Als der
bayerische
Kultusminister
Hans Maier
am 22.
Februar 1983
auf Rudolf
Irmler aus
Anlass der
Verleihung
des
Bundesverdienstkreuzes
am Bande die
Laudatio zu
halten
hatte,
begann er
mit den
Worten:
„Sie sind
ein
bekannter
und
beliebter
Prediger,
Redner und
Schriftsteller
unserer Tage
in der
Bundesrepublik
Deutschland.“
Warum
Irmler so
bekannt und
beliebt war,
ließ der
Minister
offen.
Begegnungen
nicht allein
mit dem
Redner und
Schriftsteller,
sondern auch
mit dem
Musiker
(Geiger),
Komponisten,
Erzähler und
Rezitator
sprechen
dafür, dass
es die
Verbindung
von
Biographie
und
Theologie
gewesen sein
dürfte, das
heißt, die
Einbettung
des
persönlichen
Erlebens in
die
überpersönlichen
und
überzeitlichen
Bezüge des
Glaubens,
die ihn für
viele
Zeitgenossen
so anziehend
machte.
Irmler
sprach und
schrieb als
Zeitzeuge,
Schicksalsgenosse,
Davongekommener,
Mit-Leidender,
der im
Glauben
Trost, Halt,
Lebenszuversicht
gefunden
hatte und
darum in
beiden
Bereichen,
im Leid wie
in der
Hoffnung,
überzeugend,
anregend und
in seiner
farbigen,
pointenreichen,
gefühlsdominanten
Sprache auch
herzanrührend
wirkte.
Diese
Einschätzung
würde
zugleich
erklären,
warum Irmler
in seiner
Wirkung so
auffallend
begrenzt
blieb. Die
Nachgeborenen
lesen ihn
nicht mehr;
ein
Schicksal,
das er mit
seinen als
Schriftsteller
ebenfalls
erfolgreichen
schlesischen
Amtsbrüdern
Kurt
Ihlenfeld
(1901-1972)
und Werner
May
(1903-1975)
teilt.
Zu den
großen
Themen, die
sich durch
Irmlers
Œuvre – 30
Titel –
ziehen,
gehört
unübersehbar
Schlesien.
Das hängt
mit seiner
Herkunft und
mit seinem
Lebensweg
zusammen.
Die Eltern,
Otto Irmler,
Klempnermeister,
und Ida
geborene
Jentsch
lebten in
Lüben. Dort
wurde Rudolf
am 11.
August 1907
geboren. Den
Vater
schildert er
als streng;
die Mutter
als
besonders
liebevoll.
Die Mutter
war es auch,
die seinen
Wunsch,
Theologie zu
studieren,
unterstützte.
Finanzieren
ließ sich
das Studium
allerdings
nur mit
einem
Stipendium
des
Gustav-Adolf-Werkes,
das an die
Verpflichtung
gebunden
war, später
für einige
Jahre als
Pfarrer in
der
Auslandsdiaspora
zu arbeiten.
Die
Vikarsausbildung
absolvierte
Irmler 1931
noch in
Pilgramsdorf
bei Lüben.
Dann ging
er, frisch
verheiratet,
für acht
Jahre nach
Brasilien in
die von
deutschen
Auswanderern
gegründete
Gemeinde
Jgrejinha.
In
Neuhamburg/Rio
Grande du
Sul wurde er
am 7.
September
1932
ordiniert.
1939 konnte
er einen
ersten
Heimaturlaub
in
Deutschland
verleben.
Der Ausbruch
des Zweiten
Weltkrieges
hinderte ihn
an der
Rückkehr.
Irmler blieb
in
Deutschland
und wurde in
der
Kirchengemeinde
Oberau Kreis
Lüben,
zeitweise
auch in der
Seelsorge am
Hinrichtungsgefängnis
in
Kattowitz/Oberschlesien
eingesetzt.
Als die Rote
Armee
heranrückte,
ging er 1945
mit seiner
Oberauer
Gemeinde auf
die Flucht.
Die Ehe, in
der ein Sohn
geboren
wurde, ging
auseinander.
Irmler
kehrte nach
Schlesien
zurück, um
auf Bitten
und im
Auftrag der
Breslauer
Notkirchenleitung
die weithin
verwaisten
Restgemeinden
in den
Kirchenkreisen
Lüben und
Steinau zu
betreuen.
Über die
Erlebnisse
dieser Zeit
unter
russischer
Besatzung
und
polnischer
Herrschaft
hat er
wiederholt
geschrieben
und dabei
besonders
eindrucksvoll
von seiner
Tätigkeit
als
„Zahnarzt“
erzählt.
Weil es
keinen
echten
Zahnarzt
mehr gab,
hat er nach
seinen
Gottesdiensten
mit der
Kneifzange
und wohl
auch recht
erfolgreich
Gemeindegliedern,
aber auch
russischen
Soldaten die
schmerzenden
Zähne
gezogen.
Im Juni 1947
aus
Schlesien
ausgewiesen,
fand Irmler
eine
Anschlussverwendung
als zweiter
Provinzialpfarrer
der
Brandenburgischen
Frauenhilfe
in Potsdam,
ab 1948 als
Gemeindepfarrer
in
Waldheim/Sachsen.
Damit
verbunden
war die
Betreuung
der
Strafanstalten.
In seinem
Buch
Hinter
Grenzen und
Gittern. 12
Erlebnisse
eines
schlesischen
Pfarrers bei
den Einsamen
und
Gefangenen
Ostdeutschlands,
Kassel 1957,
hat er
über diese
Arbeit
berichtet.
