Eugen
Ferdinand v.
Homeyer wird
unter den
Fachkundigen
der Avifauna
als der
„Vater der
Ornithologie
Pommerns“
bezeichnet.
Er hatte,
nach
heutigen
Maßstäben
von
Fachkunde
und
entsprechender
akademischer
Ausbildung,
einen völlig
anderen Weg
eingeschlagen,
um sich ein
umfassendes
Wissen
innerhalb
der
Vogelkunde
anzueignen.
Für damalige
Verhältnisse
war es
allerdings
für einen
Sohn aus
adligem
Hause,
ausgerüstet
mit der
Liebe zur
Natur in
seiner
vorpommerschen
Heimat,
keine
Seltenheit,
seine
Neigungen
ohne die
anfangs
genannte
Vorbildung
zu
entwickeln
und diese
mehr oder
minder zum
Beruf zu
machen.
Zudem hatte
v. Homeyer
das Glück,
daß sein
Vater seine
naturkundlichen
Aktivitäten
von Jugend
auf förderte
und ihn auch
mit den
entsprechenden
Mitteln
ausstatten
konnte.
Sein Vater
war Gottlieb
v. Homeyer
(Reichsadel
1797),
Oberamtmann
und Pächter
des Vorwerks
Nerdin, sein
Großvater
Johann Ernst
v. Homeyer,
Pächter des
Gutes
Leistenow,
Kr. Demmin/
Pommern.
Krankheit
hinderte ihn
daran, die
Schule
vollständig
zu
absolvieren
und die
Offizierslaufbahn
einzuschlagen.
Eugen v.
Homeyer
wurde
Landwirt und
bewirtschaftete
zunächst den
eigenen
Besitz, dann
Pachtgüter.
Bereits in
dieser Zeit,
im Jahre
1837, gab er
eine
„Systematische
Übersicht
der Vögel
Pommerns mit
Rücksicht
auf den
allgemeinen
Charakter
des Landes,
das örtliche
und
quantitative
Vorkommen
der Vögel,
ihre
Lebensart,
ihren Zug
und ihre
Abänderungen,
nebst
Beiträgen
zur
beschreibenden
Naturgeschichte“
in Anklam
heraus.
Dieses Werk
ist die
einzige
pommersche
Vogel-Fauna
mit einer
Beschreibung
von 283
Vogelarten
im
pommerschen
Raum. Im
Jahre 1852
erwarb er
das
Rittergut
Warbelow,
Kr. Stolp,
verkaufte
aber diesen
Besitz nach
dem Tode
seiner Frau
(Philippine
Ladewig,
1814-1872)
wieder und
wohnte von
1874 an in
Stolp. Ab
dieser Zeit
begann er,
viel zu
publizieren.
Mit seinem
Neffen,
Alexander v.
Homeyer
(geb.
19.l.1834 in
Vorland bei
Grimmen/Pommern,
gest.
14.7.1903 in
Greifswald)
verband ihn
nicht nur
die Liebe,
ja, fast
Leidenschaft
zur
Ornithologie.
Beide
schöpften
sie ihr
Wissen aus
aufmerksamer
Beobachtung
der Tierwelt
und vor
allem aus
Sammlungen.
Mit Hilfe
des
Naturalienhändlers
Rudolf
Tancré aus
Anklam, Sohn
eines
Seifenfabrikanten
und
Ratsherrn
der Stadt
Anklam, und
eines weit
verzweigten
Freundeskreises
konnten
beide v.
Homeyers
großes
Material
zusammentragen.
Eugen
Ferdinand v.
H. brachte
es allein
auf 8000
Bälge und
viele
Vogeleier
und -nester.
Er
versuchte,
durch
geschulte
Beobachtungen
unter freiem
Himmel eine
Antwort zu
finden auf
Fragen über
Schaden oder
Nutzen der
Tiere, das
Phänomen des
Vogelzuges
vor allem
und die
Bedingungen,
unter denen
gleiche
Arten an
verschiedenen
geographischen
Orten
Veränderungen
zeigen. Im
Jahre 1878
unternahm
Eugen v. H.
mit
Erzherzog
Rudolf, dem
Kronprinzen
von
Österreich,
und Alfred
Edmund Brehm
– dem wohl
allseits
bekannten
Verfasser
von „Brehm‘s
Tierleben“ –
eine
Studienfahrt
nach Ungarn
und
Slavonien.
