Johannes
Honterus
wurde als
Sohn eines
Lederermeisters
geboren. Im
Jahre 1520
wurde er an
der Wiener
Universität
immatrikuliert
und erwarb
dort 1522
den
akademischen
Grad eines
Bakkalaureus
und 1525 den
Titel eines
Magisters
der freien
Künste. Im
Oktober 1529
weilte er in
Regensburg
bei Johannes
Turmair-Aventinus.
Am 1. März
1530 wurde
Honterus in
die Matrikel
der Krakauer
Universität
eingeschrieben.
In Krakau
veröffentlichte
er im Jahre
1530 seine
beiden
humanistischen
Hauptwerke:
eine
lateinische
Grammatik
(danach
1532-1562
noch 15mal
neu
aufgelegt)
und eine
Weltbeschreibung
(in Krakau
1534,
1534-1585 in
Basel
fünfmal
sowie 1599
in Venedig
neu
aufgelegt).
In den
Jahren 1530
bis 1533
weilte
Honterus in
Basel,
damals einem
der
Mittelpunkte
humanistischer
Verlagstätigkeit.
Er arbeitete
als Lektor
bei der
Herausgabe
von Werken
antiker
Schriftsteller
(Claudius
Claudianus,
Cyrus
Prodromus)
mit und
vervollkommnete
sich in der
Technik des
Holzschnitts.
Honterus
hatte
Beziehungen
zu allen
sechs damals
in Basel
tätigen
Druckereien.
Im Jahre
1532
fertigte er
zwei
Sternkarten
nach
Albrecht
Dürer an.
Sein
bedeutendstes
Werk aus
dieser Zeit
war die 1532
in Basel
gedruckte
Siebenbürgen-Karte,
die erste
kartographische
Darstellung
dieser
Provinz.
Im Jahre
1533 kehrte
Honterus in
seine
Vaterstadt
zurück und
erfuhr hier
zahlreiche
Ehrungen. Er
wurde in die
Hundertmannschaft
(äußerer
Rat) und
1536 als
Ratsherr in
den
(inneren)
Stadtrat
berufen. In
Kronstadt
widmete sich
Honterus
besonders
der Bildung
und der
Erziehung
der Jugend.
Zu diesem
Zweck
gründete er
die erste
Kronstädter
Druckerei,
deren
Erzeugnisse
ab 1539
erhalten
geblieben
sind.
In der
Honterusdruckerei
wurden ab
1539
Schulbücher
gedruckt,
die ältesten
des Landes,
die heute
erhalten
sind,
darunter die
ersten
griechischen
Bücher, die
hierzulande
herausgebracht
wurden. Die
ältesten
erhaltenen
lateinischen
Druckwerke,
die ältesten
Ausgaben
antiker
Schriftsteller
sowie das
älteste
Rechtsbuch
des Landes
stammen
ebenfalls
aus dieser
Druckerei.
Im Jahre
1542
erschien
hier als
Anhang zur
Endfassung
der
Weltbeschreibung
der älteste
Atlas minor,
1543 das
älteste
Druckwerk in
deutscher
Sprache, das
im Lande
erhalten
ist, 1544
der erste
gedruckte
Rechtskodex,
der im Lande
entstand. In
der
Honterusdruckerei
erschienen
außerdem die
Hauptschriften
der
Reformation
in
Siebenbürgen:
das
Reformationsbüchlein
für
Kronstadt
und das
Burzenland
(1543) sowie
die
Kirchenordnung
aller
Deutschen in
Siebenbürgen
mit der
Agenda
(1547). Auch
der älteste
Musikdruck
des Landes,
die
Odensammlung
von 1548,
gehört zu
den
Erzeugnissen
der
Honterusdruckerei.
In
Zusammenhang
mit
Druckerei
und Schule
wurde auf
Honters
Anregung hin
im Jahre
1546 die
älteste
Papiermühle
des Landes
in Kronstadt
errichtet,
die Papier
für die
Druckereien
Siebenbürgens
und der
Walachei
sowie für
die
fürstlichen
Kanzleien
und andere
Verbraucher
in
Siebenbürgen,
der Walachei
und der
Moldau
lieferte.
Die in den
Dienst der
Schule
gestellte
Drucktätigkeit
war nur ein
Teil der von
Honterus der
Erziehung
und
Ausbildung
der Jugend
gewidmeten
Arbeit. Sein
großes
Verdienst
liegt in der
Umgestaltung
der alten
Stadtschule
in die erste
humanistische
Lehranstalt
Siebenbürgens.
Dafür
veranlaßte
Honterus im
Jahre 1541
den Bau
eines neuen
Schulgebäudes
anstelle
eines bis
dahin
leerstehenden
Klosters.
Die Schüler
dieser neuen
Anstalt
boten 1542
die erste
nachweisbare
Theateraufführung
des Landes.
Mit der „Constitutio
Scholae
Coronensis“
(Verfassung
der
Kronstädter
Schule) von
1543 ist
Honterus
auch Urheber
der ältesten
Schulordnung
unseres
Landes, die
erstmals
eine
Schülerorganisation
– den „Coetus“
– einführte,
nach dem
Grundsatz
der
Selbstverwaltung.
