Der Tod
Jablonowskis
nach
schwerer
Krankheit
noch vor
Vollendung
des 56.
Lebensjahres
war nicht
nur für die
Familie, die
Kollegen und
die Schüler
ein schwerer
Verlust,
sondern auch
ein solcher
an
Sachkompetenz
schlechthin,
die er
infolge
seiner
nüchternen
Betrachtungsweise
gerade bei
Fragen der
jüngsten
ostdeutschen
Geschichte
in den
aufgeregten
späten 60er
Jahren
vertreten
hat.
Geboren
wurde er als
Sohn eines
Lehrers im
neumärkischen
Kreis
Oststernberg.
Jedoch
stammte sein
Vater aus
dem
ostpreußischen
Kreis
Neidenburg,
seine Mutter
aus
Westpreußen.
Sein Abitur
bestand er
1932 am
Reformrealgymnasium
Berlin-Reinickendorf.
An der
Friedrich-Wilhelms-Universität
in Berlin
studierte er
dann
allgemeine
und
osteuropäische
Geschichte,
Germanistik,
Latein,
Slavistik
und
Philosophie.
Von seinen
akademischen
Lehrern
haben ihn
der
Osteuropahistoriker
Otto
Hoetzsch,
der
allerdings
bereits 1935
aus
politischen
Gründen aus
seinem Amt
entlassen
wurde, und
der
Mediävist
Ernst Perels,
der später
ein Opfer
der
nationalsozialistischen
Verfolgung
geworden
ist,
besonders
stark
beeinflußt.
Bereits 1937
wurde er mit
einer
Dissertation
über die
Außenpolitik
des
polnischen
Königs
Stephan
Bathory
(1576-1586)
promoviert.
Die
politischen
Verhältnisse
hielten ihn
davon ab, in
den Archiv-
oder einen
anderen
staatlichen
Dienst zu
gehen.
Stattdessen
nutzte er
die
Möglichkeit
eines
Stipendiums
der
Deutschen
Forschungsgemeinschaft,
um an einem
Werk über
die Grenzen
Polens
mitzuarbeiten.
Sein Anteil
waren die
polnisch-russischen
Grenzen vom
11.-18.
Jahrhundert.
Archivstudienreisen
führten ihn
1938 nach
Warschau und
Wilna. Krieg
und kurze
Kriegsgefangenschaft
unterbrachen
diese
Arbeiten.
Hoetzsch,
der seinen
Berliner
Lehrstuhl
1945
wiedererhalten
hatte, holte
kurz vor
seinem Tode
Jablonowski
als
Assistenten
an die
nunmehrige
Humboldt-Universität,
wo er unter
großen
Schwierigkeiten
die
historische
Abteilung
des
Slavistischen
Seminars
aufzubauen
begann.
Nachdem er
1949 aus
politischen
Gründen
seine
Tätigkeit
aufgegeben
hatte,
veranlaßte
ihn der
bekannte
Slavist Max
Vasmer, an
die Freie
Universität
nach
Berlin-Dahlem
zu kommen,
wo er erneut
die
historische
Abteilung
des
Slavischen
Seminars -
im heutigen
Osteuropa-Institut
- aufbaute.
Im Anschluß
an seine
Vorkriegsstudien
verfaßte er
eine
Habilitationsschrift
über
Westrußland
zwischen
Wilna und
Moskau,
in der er
"die
politische
Stellung und
die
politischen
Tendenzen
der
russischen
Bevölkerung
des
Großfürstentums
Litauen im
15.
Jahrhundert"
untersuchte,
1954 erhielt
er die
Lehrbefugnis.
Hinter ihm
lag eine
Tätigkeit,
durch die er
unter
schweren
Bedingungen
an den
beiden
Berliner
Universitäten
reiche
Erfahrungen
gesammelt
hatte. Nach
sechs
Dozentenjahren
in Berlin
folgte er
1960 einem
Ruf auf den
neugeschaffenen
Lehrstuhl
für
osteuropäische
Geschichte
in Bonn, wo
er wiederum
die Lehr-
und
Forschungsbedingungen
neu
einzurichten
hatte.
Thematisch
waren
Jablonowskis
Forschungsinteressen
breit
angelegt,
dementsprechend
war er in
der
Wissenschaft
viel
gefragt.
Schon in der
Vorkriegszeit
war er als
Rezensent -
vorwiegend
von
fremdsprachigen
Werken - und
als
Mitherausgeber
der
Jahrbücher
für
Geschichte
Osteuropas
tätig. Seine
Forschungen
galten
sowohl der
Geschichte
Rußlands als
auch Polens.
Daneben hat
er jedoch,
wie eingangs
angedeutet,
Arbeiten zu
den
deutsch-polnischen
Beziehungen
gefördert
und selbst
verfaßt. Zu
nennen sind
seine
Mitarbeit in
der
Senatskommission
der
Universität
Bonn zur
Erforschung
des
Deutschtums
im Osten,
deren
Schriftenreihe
mit einem
Büchlein
eines
Freundes
seiner
Berliner
Vorkriegszeit,
Kurt
Forstreuter,
über
Deutschland
und Litauen
im
Mittelalter
1960
eröffnet
wurde,
weiter seine
Mitgliedschaft
und
Vorstandsarbeit
im
Johann-Gottfried-Herder-Forschungsrat
(seit
1964/66)
sowie seine
Präsidentschaft
und
Herausgebertätigkeit
bei der
Copernicus-Vereinigung
zur Pflege
der
Heimatkunde
und
Geschichte
Westpreußens
(seit 1967).
