Maximilian
Kaller
entstammte
einer
kinderreichen,
in der
Gründerzeit
aufgestiegenen
Kaufmanns-
und
Fabrikantenfamilie.
1899 bestand
er am
Staatlichen
Gymnasium
seiner
Heimatstadt
das Abitur
und begann
in Breslau
ein
Theologiestudium,
das er
bereits am
20. Juni
1903 dank
einer
Altersdispens
des Heiligen
Stuhles mit
der
Priesterweihe
abschließen
konnte.
Nachdem
Kaller zwei
Jahre lang
Kaplan in
Groß
Strehlitz
gewesen war,
sandte ihn
der
Breslauer
Ordinarius,
der auch für
den
sogenannten
Delegaturbezirk
zuständig
war, als
Administrator
der
Missionsstation
Bergen auf
die Insel
Rügen.
Kaller nahm
die
Herausforderung
der Diaspora
- zu
den wenigen
einheimischen
Katholiken
kamen im
Sommer
einige
Badegäste
sowie
polnische
Saisonarbeiter
- mit
Eifer an.
Begabt mit
einem
außerordentlichen
Organisationstalent,
errichtete
er weitere
religiöse
Zentren in
Sellin und
Garz, führte
regelmäßigen
Religionsunterricht
an acht
Orten ein
und
erreichte
1908 die
Umwandlung
der
Missionsstation
Bergen in
eine
Pfarrei.
Im Jahre
1917 erhielt
er die
Pfarrei
Sankt
Michael in
Berlin-Kreuzberg
übertragen,
das ein
sozialer
Brennpunkt
mit einem
hohen Anteil
an Arbeits-
und
Obdachlosen
war. Kaller
bewies nun,
daß er auch
in der
Großstadtseelsorge
erfolgreich
zu wirken
vermochte,
und zwar
gleichermaßen
durch
Belebung der
Religiosität
wie durch
soziales
Engagement.
Am 6. Juli
1926
bestellte
ihn der
Heilige
Stuhl,
vermutlich
auf
Empfehlung
des Nuntius
Pacelli in
Berlin, zum
Apostolischen
Administrator
der
Apostolischen
Administratur
Tütz für die
nach dem
Ersten
Weltkrieg
beim
Deutschen
Reich
verbliebenen
Teile der
Bistümer
Gnesen-Posen
und Kulm in
der
Grenzmark
Posen-Westpreußen.
Wiederum
hatte es
Kaller mit
einer
Diasporasituation,
überdies mit
einer
national-
wie
kirchenpolitisch
schwierigen
Aufgabe zu
tun, die er
pastoral-sozial
zu meistern
suchte,
indem er
unter
anderem die
katholische
Tageszeitung
Grenzwart
unterstützte,
ein
Kirchenblatt
herausgab,
das
katholische
Vereinswesen
förderte,
sich um
Hauswirtschaftsschulen,
eine
Landvolkshochschule,
Caritasheime
und
Krankenhäuser
bemühte.
1927
erreichte er
die
Verlegung
des Sitzes
der
Administratur
nach
Schneidemühl.
Auch als die
Administratur
im Gefolge
des
Preußenkonkordats
1929 in eine
Freie
Prälatur
umgewandelt
wurde, blieb
Kaller
zunächst an
ihrer
Spitze, ehe
ihn die Wahl
zum Bischof
von Ermland
(23. Juli
1930) nach
Frauenburg
rief.
Der
Nichtermländer,
der wohl vom
Heiligen
Stuhl für
dieses Amt
favorisiert
worden war,
mußte in
seiner
Diözese
zunächst
Widerstände
bei Klerus
und Volk
abbauen. Wie
schon in
seinen
früheren
Wirkungskreisen
suchte
Kaller auch
im Ermland
durch eine
Vielzahl von
Aktivitäten
die
Religiosität
zu beleben.
So
visitierte
er die
Pfarrgemeinden,
warb für den
häufigen
Kommunionempfang,
führte das
Ewige Gebet
ein,
förderte
Volksmissionen
und den
Kirchenbau
in der
ostpreußischen
Diaspora.
