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Kulturstiftung
der deutschen
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Jung

Franz

Schriftsteller

* 26.11.1888, Neiße (Oberschlesien)

† 21.1.1963, Stuttgart
                                                             

 

Das Elternhaus, eine Uhrmacherei, bietet dem begabten Knaben mannigfache Förderung; der Vater, ein vielseitig engagierter Autodidakt, zieht Gelehrte, Literaten und Musiker in sein Haus. Der Sohn musiziert mit, sehr zur Freude der Mutter, die ihn als zukünftigen Virtuosen sieht.

Aber eine wild-verlockende Schicksalsparze reißt den Sohn, nun Student der Nationalökonomie, fort in die Großstadt, zu Burschenschaftlern, Soldaten, Expressionisten, Dadaisten, in marxistische und anarchistische Kreise. Unter diesem Dickicht sprießt Literatur, höchst sonderbare allerdings: wirre Szenen zwischen Liebenden; Leidenschaft und Brutalitäten in recht schwierigem Sprachduktus; Wortfetzen, Erzählerberichte, direkte Rede und innerer Monolog in nahtlosem Nebeneinander. Aber das erregt die Gemüter des literarischen Um- und Aufbruchs, die den Autor als den Protagonisten einer „neuen Primitivität“, „Blöckeschleuderer“ und „Mann mit dem großen Wurf“ begeistert begrüßen. Tagebücher zeigen die Breite seiner damaligen Lektüre; am intensivsten beschäftigten ihn aber Nietzsches „Zarathustra“, die Bibel und die „Nachfolge Christi“ des Thomas von Kempen. Bald überlagert politische Agitation die Literatur, und der Name Franz Jung erscheint wegen der Schiffsentführung nach Murmansk in den Schlagzeilen der Tagespresse. Verhöre, Inhaftierungen folgen und ein längerer Aufenthalt in Rußland, wo Jung zunächst als Funktionär der Internationalen Arbeiterhilfe, dann als Fabrikdirektor tätig ist. Nach Bespitzelungen und Verdächtigungen der Partei verläßt er, bitter enttäuscht und heimlich, den jungen Sowjetstaat.

Ab Beginn der 20er Jahre widmet sich Jung auch dem Drama, das er in den Dienst der Politik stellt. Diese Stücke, zum Teil auf der Experimentierbühne Piscators aufgeführt und von der Roten Presse gerühmt, verfehlten allerdings, der schwierigen Konzeption wegen, ihr Zielpublikum, die Arbeiterschaft. Die späteren Arbeiten, die beiden Dramen „Legende“ (1927 in Dresden uraufgeführt) und „Heimweh“ (uraufgeführt in Berlin von Piscator 1928) sowie der Roman „Hausierer“ (1931), entbehren dagegen sowohl expressionistischer Attitüde wie auch politischer Belehrung.

Die ersten Hitlerjahre verbringt Jung unbehelligt und unter falschem Namen in Deutschland, emigriert aber 1936, nachdem er von der Reichsschrifttumskammer als „Autor unerwünschten Schrifttums“ gebrandmarkt wurde. Paris, Genf, Wien, Budapest sind die Stationen, wo er für eine internationale Organisation zur Bekämpfung nationalsozialistischen Wirtschaftseinflusses arbeitet. Von Italien reist er 1948 in die USA. New York und später San Francisco sind die Aufenthaltsorte. Der geplante Neueinstieg in die Literatur – nach fast 20 Jahren – ist nicht leicht im fremden Land; materielle und gesundheitliche Probleme kommen hinzu. Unter dem Eindruck des tragischen Schicksals seiner Tochter Dagny, die vermutlich von den Nazis bei der Evakuierung einer Wiener Klinik vergiftet wurde, reift der Gedanke an eine Autobiographie. Aber es ist ein langer und mühevoller Kampf, bis diese 1961 endlich in der Bundesrepublik erscheint.

Die letzten Jahre verbringt Jung in Europa, pendelt zwischen Italien, Frankreich, Österreich und der Bundesrepublik, immer noch beseelt von einer Menge literarischer Pläne: Blaise Cendrars, Oskar Panizza, die hl. Theresia von Avila, die Albigenser und andere religiöse Gruppierungen finden sein Interesse.

Am 21. Januar 1963 geht die Pilgerreise dieses um den Erdball Geschobenen in Stuttgart zu Ende. Der katholische Geistliche, der den Trauerfeierlichkeiten auf dem Neuen Friedhof vorstand, zitierte in seiner Grabrede Jungs Landsmann Max Herrmann-Neiße, der seinem Kollegen mit dem Roman „Cajetan Schaltermann“ ein literarisches Denkmal gesetzt hatte.

Werke (Auswahl): Das Trottelbuch (1912); Kameraden ...! Ein Roman (1913): Gnadenreiche, unsere Königin (1918); Reise in Rußland (1920); Der Fall Groß. Novellle (1921); Wie lange noch? – Die Kanaker. Zwei Schauspiele (1921); Am Schauspiel (1922); Der Weg nach unten (Autobiographie 1961). Die meisten Werke Jungs sind von der Edition Nautilus des Verlags L. Schulenburg, Hamburg, wieder aufgelegt worden.

Lit.: Imhof, A.: F. Jung, Leben, Werk, Wirkung. – Bonn: Bouvier 1974.

Arnold Imhof

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