Heute ist es
kaum noch
bekannt, daß
einer der
bedeutendsten
Ornithologen
Siebenbürgens
und
Rumäniens
von Beruf
Forstmann
war. Auch
als
Schriftsteller
sollte
dieser
siebenbürgisch-
sächsische
Forstmann
und
Naturforscher
in eine
Reihe mit
zwei anderen
großen
Jagderzählern
des
Südostraumes
gestellt
werden: mit
Otto Alscher
(1880–1944),
dem
gebürtigen
Banater
Schwaben,
der seine
Tiergeschichten
bereits 1910
in Leipzig
auflegte,
sowie mit
Emil Witting
(1880–1952),
dessen
Romane „Auf
der
Hochwildbahn
im
Karpathenurwalde“
(1928) und „Frate
Nicolae. Der
siebenbürgische
Karpathenbär“
(1931) weit
über die
Grenzen
ihrer Heimat
Ruhm
erlangten.
Doch wer war
dieser
vielseitige,
verdienstvolle
Forstmann?
Richard
Jacobi wurde
am 26. März
1901 in
Kronstadt
(heute
Braşov in
Rumänien) –
als Sohn des
Bankbeamten
Fritz Jacobi
(1871–1951)
und dessen
Ehefrau
Josefine
(geb.
Meschendörfer,
1875–1957) –
geboren. In
seiner
Vaterstadt,
der „Stadt
unter der
Zinne“
besuchte er
das
altehrwürdige
Honterus-Gymnasium
(gegründet
1541) und
legte 1920
die
Reifeprüfung
ab. Um
seinen
Wunsch – das
Studium der
Forstwissenschaften
– erfüllen
zu können,
verbrachte
er ein Jahr
als
Praktikant
am
Städtischen
Forstamt
seiner
Vaterstadt
Kronstadt
(mit einer
Waldfläche
von 80.175
Hektar).
Bekannt
geworden war
dies u.a.
durch dessen
einstigen
Leiter
Eduard
Zaminer
(1835–1900),
der als
„Pionier des
modernen
Forstwesens
Siebenbürgens“
in die
Geschichte
eingegangen
ist (vgl.
Ostdeutsche
Gedenktage
2000).
Sein
Forststudium
begann
Jacobi an
der
Hochschule
für
Bodenkultur
in Wien
(1921–1922).
Als 1923 die
Forstakademie
Tharandt in
eine
Forstliche
Hochschule
umgewandelt
wurde (heute
Forstwissenschaftliche
Fakultät,
zur
Technischen
Hochschule
Dresden
gehörend),
wechselte er
in diese
sächsische
Stadt.
Tharandt war
damals
Anziehungspunkt
für
Forststudenten
aus aller
Welt; schon
in der
Zeitspanne
1816 bis
1891 waren
690
Studierende
aus dem
Ausland
immatrikuliert.
1922 hatte
sich hier
eine
„Vereinigung
ausländischer
Studierender
Tharandt im
Zentralverband
auslanddeutscher
Studierender
Leipzig“,
gebildet.
Seit der
Gründung der
Vereinigung
und bis zum
Studienabschluß
Jacobis
waren
mehrere
Hörer aus
Siebenbürgen
immatrikuliert,
die
überwiegend
dieser
Vereinigung
angehörten,
so Oswald
Hager (aus
Agnetheln),
Viktor
Perzina
(Hermannstadt),
Helmut Kelp
(Bistritz),
Kurt
Leutschaft (Mediasch
– er sollte
hier auch
1927
promovieren),
Wilhelm
Schuster (Leschkirch),
Heinrich
Lurtz
(Siebenbürger
Sachse aus
Bukarest),
Gustav
Habermann
(Hermannstadt),
Hans Hesch
(Burghalle)
und Carl
Jauernig
(Hermannstadt).
Heimgekehrt,
versuchten
die ost- und
südosteuropäischen
Forstleute
die
Forstwirtschaft
und
Forstwissenschaft
ihrer
Heimatländer
im Sinne der
in
Deutschland
erhaltenen
Ausbildung
aufzubauen.
Allein aus
dem Gebiet
des heutigen
Rumänien
studierten
hier
zwischen
1816 bis
1945 75
Forstleute,
davon 45
Rumäniendeutsche.
Von
besonderer
Bedeutung
war Tharandt
nach dem
Ersten
Weltkrieg
nicht nur
für
Siebenbürgen,
sondern auch
für die
deutschen
Forststudierenden
aus
Lettland,
Litauen und
Estland, die
überwiegend
hier ihre
Ausbildung
erhielten,
lasen in
Tharandt
damals doch
so bekannte
Professoren,
wie B.
Löffler, G.
Brandes, H.
Vater, R.
Hugershoff,
F. Jentsch,
E. Wiedemann
u.a.
