Wie bei
keinem
anderen
Monarchen
des
Habsburgerreiches
provozieren
Persönlichkeit
und Taten
Josephs II.
die
Historiker
bis zum
heutigen
Tage.
Schlägt ihm
von der
einen Seite
vorbehaltlose
Zustimmung
entgegen, so
stößt er auf
der anderen
auf strikte
Ablehnung,
preisen ihn
die einen
als
zukunftsweisenden,
aufgeklärten
Herrscher,
mit dem die
Moderne
begonnen
habe, so
verurteilen
ihn die
anderen als
eine
Symbolfigur
des
habsburgischen
Zentralismus,
als einen
Destruktionspolitiker,
der den
Niedergang
der
Donaumonarchie
nicht
aufgehalten
sondern
beschleunigt
habe.
Josephs II.
Reformeifer,
der gerne
als
„Revolution
von oben“
gepriesen
wird,
letztlich
aber kein
neues
Gesellschaftsmodell
für sein
marodes
Reich
entworfen
hat und auch
darum
weitgehend
gescheitert
ist, dürfte
in diesen
Jahren
faszinierender
Umgestaltungsversuche
im östlichen
Machtbereich
von
aktuellem
Interesse
sein. Von
Geburt an
war der
Lebensweg
des ältesten
Sohnes von
Maria
Theresia und
Franz
Stephan von
Lothringen
(als Franz
I. deutscher
Kaiser)
vorbestimmt:
Er sollte
Oberhaupt
der Dynastie
Habsburg-Lothringen
und ihres
Reiches
sowie Kaiser
des Heiligen
Römischen
Reiches
werden.
Dieser
Bestimmung
war seine
Erziehung
zum
Pflichtmenschen
untergeordnet,
für den das
„öffentliche
Wohl“
oberstes
Gebot sein,
der sich als
oberster
Diener
seines
Staates
verstehen
sollte.
Seine
Lehrer,
allen voran
der Freiherr
Johann
Christoph
von
Bartenstein,
der 1753
einen
„Erziehungsplan“
ausgearbeitet
hatte,
vermittelten
ihm die
Ideen der
gemäßigten
Aufklärung,
des
Naturrechts,
des
Merkantilismus
und des
Populationismus.
Daraus
entwickelte
Joseph ein
eigenes,
recht
eklektisches
und
theoretisch
nicht
ausgereiftes
staatspolitisches
Konzept, in
dessen
Mittelpunkt
die
Zentralisation,
die Idee des
habsburgischen
Einheitsstaates
stand,
allerdings
verwirklicht
nach dem
Motto:
„Alles für
das Volk,
nichts durch
das Volk“.
Bereits als
Achtzehnjähriger
nahm er an
den
Sitzungen
des Staats-
und des
Kriegsrates
teil, als
24jähriger
wurde er
römischer
Kaiser,
zugleich
Mitregent
Maria
Theresias,
jedoch erst
als knapp
Vierzigjähriger
konnte er
den Thron
seiner
Mutter
besteigen
und daran
gehen, die
umfassenden
Pläne zur
Erneuerung
des
Habsburgerreiches
in die Tat
umzusetzen.
Anstelle der
behutsamen
Reformpolitik
seiner
Mutter, trat
nun ein
schroffer
und
kompromißloser,
fast
fanatischer
Reformeifer.
Durch eine
aktive
Außenpolitik
suchte
Joseph II.
die
Machtstellung
seines
Reiches zu
festigen und
auszudehnen.
Dieser
imperiale
Ehrgeiz
Josephs II.
setzte sich
noch zu
Lebzeiten
seiner
Mutter bei
der ersten
Teilung
Polens
(1772)
durch, die
den
Habsburgern
Galizien
einbrachte;
ihm ist auch
der Erwerb
der Bukowina
(1775)
zuzuschreiben.
Sein Plan,
das
benachbarte
Bayern gegen
die
österreichischen
Niederlande
einzutauschen,
scheiterte
an Friedrich
dem Großen
und der
Türkenkrieg,
den er 1787
zusammen mit
Katharina
II. von
Rußland
begann,
brachte
geringe
Territorialgewinne,
schwächte
aber seine
innenpolitischen
Wirkungsmöglichkeiten
erheblich
und läutete
das Ende
seines
Reformwerks
ein. Der
Aufstand in
den
österreichischen
Niederlanden
und vor
allem der
Ausbruch der
Französischen
Revolution
ließen das
josephinische
Reformmodell
als
aussichtslos
erscheinen.
Die
Innenpolitik,
die in
weiten
Teilen auf „präjosephinische“
Initiativen
seiner
Mutter
aufbaute,
war seiner
absolutistischen
Staatsidee
untergeordnet,
dem Wunsch,
die als
schmerzlich
empfundene
Zurückgebliebenheit
seines
Landes zu
überwinden.
Als
Schlüssel
seiner
Reformbestrebungen
sah Joseph
II. die
Eingliederung
der
katholischen
Kirche in
seinen Staat
an, die
seiner
Meinung nach
das
notwendige
Voranschreiten
der
Gesellschaft
hemmte.