Das Jahr
1932 bildete
einen
gewissen
Höhepunkt in
Kallers
Amtszeit,
als er das
Ermländische
Kirchenblatt
begründen,
das neue
Priesterseminar
in
Braunsberg
einweihen
und auf
einer
Diözesansynode
für die
”Katholische
Aktion”
werben
konnte.
Deren Ziel,
von Papst
Pius XI.
vorgegeben,
war die
Bereicherung
des
kirchlichen
Lebens durch
das
Laienapostolat,
das heißt
die aktive
Mitwirkung
der
Gläubigen an
der Sendung
der Kirche,
beispielsweise
in
zahlreichen
religiös-sozialen
Verbänden.
Ein weiteres
wichtiges
Anliegen war
dem Bischof
von Ermland
die
Aufrechterhaltung
der
Seelsorge
angesichts
zunehmender
Bevölkerungsmobilität.
Dafür prägte
er den
Begriff der
”Wandernden
Kirche”. Sie
bewährte
sich
besonders in
der
Landhelferseelsorge
während des
Dritten
Reiches.
Dem
Nationalsozialismus
begegnete
Kaller lange
Zeit mit
gutgläubiger
Naivität und
verhaltener
Loyalität.
Bis 1937
stand er in
freundschaftlicher
Beziehung zu
Erich Koch,
dem
Gauleiter
von
Ostpreußen.
Auch
erkannte er
nicht die
Gefahr, die
von
nationalsozialistisch
gesinnten
Professoren
wie Karl
Eschweiler
und Hans
Barion an
der
Staatlichen
Akademie in
Braunsberg
ausging.
Allerdings
behauptete
er trotz
zunehmender
Repressalien
seitens der
Staatsbehörden
in
pastoralen
Fragen
seinen
Standpunkt.
Immer wieder
verteidigte
er in
Hirtenbriefen
die
Katholische
Aktion und
setzte sich,
wo möglich,
für seine
polnischsprachigen
Diözesanen
ein; 1938
konnte er
ein neues
Gebet- und
Gesangbuch,
1939 ein
neues
Rituale im
Geist der
Liturgischen
Bewegung
herausgeben.
Daß er den
persönlichen
Einsatz
nicht
scheute,
bewies
Kaller auch,
als er sich
in einem
Schreiben an
Nuntius
Orsenigo in
Berlin vom
27. Februar
1942 bereit
erklärte,
die
Seelsorge im
Konzentrationslager
Theresienstadt
zu
übernehmen,
was der
Nuntius
jedoch
ablehnte.
Bereits 1939
war der
ermländische
Ordinarius
zusätzlich
zum
Apostolischen
Administrator
der Freien
Prälatur
Memel
ernannt
worden.
Beim
Einmarsch
der Roten
Armee in
Ostpreußen
zwang die SS
Kaller am 7.
Februar
1945,
Frauenburg
zu
verlassen.
Über Danzig
gelangte er
nach Halle
an der
Saale, von
wo aus er
sich noch im
Sommer 1945
auf den Weg
zurück ins
Ermland
machte.
Nachdem ihn
jedoch der
polnische
Kardinal
Hlond zur
Resignation
auf sein
Bischofsamt
gezwungen
hatte,
verließ
Kaller
seinen
ehemaligen
Wirkungskreis.
Vorübergehend
lebte er in
Wiedenbrück/Westfalen,
bevor er in
äußerst
beschränkten
räumlichen
Verhältnissen
in Frankfurt
am Main eine
Zentralstelle
einrichten
konnte, von
wo aus er
daran ging,
seine bei
Kriegsende
verstreuten
Diözesanen
zu sammeln.
Am 29. Juni
1946 berief
ihn Papst
Pius XII.
zum
Päpstlichen
Sonderbeauftragten
für die
heimatvertriebenen
Deutschen.
