Der Großvater
des
Künstlers,
Michael
Jäger, wurde
1778 im
fränkischen
Königshofen
(im
Grabfelde)
geboren und
ist 1854 in
Nakadorf/Banat
gestorben.
Er war
Kaufmann und
konnte
seinem Sohn
Franz in
Ofenpest
eine
gründliche
Ausbildung
als Barbier
und
Feldscher
angedeihen
lassen. Nach
dem Tode
seiner
ersten Frau
heiratete
Franz Jäger,
der Vater
des
Künstlers,
die um 16
Jahre
jüngere
Magdalene
Schuller aus
Billed und
gründete in
der von
Serben,
Deutschen
und Kroaten
bewohnten
Großgemeinde
Tschene eine
Praxis als
Hilfschirurg.
Der Ehe
entsprossen
die beiden
Söhne
Ferdinand (*
1875) und
Stefan (*
1877).
Nach dem
Abschluß der
damals
fünfjährigen
Volksschule
in Tschene
besuchte der
junge Stefan
die private
deutsche
Bürgerschule
Wiesners in
Temeschburg.
Von
1893-1895
ging Stefan
Jäger auf
die
Mittelschule
zu Szegedin,
an der seine
hervorragende
zeichnerische
Begabung von
dem aus dem
Burgenland
stammenden
Zeichenlehrer
Obendorf
erkannt und
gefördert
wurde. So
auf das
Kunststudium
vorbereitet,
bezog Jäger
als
Achtzehnjähriger
1895 die
Musteranstalt
für
Zeichenlehrer
in Budapest.
Hier fand
der
Kunststudent
in dem
bedeutenden
Klausenburger
Maler
Bertalan
einen
wohlwollenden
Förderer.
Trotz eines
Stipendiums
war er neben
seinem
Studium auch
als Erzieher
in der
Familie des
Grafen
Szechy tätig.
Im Anschluß
an seine
Ausbildung
in Budapest
begab sich
Jäger auf
eine erste
große
Studienreise,
die ihn
durch
Österreich,
Deutschland
und Italien
führte.
Wegen der
schweren
Erkrankung
seines
Vaters
unterbrach
er seine
Reise und
kehrte nach
Tschene
zurück, wo
der Vater
alsbald
starb. Im
darauffolgenden
Jahr (1902)
zog der
Maler nach
Budapest und
malte als
freier
Künstler auf
Bestellung,
hauptsächlich
durch
Vermittlung
eines
Kunsthändlers,
Stilleben,
Idyllen,
Heiligen-
und
Landschaftsbilder.
Nach und
nach erhielt
er auch
Aufträge
wohlhabender
Banater
Landsleute,
auf deren
Kunstvorstellungen
er oft
eingehen und
auch Kopien
anfertigen
mußte.
Im Jahre
1906
erreichte
den Künstler
ein Auftrag,
der ihn,
nach seiner
Ausführung,
berühmt
machte und
an die
Spitze der
bis dahin
bekannten
Banater
Maler
stellte. Die
Heidegemeinde
Gertianosch
bestellte
ein Gemälde,
das „Die
Ansiedlung
der
Deutschen im
Südosten“
darstellen
sollte.
Gemeint war
die
Einwanderung
der später
als
„Donauschwaben“
bezeichneten
Deutschen im
18. und
frühen 19.
Jahrhundert.
Wortführer
der
Gertianoscher
Auftraggeber
war der
wohlhabende
und
angesehene
Adam Rösner.
Dieser trug
durch
Sammelaktionen
und
kulturelle
Veranstaltungen
in der
Gemeinde,
aber auch
persönlich
ganz
erheblich
zur
Finanzierung
des Werkes
bei. Der
erste
Entwurf, ein
drei Meter
langes
Gemälde,
entstand in
Budapest,
entsprach
jedoch
hinsichtlich
der
zeitgenössischen
Trachten
nicht den
Vorstellungen
der
Auftraggeber.
Dieses Bild,
heute
verschollen,
wurde Rösner
überlassen.
Die Gemeinde
spendete
nochmals die
ansehnliche
Summe von
4560 Kronen.
Damit trat
der Künstler
eine zweite
Studienreise
nach
Deutschland
an, die ihn
zum Studium
der
historischen
Trachten u.a.
nach
Stuttgart,
Nürnberg und
Ulm führte.
