Das
brandenburgisch-preußischen
Staatswesen
hat sich in
besonderer
Weise
zwischen
Kunst und
Militär
bewegt. Die
Residenzstadt
Potsdam
wurde so zum
Symbol für
das
gleichermaßen
kunstsinnige
wie
militärische
Preußen. In
der
ehemaligen
Kriegsschule,
heute Sitz
des
Brandenburgischen
Landtages,
die am
Brauhausberg
gegenüber
dem
traditionsreichen
Zentrum mit
Stadtschloß
und
Lustgarten
um die
Jahrhundertwende
gebaut
worden war,
befand sich
seit 1919
das
Reichsarchiv.
Ein
exzellenter
Kenner von
dessen
militärischen
Beständen
war der
Militärhistoriker
Curt Jany.
Er hat
wissenschaftliche
Beiträge zum
Geschichtsbild
einer Armee
geliefert,
der er
selbst lange
angehörte.
Seine
Arbeiten
sind von
zeitloser
Gültigkeit,
denn ein
großer Teil
der
Archivalien,
auf denen
sich seine
Veröffentlichungen
stützen,
existiert
nicht mehr.
Am 14. April
1945 griffen
englische
Bomber
Potsdam an.
Zusammen mit
herausragenden
Bauwerken
wurde das
Reichs- und
Heeresarchiv
getroffen,
wo
außerordentlich
wichtiges
Archivgut
vernichtet
wurde. Curt
Jany, der
wenige
Wochen zuvor
in Berlin
verstorben
war, hatte
die
reichhaltigen
militärhistorischen
Quellen noch
auswerten
können.
Curt Jany
war ein Kind
Ostpreußens.
Vor seinem
Eintritt in
das 3.
Magdeburgische
Infanterieregiment
Nr. 66
(Garnison
Magdeburg)
im Jahre
1888 hatte
er an den
Universitäten
Leipzig und
Berlin
studiert.
Nach Jahren
im
Truppendienst
wurde er
Ende 1896
nach Berlin
zur
Kriegsakademie
kommandiert,
jener
weiterführenden
humanistischen
Bildungsstätte
für
angehende
Generalstabsoffiziere,
die sich dem
Gründungsauftrag
der
Militärreformer
verpflichtet
sah. Mehrere
Monate
verbrachte
Jany
anschließend
in der
Schweiz zur
Vervollkommnung
französischer
Sprachkenntnisse.
In den
Jahren 1906
bis 1908
diente er im
Rang eines
Hauptmanns
als
Kompaniechef
beim 2.
Masurischen
Infanterie-Regiment
Nr. 147 in
Lyck.
Während des
Ersten
Weltkrieges
war Jany
zuerst
Bataillons-,
dann
Regimentskommandeur.
Die übrige
Dienstzeit,
seine
wichtigste,
war Jany,
seit 1909
Major, im
Großen
Generalstab
tätig. Von
Beginn an
war in dem
1808
geschaffenen
Generalstab
eine
amtliche
Beschäftigung
mit
Militärgeschichte
intendiert,
um "Bildung
und Gebrauch
der Truppen
in
strategischer
und
taktischer
Hinsicht" zu
fördern. So
ist die
deutsche
Militärgeschichtsschreibung
durch
Angehörige
der
kriegsgeschichtlichen
Abteilungen
des
Generalstabes
zur
Fachwissenschaft
geworden,
ergänzt
durch die
vielfach von
Truppenoffizieren
verfaßten
Regimentsgeschichten
und die
Kriegsmemoirenliteratur.
Ähnlich wie
Max Jähns
(1837-1900),
den man als
"gelehrtesten"
Offizier vor
Curt Jany
bezeichnen
kann, war
diesem an
der
Untersuchung
einer
Verbindung
von
Kriegseignissen
und
Kriegswesen,
gelegen. Ihm
ging es
sowohl um
Ereignisdarstellung
wie die
Behandlung
interdependenter
Strukturen.
Militärgeschichte,
und darunter
verstand man
um die
Jahrhundertwende
noch
vornehmlich
die
Kriegsgeschichte,
galt
innerhalb
der Armee
als wichtige
Erfahrungsgrundlage,
als
Erkenntnisquelle
für die
Praxis.
Auch bei den
Kriegsgeschichtlichen
Abteilungen
I und II
unterlagen
die
Offiziere in
der Regel
dem Wechsel
zwischen
Generalstab
und
Truppenkommando,
Janys
Dauerstellung
war eine
Ausnahme.
Mit
unermüdlichem
Fleiß war er
publizistisch
tätig, so
für die von
seiner
Kriegsgeschichtlichen
Abteilung II
herausgegebene
heeresgeschichtliche
Schriftenreihe
Urkundliche
Beiträge und
Forschungen
zur
Geschichte
des
preußischen
Heeres.
Von 1901 bis
1914
erschienen
darin 35
Hefte, die
sorgsam
edierte
Aktenstücke
und
zeitgenössische
Quellen des
17. und 18.
Jahrhunderts
sowie ebenso
gründlich
erarbeitete
Darstellungen
und
Untersuchungen
enthielten.
