Ludwig
Jacobowski
wurde als
drittes Kind
einer
jüdischen
Kaufmannsfamilie
geboren.
Nach dem
Abitur
studierte er
Philosophie,
Geschichte,
Literatur
und
Nationalökonomie
in Berlin
und Freiburg
i. Br. und
wurde 1891
mit einer
Dissertation
über
Klinger und
Shakespeare;
ein
Beitrag zur
Shakespearomanie
der Sturm-
und
Drangperiode
promoviert.
Nach Berlin
zurückgekehrt,
verdiente er
sich seinen
Lebensunterhalt
in einer
Schuhfabrik
und als
Angestellter
beim „Verein
zur Abwehr
des
Antisemitismus“.
In der Zeit
von 1890 bis
zu seinem
Tode schrieb
Jacobowski
21
literarische
Werke, gab
sechs Bücher
heraus und
verfaßte
zahlreiche
Zeitungsartikel
und
Zeitschriftenbeiträge.
Daneben war
er
Herausgeber
bzw.
Mitherausgeber
mehrerer
Zeitschriften
und Gründer
des Berliner
Klubs für
Schriftsteller
und Künstler
„Die
Kommenden“.
Als Student
hatte er das
Berufsziel,
„eine
unpolitische
Redakteurstelle
einzunehmen“,
und den
Wunsch,
einst als
freier
Schriftsteller
leben zu
können. Aber
schon sein
erster Roman
Werther,
der Jude
(Dresden
1892)
stellte ihn
mitten in
die
politischen
und
weltanschaulichen
Auseinandersetzungen
seiner Zeit.
Wie er
selbst
erkannte,
konnte das
Werk „in
allen Lagern
nur auf
wenig
Verständnis
stoßen“,
zumal
Jacobowski
schrieb:
„... in
meinen
Anschauungen
über die
Judenfrage
bin und
bleibe ich
derselbe...
Sie zeigen
immer eine
Wegrichtung:
Restloses
Aufgehen in
deutschem
Geist und
deutscher
Gesittung“
(Geleitwort
zur 3. Auflage,
1898). Sein
erster
Gedichtband
Aus
bewegen
Stunden
(Dresden,
Leipzig
1889)
reflektiert
ein Leben
zwischen
Schwermut
und
Heiterkeit.
In der
Gedichtsammlung
Aus Tag
und Traum
(Berlin
1895)
kleidet
Jacobowski
seelische
Stimmungen
in
Naturbilder.
Als Reaktion
auf die
antisemitischen
Zeitströmungen
entstand der
Roman
Werther, der
Jude und
eine Studie
über das
Ende des
christlichen
Staats und
eine neue
freie
Gesellschaftsordnung:
Der
christliche
Staat und
seine
Zukunft
(Berlin
1894). Sein
reifstes
Prosawerk
Loki
(Minden
1899)
handelt von
den
widerstreitenden
Urkräften
der Seele,
Liebe und
Haß,
vertreten in
dem
unwissenden
Balder und
dem mit
Weisheit
begabten
Loki. Nach
Jacobowskis
Tod
veröffentlichte
sein Freund
und erster
Biograph
Rudolf
Steiner die
nachgelassenen
Gedichte (Ausklang,
Minden 1901)
und Skizzen
(Stumme
Welt,
Minden
1901).
Jacobowskis
Werke sind
weniger als
Dichtungen,
sondern eher
als
zeitgeschichtliche
Zeugnisse
von
Bedeutung.
Fred B.
Stern kann
deshalb
sagen, er
habe in der
von ihm
verfaßten
Biographie (Ludwig
Jacobowski:
Persönlichkeit
und Werk
eines
Dichters,
Darmstadt
1966) nicht
eine
„literarische
Persönlichkeit“,
sondern den
„Typus der
jungen
jüdischen
Intelligenz“
um die
Jahrhundertwende
dargestellt.
In einem
Nachruf
wurde
Jacobowski
folgendermaßen
gewürdigt:
„Er war ein
Idealist,
sah aber den
Realismus
für
unbedingt
notwendig
an; er kam
von Schiller
und näherte
sich immer
mehr Goethe;
er war eine
Frohnatur,
die aber vom
Pessimismus
theoretisch
und
praktisch
aufs tiefste
beschäftigt
wurde; er
war ein
ernst
Ringender,
der nichts
auf die
leichte
Achsel
nehmen
konnte, ein
Hoffender,
der nur
nicht auf
langes Leben
hoffte, ein
Dichter, den
es immer
wieder zur
Wissenschaft
hinzog, ein
Wissender,
der gern mit
offenen
Augen
träumte, ein
Mann
strengster
Pflichterfüllung
und
unermüdlicher
Arbeit, der
sich aber
schon nach
Ruhe sehnte.
So setzte er
sich
eigentlich
aus
widerstreitenden
Elementen
zusammen,
die in ihm
eine
merkwürdige
Einheit
bildeten und
seiner
Persönlichkeit
einen
ausgeprägten
Charakter
verliehen.“
(R.M.
Werner, in:
Biographisches
Jahrbuch,
Bd. 5, 1903,
S. 31.)
Lit.:
Neue
Deutsche
Biographie
10, Berlin
1974. –
Literatur-Lexikon,
6,
Gütersloh,
München
1990.