Gemäß der
Vorgabe „Die
Diplomarbeiten
sollen auch
wertvolle
Beiträge zur
Klärung
wissenschaftlicher
Fragen
sein“,
behandelte
Jacobi in
seiner
Abschlußarbeit
unter dem
Titel „Ornis
Transilvaniae“
die
Vogelwelt
Siebenbürgens
und erwarb
1925 den
Abschluß
eines
Diplom-Forstingenieurs.
Anschließend
arbeitete er
an der
damals
weltbekannten
Vogelwarte
Rositten
(heute
Rybatschij)
in
Ostpreußen.
Diese – auf
der
Kurischen
Nehrung am
Kurischen
Haff
gelegene –
Vogelwarte
wurde 1901
von Prof.
Johannes
Thienemann
(1863–1938)
gegründet,
der dem
jungen
Forstmann
und
Ornithologen
die
praktischen
Grundlagen
seiner
Beringungsmethode
vermittelte,
um – in die
siebenbürgische
Heimat
zurückgekehrt
– den
Vogelzug im
südosteuropäischen
Raum
ergründen zu
können.
Bekanntlich
kam diese
einst für
die
Vogelkunde
bedeutende
Vogelwarte
im Jahre
1945 mit dem
nördlichen
Teil
Ostpreußens
an die
Sowjetunion
und wurde
als solche
aufgegeben;
heute
existiert
dort eine
Station des
Zoologischen
Institutes
der
Russischen
Akademie der
Wissenschaften.
Nach seiner
Heimkehr
1925
übernahm
Jacobi am
Burzenländer
Sächsischen
Museum
Kronstadt
als Kustos
die
ornithologische
Sammlung,
die er neu
ordnete und
beträchtlich
bereicherte.
Hier
gründete er
im selben
Jahr die
erste
Zentrale für
Vogelberingung
Rumäniens.
Erst im
darauffolgenden
Jahr (1926)
sollte
August von
Spieß
(1864–1953)
aus
Hermannstadt
in
Zusammenarbeit
mit seiner
Tochter (der
später
bekannten
Ornithologin
S.
Stein-Spieß)
die
Vogelwelt
der
Schlangeninsel
(genannt
„Helgoland
des
Schwarzen
Meeres“)
erforschen
und hier
auch
Beringungen
durchführen.
Jacobi
setzte sich
für die
Errichtung
einer
staatlich
subventionierten
Vogelwarte
im
Donaudelta
ein und
schlug die
Schlangeninsel
als dafür
geeigneten
Ort vor.
Obwohl sich
auch der
damals
führende
Ornithologe
Rumäniens,
Prof. D.
Lintia, auf
dem 1.
Biologenkongress
Rumäniens in
Klausenburg
(Cluj) 1928
– unter
ausdrücklicher
Bezugnahme
auf Jacobis
diesbezügliche
Veröffentlichungen
– für die
dringliche
Errichtung
einer
ornithologischen
Station in
Rumänien
einsetzte,
konnte er
dieses
Vorhaben
nicht
verwirklichen.
Ähnlich wie
Rositten
erging es
auch dem
rumänischen
Eiland
Schlangeninsel
mit einer
Fläche von
rund 0,5
Quadratkilometern:
es wurde
1945 der
Sowjetunion
einverleibt.
Dennoch
kommt R.
Jacobi das
Verdienst
zu, der
erste
namhafte
Verfechter
eines bis
heute
ungelöst
gebliebenen
Problems –
einer
Vogelwarte
in Rumänien
– zu sein.
Er war einer
der Pioniere
der
Vogelkunde
Südosteuropas,
der im
Karpatenraum
erste
Beringungen
durchführte.
Aus
materiellen
Gründen
mußte er
1928 sein
Vorhaben
aufgeben,
wie er in
seinen
Aufzeichnungen
festhielt:
„Da alle
meine
ornithologischen
Pläne in
Rumänien
scheiterten,
war ich
gezwungen,
eine Stelle
(auf Grund
meines
Studiums)
als
Dipl.-Forsting.
aufzunehmen.“
So arbeitete
er als
Fachmann in
den
Urwäldern
der
Ostkarpaten
(Harghita-Gebirge
und Brosteni
an der
Goldenen
Bistritz in
der Moldau)
bis 1945. In
diesem Jahr
wurde er zur
Zwangsarbeit
in die
Sowjetunion
verschleppt.
Nach der
Entlassung
1947 war er
in den
Südkarpaten
tätig, im
Lotru- und
Zibinsgebirge,
wo er auch
weiterhin
Vogel- und
Jagdkunde
betrieb. So
gab er schon
vor dem
Kriegsende
mit O.
Witting und
F. Kimm den
„Siebenbürgischen
Jagd-Kalender“,
beziehungsweise
den „Karpathen-Jagd-Kalender“
heraus.