Die
DDR-Militärwissenschaft
sah in
dieser Reihe
"ein
maßgebliches
Element
[...] der
reaktionären
Traditionspflege
des
preußischdeutschen
Militarismus",
obgleich man
ihr als
Leserschaft
die geistig
anspruchsvolleren
Offiziere
zugestand
(R. Brühl,
Militärgeschichte
und
Kriegspolitik,
[Ost-]Berlin
1973,
S. 178).
Zeitlicher
und
thematischer
Schwerpunkt
von Janys
Arbeiten war
die Epoche
Friedrichs
des Großen,
seit den
1820er
Jahren ein
herausragendes
Forschungsfeld
publizistisch
tätiger
Generalstabsoffiziere.
Jany
verfaßte in
dieser Reihe
Hefte über
Die
Anfänge der
alten Armee
(H. 1, 1901)
oder Die
alte Armee
von 1655 bis
1740
(H. 7,
1905). Man
kann darin
Vorläufer
seiner
einzigartigen
Geschichte
der
Königlich
Preußischen
Armee vom
15.
Jahrhundert
bis 1807
sehen.
Dieses
ursprünglich
dreibändige
Opus
erschien
1928-1929.
Angesichts
der
umfangreichen
Vernichtung
von Quellen
im Zweiten
Weltkrieg
ist dieses
1967
unverändert
nachgedruckte
Werk nach
wie vor
besonders
beachtlich.
Im Vorwort
zum ersten
Band
begründete
der Autor
sein
Vorhaben
damit, daß
"die
Geschichte
der
Preußischen
Armee [...]
noch keine
auf die
Akten
gegründete
zusammenfassende
Darstellung
gefunden"
habe, "die
den
wissenschaftlichen
Ansprüchen
der
Gegenwart
genügen
könnte". Im
Sinn der von
Ranke
geprägten
Geschichtsschreibung
gab er
seiner
Hoffnung
Ausdruck, "daß
die einfache
aktenmäßige
Erzählung
dem Leser
nicht
trocken
erscheinen
wird". Im
Jahr 1933
kam als
Fortschreibung
seiner
Armeegeschichte
ein das
"lange
Jahrhundert"
bis 1914
behandelnder
vierter Band
heraus.
Im
Zusammenhang
mit der
Reduzierung
der Armee
aufgrund der
Bestimmungen
des
Versailler
Vertrages
war Jany,
zuletzt im
Kriegsministerium
mit dem Rang
eines
Generalmajors,
1920
verabschiedet
worden. Im
Jahre 1938
würdigte die
Preußische
Akademie der
Wissenschaften
in Berlin
Janys
beachtliches
Lebenswerk
durch die
Verleihung
der
silbernen
Leibnizmedaille.
Curt Jany
war Soldat,
aber eben
nicht vom
Typ des "Nur-Offiziers",
sondern
Vertreter
des
"Gebildeten
Offiziers"
und einer
Soldatengeneration,
die noch aus
dem
19. Jahrhundert
stammte, an
der Schwelle
des neuen
Jahrhunderts
wirkte und
dabei
militärtechnische
und
politsche
Umbrüche bis
hin zu zwei
Weltkriegen
erlebten
mußte.
Werke:
Geschichte
der
Königlich
Preußischen
Armee vom
15.
Jahrhundert
bis 1914, 4
Bde.,
1928-1929
und 1933
(Neudruck
1967). - Die
brandenburgischen
Hilfstruppen
Wilhelms von
Oranien
1688, in:
Forschungen
zur
Brandenburgischen
und
Preußischen
Geschichte
2, 1889. -
Lehndienst
und
Landfolge
unter dem
Großen
Kurfürsten,
in: ebd. 8,
1895; 10,
1898. - Die
Anfänge der
alten Armee,
Teil 1, in:
Urkundliche
Beiträge und
Forschungen
zur
Geschichte
des
preußischen
Heeres,
1901, Heft
1. - Das
Gaudische
Journal des
siebenjährigen
Krieges.
Feldzüge
1756 und
1757, in:
ebd. 1901,
Heft 3;
Feldzüge
1758-1763,
in: ebd.
1912, Heft
20. - Die
Gefechtsausbildung
der
Preußischen
Infanterie
von 1806.
Mit einer
Auswahl von
Gefechtsberichten,
in: ebd.
1903, Heft
5. - Der
preußische
Kavalleriedienst
vor 1806,
in: ebd.
1904, Heft
6. - Die
alte Armee
von 1655 bis
1740.
Formation
und Stärke,
in: ebd.
1905, Heft
7. - Die
Dessauer
Stammliste
von 1729,
in: ebd.
1905, Heft
8. -
Hochkirch,
in:
Militärwochenblatt,
1905,
Beiheft 3. -
Zum
Friedrichstage.
Das Treffen
bei
Burkersdorf
am 21. Juli
1762, in:
Militärwochenblatt,
1907,
Beiheft 3. -
Der
Siebenjährige
Krieg. Ein
Schlußwort
zum
Generalstabswerk,
in:
Forschungen
zur
Brandenburgischen
und
Preußischen
Geschichte
35 (1923). -
Die
Kantonverfassung
Friedrich
Wilhelms I.,
in: ebd. 38
(1926).
Lit.:
Neue
Deutsche
Biographie,
Bd. 10.
Berlin 1974,
S. 350. -
Vorwort
Neudruck der
Geschichte
der
Königlich
Preußischen
Armee,
Bd.1, 1967.
Bild:
Titelblatt
des ersten
Bandes von
Janys
Geschichte
der
Preußischen
Armee.
Stephan
Kaiser