Auf Anregung
von Honterus
wurde 1547
für die
Schule ein
eigenes
Bibliotheksgebäude
errichtet,
der erste
Zweckbau
dieser Art
im Lande,
der die
berühmte
Schulbibliothek
beherbergte.
Wegen seiner
großen
Verdienste
und der
hohen
Wertschätzung,
die ihm
deswegen
allgemein
entgegengebracht
wurde,
beauftragte
der
Kronstädter
Stadtrat
Honterus im
Frühjahr
1543 mit der
Abfassung
des Buches
über Die
Reformation
der Kirche
in Kronstadt
und in der
gesamten
Burzenländer
Provinz.
Darin werden
die im Zuge
der
Reformation
getroffenen
Maßnahmen
zusammen
gefaßt. Im
Mai 1543
verfaßte
Honterus die
Apologie,
eine
Verteidigungsschrift
der
Kronstädter
Reformation,
die dem
siebenbürgischen
Landtag in
Weißenburg
mit Erfolg
vorgelegt
wurde.
Durch diese
Schriften
wurde der
Humanist
Honterus zum
Reformator
der
Siebenbürger
Sachsen,
denn nach
dem Vorbild
von
Kronstadt
wurde auf
Empfehlung
der
Wittenberger
Reformatoren
die
Reformation
auch in
Hermannstadt
eingeführt
und
schließlich
auf dem
ganzen
Gebiet der
Sächsischen
Nationsuniversität,
des
politischen
Selbstverwaltungsgebietes
der
Siebenbürger
Sachsen.
Im Jahre
1544 wurde
Honterus zum
evangelischen
Stadtpfarrer
von
Kronstadt
gewählt. Er
hatte auch
maßgeblichen
Einfluß auf
die
Ausarbeitung
der
„Kirchenordnung
aller
Deutschen in
Siebenbürgen“,
die im
Frühjahr
1547 in
Hermannstadt
beschlossen
und 1550 von
der
Sächsischen
Nationsuniversität
zur
Richtschnur
erhoben
wurde. Von
besonderer
Bedeutung
ist das
zehnte
Kapitel, das
die
Errichtung
von Schulen
und die
Versorgung
der Lehrer
vorsieht und
damit die
rechtliche
Grundlage
für den
allgemeinen
und
kostenlosen
Schulbesuch
bot. In
Kronstadt
ist 1544
auch die
älteste
Mädchenschule
des Landes
nachweisbar.
Die
Kirchenordnung
von 1547
bildete den
Ausgangspunkt
für die
besondere
Entwicklung
des
Schulwesens
bei den
Siebenbürger
Sachsen in
den
folgenden
Jahrhunderten.
Nach dem
Tode von
Johannes
Honterus
schrieb sein
Mitarbeiter
Hieronymus
Ostermayer,
Organist an
der
Pfarrkirche,
über ihn:
„Dieser Mann
war ein
Mann, seinem
Vaterland zu
dienen und
was
demselbigen
nutz, zu
fordern und
zu fördern“.
Freilich
endete mit
seinem Tode
nicht die
Wirkung
seiner
Persönlichkeit
und seines
Werkes. Das
von Honterus
in Kronstadt
begründete
humanistische
Gymnasium
spielte im
16.
Jahrhundert
eine
bedeutende
Rolle im
kulturellen
Leben
Siebenbürgens.
Das erklärt
sich durch
das
weitläufige
Herkunftsgebiet
seiner
Schüler als
auch durch
die breite
räumliche
Streuung der
späteren
Wirkungsorte
seiner
Absolventen.
Mit seinem
Aufbau,
seiner
Lehrverfassung,
mit seiner
Schülerorganisation
und der
Schulbibliothek
war das
Honterusgymnasium
in Kronstadt
beispielgebend
für die
Schulen in
weiten
Teilen
Siebenbürgens.
Mit dem
Jahre 1546
begann die
lange Reihe
der
Nachdrucke
von Honters
Kosmographie
von 1542. In
Zürich
erschienen
bei
Christoph
Froschauer
von 1546 bis
1602
sechzehn
Auflagen, in
Antwerpen
von 1552 bis
1560 fünf
Auflagen;
weitere
Ausgaben
wurden bis
1600 in
Basel,
Rostock,
Prag und
Köln
gedruckt.
Besonders
langlebig
war das
vierte Buch
der
Weltbeschreibung,
eine
Zusammenfassung
des
naturkundlichen
Wissens
jener Zeit.
Wegen seiner
großen
Brauchbarkeit
im
Unterricht
wurde es
zuerst 1572
in den
Thesaurus
eruditionis
scholasticae
von Basilius
Faber
aufgenommen
und in 15
Auflagen bis
1692 in
Leipzig,
Heidelberg,
Wittenberg
und
Frankfurt am
Main
herausgebracht.
