Er war nur ein schlichter
Dorfpfarrer
ohne Rang
und Orden
und war erst
54 Jahre
alt, als ihn
die Kugel
eines ihm
ganz fremden
Polen traf,
weil er ein
Deutscher
war. Aber
doch ist es
gut und begründet,
an seinem
100.
Geburtstag,
am 24. Juni
1985, das
Gedächtnis
an ihn zu
erneuern.
Denn er war
ein
Besonderer,
der im
Dienst
seiner
evangelischen
Kirche und
der
deutschen
Volksgruppe
in Polen
vorbildlich
gewirkt hat.
Friedrich Just wurde als
Bauernsohn
in Neudorf
seiner kurz
vorher
verwitweten
Mutter als
einziges
Kind
geschenkt.
Sein
Heimatdorf
lag nahe dem
Städtchen
Schönlanke
im
Netzegebiet
und war seit
300 Jahren
ein
deutsches
Schulzendorf.
Wegen seiner
rein
deutschen
Bevölkerung
verblieb
1920 dieser
Teil der
Provinz
Posen beim
deutschen
Reich. Den
Schulbesuch
schloß der
begabte
Knabe 1905
mit dem
Abitur auf
dem
Gymnasium in
Züllichau ab
und
studierte
darauf in
Straßburg
und Halle
Theologie.
Nach
Abschluß
seiner
Ausbildung
unter den
Generalsuperintendenten
von Posen D.
Hesekiel und
D. Paul Blau
war Just
1910-12
Hilfsprediger
in
Weichseltal
bei Schulitz,
einer
schwierigen
Gemeinde
ohne Kirche
und
Pfarrhaus.
Schon hier
zeigte sich
die große
Gabe Justs,
Menschen der
verschiedensten
Art und
Stellung zur
Zusammenarbeit
in der
christlichen
Gemeinde zu
bringen und
die Jugend für
den Glauben
zu gewinnen.
Diese Gabe
hat Just
dann von
1912 bis zu
seinem Tode
in der
Gemeinde
Sienno bei
Bromberg
ganz
besonders
bewiesen.
Die
Kirchengemeinde
Sienno war
erst 1872
aus
mehreren,
sehr
verschiedenen
Teilen
entstanden
und hat dann
1895 eine
kleine
Kirche
mitten in
den Feldern
einweihen
können. 8
Dörfer und 7
Güter
gehörten zu
diesem
Kirchspiel,
in dem 2/3
der
Bevölkerung
polnische
Katholiken
waren; nur
ein
Ansiedlungsdorf
Friedingen
hatte rein
deutsche
Bevölkerung.
Daß aus den
weit
verstreuten
und sozial
sehr
unterschiedlichen
Menschen
dieser
Kirchengemeinde
eine
geschlossene,
fest
zusammenstehende
Gemeinschaft
wurde, deren
Zusammenhalt
auch noch
weit über
die
Vertreibung
hinaus
anhielt, war
Justs Arbeit
zu danken.
Die Beschäftigung
mit der
Geschichte
von Sienno
und anderen
Dörfern
dieses
Gebietes
leitete dann
die äußerst
fruchtbare
schriftstellerische
Arbeit des
jungen
Pfarrers
ein. Diese
Arbeit
erhielt
wachsende
Bedeutung,
als 1920 die
Gemeinde
Sienno mit
großen
Teilen der
Provinzen
Posen und
Westpreußen
dem neuen
polnischen
Staat
einverleibt
wurde. Als
die große
Abwanderung
aus den
abgetretenen
Gebieten ins
Reich
einsetzte,
hat Just in
dieser Krise
des
Deutschtums
in
Westpreußen
und Posen
durch Reden
und
Schreiben
die
seelische
Kraft zum
Aushalten in
der
veränderten
Welt des
neuen
polnischen
Staates
gestärkt.
Aus seiner
Gemeinde
fand daher
auch fast
keine
Abwanderung
statt.
Als deutscher Patriot hat
Just damals
auch im
deutschen
Volksrat
mitgewirkt,
der sich im
Bromberger
Land 1919
gebildet
hatte.
Nachdem ihm aber die
polnische
Staatsangehörigkeit
vom
Bromberger
Starosten
aberkannt
war, mußte
er aus
Verantwortung
für sein Amt
und seine
Gemeinde die
Ehrenämter
in den
Deutschtumsorganisationen
niederlegen
und durfte
sich von da
an nur noch
seinen
kirchlichen
und
schriftstellerischen
Arbeiten
widmen.
Just hatte die Gabe volkstümlicher
Rede und
Predigt und
eine leichte
Feder. Seine
fleißige
Hand schuf
mehr als 100
Bücher und
Aufsätze mit
den Themen
„Heimat-Kirche-Volk“.
Seine
Arbeiten zur
Heimatgeschichte
und
Kirchengeschichte
des Landes
an Weichsel,
Netze und
Warthe, die
auch auf
eigenen
Archivstudien
beruhten,
sind für die
Vertriebenen
aus diesem
Gebiet von
bleibendem
Wert. Seine
Gabe zur
praktischen
Theologie
beweisen
mehrere
Predigtbände,
wertvoll
besonders
für die
dorfkirchliche
Arbeit. Heimatkundliche Erzählungen
und einfache
Gedichte,
z.B. „Die
polnische
Nachtigall“,
füllten auch
mehrere
Bändchen.
Erwähnt
werden
müssen aber
auch die
interessanten
Reiseberichte
aus vielen
Ländern,
darunter
Spanien, dem
Orient,
Nord- und
Südamerika,
die zeigen,
wie weit
gespannt die
Interessen
von Just
waren, der
zuerst
gründlich
das Deutsche
Reich und
Polen
durchwandert
hatte und an
diesen
Reisen immer
seine
Gemeinde
teilhaben
ließ. Wenn
Just auch
bis zuletzt
seiner
Dorfgemeinde
treu blieb,
so hat er
doch der
evangelischen
Kirche auch
auf höherer
Ebene, z.B.
im
Gustav-Adolf-Werk
oder den
Synoden,
große
Dienste
geleistet.
In seinem Todesjahr hat er
der
Landessynode
der
linierten
Evangelischen
Kirche in
Polen die
von ihm
zusammen mit
Generalsuperintendent
D. Blau
verfaßte
„Evangelische
Haus- und
Lebensordnung“
zur Annahme
vorgelegt,
die als sein
Vermächtnis
angesehen
werden kann
und auch in
die
Gegenwart
hinein
wirken
sollte.
Als er diese Haus- und
Lebensordnung
bei Beginn
des 2.
Weltkrieges
in den Häusern
seiner
Gemeinde
verbreitete,
wurde er am
1. September
1939
hinterrücks
erschossen.
Sein Grab
bei der
Kirche in
Sienno ist
1945
zerstört
worden.
Seine
Gedanken
aber wirken
weiter unter
den
Vertriebenen
aus der
Heimat an
Netze und
Weichsel.
Quelle:
Pfarrer
Friedrich
Just –
Sienno.
„Ein Kämpfer
für Glaube
und Heimat
1885-1939“,
Lübeck 1976.
Dort weitere
Literatur.
Gerhard
Lippky