Der Sohn
eines
Häuslers und
Wanderarbeiters
begann nach
dem Besuch
der
Volksschule
in seinem
Geburtsort
Langstrobnitz
in Wien eine
Maurerlehre.
Bis zum
Ausbruch des
Ersten
Weltkriegs
übte er den
Beruf eines
Bauarbeiters
aus, um dann
als
Munitionsarbeiter
tätig zu
sein, ehe er
als
Armierungssoldat
zum Militär
einberufen
wurde. Nach
Kriegsende
kehrte er in
seine Heimat
zurück, wo
er sich
sogleich
politisch zu
engagieren
begann.
Seine
politische
Heimat
suchte und
fand er in
der
Deutschen
Sozialdemokratischen
Arbeiterpartei
(DSAP), für
die er 1919
im
Gemeindewahlkampf
im Kreis
Budweis
wirkte. Im
Auftrag der
DSAP
gründete
Jaksch am
22. Februar
1922 den
Zentralverband
der
Kleinbauern
und Häusler
in
Teplitz-Schönau,
dessen
Sekretär und
Herausgeber
der
Verbandszeitschrift
Der
Kleinlandwirt
er wurde.
Die Aufgaben
und Ämter
des
Journalisten
und
Politikers
Wenzel
Jaksch seit
den 20er
Jahren waren
vielfältiger
Art: Von
1921 bis
1938 war er
Mitglied des
Parteivorstandes
der DSAP, ab
1927 und
erneut von
1932 bis
1938
Mitglied des
DSAP-Parteivollzugsausschusses.
Von 1921 bis
1924 wirkte
er als
Chefredakteur
der
Volkszeitung
(Komotau),
von 1924 bis
1938
zunächst als
Redakteur,
dann als
Chefredakteur
des in Prag
erscheinenden
Zentralorgans
der DSAP
Sozialdemokrat.
Von 1929 bis
1939 vertrat
er den
Wahlkreis
VIII
(Pilsen) als
Abgeordneter
im Prager
Parlament;
von 1935 bis
1938 war er
außerdem
Vorsitzender
des
Versorgungsausschusses
des
Abgeordnetenhauses.
Wenzel
Jakschs
Karriere als
Parteipolitiker
dokumentiert
sich
maßgeblich
darin, daß
er von 1935
bis 1938 das
Amt eines
stellvertretenden
Vorsitzenden
der DSAP
bekleidete
und auf dem
letzten
Parteitag
der DSAP am
27. März
1938 in
einer
Kampfabstimmung
gegen Ludwig
Czech zum
Parteivorsitzenden
der DSAP
gewählt
wurde.
1936 hatte
Wenzel
Jaksch, der
durchaus
zutreffend
"ein
ideenreicher
Organisator"
genannt
worden ist,
"der sich
nicht
scheute,
auch die
nationalen
Rechtsansprüche
der
Sudetendeutschen
klar als
Forderung zu
formulieren"
(F. Prinz),
zusammen mit
dem
Parteivorsitzenden
des Bundes
der
Landwirte (BdL),
Gustav
Hacker, der
über einen
starken
Rückhalt bei
der
deutschen
Bauernschaft
verfügte,
und dem
Abgeordneten
der
Deutschen
Christlichsozialen
Volkspartei
(DCSVP) in
der
Nationalversammlung
der ČSR,
Hans Schütz,
einem
kompromißfähigen
Pragmatiker
und
volksnahen
Gewerkschaftler
von großer
Beliebtheit,
eine
jungaktivistische
Bewegung
proklamiert.
Ihr Ziel war
es, von der
Prager
Regierung
die
Anerkennung
der
Deutschen
als "zweites
Staatsvolk"
zu erreichen
und den
Minderheitenstatus
zu
überwinden,
was
tschechischerseits
jedoch
niemals
akzeptiert
wurde. Prag
gewährte
lediglich
minimale
Konzessionen.
So sagte es
zu, 1.300
deutsche
Beamte und
3.300
deutsche
Arbeiter
wieder
einzustellen,
was nach der
Entfernung
von 33.000
Sudetendeutschen
aus der
Verwaltung
völlig
unzureichend
war. Von der
angestrebten
sudetendeutschen
Selbstverwaltung
konnte somit
auch nicht
im Ansatz
die Rede
sein. Erst
unter dem
Schock des
Anschlusses
von
Österreich
an das Reich
im März 1938
erklärte
Prag sich zu
Zugeständnissen
an die
Sudetendeutschen
bereit,
mithin zu
spät, denn
das
Münchener
Abkommen
(29.
September
1938) sprach
Deutschland
das
sudetendeutsche
Gebiet zu.
Nach
Proklamierung
der
slowakischen
Unabhängigkeit
(14. März
1939) und
dem von
Hitler
erzwungenen
Abschluß
eines
Protektoratsvertrags
für den
ČSR-Reststaat,
der durch
deutsche
Truppen am
14./15. März
1939 besetzt
und dem
Deutschen
Reich als
"Protektorat
Böhmen und
Mähren"
eingegliedert
wurde, ging
Wenzel
Jaksch nach
London ins
Exil, wo er
als
Vorsitzender
der
Treuegemeinschaft
sudetendeutscher
Sozialdemokraten
(TG) wirkte
und die
Interessen
der
Sudetendeutschen
gegenüber
der
tschechoslowakischen
Exilregierung
vertrat.
Vergebens
bemühte er
sich in
London
darum, die
Vertreibung
der
Sudetendeutschen,
vom
Präsidenten
der
tschechoslowakischen
Exilregierung,
Edvard Beneš,
immer
nachdrücklicher
gefordert,
durch ein
Übereinkommen
mit diesem
zu
verhindern.