Daraufhin
entstand in
vierjähriger
Arbeit
(1906.1910)
das berühmte
Einwanderungstriptychon
mit den
Teilen
„Wanderung“,
„Rast“ und
„Ankunft“ in
den Ausmaßen
5,10 x 1,45
Meter. Der
erste Teil
zeigt eine
beschwerliche
Fußwanderung
von Männern,
Frauen und
Kindern in
ihren
heimatlichen
Trachten,
wie sie
voller
Hoffnung aus
dem
Südwesten
des Reiches,
schwere
Bündel und
ihre Kinder
mit sich
schleppend,
den
Sammelstellen
an der
Donau, in
Ulm und
flußabwärts,
zustreben.
Das mittlere
Bild drückt
überzeugend
die
verschiedenen
Stimmungen
der auf
sumpfigem
Steppenboden
rastenden
Menschen-
und
Familiengruppen
aus, die
sich
zwischen
müder
Resignation
und
erwartungsvollem
Hoffen
bewegen. Die
„Ankunft“,
der dritte
Teil der
Komposition,
veranschaulicht
in
unübertrefflichem
Realismus
die
Situation
bei der
Übergabe der
noch
unfertigen
Häuser an
die Siedler
durch einen
kaiserlichen
Beamten in
einer noch
völlig öden
Landschaft.
Die
Darstellung
eines
historischen
Vorgangs von
solcher
Tragweite,
wie sie die
Ansiedlung
einer so
großen
Menschengruppe,
die sich zum
Zeitpunkt
der
Entstehung
des Gemäldes
bereits zu
einem
eigenen
Stamme
entwickelt
hatte,
beinhaltet,
hätte allein
schon
genügt, den
Künstler
berühmt zu
machen. Im
Zusammenhang
mit diesem
bekanntesten
Werk Jägers
entstand
jedoch eine
große Anzahl
von Bildern
und Skizzen,
die das
große
Ereignis der
Auswanderung
bzw. der
Ansiedlung
zum Thema
haben.
Bald nach
der
feierlichen
Enthüllung
des
Einwanderungsbildes
in
Bertianosch
(1910)
übersiedelte
der Künstler
in die
deutsche
Stadtgemeinde
Hatzfeld.
Von
1914-1918
steht Stefan
Jäger als
Landsturmmann
sowohl an
der
serbischen
als auch an
der
rumänischen
und
italienischen
Front im
Einsatz.
Danach lebt
er
zurückgezogen
in Hatzfeld,
geht aber
immer wieder
hinaus in
die Dörfer
des Banates
und auch der
Batschka und
zeichnet die
Landschaft
und das
Alltagsleben
naturgetreu
und lebendig
nach. Es ist
die tiefe
Liebe rar
heimatlichen
Landschaft
und ihren
Menschen,
die den
Maler bis zu
seinem Tode
beseelt.
Auch die
Etappen der
Tragödie des
Donauschwabentums
nach 1944
hat Jäger
nachweislich
zeichnerisch
verarbeitet,
doch ist
hiervon kaum
etwas in den
Westen
getagt.
Es ist
sicher nicht
vermessen zu
behaupten,
daß
die nach dem
Zweiten
Weltkrieg zu
verzeichnende
Renaissance,
gerade auf
dem Gebiet
der
Volkstrachten,
bei den
Donauschwaben
nicht
zuletzt
durch die
unzähligen,
leider
völlig
zerstreuten
und nicht
katalogmäßig
erfaßten,
idyllisch
anheimelnden
Darstellungen
Stefan
Jägers
angeregt
wurde. Sein
berühmtestes
Werk, das
Einwanderungstryptichon,
befindet
sich heute
in der nach
ihm
benannten
Gedenkstätte
in Hatzfeld.
Nach dem
Umsturz in
Rumänien
lebte Jäger
fast bis zu
seinem Tode,
in
beträchtlicher
Armut.
Lit.: Annemarie Podlipny-Hehn: Stefan Jäger,
Bukarest,
1972 (mit
Bildteil);
Hans Bräuner:
Stefan Jäger
– ein
Banater
Maler, in:
„Beiträge
zur
Deutschen
Kultur“,
Vierteljahresschr.,
Freiburg,
1985, 3, S.
25-29; Hans
Diplich:
Essay,
Beitr. zur
Kulturgesch.
der
Donauschwaben,
Homburg/Saar,
1975, S.
127f. u.
passim.
Heinrich
Freihoffer