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A. E. Johann war über mehr als sechs Jahrzehnten einer der bedeutendsten
deutschen Reiseschriftsteller, als rastloser Weltreisender durch
alle
Kontinente fesselte er mit seinen erlebnisreichen Schilderungen. Er
hat
rund einhundert Bücher geschrieben - und jedes war ein Bestseller.
(A.
E. Johann ist ein Pseudonym für Alfred Emil Johann Wollschläger.)
Als Sohn eines preußischen Beamten geboren, besuchte Johann das
Königliche Realgymnasium in Bromberg und nahm noch am Ende des
Ersten Weltkriegs als Kriegsfreiwilliger und an Freikorps- und Grenzschutzkämpfen
teil. In Berlin studierte er Theologie, Geographie und
Soziologie, machte eine Banklehre und wurde Buch- und Wirtschaftsprüfer.
Nach kurzer Zeit in Berlin gab er seinen Beruf auf und einer
steten Sehnsucht nach, die weite Welt kennenzulernen. Er wanderte
als landwirtschaftlicher Arbeiter nach Kanada aus. Von dort kamen
seine ersten Reiseberichte. Es folgten ausgedehnte Reisen in viele – ja,
man kann behaupten, in alle – Länder der Welt: Wenn es einen
Menschen gab, der die ganze Welt kannte und bereist hatte, so war es A.
E. Johann. Stets selbst am Steuer, hat sich A. E. Johann in den letzten
Jahren auf Nordamerika verlegt, wie sich an seinen Buchtiteln zeigt.
Über seine Art der Darstellung sagte A. E. Johann einem Reporter
einmal: „Ich schreibe nicht aus formalen Gründen, sondern um Inhalt
mitzuteilen. Daher lehne ich Manierismen ab. Ich erzähle nicht für
mich, nicht für die Kritik, auch nicht für – die Ewigkeit. Sondern für
Leser, die bereit sind, für ein Buch von Johann ein paar Mark
auszugeben. Und wenn ich diesem Leser zumute, erst nachzudenken über
das, was ich von mir gebe, ist es schon aus."
Wie fesselte er seine Leser mit seiner zum Teil in Bromberg spielenden
autobiographischen Romantrilogie Im Strom. Ahornblatt. Aus dem
Dornbusch! Von den ersten Kindheitserinnerungen des Hans Radmacher
in Bromberg, die bezaubernde Liebesgeschichte mit Susanne, die mit allen
Höhen und Tiefen versehene Zeit in Kanada. Das ist der Bericht vom
Lebensweg eines leidlich anständigen Menschen aus Preußen. – Wie
bezaubernd sind ferner Das große Buch von der Erde, die
Erfolgstriologie Schneesturm. Weiße Sonne. Steppenwind, wie
hoffnungsschöpfen der den heimatvertriebenen Ostdeutschen gewidmete
Roman Am
Ende ein Anfang.
So wie z.B. Johann zeitlebens Elefanten, die grauen Riesen aus den
Steppen Afrikas und den Dschungeln Asiens, faszinierten, so schlägt uns
gleichsam sein Buch Elefanten, Elefanten in den Bann, uns, die
wir Elefanten nur aus den Zoologischen Gärten „kennen“. In diesen
„Aufzeichnungen eines Liebhabers für andere Liebhaber“, wie das
Elefantenbuch treffend im Untertitel heißt, werden auch die Elefanten im
Opel-Zoo von Kronberg im Taunus erwähnt. Auch dieses Buch ist so
köstlich geschrieben, und es fehlen nicht die besinnlichen Stellen, die
den A. E. Johann-Büchern das tiefe Gepräge geben.