Am 24. April
1941 war
ihm,
zusammen mit
seiner
ersten
Ehefrau,
durch
Veröffentlichung
im
Reichsanzeiger
die deutsche
Staatsangehörigkeit
abgesprochen
worden.
1949 kehrte
Wenzel
Jaksch aus
seinem
Londoner
Exil nach
Deutschland
zurück;
seinen
Wohnsitz
nahm er in
Wiesbaden,
wo er
sogleich
politisch
aktiv wurde.
Von 1950 bis
1953
arbeitete er
als
Ministerialdirektor
im
hessischen
Innenministerium
und Leiter
des
Landesverbandes
für
Vertriebene,
Flüchtlinge
und
Evakuierte.
Im Jahre
1951
gründete er
die
Seligergemeinde,
eine
Gesinnungsgemeinschaft
sudetendeutscher
Sozialdemokraten
mit Sitz in
Stuttgart,
benannt nach
dem
Vorsitzenden
der am 3.
September
1919
gegründeten
deutsch-böhmischen
sozialdemokratischen
Partei (DSAP),
Josef
Seliger. Bis
zu seinem
Tod 1966
infolge
eines
Autounfalls
war Jaksch
auch deren
Vorsitzender.
Von 1953,
der 2.
Legislaturperiode
des
Deutschen
Bundestages,
an bis 1966
gehörte
Wenzel
Jaksch
diesem als
Fraktionsmitglied
der SPD an.
Seit 1958
war er
Vorstandsmitglied
und
Vizepräsident,
seit 1964
Präsident
des Bundes
der
Vertriebenen/Vereinigte
Landsmannschaften
und
Landesverbände
(BdV), seit
1959
Präsident
der
Bundesversammlung
der
Sudetendeutschen
Landsmannschaft.
Bis 1964
gehörte er
der
sogenannten
Ministermannschaft
des
SPD-Kanzlerkandidaten
Willy Brandt
an.
Man hat es
als die wohl
bitterste
Erfahrung
Wenzel
Jakschs zu
bezeichnen,
daß es ihm
weder bis
1938 in der
Tschechoslowakei
noch seitdem
im Londoner
Exil gelang,
die
Interessen
der
Sudetendeutschen
erfolgreich
zu
vertreten.
Vor allem
aber
vermochte er
es nicht,
ihre
Vertreibung
zu
verhindern.
Seit den
Erfolgen der
Alliierten,
zumal der
Sowjetunion,
vom Jahre
1942/43 an,
hatte Edvard
Benês, durch
den 1940 in
London eine
Provisorische
Tschechoslowakische
Regierung
gebildet
worden war,
seine
Haltung
gegenüber
den
Sudetendeutschen
im Exil, vor
allem den
Sozialdemokraten,
geändert.
Seine Pläne
waren jetzt
mehr und
mehr auf
eine
Vertreibung
der
Sudetendeutschen
gerichtet,
zunächst
noch bei
Abtretung
von
vorwiegend
deutschen
Gebietsteilen
wie des
Egerlandes
sowie der
Bezirke
Jägerndorf
und
Reichenberg
an
Deutschland,
schließlich
aber ohne
diese
Konzession.
Die
wiederhergestellte
Tschechoslowakei
sollte nur
noch ein
"Staat der
Tschechen,
Slowaken und
Ukrainer"
sein. Bis
zum Ende
seiner Tage
hat Wenzel
Jaksch unter
der bereits
1944 in
einem zu
London
verfaßten
10-Punkte-Plan
festgelegten
Vertreibung
der
Sudetendeutschen,
die er nicht
zu
verhindern
vermochte,
gelitten.
Werke:
Volk und
Arbeiter
(1936). -
Europas Weg
nach Potsdam
(21967).
Lit.:
Rocenka
Narodniho
Shromázdeni
Ceskoslowenské
1935/36, S.
96. -
Ch. Hoch,
The
Political
Parties in
Czechoslowakia,
London 1936.
-
Johann
Wolfgang
Bruegel,
Ludwig Chech.
Arbeiterführer
und
Staatsmann,
Wien 1960. -
Jaroslaw
Cesar/Bohumil
Cerny,
Politika
nemeckych
burzoaznich
stran v
Ceskoslovansku
v letech
1918-1938,
Prag 1962. -
Johann
Wolfgang
Bruegel,
Tschechen
und
Deutsche,
Bd. I:
1918-1938;
Bd. II:
1939-1946,
München 1967
u. 1974. -
Martin K.
Blachstein,
Wenzel
Jaksch und
die
sudetendeutsche
Sozialdemokratie,
München/Wien
1974. -
Friedrich G.
Kürbisch,
Chronik der
sudetendeutschen
Sozialdemokratie
1863-1938.
Seliger-Archiv,
Stuttgart
1982, S.
55ff.
- M.
Hepp
(Hrsg.), Die
Ausbürgerung
deutscher
Staatsangehöriger
1933-45 nach
den im
Reichsanzeiger
veröffentlichten
Listen, Bd.
I: Listen in
chronologischer
Reihenfolge,
München/New
York/London/Paris
1985, S.
488. -
Mads Ole
Balling, Von
Reval bis
Bukarest.
Statistisch-Biographisches
Handbuch der
Parlamentarier
der
deutschen
Minderheiten
in
Ostmittel-
und
Südosteuropa
1919-1945,
Bd. 1,
Kopenhagen
1991, S.
355/56.
Bild:
Archiv des
Deutschen
Bundestags
Bonn.
Konrad
Fuchs