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Kulturstiftung
der deutschen
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Johann

A. E.

Schriftsteller

* 13.9.1901, Bromberg (Posen)

8.10.1996, Dedelstorf-Oerrel

 

 

A. E. Johann war über mehr als sechs Jahrzehnten einer der bedeutendsten deutschen Reiseschriftsteller, als rastloser Weltreisender durch alle Kontinente fesselte er mit seinen erlebnisreichen Schilderungen. Er hat rund einhundert Bücher geschrieben - und jedes war ein Bestseller. (A. E. Johann ist ein Pseudonym für Alfred Emil Johann Wollschläger.)

Als Sohn eines preußischen Beamten geboren, besuchte Johann das Königliche Realgymnasium in Bromberg und nahm noch am Ende des Ersten Weltkriegs als Kriegsfreiwilliger und an Freikorps- und Grenzschutzkämpfen teil. In Berlin studierte er Theologie, Geographie und Soziologie, machte eine Banklehre und wurde Buch- und Wirtschaftsprüfer. Nach kurzer Zeit in Berlin gab er seinen Beruf auf und einer steten Sehnsucht nach, die weite Welt kennenzulernen. Er wanderte als landwirtschaftlicher Arbeiter nach Kanada aus. Von dort kamen seine ersten Reiseberichte. Es folgten ausgedehnte Reisen in viele – ja, man kann behaupten, in alle – Länder der Welt: Wenn es einen Menschen gab, der die ganze Welt kannte und bereist hatte, so war es A. E. Johann. Stets selbst am Steuer, hat sich A. E. Johann in den letzten Jahren auf Nordamerika verlegt, wie sich an seinen Buchtiteln zeigt. Über seine Art der Darstellung sagte A. E. Johann einem Reporter einmal: „Ich schreibe nicht aus formalen Gründen, sondern um Inhalt mitzuteilen. Daher lehne ich Manierismen ab. Ich erzähle nicht für mich, nicht für die Kritik, auch nicht für – die Ewigkeit. Sondern für Leser, die bereit sind, für ein Buch von Johann ein paar Mark auszugeben. Und wenn ich diesem Leser zumute, erst nachzudenken über das, was ich von mir gebe, ist es schon aus."

Wie fesselte er seine Leser mit seiner zum Teil in Bromberg spielenden autobiographischen Romantrilogie Im Strom. Ahornblatt. Aus dem Dornbusch! Von den ersten Kindheitserinnerungen des Hans Radmacher in Bromberg, die bezaubernde Liebesgeschichte mit Susanne, die mit allen Höhen und Tiefen versehene Zeit in Kanada. Das ist der Bericht vom Lebensweg eines leidlich anständigen Menschen aus Preußen. – Wie bezaubernd sind ferner Das große Buch von der Erde, die Erfolgstriologie Schneesturm. Weiße Sonne. Steppenwind, wie hoffnungsschöpfen der den heimatvertriebenen Ostdeutschen gewidmete Roman Am Ende ein Anfang.

So wie z.B. Johann zeitlebens Elefanten, die grauen Riesen aus den Steppen Afrikas und den Dschungeln Asiens, faszinierten, so schlägt uns gleichsam sein Buch Elefanten, Elefanten in den Bann, uns, die wir Elefanten nur aus den Zoologischen Gärten „kennen“. In diesen „Aufzeichnungen eines Liebhabers für andere Liebhaber“, wie das Elefantenbuch treffend im Untertitel heißt, werden auch die Elefanten im Opel-Zoo von Kronberg im Taunus erwähnt. Auch dieses Buch ist so köstlich geschrieben, und es fehlen nicht die besinnlichen Stellen, die den A. E. Johann-Büchern das tiefe Gepräge geben.