Als
”Vertriebenenbischof”
rastlos im
Einsatz,
wuchs der
Oberhirte in
jener Zeit
besonders
eng mit der
ihm
anvertrauten
Herde
zusammen.
Seine
Tätigkeit
war jedoch
nicht frei
von
übereifrigen,
illusionären
Aktionen,
wie
beispielsweise
seine Pläne,
die
vertriebenen
Ermländer in
Südamerika
anzusiedeln
oder die
bischöfliche
Jurisdiktion
im russisch
besetzten
Teil
Ostpreußens
zu erlangen.
Kallers
aufreibender
persönlicher
Einsatz
führte zu
seinem
plötzlichen
Tod durch
Herzschlag.
Seine letzte
Ruhestätte
fand er in
Königstein/Taunus.
Das Motto
seines
Bischofswappens
”Die Liebe
Christi
treibt mich”
charakterisiert
Kallers
Wesen und
Wirken
treffend. In
seinem
pastoralen
Eifer verlor
er
allerdings
des öfteren
den Blick
für das
praktisch
Durchführbare
und war auch
blind für
politische
Realitäten.
Dennoch
erwarb er
sich, vor
allem in den
Nachkriegsjahren,
das
Vertrauen
und die
Verehrung
vieler
Gläubigen,
so daß sein
Tod als
schmerzlicher
Verlust
empfunden
wurde, und
Kaller im
Andenken
einiger
Ermländer
sogar die
Züge eines
Heiligen
trägt.
Lit.:
E. Laws:
Wanderer
zwischen
drei Zonen.
Bischof
Maximilian
Kallers
Leben vom 7.
Februar 1945
bis zum 12.
August 1946
im Spiegel
seiner
Briefe, in:
Ermländischer
Hauskalender
90 (1957),
S. 6-33. -
Ders.
(Hrsg.): Ein
schriftliches
Ehrenmal für
Bischof
Maximilian.
Nachgelassene
biographische
Fragmente
von Otto
Miller, in:
Ermländischer
Hauskalender
92 (1959),
S. 64-96. -
A. Triller:
In den
Schuhen
sterben.
Bischof
Maximilian
Kaller, in:
Große Ost-
und
Westpreußen,
hrsg. v. W.
Schlusnus,
München
1959, S.
231-234.
-
E. M.
Wermter
(Hrsg.):
Zehn Jahre
Katholische
Aktion im
Bistum
Ermland
1929-1939.
Ein Bericht
aus dem
Jahre 1939
von Gerhard
Fittkau, in:
Zeitschrift
für die
Geschichte
und
Altertumskunde
Ermlands 33
(1969), S.
219-306.
- G.
Reifferscheid:
Das Bistum
Ermland und
das Dritte
Reich, Köln,
Wien 1975. -
H.
Preuschoff:
Bischof
Kaller, die
Braunsberger
Akademie und
der
Nationalsozialismus.
Zu den
Aufzeichnungen
von Walter
Adolph, in:
Zeitschrift
für die
Geschichte
und
Altertumskunde
Ermlands 40
(1980), S.
105-133.
- G.
Fittkau:
Art. Kaller,
Maximilian,
in: Die
Bischöfe der
deutschsprachigen
Länder
1785/1803
bis 1945.
Ein
biographisches
Lexikon,
hrsg. v. E.
Gatz, Berlin
1983, S.
357-361. -
B.
Wolf-Dahm:
Art. Kaller,
Maximilian,
in:
Biographisch-Bibliographisches
Kirchenlexikon,
Bd. 3,
Herzberg
1992, Sp.
974-978 (mit
Bibliographie).
-
B. Poschmann:
Maximilian
Kaller
(1880-1947),
in:
Zeitgeschichte
in
Lebensbildern,
Bd. 7, hrsg.
v. J. Aretz,
R. Morsey u.
A. Rauscher,
Mainz 1994,
S. 49-62.
Bild:
aus:
Zeitgeschichte
in
Lebensbildern,
a.a.O.
Barbara
Wolf-Dahm