Zugleich
wurde die
Unabhängigkeit
der Kirche
von Rom
angestrebt.
Das
Toleranzpatent,
das die
freie
Religionsausübung
gewährleistete,
das
„Heranziehen
fähiger
Nichtkatholiken
in den
öffentlichen
Dienst
ermöglichte
und auch den
Juden
gewisse
Rechte
einräumte,
wurde 1781
erlassen.
Unter den
Maßnahmen
zur
Verbesserung
der Lage der
Bauern ragt
die
Aufhebung
der
Leibeigenschaft
– zunächst
in im
böhmischen
(1781), dann
in den
österreichischen
und
ungarischen
Landesteilen
(1785),
heraus.
Seine
besondere
Sorge galt
den Beamten,
die er aus
Pfründenbesitzern
zu Dienern
des Staates
umzuwandeln
suchte, was
langfristig
auch
gelungen
ist, so daß
der
Verwaltungsapparat
im 19. Jh.
als „Hort
des
Josephinismus“
galt. Die
Einführung
des
Deutschen
als
Amtssprache,
gedacht als
Bindeglied
zwischen den
einzelnen
Teilen der
Monarchie
und
utilitaristisch
auf die
staatliche
Einheit
ausgerichtet,
wurde als
Germanisierungsversuch
empfunden
und trug,
neben
anderen
Faktoren,
zum
nationalen
Erwachen im
Vielvölkerstaat
bei. Die
aufgehende
Saat des
Nationalismus
barg den
Sprengstoff,
der zum
Zerfall des
Habsburgerreiches
führen
sollte. Am
Ende seines
Lebens mußte
er seine
Reformen
widerrufen.
Während der
Regierungszeit
Josephs II.
wurde im
Sinne seiner
„Peuplierungspolitik“
auch die
deutsche
Siedlung im
Südosten
fortgesetzt,
sie
erreichte
unter ihm
einen
letzten
Höhepunkt.
Der sog.
Schwabenzug
(1782-1787)
vollendete
die
Kolonisation
des Banats
und der
Batschka;
sie war
erstmals
nicht von
konfessionellen
Einschränkungen
bestimmt,
sondern
sicherte,
wie Joseph
II. in einem
Ansiedlungspatent
versprach, „Teutschen
Reichsmitgliedern,
besonders
aus dem
Oberrheinischen
Kreise ...
deren
Tausende an
Ackersleuthen
und
Professionisten
benöthiget
sind ...
eine
gänzlich
vollkommene
Gewissens-
und
Religions-Freyheit“
zu. Die
Aufhebung
der
Leibeigenschaft,
die nun
mögliche
Freizügigkeit
und das
ungewöhnlich
starke
Anwachsen
der
Bevölkerung
ermöglichten
eine
Binnenkolonisation,
d.h. die
Gründung
zahlreicher
deutscher
Tochtersiedlungen
im Banat, in
Slawonien,
Syrmien und
in der
Batschka.
Zuwanderungen
wurden auch
in der
Schwäbischen
Türkei
verzeichnet.
Die neu
erworbenen
Provinzen
Galizien und
Bukowina
zogen
südwestdeutsche
Bauern und
Handwerker,
aber auch
Zipser
Bergleute,
deutsch-böhmische
Glas- und
Waldarbeiter,
Beamte und
Soldaten,
Kaufleute
und Ärzte
an. Diese
deutschen
Siedler
blieben bis
zum Zweiten
Weltkrieg
geschlossen
in diesen
Gebieten,
Teile davon
bis zum
heutigen
Tage.
So wirkte
vieles, was
Joseph II.
angestoßen
hat, lange
fort, seine
Verwaltungsreform
modernisierte
den
überkommenen
Ständestaat
und trug
dazu bei,
daß die
Habsburgermonarchie
bis 1918
überleben
konnte.
Seine
„Tendenz der
Machterweiterung
zugleich
nach Innen
und nach
Außen,
militärisch
und
politisch,
ohne
Rücksicht
auf
Nationalität,
entgegenstehende
Berechtigungen
oder das
religiöse
Bekenntniß,
gab“ –
urteilt
Leopold von
Ranke – „das
erste
Beispiel in
dem neueren
Europa“.
Lit: L.v.
Ranke: Die
deutschen
Mächte und
der
Fürstenbund
von 1780 bis
1790, 2
Bde.,
Leipzig
1871-1872;
P. v.
Mitrofanov:
Joseph II.
Seine
politische
und
kulturelle
Tätigkeit,
2. Bde.,
Wien-Leipzig
1910; F.
Valjavec:
Der
Josephinismus.
Zur
geistigen
Entwicklung
Österreichs
im 18. und
19.
Jahrhundert,
München
1945; F.
Fejtö:
Joseph II.
Kaiser und
Revolutionär,
Stuttgart
1956; E.
Winter: Der
Josefinismus.
Geschichte
des
österreichischen
Reformkatholizismus
1740-1848,
Berlin 1962;
E.
Bradler-Rottmann:
Die Reformen
Kaiser
Josephs II.,
Göppingen
1973.
Konrad
Gündisch