Neben Günther
Eich gilt
Fred von
Hoerschelmann
als
unübertroffener
Meister des
Hörspiels.
Er wurde am
16. November
1901 in der
Kurz- und
Badestadt
Hapsal an
der
Westküste
Estlands als
Sohn eines
Arztes
geboren. Er
besuchte die
Domschule in
Reval, die
er 1921 mit
dem
Reifezeugnis
absolvierte,
und ging im
gleichen
Jahr nach
Dorpat, um
zunächst
Chemie, im
Jahre darauf
Philosophie
und
Kunstgeschichte
zu
studieren.
Seit 1923
setzte er
sein Studium
in München
fort.
Bereits in
den 1920er
Jahren
begann er,
in großen
deutschen
Zeitungen,
von denen
hier die „Vossische
Zeitung“,
das
„Berliner
Tageblatt“,
ferner, und
nicht
zuletzt, der
„Simplizissimus“
genannt
seien,
Kurzgeschichten
zu
veröffentlichen,
denen erste
Bühnenstücke
folgten, von
denen wir
„Die zehnte
Symphonie“
nennen
wollen, die
am
Schillertheater
in Berlin
mit Paul
Wegener in
der
Hauptrolle
aufgeführt
wurde,
ferner „Das
rote Wams“
und die
„Wendische
Nacht“, die
in Stuttgart
und am
Hamburger
Schauspielhaus
zur
Aufführung
gelangt
sind.
Über die
Hapsaler
Jahre
Hoerschelmanns
hat die
Schriftstellerin
Erika
Werckmeister,
geb. Brasche
einiges
aufgezeichnet.
Er verkehrte
häufig in
ihrem
Elternhaus,
und es
verging
selten ein
Tag, an dem
er ausblieb.
Die
Gespräche
kreisten
dabei um die
geplante
Entstehung
der Hapsaler
Novellen,
die später
in seinem
Buch „Die
Stadt Tondi“
(in einer
Neuauflage
unter dem
Titel
„Sieben Tage
– Sieben
Nächte“)
erschienen
sind.
Hoerschelmann
schrieb im
Winter,
wobei er
intensiv,
aber nicht
regelmäßig
gearbeitet
hat. Im
Sommer
jedoch
segelte er,
und seine
Schwertjolle
hat er
allein
zusammengebastelt
und
getakelt.
Als in
Hapsal noch
kein Mensch
ein
Rundfunkgerät
besaß,
bastelte er,
wie Erika
Werckmeister
zu berichten
weiß, aus
Teilen, die
er in
Elektroge-schäften
zusammensuchte,
eine mit
Kopfhörern
ausgestattete
komplizierte
Anlage und
wurde nach
dem ersten
Erfolg von
der
Begeisterung
erfaßt, nun
mit der
ganzen Erde
in
akkustischer
Wortverbindung
stehen zu
können. Er
verfolgte
seitdem am
Rundfunk
eingehend
die Technik
fernmündlicher
Kommunikation.
Er
untersuchte
ihre
künstlerischen
Möglichkeiten
und erkannte
die
zunehmende
Bedeutung
dieses
Mediums. Die
Grundgedanken
zu vielen
seiner
späteren
Hörspiele
waren schon
damals in
seinen
Aussprüchen
enthalten.
In Hapsal schrieb
Hoerschelmann
sein erstes
Hörspiel
„Die Flucht
vor der
Freiheit“,
das mit
Heinrich
George in
der
Hauptrolle
gesendet
wurde. Nach
Hapsal
kehrte er,
auch als er
in Berlin
seinen
Wohnsitz
nahm, immer
wieder
zurück. Der
Durchbruch
zur
allgemeinen
Anerkennung
erfolgte
erst nach
dem Zweiten
Weltkrieg,
den er trotz
zarter
Gesundheit
als
ungewöhnlich
mutiger
Soldat und
als
zuverlässig
geschätzter
Kamerad
mitgemacht
hat. Seine
Briefe von
der Front,
heißt es,
seien eine
Fundgrube
geistreich-satirischer
Bemerkungen
zum
Zeitgeschehen
gewesen.
Hoerschelmann
schrieb
insgesamt 24
Hörspiele
und wurde zu
einem der
bekanntesten
Hörspielautoren
der Welt. Er
hat das
Hörspiel zu
einer
künstlerischen
Gattung
erhoben, die
mit
dichterischen
Maßstäben
gemessen
wird. Hier
einige
Titel:
„Urwald“,
„Die
verschlossene
Tür“, „Das
Schiff
Esperanza“,
„Ich höre
Namen“, „Die
Aufgabe von
Siena“, „Der
Palast der
Armen“
(1956),
„Dichter
Nebel“
(1961), „Das
Fenster“,
„Die blaue
Küste“. Das
wohl
bekannteste
seiner
Hörspiele,
„Das Schiff
Esperanza“
(1953) wurde
in viele
Sprachen bis
hin nach
Afrika und
Japan
übersetzt.
Das Hörspiel
„Die
verschlossene
Tür“ (1951)
handelt von
einem
deutschbaltischen
Baron, der
auf dem ihm
zugewiesenen
Gut im
Wartheland
den jüdischen
Eigentümer
entdeckt und
lange Zeit
vor der SS
versteckt.
Hoerschelmann wird als
sehr
bescheidener,
stiller
Mensch
geschildert.
Dennoch
hatte er
viele
Freunde, in
Hapsal und
in
Deutschland.
Jenen, die
selbst
schrieben,
war er ein
Wegweiser im
Bemühen
um
wahrhaftige
Aussage und
reine
Sprache. Er
starb in
Tübingen, wo
seine
Schwester
Senta sich
niedergelassen
hatte, am 2.
Juni 1976
nach langer
schwerer
Krankheit im
75.
Lebensjahr.
Lit.:
Kürschner;
Erika
Werckmeister:
Hapsal.
Jahrbuch des
baltischen
Deutschtums.
Band XXH/1975,
Lüneburg
1974; Erika
Werckmeister:
In Memoriam
Fred von
Hoerschelmann.
Jahrbuch des
baltischen
Deutschtums,
Band
XXIV/1977,
Lüneburg
1976.
Erik Thomson