Weitere
Nachdrucke
wurden von
Theophilus
Golius in
Straßburg
(1579 bis
1620, zehn
Ausgaben),
Nathan
Chytraeus in
Lemgo (1590
und 1596,
zwei
Ausgaben),
Abraham
Saurius in
Frankfurt am
Main (1592
bis 1615,
drei
Ausgaben)
und Albertus
Molnar in
Hanau (1611
und 1640,
zwei
Ausgaben)
veranstaltet.
Aus dem
ersten Buch
der
Kosmographie
wurden 1575
in Augsburg
Teile
abgedruckt,
das zweite
und das
dritte Buch
wurden noch
1618 in
Paris
nachgedruckt.
Ebenso
wurden die
Karten von
Honterus in
zahlreichen
Auflagen von
anderen
Büchern
verwendet.
Gerhard
Engelmann
schrieb
1982: „Honters
Kosmographie
und ihre
Nachdrucke
sowie die
Einzelwiedergabe
der beiden
Karten Dacia
und Sarmatia
verteilen
sich im
Zeitraum von
1530 bis
1692 auf
folgende
Veröffentlichungen:
69
lateinische
Ausgaben für
die
Gelehrtenwelt
und den
Schulgebrauch
der
Humanisten,
40 deutsche
Ausgaben von
Sebastian
Münsters
Kosmographie
und Johannes
Stumpfs
Schweizerchronik
für den
deutschen
Leserkreis
sowie 10
französische
und 7
italienische
Ausgaben,
insgesamt
126
Veröffentlichungen
in 162
Jahren. Dies
war für
Honter ein
Erfolg,
dessen sich
kein
(siebenbürgisch-)
sächsischer
Gelehrter
bis zum
heutigen
Tage zu
rühmen
vermag“.
Inzwischen
sind noch
mehr
Ausgaben
bekannt
geworden.
Noch einige
Urteile von
Zeitgenossen:
Martin
Luther
nannte
Honterius
„Evangelist
des Herrn“,
dessen
Reformationsbüchlein
„weislich,
rein und
treulich
geschrieben
ist“.
Philipp
Melanchthon:
„Mann von
vorzüglicher
Gelehrsamkeit
und Tugend,
der die
frommen
Studien der
Lehre in der
Stadt
Kronstadt in
Siebenbürgen
leitet“.
Antonius
Verantius: „Honterus
hat
Siebenbürgen
bekannter
und die
Stadt
Kronstadt
berühmter
gemacht, ihm
sind die
Grundlagen
zum Ruhm und
Ansehen des
Vaterlandes
zu
verdanken.“
Das 19.
Jahrhundert
führte –
ausgehend
von der
300-Jahrfeier
des
Honterusgymnasiums
– zu einer
Neubelebung
der
Honterusverehrung,
die im Jahre
1898
anläßlich
der
400-Jahrfeier
von Honterus’
Geburt einen
Höhepunkt
erreichte.
Damals wurde
vor dem Turm
der
Schwarzen
Kirche das
eherne
Standbild
des großen
Humanisten
und
Reformators
eingeweiht,
es
erschienen
mehrere
Biographien
und eine
Auswahl von
Honterusschriften.
Nach
wertvollen
Honterus-Forschungen
zwischen den
beiden
Weltkriegen,
gab Honterus’
475.
Geburtstag
im Jahre
1973 einen
neuen Anstoß
zur
Erforschung
seines
Lebens und
Werkes. Im
Hinblick auf
die
bevorstehende
500-Jahrfeier
brachte der
Bukarester
Kriterion-Verlag
mit Hilfe
des
Arbeitskreises
für
Siebenbürgische
Landeskunde
(Heidelberg)
im Jahre
1996 das
Buch von
Professor
Dr. Ludwig
Binder
Honterus –
Schriften,
Briefe,
Zeugnisse
heraus, das
außer einer
umfassenden
Darstellung
seines
Lebens und
der
Vorstellung
seines
Werkes seine
wesentlichsten
Schriften in
deutscher
Übersetzung
einem großen
Leserkreis
zugänglich
macht.
Weitere
Lit.:
Karl Kurt
Klein: Der
Humanist und
Reformator
Johannes
Honter.
Untersuchungen
zur
siebenbürgischen
Geistes- und
Reformationsgeschichte
(= Schriften
der
Deutschen
Akademie in
München,
22),
Hermannstadt
und München
1935. –
Oskar
Wittstock:
Johannes
Honterus,
der
Siebenbürger
Humanist und
Reformator.
Der Mann,
das Werk,
die Zeit.
Göttingen
1970. –
Gernot
Nussbächer:
Johannes
Honterus.
Sein Leben
und Werk im
Bild,
Bukarest
31978.
– Karl
Reinerth:
Die Gründung
der
evangelischen
Kirchen in
Siebenbürgen
(= Studia
Transylvanica,
5),
Köln-Wien
1979. –
Gerhard
Engelmann:
Johannes
Honter als
Geograph (=
Studia
Transylvanica,
7),
Köln-Wien
1982.
Bild:
Johannes
Honterus,
nach einem
alten
Holzstich.
Gernot
Nussbächer