Der
Verfasser
des
Berichtes
ist
Kronprinz
Rudolf
selbst, vor
allem der
ornithologischen
Beobachtungen
dieser
Reise, die
er in seinem
Buch „15
Tage auf der
Donau“
niedergeschrieben
hat. E. v.
H.
korrespondierte
mit fast
allen damals
bekannten
und in der
Fachwelt
angesehenen
Kennern der
Vogelkunde.
1881 gab er
Teile dieses
Gedankenaustausches
unter dem
Titel
„Ornithologische
Briefe,
Blätter der
Erinnerungen
an seine
Freunde“ in
Berlin
heraus. Im
gleichen
Jahr
erscheint
von ihm eine
Publikation
„Die
Wanderungen
der Vögel
mit
Rücksicht
auf die Züge
der
Säugetiere,
Fische und
Insekten“ in
Leipzig. In
der
Zeitschrift
der
Ornithologischen
Vereinigung
Stettin,
1885,
beschreibt
er seinen
pommerschen
Lieblingsvogel
„Der
Küstenpieper
(Avis
aquaticus)“.
Zahlreich
sind auch
seine
Aufsätze,
die in den
verschiedensten
vogelkundlichen
Fachzeitschriften
erschienen
sind. Sein
fundamentales
Wissen als
Pragmatiker
verhalf v.
H. zu hohem
Ansehen in
der
Fachwelt. Er
war
Ehrenmitglied
mehrerer
naturwissenschaftlicher
Gesellschaften
und gehörte
auch seit
1884 der
Leopoldina
an, der
Deutschen
Akademie der
Naturforscher,
der ältesten
naturwissenschaftlich-medizinischen
Gesellschaft,
seit 1878
bis heute
mit Sitz in
Halle/Saale.
Leider
konnte v. H.
kein Gerüst
eines
exakten
Vogelsystems
entwickeln.
Zwei Dinge
standen dem
entgegen:
Einmal
reichte sein
Untersuchungsmaterial,
das sich nur
auf Europa
und die
Paläarktis
beschränkte,
nicht aus,
um für eine
Systematik
umfassend zu
sein, zum
anderen war
er, dessen
Jugend im
Zeichen der
Naturphilosophie
gestanden
hatte, ein
leidenschaftlicher
Gegner der
Darwinschen
Theorie. Er
beharrte auf
dem
Standpunkt,
daß sich die
heutigen
Arten nicht
auf
evolutionärem
Wege,
sondern i.
S. der
Cuvierschen
Katastrophenlehre
entwickelt
haben. Bei
der Fusion
alter
Gesellschaften
zu einer
einzigen
Ornithologischen
Gesellschaft
wurde ihm
1875 der
Vorsitz
übertragen.
Aber bei
seiner
eigenwilligen
Haltung,
neue
Erkenntnisse
der
Naturwissenschaften
nicht
anzuerkennen,
blieb der
Widerspruch
von
Fachkollegen
nicht aus,
er verlor
seinen
Vorsitz acht
Jahre später
wieder. Eine
enge
Freundschaft
verband ihn
mit der
Familie
Blasius in
Braunschweig.
Posthum wird
von Dr.
Rudolf
Blasius,
Arzt und
Zoologe,
noch aus dem
nicht mehr
veröffentlichten
Werk v. H.s
„Die Vögel
Norddeutschlands“
als 2.
verbreiterte
Auflage „Die
Vögel
Pommerns“ im
„Neuen
Naumann“
zitiert. Dr.
Wilhelm
Blasius,
Prof. f.
Zoologie und
Botanik an
der TH, war
Leiter des
Naturhistorischen
Museums in
Braunschweig,
dorthin ist
auch die
umfangreiche
Sammlung v.
H.s nach
dessen Tod
gekommen.
Eugen v.
Homeyers
großes
Verdienst
besteht
darin, für
Pommern die
Grundlagen
auf dem
Gebiet der
Vogelkunde
geschaffen
und den Weg
für spätere
Forschungen
aufgezeigt
zu haben.
Lit.:
Gebhardt,
Ludwig, Die
Ornithologen
Mitteleuropas,
München
1964. –
Koske, F.,
Über die
Ornithologische
Literatur
Pommerns,
Greifswald
1920.
Ilse Gudden