Um dem Druck
der
staatlichen
Stellen zu
entgehen und
von
verschiedenen
Seiten
gewarnt,
setzte er
sich 1953
aus der DDR
in den
Westen ab.
Es war
zugleich das
Jahr, in dem
Rudolf
Irmler in
zweiter Ehe
Margarete
Menz
heiratete.
Die Ehe
blieb
kinderlos.
Irmler wurde
Krankenhauspfarrer
in Frankfurt
am Main,
1954
theologischer
Mitarbeiter
beim
Gustav-Adolf-Werk
in Kassel.
Diese
Tätigkeit
war sehr
vielseitig,
verbunden
mit weiten
Reisen in
die
Diasporagemeinden,
mit der
Durchführung
von Tagungen
und
Vortragsveranstaltungen,
der
Betreuung
der
Stipendiaten,
der
Organisation
der
Öffentlichkeitsarbeit
einschließlich
der
Herausgabe
von
Schriften
und
Materialien
für die
Kirchengemeinden
und
Gustav-Adolf-Gruppen.
Nach fast
zehn Jahren,
1963, ging
Irmler als
Pfarrer und
Rektor an
das
Diakonissenmutterhaus
Breslau-Lehmgruben,
das in
Marktheidenfeld
am Main eine
neue
Wirkungsstätte
gefunden
hatte.
Zum
Lehmgrubener
Mutterhaus
gehörten 185
Schwestern.
So zupackend
sie sich den
Herausforderungen
der neuen
Umgebung
auch
stellten,
die
Erinnerung
an die alte
Heimat
Schlesien
blieb ein
Wesensmerkmal
ihrer
persönlichen
Identität
und der
Identität
ihres
Mutterhauses.
Insofern
bedeutete
die Annahme
dieser
Berufung für
Irmler auch
eine
Heimkehr,
das
Wiedereintauchen
in ein
vertrautes
Milieu, das
freilich vom
Aussterben
bedroht war
–
einerseits,
weil die
Diakonissenhäuser
ohnehin und
durchweg mit
Nachwuchsmangel
zu kämpfen
hatten,
andererseits,
weil
Schlesien
keine
Zukunftsperspektive
mehr
darstellte.
Irmler sah
seine
Aufgabe
darin, die
Schwestern
auf ihrem
Weg zu
begleiten
und zugleich
ihrem
Mutterhaus
neue
Aufgaben zu
erschließen.
Das hat dazu
geführt,
dass unter
seiner
Leitung die
Umwandlung
und der
Ausbau des
Diakonissenhauses
zu einem
geistlichen
Zentrum für
die Region
erfolgt
sind.
1964/66
konnten die
Johannes-Kapelle
und ein
Einkehrhaus
für die
Betreuung
von
Diakonissen
und Gästen
gebaut
werden. 1967
kam es zur
Gründung des
Johannesringes,
eines
Freundeskreises
berufstätiger
christlicher
Frauen.
Einkehrwochen,
Meditationen,
Tage der
Stille
wurden
angeboten
und
vielfältig
angenommen
und genutzt.
Weit über
die
Pensionierungsgrenze
hinaus war
Irmler der
unbestrittene
Anreger,
Leiter,
Redner,
Organisator,
Meditator
des
Zentrums.
Trotz seiner
Behinderung
durch ein
Augenleiden
hat er daran
festgehalten,
die Predigt
am Sonntag
und die
Morgenandachten
selbst zu
halten, bis
auch das
nicht mehr
möglich war.
Am 8. Januar
1999 ist
Rudolf
Irmler in
Marktheidenfeld
gestorben.
Neben seinen
Schriften
und Büchern
hat Irmler
auch
zahlreiche
Kanons für
den Gesang
in Gruppen
und
Gemeinden
hinterlassen.
Die Texte
hat er
häufig aus
der Bibel
oder aus der
Literatur
übernommen.
Zur
Erinnerung
an diese
Seite seines
Schaffens
soll hier an
einen Kanon
zu vier
Stimmen über
ein Wort von
Angelus
Silesius
erinnert
werden. Er
trägt die
Überschrift
Leuchtende
Spur
Freund, so
du etwas
bist, so
bleib doch
ja nicht
stehn;
man muss aus
einem Licht
fort in das
andre gehn.
Werke
(in
Auswahl):
Heimkehr.
Alles in uns
schweige.
Sieben
Meditationen,
Berlin 1950
u. ö. –
Zwölf
schlesische
Geschichten
aus den
Jahren
1945-1947,
Lorch 1960
u. ö. –
Zwischen
Kamp und
Urwald,
Lorch 1961.
– Spuren im
Wüstensand,
Gießen/Basel
1966. –
Revolution
des Herzens.
Jakob Böhme
– heute,
Lorch, ca.
1975. – Mit
dir wollen
wir Taten
tun (Johann
Heermann),
Stuttgart
1984. –
Mensch werde
wesentlich
(Angelus
Silesius),
Lorch o. J.
– Schläft
ein Lied in
allen
Dingen:
Erinnerungen
aus acht
Jahrzehnten,
Markheidenfeld
o.J.,
(1980er/90er
Jahre). –
Die braune
Geige.
Geschichten
aus
Schlesien
und
anderswo,
Stuttgart
1988. –
Leben aus
der Stille,
Lorch, o. J.
– Erlebt auf
vielen
Reisen,
Marktheidenfeld
o. J. –
Erinnerungen,
Marktheidenfeld
o. J.
(1990er
Jahre).
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des Autors.
Christian-Erdmann
Schott