Im Jahre 1969 erhielt A. E. Johann den Marienburg-Preis der Landsmannschaft Westpreußen. Seinem Vortrag anläßlich dieser Preisverleihung zum Thema Heimat und Heimweh sollen hier ein paar wesentliche Kernsätze entnommen werden: „Das Recht auf die Heimat ist ein Urrecht des Menschen; es braucht nicht abgeleitet, begründet, bestätigt zu werden; es ist urmenschlich; wer es bestreitet, bekennt sich damit zum Unmenschlichen. – Die Polen haben ihren Osten ebenso verloren wie die Deutschen. Heimat in Ostpolen ist ebenso unwiederbringlich dahin wie in Ostdeutschland. Verflucht sei eine unmenschliche Politik, die solches bewirkte, eine Politik deutscher, alliierter, sowjetischer Observanz! Bei Licht besehen, sind heute Deutschland und Polen Schicksalsgefährten und nicht Feinde. – Wenn auch die Heimat  zerstört wurde, halten wir trotzdem das Heimweh wach und geben wir es weiter! Wahrscheinlich werden wir unsere Heimat nie wiedersehen (und wenn es geschähe, würden wir sie nicht mehr finden!). Aber die Kinder und die glücklicheren Noch-Besitzer einer Heimat – sie sollen es wissen, daß wir eine hatten: Eine schöne, weitherzige, warme und warmherzige, eine unendlich freundliche liebenswerte Heimat! Bis an unser Lebensende und von Geschlecht zu Geschlecht fortwirkend sollten wir Ostdeutschen uns von niemand das Recht bestreiten lassen, uns unserer wunderbaren verloren Heimat mit nie endender Sehnsucht, Trauer und Liebe, mit nie endendem Heimweh zu erinnern.“

Diese Reflexionen über „Heimat und Heimweh“ werden A. E. Johann gewiß dazu bewegt haben, ein Buch über sein Heimatland Westpreußen zu schreiben. Und 1988 erschien sein Roman Sehnsucht nach der Dobrinka,  das große Epos Westpreußens, die Familiensaga eines Bürgergeschlechts durch sieben Jahrhunderte. Nahezu eineinhalb Jahrzehnte hat der Autor an diesem Westpreußen-Roman gearbeitet. 1989 erschien A. E. Johanns Roman Dies wilde Jahrhundert. Aus dem Reichtum seines Wissens und seiner Erfahrung schöpfend zeigt der Autor, wie es mit unserer Welt bestellt ist. Bei der rasanten technischen Entwicklung des 20. Jahrhunderts berichtet A. E. Johann in ersten Kapiteln dieses Buches beeindruckend auch davon, daß es eines Tages in seinem Elternhaus in Bromberg elektrisches Licht gab und welches Erlebnis es war, als das erste Automobil nach Bromberg kam, das dem Stadtbekannten Sanitätsrat Dr. Dietz gehörte, der seinen bisherigen Kutscher zuvor dafür in Berlin zum Chauffeur hatte umschulen lassen. Die Erde - wie ich sie noch sah ist A. E. Johanns 1990 erschienenes Buch. Es will die Liebe der Menschen zu ihrem Planeten wecken und empfiehlt ihnen eine pflegliche Behandlung. Im Vorwort schreibt A. E. Johann: „Ich bin jetzt alt und mag nun nach einem langen Leben auf Reisen nicht mehr weiter unterwegs sein. Um so mehr finde ich Zeit und habe Lust, unserer Erdenmutter in ihr wunderbar schönes und herrliches Antlitz zu blicken – und es zu preisen!"

A. E. Johann wohnte zuletzt in der Lüneburger Heide, wo er in der Stille der Natur die Ruhe und Konzentration zum Schreiben fand.

Lit.: Zeitschrift „Bromberg". Bidegast-Vereinigung e.V. Wilhelmshaven Nr. 36/1971, S. 13; Nr. 51/1976, S. 15; Nr. 66/1981, S. 13; Nr. 81/1986, S. III.

Bild: W. Samel

Wilfried Samel

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