre
Ausbildung
erhielten,
haftete ihm
der
gesellschaftliche
Makel seiner
unehelichen
Herkunft an.
Dennoch
erhielt er
am 31.
Januar 1932
in Breslau
die
Priesterweihe
und begann
seinen
seelsorglichen
Dienst als
Priester des
Erzbistums
Prag in der
Grafschaft
Glatz.
Allerdings
durfte
Hirschfelder
seine Primiz
nicht
öffentlich
in der
Stadtpfarrkirche
in Glatz,
sondern nur
in der
Abgeschiedenheit
des
Herz-Jesu-Klosters
in Bad
Langenau
feiern. In
seiner
ersten
Kaplansstelle
in
Tscherbeney
(ab 1935:
Grenzeck)
bei Bad
Kudowa
verhalf ihm
sein
fröhliches
Naturell
ebenso wie
seine
Prägung
durch den
katholischen
Jugendbund
Quickborn
zu großer
Beliebtheit
bei den
Gemeindemitgliedern.
Seine
Mittelpunktfunktion,
insbesondere
für die
Jugend, ließ
ihn bald in
das Visier
örtlicher
NS-Größen
geraten. Mit
dem
Tscherbeneyer
NS-Ortsgruppenleiter
Arno
Rogowski,
der zugleich
als
Amtsvorsteher
fungierte,
erwuchs dem
Kaplan ein
Gegner, der
nichts
unversucht
ließ, um
Hirschfelder
aufgrund
seiner
erfolgreichen
konfessionellen
Jugendarbeit
sowie
NS-kritischer
Predigtäußerungen
bei Staats-
und
Parteistellen
zu
denunzieren.
Der junge
Priester
wurde
ständig
bespitzelt,
mehr als
einmal
verhört und
seine
Wohnung
durchsucht.
Ein
Verfahren
gegen den
beliebten
Geistlichen
wegen
verbotener
Jugendarbeit
wurde im Mai
1938 infolge
des
Straffreiheitsgesetzes
eingestellt.
Im Februar
1939
gleichfalls
als Kaplan
nach
Habelschwerdt
versetzt,
brachte ihm
sein
ausgezeichneter
seelsorglicher
Ruf im Juli
1939
zusätzlich
die Aufgabe
des
Diözesan-Jugendseelsorgers
der
Grafschaft
Glatz ein.
Sein nunmehr
entsprechend
vergrößerter
Aktionsradius
und der
Elan, mit
dem Gerhard
Hirschfelder
in den
Folgejahren
Jugendveranstaltungen
und zentrale
Jugendwallfahrten
nach
Albendorf
organisierte,
provozierten
seine Gegner
in
NS-Kreisen
umso mehr.
Infolge
einer
Predigt, in
der Gerhard
Hirschfelder
im Juli 1941
die
mutwilllige
Zerstörung
eines
Marienbildstocks
in
Habelschwerdt
mit
deutlichen
Worten
angeprangert
hatte, wurde
er am 1.
August 1941
von der
Gestapo
verhaftet
und im
Glatzer
Gefängnis
inhaftiert.
Von dort aus
im Dezember
1941 in das
KZ Dachau
transportiert,
wo er die
Gefangenen-Nummer
28972
erhielt,
starb der
Priester am
1. August
1942
offiziell an
Rippenfellentzündung,
in
Wirklichkeit
aber an
völliger
Entkräftung
im
Krankenrevier
des
Konzentrationslagers.
Die
Todesursache
durfte in
seiner
Heimat nicht
öffentlich
bekannt
gemacht
werden.
Seine Asche
wurde einige
Wochen
später auf
dem Friedhof
in Grenzeck
beigesetzt.
Schon bald
nach seinem
Tod eilte
Gerhard
Hirschfelder
der Ruf
eines
heiligmäßigen
Priesters
voraus, den
geistliche
Mitbrüder
und vor
allem
Angehörige
seiner
Jugendgruppen
in Grenzeck
und
Habelschwerdt
auch nach
der
Vertreibung
im Westen
weiter
verbreiteten.
Seine im
Gefängnis in
Glatz
verfassten
Kreuzweg-Gebete
erschienen
erstmals in
den 1950er
Jahren
gedruckt und
erreichten
zahlreiche
Auflagen.
Seine
ebenfalls in
der Haft
geschriebenen
Kommentare
zu den
Paulus-Briefen
geben
Zeugnis vom
priesterlichen
Selbstverständnis
dieses vom
NS-Regime
verfolgten
Geistlichen.