1955 gab er
den
Forstberuf
auf, um sich
nur noch der
Schriftstellerei
zu widmen.
Er
veröffentlichte
zahlreiche
Bücher, die
auch in
mehrere
Sprachen
übersetzt
wurden: „Das
Mädchen und
die Bärin“
(1958),
„Karpatenzauber“
(1961),
„Adebar
fliegt nach
Süden“
(1969),
„Hexensabbat“
(1971) und
„Siebenbürgische
Schnurren
und
Anekdoten“
(1971); nach
seinem Tod
sollte 1974
„Fillip der
Zitronenfalter“
erscheinen.
Jacobi hat
auch einen
reichen
Bestand an
Manuskripten
hinterlassen,
so die
beiden
bisher nicht
veröffentlichten
Hauptwerke
„Ausgestorbene
Tiere der
Karpaten
Siebenbürgens“,
„Karpatenwild-Karpatenwaid“
sowie sein
Lebenswerk
über die
Vogelwelt
Siebenbürgens.
Jacobi – der
Forstmann,
Karpatenjäger
und
Ornithologe
– hat
zahlreiche
Fachbeiträge
auch
außerhalb
seiner
Heimat
veröffentlicht,
was im
kommunistischen
Rumänien
nicht
selbstverständlich
war: so in
den
Zeitschriften
„Wild und
Hund“
(Hamburg),
„Der Falke“,
„Urania“
(Frankfurt
a.M.),
„Unsere
Jagd“
(Berlin)
etc. Auch
heute noch
ist er im
Kreise der
Ornithologen
Europas
bekannt und
dank seiner
zahlreichen
Veröffentlichungen
geschätzt
und nicht
vergessen.
Lit.:
L. Gebhardt:
Die
Ornithologen
Mitteleuropas,
Bd. 3,
Gießen 1974,
S. 40–41. –
A. Groß: Zur
Geschichte
der
Forstlichen
Hochschule
Tharandt,
Tharandt
1926. – H.
Heltmann:
Tiergeschichten
und
Jagderlebnisse.
Bekanntes
und
Unbekanntes
über den
Schriftsteller
und
Naturforscher
Richard
Jakobi, in:
Karpatenrundschau,
Nr. 32,
Kronstadt
1970. – H.A.
Hienz:
Schriftsteller-Lexikon
der
Siebenbürger
Deutschen,
Bd.VII,
Köln/Weimar/Wien
2000, S.
336–341. –
W. Klemm/St.
Kohl: Die
Ornis
Siebenbürgens,
Bd. III,
Köln/Wien
1988, S. XX.
– K.
Leutschaft:
Welchen
Nutzen kann
die
Waldarbeiter-,
Wohnungs-
und
Siedlungsfrage
in der
Forstwirtschaft
Siebenbürgens
aus der
Siedlungsgesetzgebung
Deutschlands
ziehen?
Dresden
(Diss.)
1927. – H.-J.
Mette: Zur
150-jährigen
Geschichte
der Fakultät
für
Forstwirtschaft
in Tharandt.
Die soz.
Forstwirtschaft,
16. Jg., 2,
Berlin 1966,
S. 50–56. –
W. Myß
(Hg.):
Lexikon der
Siebenbürger
Sachsen,
Thaur bei
Innsbruck
1993, S.
216–217. –
R. Rösler:
Über die
Pionierarbeit
deutscher
Forstleute
in
Osteuropa,
in: Forst
und Holz,
50. Jg., 7,
Hannover
1995, S.
210–213. –
R. Rösler:
Dem
Vergessen
entreißen:
südostdeutsche
Forstleute.
Für ein
forstbiographisches
Lexikon
Siebenbürgens
und der
angrenzenden
Gebiete, in:
Südostdt.
Vierteljahresbl.,
45. Jg., 1,
München
1996, S.
49–53. – R.
Rösler: Das
deutsche
Jagdschrifttum
Rumäniens,
in: Südostdt.
Vierteljahresbl.,
47. Jg., 4,
1998,
München, S.
328–334. –
R. Rösler:
Zaminer
Eduard
(1835–1920).
Pionier des
modernen
Forstwesens
Siebenbürgens,
in: Ostdt.
Gedenktage
2000, Bonn
1999, S.
107–112. –
A. v. Spieß:
Siebzehn
Jahre im
rumänischen
Hofjagddienst,
München
1940, S.
87–98.
Werke:
R. Jacobi:
Braucht
Rumänien
eine
Vogelwarte?,
in: Der
Wanderer,
Bd. 5,
Bukarest
1925, S.
157–162. –
R. Jacobi:
Are Romania
nevoie de un
observator
ornitologic?
Revista
vanatorilor,
7, Bukarest
1926, S.
101–102.
Bild:
Archiv des
Verfassers.
Rudolf
Rösler