Im Jahre 1969 erhielt A. E. Johann den Marienburg-Preis der
Landsmannschaft Westpreußen. Seinem Vortrag anläßlich dieser
Preisverleihung zum Thema Heimat und Heimweh sollen hier ein paar
wesentliche Kernsätze entnommen werden: „Das Recht auf die Heimat ist
ein Urrecht des Menschen; es braucht nicht abgeleitet, begründet,
bestätigt zu werden; es ist urmenschlich; wer es bestreitet, bekennt
sich damit zum Unmenschlichen. – Die Polen haben ihren Osten ebenso
verloren wie die Deutschen. Heimat in Ostpolen ist ebenso
unwiederbringlich dahin wie in Ostdeutschland. Verflucht sei eine
unmenschliche Politik, die solches bewirkte, eine Politik deutscher,
alliierter, sowjetischer Observanz! Bei Licht besehen, sind heute
Deutschland und Polen Schicksalsgefährten und nicht Feinde. – Wenn auch
die Heimat zerstört wurde, halten wir trotzdem das Heimweh wach
und geben wir es weiter! Wahrscheinlich werden wir unsere Heimat nie
wiedersehen (und wenn es geschähe, würden wir sie nicht mehr finden!).
Aber die Kinder und die glücklicheren Noch-Besitzer einer Heimat – sie
sollen es wissen, daß wir eine hatten: Eine schöne, weitherzige, warme
und warmherzige, eine unendlich freundliche liebenswerte Heimat! Bis an
unser Lebensende und von Geschlecht zu Geschlecht fortwirkend sollten
wir Ostdeutschen uns von niemand das Recht bestreiten lassen, uns
unserer wunderbaren verloren Heimat mit nie endender Sehnsucht, Trauer
und Liebe, mit nie endendem Heimweh zu erinnern.“
Diese Reflexionen über „Heimat und Heimweh“ werden A. E. Johann gewiß
dazu bewegt haben, ein Buch über sein Heimatland Westpreußen zu
schreiben. Und 1988 erschien sein Roman Sehnsucht nach der Dobrinka,
das große Epos Westpreußens, die Familiensaga eines
Bürgergeschlechts durch sieben Jahrhunderte. Nahezu eineinhalb
Jahrzehnte hat der Autor an diesem Westpreußen-Roman gearbeitet. 1989
erschien A. E. Johanns Roman Dies wilde Jahrhundert. Aus dem
Reichtum seines Wissens und seiner Erfahrung schöpfend zeigt der Autor,
wie es mit unserer Welt bestellt ist. Bei der rasanten technischen
Entwicklung des 20. Jahrhunderts berichtet A. E. Johann in ersten
Kapiteln dieses Buches beeindruckend auch davon, daß es eines Tages in
seinem Elternhaus in Bromberg elektrisches Licht gab und welches
Erlebnis es war, als das erste Automobil nach Bromberg kam, das dem
Stadtbekannten Sanitätsrat Dr. Dietz gehörte, der seinen bisherigen
Kutscher zuvor dafür in Berlin zum Chauffeur hatte umschulen lassen.
Die Erde - wie ich sie noch sah ist A. E. Johanns 1990 erschienenes
Buch. Es will die Liebe der Menschen zu ihrem Planeten wecken und
empfiehlt ihnen eine pflegliche Behandlung. Im Vorwort schreibt A. E.
Johann: „Ich bin jetzt alt und mag nun nach einem langen Leben auf
Reisen nicht mehr weiter unterwegs sein. Um so mehr finde ich Zeit und
habe Lust, unserer Erdenmutter in ihr wunderbar schönes und
herrliches Antlitz zu blicken – und es zu preisen!"
A. E. Johann wohnte zuletzt in der Lüneburger Heide, wo er in der Stille
der Natur die Ruhe und Konzentration zum Schreiben fand.
Lit.:
Zeitschrift „Bromberg". Bidegast-Vereinigung e.V. Wilhelmshaven Nr.
36/1971, S. 13; Nr. 51/1976, S. 15; Nr. 66/1981, S. 13; Nr. 81/1986, S.
III.
Bild:
W. Samel
Wilfried Samel
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