Ein Aspekt
behandelt
die
Bereitschaft
des
Priesters,
sich ganz
Gott
hinzugeben
und in
tiefem
Gottvertrauen
Höhen und
Tiefen zu
durchschreiten.
Die
Tiefstelle
seines
eigenen
priesterlichen
Lebens
erfuhr
Hirschfelder
im KZ
Dachau, wo
er trotz des
Leidens
unter harter
Arbeit und
Knechtung
sich bis zum
körperlichen
Zusammenbruch
für seine
inhaftierten
Mitbrüder
einsetzte.
Zeugnisse
von
Mithäftlingen
bestätigten
diese
selbstlose
Hingabe im
Dienst am
Nächsten und
unterstützen
die
Zeugnisse
von
Grafschaft
Glatzer
Katholiken,
die viele
Jahrzehnte
für die
Einleitung
eines
Seligsprechungsverfahrens
beteten.
Ebenso
hielten in
Tscherbeney
verbliebene
und in die
benachbarte
Tschechoslowakei
geflohene
Pfarrangehörige
das Andenken
an ihren
früheren
Kaplan
lebendig und
pflegten
seine
Grabstätte.
Nachdem im
März 1998 in
Münster auf
Initiative
des
Visitators
für die
Grafschaft
Glatzer
Katholiken,
Großdechant
Prälat Franz
Jung, der
Internationale
Gerhard
Hirschfelder
Kreis
gegründet
worden war,
konnte im
September
desselben
Jahres
bereits der
Seligsprechungsprozess
eröffnet
werden.
Wie sehr
Gerhard
Hirschfelder
mittlerweile
zu einer
Identifikationsfigur
der
Grafschafter
geworden
ist, zeigt
nicht
zuletzt die
nach dem im
Rufe der
Heiligkeit
stehenden
Geistlichen
benannte,
2005 zur
Förderung
der Kultur,
Kunst und
Geschichte
der
Grafschaft
Glatz
eingerichtete
Stiftung.
Werke:
Kreuzweg-Gebete
des verst.
H.H. Kaplans
Gerhard
Hirschfelder
aus
Habelschwerdt.
Niedergeschrieben
im Gefängnis
zu Glatz im
Jahre 1941,
hrsg. v.
Adolf
Langer,
Münster
51992.
– Aus dem
Nachlass des
Dieners
Gottes
Gerhard
Hirschfelder,
o.O. o.J.
(Münster
1999).
Lit.:
Adolf
Langer,
Gerhard
Hirschfelder
(1907-1942),
in: Joseph
Gottschalk
(Hrsg.),
Schlesische
Priesterbilder,
Bd. 5, Aalen
1967, S.
226-229. –
Franz
Heinsch,
Priester der
Grafschaft
Glatz im
„Dritten
Reich“, in:
Archiv für
schlesische
Kirchengeschichte,
Bd. 26
(1968), S.
279-288. –
Barbara
Franke/Johannes
Hoffmann/Hans
Melchers,
Kaplan
Gerhard
Hirschfelder,
ein Märtyrer
aus der
Grafschaft
Glatz,
Münster
1989. –
Michael
Hirschfeld,
„Wer der
Jugend den
Glauben aus
dem Herzen
reißt, ist
ein
Verbrecher.“
Der Glatzer
Priester
Gerhard
Hirschfelder
(1907-1942)
im Konflikt
mit dem
NS-Regime,
in: Archiv
für
schlesische
Kirchengeschichte,
Bd. 57
(1999), S.
195-209
(auch als
Sonderdruck,
Ostfildern
2001). –
Ulrich von
Hehl u.a. (Bearb.),
Priester
unter
Hitlers
Terror, Bd.
II, 4. Aufl.
Paderborn
1998, Sp.
1696. –
Johannes
Nitsche,
Kaplan
Gerhard
Hirschfelder,
in: Helmut
Moll
(Hrsg.),
Zeugen für
Christus.
Das deutsche
Martyrologium
des 20.
Jahrhunderts,
Bd. II, 4.
Aufl.
Paderborn
u.a. 2006,
S. 701-703.
– Michael
Hirschfeld,
Art.
Hirschfelder,
Gerhard, in:
Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. XX
(2002), Sp.
765-768. –
Franz Jung,
Die
Seligsprechung
des Dieners
Gottes
Gerhard
Hirschfelder,
in:
Grofschoaftersch
Häämtebärnla.
Jahrbuch der
Grafschaft
Glatz 2003,
S. 62-66.
Bild:
Archiv
Visitator
Glatz,
Münster.
Michael
Hirschfeld