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Die
Geschichte des Buchhandels und das geistige Leben der Stadt Königsberg
in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts sind entscheidend von der
Persönlichkeit Johann Jacob Kanters mitgeprägt worden.
In
seiner Geburtsstadt Königsberg führte der Vater, Philipp Christoph
Kanter, als Buchbinder, Schriftgießer und Buchdrucker einen eigenen
Betrieb. Während die drei älteren Söhne jeweils einen dieser
Unternehmenszweige übernahmen, erlernte der jüngste, Johann Jacob
Kanter, nach dem Willen des Vaters den Buchhandel bei der Firma Wendler
in Leipzig.
1760
kehrte er nach Königsberg zurück und machte sich im väterlichen Hause in
der Altstädtischen Langgasse selbständig. Um den Buchhandel betreiben zu
können, war ein Privileg erforderlich, das ihm zunächst die russischen
Besatzungsmächte erteilten. Nachdem Ostpreußen an Friedrich den Großen
zurückgefallen war, bestätigte der König das Privileg im Jahre 1763.
Darüber hinaus erhielt Kanter die Erlaubnis zur Herausgabe der
Publikation „Königsbergsche Gelehrte und Politische Zeitungen“. Nach der
Zerstörung Königsbergs durch den großen Brand im Jahre 1764 mietete
Kanter das Löbenichtsche Rathaus. Er ließ Porträts und Büsten von
zeitgenössischen preußischen Gelehrten anfertigen, die die Räume
schmückten. Das berühmte Beckersche Kantbild zählte u. a. zu diesen
Kunstwerken. Da Kanter selbst vielseitig interessiert war und sein
Sortimentslager großzügig auch Nichtkäufern als Novitätenbibliothek zur
Verfügung stellte, wurde das Geschäft zu einem Treffpunkt der gebildeten
Welt Königsbergs. Große Gelehrte wie Kant, Herder, Hamann, Scheffner und
der Historiker Baczko wurden von Kanter unterstützt und zählten zu
seinen persönlichen Freunden. Sie veröffentlichten zahlreiche Beiträge
in den „Königsbergsche(n) Gelehrte(n) und Politische(n) Zeitungen“.
Herder, der zunächst eine Buchhandelslehre bei Kanter absolvieren
wollte, diese dann jedoch vorzeitig beendete, schrieb für die Zeitung
seine ersten Rezensionen. Auch Johann Friedrich Hartknoch, der sich
später als Verleger Kants, Herders und Hamanns einen Namen machte, wurde
von Kanter entdeckt und ausgebildet.
Friedrich der Große schätzte den unternehmerischen Geist Kanters sehr
und unterstützte ihn mehrfach bei seinen Geschäften. Kanter war
permanent auf die Ausdehnung seines Unternehmens bedacht. Er errichtete
zahlreiche Filialen, die Hofbuchdruckerei in Marienwerder sowie eine
Schriftgießerei und Papiermühle in Trutenau. Gleichzeitig bekleidete er
das Amt des königlichen Lotteriedirektors.
Die
Papiermühle in Trutenau war vorbildlich für die preußischen
Papiermacher. Kanter übernahm fortschrittliche Produktionsverfahren aus
England und Holland, indem er ausländische Arbeiter beschäftigte und
englische Maschinen mit Erlaubnis des Königs zollfrei importierte.
Weegen erheblicher Investitionen geriet er jedoch zunehmend in
finanzielle Schwierigkeiten, die zudem mit einer finanziellen Krise
seiner Buchhandlung in Königsberg zusammenfiel. Kanter war gezwungen,
sein Unternehmen zu verkleinern und veräußerte 1781 die Buchhandlung.
Das Buchgeschäft im Löbenichtschen Rathaus war bis 1866 Sitz seiner
Nachfolger, zuletzt der Firma Gräfe und Unzer.
Nach
dem Tode Johann Jacob Kanters mußte seine Familie den Konkurs anmelden.
Seine Söhne übernahmen die Hofbuchdruckerei in Marienwerder, die bis
1923 im Besitz der Familie blieb.
Lit.: Dreher, C.R.,
Buchhandel und Buchhändler in Königsberg im 18. Jahrhundert. Archiv f.
Geschichte des deutschen Buchhandels 18, 1896, S. 180ff. Forstreuter,
K., Gräfe und Unzer, Zwei Jahrhunderte Königsberger Buchhandel, Verlag
Gräfe und Unzer, Königsberg (Pr.) 1932, S. 37ff. Gause, F., Die
Geschichte der Stadt Königsberg in Preußen, Bd. 2, Böhlau Verlag, Köln
Graz 1968, S. 233ff. Gause, F., Königsberg in Preußen, Verlag Gräfe und
Unzer, München 1968. Hagen, A., in d. N. Pr. Pr. Bl. 9, 1850, S. 222.
Ulrike Klapper
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