Es sind nicht wenige der
Komponisten
der
„leichten“
Muse, die
von der
„ernsten“
Musik
herkamen und
sich dort
ihr solides
Handwerkszeug erworben hatten. Zu ihnen
gehört
auch und vor
allem
Michael
Jary, der
seinen Weg
vom einst
namenlosen
Chorknaben
zum
inzwischen
weltbekannten
Schöpfer
eingängiger
Melodien auf
dem weiten
Feld der
Unterhaltungsmusik
nahm. Als
Maximilian
Andreas
Jarczyk
wurde er am
24.
September
1906 in
Laurahütte/OS
geboren.
Sein Vater
Hugo Jarczyk
war ein
Bergmann,
der sich bis
zum
Werkmeister
und
schließlich
bis zum
Ingenieur
emporgearbeitet
hatte, seine
Mutter Anna,
eine
Schneiderin,
brachte es
zu einem
anerkannten
Modesalon.
Sie war es,
die es gern
gesehen
hätte, daß
Max, der
älteste
ihrer vier
Söhne,
Priester
geworden
wäre. So kam
er mit zwölf
Jahren
zunächst auf
das
Gymnasium
der Steyler
Missionare
in
Heiligkreuz
bei Neisse,
legte 1927
am
Staatlichen
Gymnasium in
Beuthen/OS
das Abitur
ab, ging
aber 1929 an
die
Hochschule
für Musik in
Berlin, wo
er bald
Meisterschüler
der
Kompositionsklasse
und 1931 mit
dem
Beethoven-Preis
der Stadt
Berlin
ausgezeichnet
wurde. Seine
ersten
Kompositionsversuche,
darunter ein
„Konzert für
zwei
Klaviere,
Trompete und
Posaune“,
brachten ihm
allerdings
die
zeitbedingte
Beurteilung
als
„entartet“
ein. Seine
kompositorische
Laufbahn,
die er
angestrebt
hatte, war
damit
zunächst
behindert,
der Ausweg
von der „E“-
zur „U“-Musik
lag nahe. Es
folgten
Versuche als
Kapellmeister,
Arrangeur
und Pianist,
und es
regten sich
zugleich die
ersten
unternehmerischen
Fähigkeiten.
1935
gründete er
ein
Kammer-Tanzorchester
aus den
Solisten der
einstigen
„Goldenen
Sieben“ und
übernahm
1938 die
Leitung des
von ihm
geschaffenen
Deutschen
Tanz- und
Unterhaltungsorchesters
in Berlin.
Mit beiden
Klangkörpern
entwickelte
er einen
neuen, in
historischen
Aufnahmen
glücklicherweise
erhalten
gebliebenen,
einmaligen „sound“.
Dann begann
mit seiner
ersten
Filmmusik
1936 jene
Karriere,
mit der er –
neben Franz
Grothe –
Deutschlands
bekanntester,
beliebtester
und
erfolgreichster
Filmkomponist
wurde. Weit
über 100
Filme der
„Terra“,
„Ufa“ und
„Bavaria“
verdanken
ihre Erfolge
nicht
zuletzt
seiner
gediegenen
Musik, und
mehr als 300
Lieder
daraus haben
sich als
„Schlager“
durchgesetzt.
Vor allem
die Musik zu
fast allen
Zarah-Leander-Filmen
hat darüber
hinaus
stilbildend
gewirkt. Zu
den Daten
seiner
weiteren
Tätigkeiten
gehört 1945
die Gründung
des
Radio-Berlin-Tanzorchesters
und 1947 die
Übernahme
des
Saar-Radio-Orchesters,
schließlich
1949 die
Gründung
eines
eigenen
Musikverlages
in Hamburg
und der
inzwischen
in Europa,
Afrika,
Australien,
Nord- und
Südamerika
weltweit
wirkenden „Michael-Jary-Musikproduktion“
mit einem
„Film-Zweig“,
der ihr
zugeordnet
ist.
Neben einer
Anzahl
Operetten
stammen auch
Musicals aus
seiner
Feder, die
sich aber in
Deutschland
gegen die
amerikanische
Konkurrenz
nicht
durchsetzen
konnten.
Dagegen lief
sein Musical
„Nicole“,
1965 in
Nürnberg
uraufgeführt,
mit Erfolg
in mehreren
Ostblockstaaten,
und sein
satirisches
Musical
„Alabama“
hatte seine
polnische
Uraufführung
in Stettin.
Michael Jary
lebt außer
in München
zumeist am
Luganer See,
und er hat
nach drei
überstandenen
Herzinfarkten
inzwischen
resigniert.
Als ihm am
24.
September
1977, seinem
71.
Geburtstag,
der
Paul-Lincke,-Ring
verliehen
wurde,
fragte sein
Laudator,
der „Lili-Marleen“-Komponist
Norbert
Schultze,
warum es um
Michael Jary
so still
geworden
sei. Sicher
nicht, so
meinte er,
weil dem
Komponisten
die Ideen
ausgegangen
seien,
sondern weil
inzwischen
eine
„Umweltverschmutzung
durch
minderwertigen
Schund“ die
Welt der
leichten
Muse
beherrsche.
Jary selber
sagte
hierzu:
„Früher
verfügten
die
Komponisten
selbst der
Tanzmusik
über eine
solide
akademische
Ausbildung,
was ich
heute bei
den
jugendlichen
Komponisten
vermisse. Es
hatte alles
sein
Fundament,
und das
hat's heute
leider
nicht. Aber
ich habe die
Hoffnung,
daß sich
alles wieder
reguliert.“
Lit.:
Curt Riess:
Das gibt's
nur einmal.
Das Buch des
deutschen
Films nach
1945.
Hamburg
1958.
Heinz Rudolf
Pritsche
(1986)