Mit seinen
Veröffentlichungen
zur neueren
ostdeutschen
Geschichte
nahm er auf
gelassene
Weise,
jedoch mit
klaren
Worten
Stellung zu
Themen, die
vor allem in
der
Publizistik
jener Jahre,
aber auch
bei
Fachkollegen
in
Deutschland
und Polen
strittig
beurteilt
wurden und
es teilweise
bis heute
werden. Das
gilt sowohl
für Die
erste
Teilung
Polens
(1969) als
auch für die
nachgelassene,
nicht ganz
vollendete
Arbeit
Westpreußen
und der
Versailler
Vertrag
(1971).
Jablonowski
wirkte in
seiner
persönlich
zurückhaltenden,
wenig Worte
machenden
Art wie eine
stille
Gelehrtennatur.
Das hinderte
ihn jedoch
nicht an
öffentlichen
Vorträgen
und
Schriften
für ein
breiteres
Publikum.
Anzuführen
ist sein
zuerst vom
Göttinger
Arbeitskreis
herausgegebenes
Büchlein
Die
preußische
Polenpolitik
von 1815 bis
1914
(1964). Auf
diesem Felde
suchte er
durch eine
intensive
Rezensionstätigkeit
auch die
klare
Auseinandersetzung,
wobei es ihm
vor allem
darum ging,
methodische
Probleme zu
erörtern. Er
scheute
dabei, wenn
es sein
mußte, nicht
davor
zurück,
einem Buch
die
beanspruchte
Wissenschaftlichkeit
abzusprechen.
Nach wie vor
zu beachten
sind seine
Veröffentlichungen
Die
Danziger
Frage
(1966),
Probleme der
deutsch-polnischen
Beziehungen
zwischen den
beiden
Weltkriegen
(1969),
Die deutsche
Ostgrenze
von 1937 in
historischer
Sicht
(1967) und
der Aufsatz
Wieviel
Polen hat es
vor dem
Zweiten
Weltkrieg in
Ostpreußen
gegeben?
(1968), in
dem er in
aller
Sachlichkeit
ein Thema
abhandelt,
das die
Meinungen in
Polen vor
und nach dem
letzten
Krieg immer
wieder
erhitzt hat.
Horst
Jablonowski
war kein
Anhänger der
inzwischen
modern
gewordenen
Mentalitäts-forschung,
sondern der
sichere
Interpret
"harter
Fakten" aus
schriftlichen
Quellen. Das
ermöglichte
es ihm, gut
begründete
Urteile
abzugeben,
die auch
heute noch
einer
kritischen
Prüfung
standhalten,
auch wenn
inzwischen
bedeutende
Quellen neu
zugänglich
geworden
sind. Daher
war es ein
glücklicher
Gedanke, daß
seine Witwe
und sein
Lehrstuhlnachfolger
gerade die
oben
angeführten
Arbeiten in
einem
Nachlaßaufsatzband
aufgenommen
haben. In
das
Bedauern,
daß durch
seinen allzu
frühen Tod -
der durch
die
teilweise
handgreiflichen
Unruhen an
den
deutschen
Universitäten
seit 1968,
die ihn
persönlich
sehr
getroffen
haben,
mitverursacht
worden sein
mag - sein
wissenschaftliches
Werk
unvollendet
geblieben
ist, mischen
sich
Genugtuung
und Dank
dafür, daß
wenigstens
die
hinterlassenen
Arbeiten zu
weiterem
Nachdenken
anregen
können.
Werke:
Die
Außenpolitik
Stephan
Bathorys
(1576-1586),
phil. Diss.,
Teildruck
in:
Jahrbücher
für
Geschichte
Osteuropas 2
(1937), S.
11-80. -
Westrußland
zwischen
Wilna und
Moskau
(Studien zur
Geschichte
Osteuropas
2). Leiden
1955,
21961.
- Rußland,
Polen und
Deutschland.
Gesammelte
Aufsätze hg.
v. Irene
Jablonowski
u. Friedhelm
Kaiser.
Köln, Wien
1972 (mit
Werkverzeichnis).
Lit.:
Kurt
Forstreuter:
Horst
Jablonowski
31.
Januar 1914
- 23. Januar
1970, in:
Beiträge zur
Geschichte
Westpreußens
3 (1970), S.
4-8. -
Walther
Hubatsch:
Horst
Jablonowski
†, in:
Preußenland
8 (1970), S.
26-28. -
Gotthold
Rhode: Horst
Jablonowski
1914-1970,
in: H. J.:
Rußland,
Polen und
Deutschland
(wie oben),
S. 441-453.
Bild:
aus "Rußland,
Polen und
Deutschland"
(s.o.).
Bernhart
Jähnig